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Periodical volume Nr. 103, 29. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
Käse, englische Sellerie, Früchte. Nach dem Diner versammelten 
sich die meisten der Theilnehmer auf der festlich erleuchteten 
Veranda des Restaurants, um daselbst die grosse Illumination in 
Augenschein zu nehmen, und weilten daselbst bis spät am Abend 
im gemüthlichen Zusammensein. 
9 
Erneuerung der Ausstellungs-Gegenstände Die 
Aussteller der Gruppe II (Bekleidungs-Industrie) sind in ihren 
Ateliers, Fabriken und Geschäften mit den Vorbereitungen für den 
umfassenden, am 17. August vorzunehmenden Wechsel ihrer Aus 
stellungs-Objecte , soweit diese der Mode unterworfen sind, 
eifrig beschäftigt. Sie wollen mit den neuen Ausstellungs 
Objecten auch wiederum ein ganz neues und interessantes 
Bild ihrer Ausstellung geben. Von den über 500 Aus 
stellern der Gruppe werden weit über die Hälfte ihre 
Objecte am 17. August wechseln, vor allem die Aussteller der 
Dameneonfection, Herren- und Kinderconfeclion, dann die Aus 
steller von Hüten, Blumen, Handschuhen, Cravatten, Passementerieen 
und Putzwaaren. Die grossen Firmen, die im Mittelgang des 
Hauptgebäudes ihre Ausstellung haben, wie Rudolph Hertzog, 
Herrmann Gerson, Heinrich Jordan werden das Arrangement 
ihrer Ausstellung von Grund aus verändern und sie 
wiederum hervorragend grossartig gestalten. In den Kreisen der 
Modisten und Modistinnen, sowie sonstiger Interessenten hier und 
namentlich in der Provinz herrscht für den Wechsel der Ausstellungs 
objecte grosses Interesse. Es ist aus diesen Kreisen ein grosser 
Zufluss von Ausstellungsbesuchem zu erwarten, die Gelegenheit 
nehmen werden, die allerneuesten Moden in ihrem Genre auf der 
Ausstellung zu studiren. 
V 
Unter den Preisermässigungen für den heutigen 
25 Pfennig-Tag, die uns officiell mitgetheilt wurden, ist irrthüm- 
licherweise auch die Thurmbahn mit angeführt. Die Direction der 
Thurmbahn vermag eine Preissermässigung nicht eintreten zu 
lassen, da sie schon jetzt bei dem Fahrpreis von fünfzig 
Pfennigen dem Andrang des Publikums nicht zu genügen 
vermag. Bei jeder Auffahrt ist der Tragkorb gefüllt und Hunderte 
müssen warten, bis auch an sie die Reihe kommt. Bei dem Ge 
dränge ereignen sich mitunter unliebsame Scenen. Um solche zu 
vermeiden und einer Ueberfüllung des Tragkorbes vorzubeugen, 
muss es auch heute bei dem üblichen Fahrpreis von 50 Pfennigen 
bleiben. 
9 
Die gestrige Fest-Illumination verlief in gewohnter 
Weise. Das zahlreich erschienene Publikum, das in dichten Schaaren 
die Ufer des Sees, sowie alle Wandelgänge besetzt hielt, fand an 
dem farbenprächtigen Schauspiel wieder grossen Gefallen, und 
sprachen sich namentlich die zahlreich anwesenden Fremden, 
darunter alle deutschen Eisenbahndirectoren, höchst anerkennend 
über das Gebotene aus. Von ganz besonders effectvoller Wirkung 
war die von der Firma Hoppenworth neu geschaffene Mittelgruppe 
der Illumination auf den beiden Rondels am Neuen See. 
9 
Dis Marine-Schauspiele werden heute ihr kleines 
und grosses Publikum durch, allerlei Scherze, ausgeführt von 
den Matrosen des Instituts ergötzen. Um was es sich, hier 
bei handelt, darf nicht verrathen werden, da alles auf Ueber- 
raschungen hinausläuft. — Um auch dem Sonntagspublikum 
Gelegenheit zu gehen, die unvergleichlichen Künste der 
römischen Feuerwerker der Girandola zu bewundern, bereiten 
letztere für den kommenden Sonntag ein allerliebstes pyro 
technisches Schauspiel vor. 
9 
Auch die Stufenbahn hat sich nun denjenigen Sonder 
ausstellungen angereiht, die ihre Besucher von Zeit zu Zeit mit 
einer Illumination erfreuen. Mit etwa 2000 farbigen Glüh 
lämpchen in doppelter Reihe eingefasst, die sich mit der permanent 
dahin rollenden Rahn fortbewegen, gewährte diese am gestrigen 
(Dienstag) Abend, wo die prächtige Beleuchtung zum ersten Mal 
stattfand, einen überaus reizvollen Anblick. Die Benutzung der 
Bahn, welche sich überhaupt grosser Sympathie heim Publikum 
erfreut, war denn auch ausserordentlich rege und soll die Illumination 
für die Folge zweimal wöchentlich stattfinden. 
Eduard Strauss mit seiner Wiener Kapelle eröffnet die 
Reihe seiner Concerte im »Nassen Viereck« am 17. August. 
9 
Vom Biesenfesselballon. Die Direction dieses hoch 
interessanten Unternehmens hatte von Anbeginn der Ausstellung 
an mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen, welche sie in dem 
regelrechten Betriebe störten und die ohnehin horrenden Kosten 
dieser Sonder-Ausstellung wesentlich erhöhten. Nun sind diese 
Störungen alle glücklich beseitigt, die Auffahrten gehen in 
präcisester Weise und mit einer Sicherheit vor sieh, die jede Ge 
fahr absolut ausschliesst, und ist in Folge dessen auch die Theil 
nahme der Ausstellungsbesucher an diesen Fahrten eine sehr 
rege. , Am verflossenen Sonntag stiegen fast 1000 Personen, 
eine verhältnissmässig sehr grosse Zahl, auf und auch die nach 
folgenden Wochentage erwiesen sich dem Unternehmen höchst 
günstig. Allein wir möchten im Interesse des Publikums sowohl 
wie des Unternehmens auf einen Umstand hinweisen, der den 
Betrieb wesentlich stört, nämlich den, dass gerade die schönen 
Morgen- und Frühnachmittagsstunden so wenig für die Auffahrten 
benutzt werden, während sich die meisten Interessenten in der 
Zeit von 6—8 Uhr Abends einfinden und auf diese Weise oft 
acht bis zehn Parteien ans einander warten müssen. Und doch 
gewähren gerade die Frühstunden den Ballonreisenden die 
herrlichste Fernsicht nicht nur auf die Ausstellung, sondern auf 
viele Meilen in der Runde — ein Genuss, der allen unvergesslich 
bleiben wird, die desselben einmal theilhaftig wurden. Allerdings 
hat auch die Abendauffahrt ihre eigenen Reize, noch grössere aber 
die Fahrten nach vollständigem Eintritt der Dunkelheit, wo der 
erleuchtete Treptower Park, nämlich an Illaminatioiisabenden, einen 
unbeschreiblich schönen Anblick gewährt. Wir sahen uns die 
jüngste Illumination von Alt-Berlin, sowie die Beleuchtung der 
Stufenhahn mittels Ballonaulstiegs an und erinnern uns nicht, je 
mals ein so reizvolles Schauspiel gesehen zu haben. Gleich einem 
leuchtenden, farbenschimmernden Zaubermärchen lag der Park 
zu Füssen der Ballon-Insassen, die ausnahmslos ihrem Entzücken 
über das herrliche Bild Ausdruck gaben, in das die gleich einer 
feurigen Riesenschlange dahinrollende Stufenhahn Leben und Be 
wegung brachte. Die Auffahrten selbst, die nach Bedarf bis gegen 
Mitternacht stattfinden, gehen so absolut ruhig vor sich, dass man 
nicht einen Augenblick das Gefühl verliert, auf festem Boden zu 
stehen, und mit Vergnügen bemerkten wir, dass sogar die mit 
fahrenden Kinder picht das mindeste Unbehagen oder gar Angst 
gefühl verspürten. Alles in allem ist diese Ballonfahrt ein Genuss, 
der zu den unvergesslichsten Erinnerungen an die Ausstellung 
zählen dürfte. 
s 
Das Temperenzlerhaus in Alt-Berlin birgt in seinem 
Innern eine ganz originelle Bildersammlung, die ein Privatmann 
ausgestellt hat. Sie umfasst Aquarelle, getuschte Bleistiftzeichnungen, 
schwarze und farbige Kupferstiche, Sepiazeichnungen, Lithographieen 
und Holzschnitte, die meistens Strassen-, Wirthshaus- und Familien- 
scenen aus Berlins Vergangenheit zum Vorwurf haben. Da ist der 
»Guckkastenmann mit seiner leierspielenden Gattin«, vor dessen Kasten 
zahlreiche Kinder und neugierige Erw achsene stehen, die »Grisetten, 
hochgeschürzt in Krinolinen«, die »Obsthökerin«, eine »Familie 
aus dem Volke beim Kaffee«, mehrere Einquartirungsscenen des 
»Stralauer Fischzug«, ein »Winterfest Berliner Künstler im 
Jahre 1878«, ein »Künstlenvaldfest«, »Auf dem Eise«, »Stutzer 
und Schusterjunge«, eine Frau, die ihren Mann mit der Laterne 
im Rinnsteine sucht, ein Volksfest in der Hasenhaide und ver 
schiedenes Andere, ferner alte Abbildungen des Domes, verschiedene 
Strassen und Plätze, Stralau, Spreelandschaften etc. alles Bilder, 
welche der Berliner gern ansieht. Allerliebst sind auch die farbigen 
Bilder eines alten A B C-Buches. Ausserdem aber findet man 
auch Kupferstiche nach Wouvermen, Rysdal, Tenier und alte 
Portraits. Das Temperenzhaus liegt in der Nähe der Bembraudl- 
mühle. 
9 
Treptower Wetterregeln. Die geistvollen Ausfüh 
rungen des Herrn Professor van Bebber in seinem im Chemie 
gebäude gehaltenen Vortrage : „Wettervorhersage“, in denen 
er die wissenschaftliche, meteorologische Methode, das Wetter 
zu prophezeien, klarlegte, haben die weiteste Beachtung ge-
	        
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