Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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GfsteieUe A«sste!l«ngs-Nachrichten.
„gehobener Stimmung" und besonders unternehmungslustig fühlen,
haben mehrere Aufzüge zur Besteigung des Thurmes zur Verfügung,
Es ist zwar ein altes Wort, daß man bei Speisen nicht fragen
soll, wie sie entstanden sind: bei den bewährte» Händen aber, in
denen die Verwaltung des Hanptrestaurauts liegt, braucht man hier
einer Untersuchung nicht aus dem Wege zu gehen. Im Gegentheil
bieten die riesengroßen Küchen mit den neuesten Einrichtungen
und allen Nebenräumen so viel des Sehenswertheu, Lehrreichen
und Anziehenden, daß eine Besichtigung desselben nur dringend
empfohlen werden kann, P, Walle.
Die Fischkosthalle.
tAbdruck untersagt.;
An der 140 Meter langen und 30 Meter breite» Terrasse, die
das Spreeufer von den Ausstellungs-Gebäuden trennt, und an
der sich die Anlegestellen der Dampfer befinden, die berufen sind,
einen nicht unerheblichen Theil des Personenverkehrs zu vermitteln,
erhebt sich zwischen dem Hauptgebäude der Fischerei-Ausstellung
fund zu dieser gehörig) und dem Alpen-Panorama ein leichtes,
lustiges Gebäude. Unter wettersicherer Zcltbedachuug enthält der
lstntere, dem Wasser abgewandte Theil eine ziveitc Halle für
Ausstellungszwecke, vorzugsweise dazu bestimmt, gegen Sonne
und stiegen zu schützende Ansstellungs-Gcgenstände aufzunehmen.
Der vordere, der Spree zugewandte und nach der Wetterseite hin
abgeschlossene, verandenartig gehaltene Theil des Gebäudes wird
die sogenannte Fischkosthalle in sich aufnehmen, deren einfach und
geschmackvoll decorirte Räume ca. öOO Sitzplätze enthalten dürften.
Genannte Fischkosthalle bildet ohne Zweifel den wichtigsten
Theil der ganzen Fischerei-Ausstellung, denn ihr stillt die Ausgabe
zu, den Hunderttauseuden der Ausstclluugsbesucher das vorzüg
lichste Erzeugnis; unserer heimischen Meere, den frischen Seefisch
in allen für die Volksernührung wichtigen Arten, in den mannig
fachsten für den einfachen Tisch berechneten Zubereitungen zu
wohlfeilen Preisen vorzuführen.
Es ist eine sehr zu beklagende Thatsache, das; gerade in unserem
Vatcrlande ein durchaus unbegründetes Vornrthcil gegen den
Genus; einer ganzen Anzahl von Fischarteu herrscht, die ander
wärts als ein schmackhaftes und gesundes Nahrungsmittel in
hohem Ansehen stehen, theilweise sogar und mit vollem Recht als
Delicatesse gelten. Wir brauchen uns durchaus nicht den
Küsteubewvhner des Mittelmeeres zum Vorbild zu nehmen, vem
Alles, was das Netz zu Tage fördert, eine hochwillkommene
Speise ist; sind doch schon unsere nächsten Nachbarn, die
Holländer, in dieser Beziehung viel weniger wühlerisch; denn wie
wäre es sonst möglich, daß zum Beispiel der Roche, ein in der
Nordsee sehr zahlreich vertretener Fisch, auf den holländischen
Märkten ein ungemein begehrter Artikel ist, während derselbe Fisch
hier zu Lande keine Abnehmer findet, in Folge dessen von den
Fischern selbst verzehrt wird. Außer dem Rochen sind besonders
zu erwähnen der Seehecht, Knurrhahn, Köchlcr und Pollak, die
beiden letzteren der Dorschfamilie angehörig, alles Fische, die
einem Theil der Besucher vielleicht aus dem Aquarium bekannt
sein dürften, auf rationelle Weise zubereitet aber auch einem ver
wöhnten Gaumen behagen dürften. Dank der Fürsorge des
Deutschen Seefischerei-Vereins, zu dessen Special-Ausstellung die
Fischkosthalle bekanntlich gehört, bietet sich einem jeden Besucher
die Gelegenheit, sich von der Wahrheit des eben Gesagten zu
überzeugen.
Der Betrieb der Kosthalle ist von dem Verein den beiden
rcnommirtcn Restaurationsfirmen Hitler und Dreffel, die das
Restaurationsgeschäft, wie bekannt, auf der ganzen Ausstellung
übernommen haben, unter der Bedingung übertragen worden, daß
dem Verein die unumschränkteste Einwirkung auf den ganzen Be
trieb vorbehalten bleibt. Es verdient anerkannt zu werden, daß
die beiden genannten Firmen den Bestrebungen des Vereins das
größte Entgegenkommen gezeigt haben und daß auch von ihrer
Seite Alles geschehen wird, den von ihnen übernommenen Theil
der Ausstellung möglichst glanzvoll zu gestalten.
Was die Größerer zu verabreichenden einzelnen Portionen,
die Preise und die Zubereitung derselben anbelangt, so werden hier
die Wünsche des Vereins, in dessen Absicht es durchaus nicht
liegt, irgend welche-sinanciellen Resultate zu erzielen, die durchaus
maßgebenden sein. Was die Zubereitung im Besonderen anbelangt,
so geschieht dieselbe nach den bewährtesten Recepten des In-' und
Auslandes, und hat mau es für gut befunden, die skandinavische Küche
zu berücksichtigen; also die Küche eines Volkes, dessen Hauptnahrung
seit uralter Zeit aus Seefischen bestanden hat. Nebenbei mag erwähnt
werden, daß die Herausgabe eines Fischbuches für den Gebrauch der
deutschen Hausfrau von dem Seefischereiverciu geplant worden ist.
Vertragsmäßig wird in der Kosthalle au warmen Speisen
nur Fischkost verabreicht werden. An dem nöthigen Getränk soll
es aber auch nicht fehlen und zwar auch zu wohlfeilen Preisen;
ein Glas Bier wird beispielsweise bereits für 10 Pfennig zu haben
sein. Das Herbeischaffen der Seefische ist lediglich Sache des
Vereins, der sich bereits mit den Hauptmärkten der Nord- und
Ostsee in Verbindung gesetzt hat; selbstredend w'rd auch hier von
den Beamten des Vereins eine genaue Cvutrole ausgeübt werden
Für den Transport von der Küste nach der Ausstellung
werden seitens der Eisenbahnverwaltuug vier mustergiltig einge
richtete Kühlwagen zur Verfügung gestellt werden, die gleichzeitig
für die Art des Seefisch-Transports in das Binnenland als
vorbildliches Ausstellungs-Object dienen sollen. Die ankommenden
Fische werden in einem im Hauptgebäude befindlichen Kühlraum
aufbewahrt. Besagter Kühlranm, dessen ganze Einrichtung eben
falls als durchaus mustergiltig angesehen werden darf, steht mit
einer Kühlmaschine, geliefert von der Firma Riedinger-Augsburg,
in Verbindung, um die Temperatur im Inner» des Kühlraumes
dauernd auf dem nöthigen niederen Stande zu erhalten. Ein
Dentzer Gasmotor liefert die erforderliche Kraft. Ebenfalls im
Haupt-Gebäude und in Verbindung mit der Kühlmaschine befindet
sich unter einem fünf Meter langen Glaskasten das sogenannte
Paradebett, ein schöner Marmortisch, auf dem die verschiedensten
Fischsorten dem Publikum zur Schau gebracht werden sollen; auch
hier sorgen Kühlschlangen für die zur Conservirung der Waare
nöthige, kalte Luft.
Endlich soll in einer mit Glaswänden versehenen Muster-
küche die Zubereitung der Fische vor den Augen des Publikums
erfolgen.
Man ersieht aus dem bisher Gesagten, daß der Seefischerei-
Verein sich nicht allein darauf beschränkt, dem Consumenten den
Seefisch in frischester, schmackhaftester und gewinnendster Form vor
zusetzen, sondern auch dem Fischhandel werden alle die wichtigen
Einrichtungen zur Anfuhr und richtigen Aufbewahrung des See
fisches in mustergiltiger Weise vorgeführt werden. Ebenso bietet
sich jeder Hausfrau die Gelegenheit, ihre Kenntnisse, was die Zu
bereitung eines gesunden und angenehmen Nahrungsmittels an
belangt, zu erweitern.
Die malerische Ausschmückung der Kosthalle und der feineren
Restaurationsräume wird dadurch außerordentlich gewinnen, daß
mehrere hervorragende Marinemaler sich erboten haben, eine Anzahl
von Oelgeinäiden, welche sich auf das Fischerleben und ganz speciell auf
die Hochseefischerei beziehen, und denen Studien an Ort und Stelle
zu Grunde liegen, dem Verein zur Verfügung zu stellen. Einige
dieser Gemälde werden, dank dem Entgegenkommen der Lotterie
commission, als Gewinne für die Verloosung angekauft werden.
An der Stirnwand des Querschiffes der Kosthalle präsentirt
sich dem Besucher ein schönes großes Diorama, das Werk zweier
Düsseldorfer Künstler, des Marinemalers Carl Beker und Gustav
Wendling. Das Motiv stellt in hervorragend schöner Ausführung
die Dampferfischerei auf hoher See dar. Ein Halbdeck mit Reeling
nebst Trossen, Winden und anderen Schiffsutensilien, die den
Vordergrund bilden, sollen in dem Beschauer den Gedanken erregen,
das; er sich an Bord eines Fahrzeuges befindet und von dort
aus einen Fischdampfer erblickt, dessen Mannschaft soeben mit dem
Aufwinden des großen Schleppnetzes beschäftigt ist. Man hätte
unmöglich etwas Wirkungsvolleres schaffen können, um dem
Landbewohner einen ungefähren Begriff zu geben von
der Art und Weise, wie heut zu Tage der Fang betrieben wird,
als dieses Diorama. Es sind die vereinigten Fischrehdereien von
Elbe, Weser und Ems, welche in liberaler Weise die Unkosten für
jenes Schaustück zu tragen sich bereit erklärt haben.
Um auch bei guter Witterung den Anforderungen eines
gesteigerten Verkehr gerecht werden zu können, wird neben den
Gebäuden im Freien nach Art der Gartenrestaurants ei» größerer
Platz hergerichtet worden. Auf der Terrasse vor dem großen
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