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Volume Nr. 10, 4. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

© ffictelle AussteUrntgs-Aachrichten. 
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Fischereigebünde erhebt sich der von den Herrn Hitler und Dresse! 
erbaute, sehr geschmackvolle Pavillon, von dem ans die Kapelle 
des Seebataillons ihre Weisen erschallen lassen wird. 
Bon hier fällt der Blick aus die in der Spree verankerte 
Fischerflottille, auf die anlegenden Dampfer und Motorboote mit 
ihrer buntbewegten, schaulustigen Mcnschenfracht. So ist denn 
an,zunehmen, daß die Kosthalle und ihre Umgebung ein bevor 
zugter Aufenthalt für eine» großen Theil der Äusstcllungsbcsncher 
werden dürfte. Jedenfalls hoffen wir, daß die nnrigeunühigeu 
Bestrebungen des Seefischerei-Vereins den geivüuschten Erfolg 
haben werden im Interesse des ganzen Volkes. C. v. E 
Die Elektrotechnik in der Ansstell»ng. 
lAbdrurk untersagt.t 
Wer Mitte dieses Jahrhunderts den kühnen Gedanken aus 
gesprochen hätte, die elektrische Kraft ivürde einmal alle anderen 
dem menschlichen Schaffenstriebe nutzbar gemachten Naturgewalten 
in ihrer Verbreitung hemmen und sich selbst an die Spitze stellen, 
der wäre ohne Weiteres verlacht worden. Und doch haben wir in 
den letzten Jahrzehnten Wunder erlebt, welche durch Verwendung 
der geheimnißvollen elektrischen Ströme hervorgebracht wurden. 
Im Anfang gewissermaßen nur als Spielerei dienend, ent 
wickelte sich die Verwendung der Elekiricitäl in allen möglichen 
gewerblichen und praktischen Betrieben in unserer Zeit auf ungeahnte 
Weise, so daß sich bald ein besonderer Wissenschaftszweig bildete, 
welcher lediglich die Erforschung der neuen Naturkraft und deren 
Brauchbarkeit für Industrie und Handwerk sich zur Aufgabe stellte. 
Immer mehr wurden die anfangs sehr primitiven Apparate ver 
bessert, so daß die deutsche Elektrotechnik sich rühmen kann, mit 
das Hervorragendste unter allen Ländern der Erde zu leisten. Auf 
allen beschickten Ansstellungen — ich erwähne nur die Pariser, 
Ehicagoer und Antwerpeuer Welt-Ausstellung — erntete diese Ab 
theilung allgemeinen Beifall. Die großartigsten Erfolge hat bis 
jetzt jedoch die 1891 zu Frankfurt a. M. abgehaltene „Elektro 
technische Ausstellung" aufzuweisen. Hier kamen die ungeheuren 
Fortschritte, welche die Verwendung der Elektricität im Stillen ge 
macht hatte, recht zur Geltung, und man kann wohl sagen, diese 
Ausstellung ist für die Elektrotechnik erst bahnbrechend gewesen. 
Auf der diesjährigen Gewerbe-Ausstellung ist nun der Elektro 
technik eine besondere Abtheilung zugewiesen worden. Alle Maschinen 
und Einrichtungen, welche uns theils die Arbeit erleichtern helfen, 
theils für die Behaglichkeit und Bequemlichkeit unserer Wohnräume 
sorgen, werden wir hier mit den neuesten Verbesserungen vor uns 
sehen. Um uns über die Verwendbarkeit der einzelnen Ausstellungs 
objecte selbst genauer informiren zu können, wollen wir uns die ver 
schiedenen Apparate und die ihnen zu Grunde liegenden Principien 
näher betrachten. 
In erster Linie kommen hier die elektrischen Kraftmaschinen in 
Betracht, auf welche ich bereits in einem früheren Aufsatze (cfr. 
Nr. 3 dieses Blattes: Die Ausstellung und das Kleingewerbe) 
kurz hingewiesen habe. Diese zertheilen sich wiederum in die 
zur Erzeugung des elektrischen Arbeitsstromes dienenden Dynamo 
maschinen und die durch den Strom in Bewegung gebrachten 
Motoren. Die Ersteren beruhen auf dein Gesetz der Jnductions- 
ströme, indem durch die Rotation einer mit Kupferdraht besponnenen 
und vom elektrischen Strom durchflossenen Trommel vor den 
Polen eines Elektromagneten durch die Induktion (Beeinflussung) 
in den Drahtwindungen des Elektromagneten starke elektrische 
Ströme erzeugt werden. Durch weitgehende Verbesserungen, ins 
besondere durch Eiuführnug des sogenannten Dreiphaseusystems, 
bei welchem der Strom gewissermaßen in drei verschiedenen Ab 
theilungen der Maschine erzeugt wird, hat man die großartigste 
Ausnutzung der Dynamos erreicht, so daß jetzt schon Stromstärken 
erzeugt werden können, welche eine Kraftentwickelnng von 10 000 
Pferdekräften hervorzubringen im Stande sind. Zum Betriebe der 
Dynamos können sowohl Dampf wie Gas, als auch Wind und 
die Kraft des strömenden Wassers benutzt werden. Durch die 
Verwendung der Wasserkraft — wie sie au den Niagarafällen in 
Amerika und beim Rheinfall von Schaffhausen zu finden ist — 
fallen die Betriebskosten für Dampfmaschinen ec. vollkommen fort, so 
daß eine enorm billige Erzeugung des elektrischen Stromes erzielt wird. 
Die zweite Art der elektrischen Kraftmaschinen, die Motoren, 
werden durch den elektrische» Strom in Bewegung gesetzt und 
dienen zum directeu Betriebe gewerblicher Arbeitsmaschinen. Sie 
beruhen ans dem umgekehrten Princip der Dynamomaschinen, indem 
die in den Elektromagneten geleiteten starken elektrischen Ströme 
eine Rotation der vor den Magnetpolen liegenden, mit Kupferdrahi 
windnngon versehenen Trommel herbeiführen und mittels Riemen 
Übertragung die Arbeitsmaschinen in Bewegung setzen. Ta diese 
Motoren in denselben, ja noch größeren Stärken erbaut werden 
als die Dampfmaschinen, andererseits aber auch für l / 24 Pferde 
kraft eingerichtet iverden können, außerdem keine besonders starke 
Fnndamentirnng beanspruchen, so erscheint ihnen die weitgehendste 
Verbreitung gesichert. Unmittelbar hinter den Kraftmaschinen müssen 
die Transformatoren tSirouttttuwandler) erivähnt werde». Man 
: unterscheidet nämlich zwei Arten von elektrischen Strömen: Ströme 
mir geringer Stromstärke aber hoher Spannung und Ströme mit 
großer Stromstärke und geringer Spannung. Letztere Ströme sind 
es, welche in den Motoren zur Verivendniig kommen. Es wäre 
nur sehr schwer möglich, die starten Ströme mit niedriger Spannung 
auf weitere Enifernunge», z. B. von einer Centrale nach einer ent 
fernt liegenden Verwendnngsstelle zu leiten. Die Drähte müssen 
von enormer Dicke sein, um ein Durchschmelzen zu verhindern. 
Hochgespannte Ströme besitzen dagegen die Eigenschaft, daß sie in 
dünnen Kupserdrähten ans weite Enlsernnngen geleitet werden 
können. Man ist deshalb gezwungen, um eine zu theure Leitungs 
anlage zu vermeiden, die starken, im Dynamo erzeugten Ströme 
in hochgespannte Slröinc umzuwandeln. Hierzu dient der so 
genannte Transformator, in welchem durch Jnduction in einer 
Nebenrolle die hochgespannten Ströme erzeugt werden und nun zur 
Fernleitung geeignet sind. An der Verivendnngsstelle wird der zu 
geleitete Strom durch einen anderen Transformator wieder in Stark 
strom verwandelt. 
Eine weitere wichtige Verwendung findet der elektrische Strom 
in den elektrischen Lampen. Es erübrigt wohl, hierüber etwas zu 
erwähnen, da diese Verwendung ganz allgemein bekannt ist. Be 
merken will ich nur noch, daß gerade aui dem Ausstellungsplatze 
in Treptow eine bisher noch selten erreichte Strommenge zur Licht 
erzcugnng benutzt wird. 
Eine besondere Bedeutung scheint sich weiter die Elektricität zu 
Koch- imd Heizzwecken erwerben zu wollen. Die von elektrischen 
Leitnngsdrähten ausgehende Wärmewirkung kann derartig verstärkt 
werden, daß Wasser u, s. w. ohne Schwierigkeit zum Sieden ge 
bracht iverden kann. Die Apparate sind derartig eingerichtet, daß 
zwischen zwei Kupferwandnngen die Drähte hindurchgeführt werden 
und die direcle Wärmewirknng sich zuerst auf die Kupferwände er 
streckt. Durch eine ähnliche Methode, durch Erwärmung von me 
tallischen Heizkörpern, wird die Elektricität zur Erwärmung der 
Zimmer benutzt. Kochherde richtet man derartig' ein, daß die 
Ströme durch einen Ring geleitet werden, welcher ans einer Jsolir- 
platte ans Hartgummi oder ähnlichem Stoff befestigt ist: ans diesen 
Herden kann jeder gewöhnliche Kochtopf benutzt werden. 
Auch für die chemische Industrie besitzt die Elektrotechnik hervor 
ragende Bedeutung. Mittels starker Ströme erzielt man hier 
Wirkungen, welche mit den stärksten Gebläse-Apparaten u. s. w. bisher 
nicht erreicht werden konnten. Den größten Theit der engen chemischen 
Verbindungen kann man durch Elektricität in ihre einzelnen Bestand- 
theile zerlegen. So wird jetzt z, B. das Alnntinium ans der ge 
wöhnlichen Thonerde in großen Mengen und in verhälttiißmäßig 
kurzer Zeit ausgeschieden. Ebenso geht es mit verschiedenen anderen 
Stoffen, auf welche ich hier nicht näher eingehen will: erwähnt 
seien nur noch die auf Zersetzung von entsprechenden metallischen 
Lösungen basirenden Galvanisirungsapparate zum Vergolden, Ver 
nickeln ec, von Gegenständen, 
Für den Betrieb elektrischer Straßenbahnwagen sind von 
Wichtigkeit: die Accnmulatoren, welche in den meisten Fällen aus 
in Säure stehenden Bleiplatten bestehen und eine sehr große Menge 
Elektricität aufzuspeichern und zur Verwendung wieder abzugeben 
geeignet sind. 
Dieses sind so die hauptsächlichsten Verwendnngsarten elek 
trischer Ströme, und die Ausstellung wird uns dank der Leistungs 
fähigkeit der betreffenden Gesellschaften wohl viele neue Ueber- 
raschungen bringen, ans welchen eine noch größere Verwendbarkeit 
der Elektricität für das praktische Leben erkennbar sein wird. Be-
	        
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