Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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12 GfficieUe AusstrUungs -Uachrichte«.
währte Firmen, welche sich schon in früheren Ausstellungen einen
Namen erworben haben, bürgen uns dafür, daß die Abtheilung für
Elektrotechnik einen der interessantesten Punkte ans der ganzen Aus
stellung bilden luirb.
Zum Schluß sei noch auf die im engen Zusammenhange mit
dieser Abtheilung stehende Anlage von Probestrecken elektrischer Bahn
anlagen (Untergrundbahn, Slnfenbahn und Rund-Niveaubahn) hin
gewiesen, welche geeignet sein werde», bei den betheiligten Behörden
die letzten Bedenken gegen die allgemeine Einführung dieser Verkehrs
mittel zn beseitigen. G. Jacob.
Gin Stündchen bei der Plntz-Inspeclion.
Von Emil Matz.
(Abdruck untersagt.^
Tie jetzt im Verwaltungsgebäude parterre untergebrachte
Platz-Jnspection der Gewerbe-Ausstellung hat die Oberleitung des
ganzen äußeren Aufsichtsdienstes, sie stellt alle Anfsichtsbcamten
der Ansstellnng an, deren Instruction ihr selbstverständlich eben
falls obliegt, sie überwacht ferner alle Zufuhren (gegenwärtig ca.
800 pro Tag) und weist die Kutscher zurecht, endlich auch iiber-
wacht sic alle Vorkehrungen gegen Feuersgefahr und ist verant
wortlich für die persönliche Sicherheit der Beamten, des Personals
der Aussteller und deren Angestellten, sowie der Besucher. Der
Dienst ist deshalb sehr angestrengt und der Verkehr in den Ge
schäftsräumen ist ein äußerst lebhafter. Die Oberleitung liegt in
den Händen des Platz-Jnspectors Herrn Corvettencapitain Heyn.
Im Bureau befindet sich die Centrale für den Telephon-
Verkehr innerhalb der gcsammtcn Ausstellung mit zusammen
35 Stationen. Die Firma Mix & Genest hat die Einrichtung
des ganzen Telephon-Verkehrs innerhalb der Ausstellung ein
gerichtet.
Zunächst sind angeschlossen: der Arbeitsausschuß, die Haupt-
kasse, Betriebs-Jnspectivn, Bnchhalterei, Bnreanchef, Stenographie,
Expedition, Bau-Bureau, Propaganda-Burean, Nordpark, Fener-
wache, die Portale und sämmtliche Kassen. — Im gegenüber
liegenden Flügel befindet sich ein weiterer Fernsprech-Apparat,
ein sogenannter Linienwühler für den Arbeitsausschuß für directe
Leitung, d. h. der Apparat braucht nicht umgeschaltet zu werden,
wenn mit einer der 35 Stationen gesprochen werden soll. Auch
mit der Stadt ist telephonische Verbindung vorhanden.
Vor Allen» hat die Platz-Jnspection einen bedeutenden schrift
lichen Verkehr, weil sie alle Zutritts- und Arbeitskarten aus
zustellen hat, auch gehen Anfragen so mannichfacher Art ein, daß
zu deren Erledigung die Arbeitszeit von 8 bis 8 Uhr kaum aus
reichend ist, obwohl die Beamten mitunter kaum Zeit finde», chr
Mittag- oder Abendbrod einzunehmen.
Besonders um die Mittagszeit komme» und gehen viele Be
sucher, die abgefertigt werden wollen. Naht dann der günstige
Augenblick, so erfolgt im Fluge die Vorstellung. Man trügt seine
Wünsche vor und hat kaum begonnen, da klingelt es am Fern
sprecher:
„Entschuldigen Sie einen Moment!"
„Bitte, bitte". —
„.hier Platz-Jnspection, wer dort?"
„Gemeinde-Vorsteher X. in g). will morgen um 11 Uhr mit
30 Gemeinderathsmitgliedern die Ausstellung sehen und fragt an,
ob die Platz-Jnspection vielleicht einen Führer stellen würde."
„Gern, also um 11 Uhr, Schluß!"
Da tritt schon wieder ein Officier der Berufsfeuerwehr in
das Bureau und meldet ein paar Züge Mannschaft für den nächsten
Morgen an, die zum Zwecke der Orientirung und Instruction fast
jeden Vormittag theils zu Fuß, theils zu Wagen eintreffen.
Noch ist die Unterhaltung im Zuge, da erscheint ein Tele-
graphenbotc mit einem Telegramm.
Dieses wird sofort erbrochen und enthält die Mittheilung:
„Se. Durchlaucht Prinz N. nebst Gemahlin und Be
gleitung wünscht morgen Vormittag y 2 10 Uhr die Aus
stellung zu besichtigen und ersucht um Führung."
Rückantwort erfolgt je nachdem, entweder schriftlich oder tele
graphisch, natürlich zustimmend.
Erneutes Klingeln am Telephon.
Anfrage: „Wissen Sie vielleicht zufällig, ob Herr Graf
von S. in der Ausstellung anwesend ist?"
„Bitte einen Augenblick!"
Umfrage bei den Beamten und telephonisch am Hanptportal.
Antwort: „Graf von S. noch nicht hier anwesend, vielleicht
in der Colonial-Ausstellnng oder in Kairo."
Anfrage: „Hätten Tic die Güte ihm zn sagen — — —?"
Antwort: „Sehr gern. Schluß."
Die Unterhaltung wird für kurze Zeit wieder anfgenvminen.
Ein Bote eines Gruppenvorstandes erscheint in der Thüre
mit der Meldung, daß derselbe um Mittag herkommen woll', und
bittet, ihn im Bureau zu erwarten.
Der Bote tvird von einem Ingenieur abgelöst, der Karten
für 10 bis 12 Monteure verlangt, die eine Maschine aufstelle»
sollen.
Wird notirt.
Inzwischen kommt ein Veteran, die Brusl geziert mit Kriegs
decorativncn und Ehrenzeichen, er bleibt schüchtern an der Thüre
stehen.
„Was wünschen Sie?"
„Ich wollte nur fragen, ob noch eine Stellung als Portier
oder Aufseher in der Ausstellung frei ist."
Da dies der Fall ist, wird er bedeutet, schriftlich einzukommen,
und entfernt sich hoffnungsvoll.
Dann kommen Frauen und Mädchen mit der gar nicht
hicrherpassenden Frage, ob sie nicht Anstellung in der Gewerbe
Ansstellung erhalten können. Eine Arbeitersfrau, die zum ersten
Male de» Park betritt, um ihrem Mann das Mittagessen zn
bringen, kann am Portal nicht erfahren, wo er eigentlich arbeitet,
sie geht zur Platz-Jnspcetion in der Meinung, hier die rechte
Auskunftsstelle zu finden.
Vereine, Corporationen und Gesellschaften begehren schriftlich
oder durch Depntirte Einlaßkarten und möchten womöglich auch
geführt werden. Damen, denen in der Ausstellung der Gatte
oder Bräutigam abhanden gekommen ist, reclamiren ihn bei der Platz
Jnspection. Kurz, diese wird so recht als „Mädchen für Alles"
betrachtet, und die Geduld und Gelassenheit der hier amtirenden
Herren ist eine beneidenswerthe. Es gehört eine hingebende Rat >r
dazu, um in so anstrengendem und ermüdendem Dienste bei gutem
Humor zu bleiben
Hoffnungen.
Von Alfred H o l z b o ck.
(Abdruck untersagt^
„200 Statisten und Statistinnen werden für das Theater Alt-
Berlin gesucht. Meldungen werden Mittelstraße 23 im Bureau
des Theaters angenommen"; so ungefähr lautete ein Placat, das
vor einigen Tagen an den Anschlagsäulen erschien.
Vor dem Hause Mittelstraße 23 drängte sich eine breite Masse,
die von Minute zu Minute anwuchs. Der Verkehr in der Straße
stockte, Schutzleute mußten den Fahrdamm freihalten und das von
der Menge förmlich umlagerte Gebäude vor einem Ansturm schützen.
Ein trauriges Stück Elend, ein frohes Stück Hoffnung verkörperten
sich in diesem Massenschauspiel. Die Aussicht auf einen kleinen
Erwerb hatte all' die Hunderte angelockt. Die Thatsache, daß die
Arbeitslosigkeit stärker ist als die Arbeitsscheu, fand hier wieder
einmal ihre Bestätigung, denn das Statistiren in Alt-Berlin, das
Herumziehen im Freien in Wind und Sonne, ist ein hartes Stück
Arbeit. Von 3 Uhr Mittags an bis in die späten Abendstunden
müssen die Statisten auf ihrem Platze sein, sie bilden nicht nur das Volk
im Theater, sondern auch die lebendige Staffage von Alt-Berlin, die
Ritter und Edelfranen, die Bürger und Soldaten, welche in bunten
Trachten mit anscheinender Lustigkeit die Straßen von Alt - Berlin
durchziehen werden. Bei den Festzügen, deren Theilnehmer sie
bilden, werden sie fröhliche Gesichter aufsetzen, mit Grandezza die
Huldigungen des Volkes entgegennehmen oder als Volk selbst de»
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