Path:
Periodical volume Nr. 102, 28. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

OfficieHe Äusstellungs-Nachrichten. n 
auf dem nassen. Element vergegenwärtigen uns die auf dem 
NeuenSeee und dem Karpfenteich cursirendenM otor boote 
und venetianischen Gondeln. Während uns erstere 
keine besondere Bewegung — trotz ihres Namens — verur 
sachen, ist eine Fahrt auf einer venetianischen Gondel die 
Wonne aller Berliner Ruderfreunde, um so mehr, als man 
sich hier nicht selbst hineinrudert, sondern von anderen sich 
hineinrudern lässt — nämlich in den unterirdischen Kanal, 
welcher von Adlon & Dressel’s lebhaftem bayerischem Bier 
ausschank unheimlich widerhallt. „Da soll doch einer gleich 
in die Luft fahren!“ ruft ein Besucher der Ausstellung aus, 
der seiner Befriedigung über das Gesehene und die erlebten 
Ueber raschungen nicht anders Luft zu machen weiss. „Bitte, 
bedienen Sie sich des Zekeli’schen F esselballons,“ ant 
worten wir schlagfertig, und jener drückt uns dankbar die 
Hand und eilt dahin, wo der Vergnügungspark eigentlich, 
zu Ende ist, das genannte Luftvergnügen aber erst anhebt. 
Nachdem wir nun allen Beförderungsarten innerhalb der Aus 
stellung gerecht geworden sind — und man sieht, es sind 
mehr, als man erwarten darf —- widmen wir eine stille Thräne 
einem Unternehmen, welches das Unmögliche noch immer 
möglich zu machen gedenkt. Wer „unter Grund“ der Spree 
die Besucher der Ausstellung herausbefördern will, der hat 
die Rechnung ohne erstere gemacht; drinnen herum will 
jedermann befördert sein, heraus aber befördert wird nur der, 
welcher den vielseitigen Vergnügungen der Ausstellung seinen 
letzten Groschen geopfert hat, und von diesem braven Manne 
würde die vielgenannte Untergrundbahn auch nicht sonder 
lich „gefördert“ werden. A. R—n. 
Für den zweiten Fünfundzwanzigpfennig-Tag, 
der definitiv morgen (Mittwoch) stattfindet, haben sich nun dank der 
Bemühungen der Fest-Commission nicht nur alle Schaustellungen, 
sondern auch die Restaurateure im Vergnügungspark und in Alt- 
Berlin zu ermässigten Preisen verstanden. Da voraussichtlich dies 
mal der Himmel kein Veto einlegt, dürfte sich dieser Tag in der 
Ausstellung zu einem wahren Volksfest gestalten. Gleichzeitig 
machen wir darauf aufmerksam, dass auch an diesem Tag wieder, 
der Hörsaal des Chemiegebäudes als Ablieferungsort für verlaufene 
Kinder eingerichtet ist. 
Ermässigte Preise haben gewährt: Alpen-Panorama. Berg 
fahrt in's Zillerthal und Aussichtswarte 50 Pf. Kur Aussichtsthurm 
25 Pf. Jede Person hat zwei Kinder bis zu zehn Jahren frei. 
Alt-Berlin. Erwachsene 20 Pf., zwei Kinder ein Billet. 
Kolonial-Ausstellung. Eintritt 25 Pf. Kairo. Eintritt: 
Erwachsene 50 Pf., Kinder bis zu 15 Jahren 25 Pf. Arena: Er 
wachsene 25 Pf., Kinder 15 Pf. Vorstellung um 5 und 8 l / 2 Uhr. 
Welt-Musik (Sehippanowski). Erwachsene 10 Pf, Kinder frei. 
Elektrische Thurmbahn (Rösch). Fahrt 20 Pf. Kaiserschiff 
(Norddeutscher Lloyd). Erwachsene 40 Pf., Kinder 20 Pf. Marine- 
Schauspiele. Erwachsene 50 Pf., 2 Kinder frei. Hagenbeck’s 
Ausstellungen. Cirkus: Kinder halbe Preise. Menagerie, Pano 
rama und Affenparadies: ein Kind frei. Harem und Irrgarten. 
Erwachsene 50 Pf., ein Kind frei. Hippodrom. Erwachsene 
10 Pf., Kinder frei. Wasserbahn. Eintritt 10 Pf., Fahrt 
20 Pf, Lenkbares Luftschiff (Dr. Wölfert). Erwachsene 20 Pf., 
Kinder frei. Phonograph. Erwachsene 10 Pf., 2 Kinder frei. 
Cirkusmodell. Eintritt 10 Pf. Kinder frei. Elsässische Steh 
bierhallen. Würste 20 Pf. Zwölf-Apostel-Uhr. Erwachsene 
30Pf., Kinder in Begleitung frei. Fesselballon. Eintritt 10 Pf. 
Auffahrt: Erwachsene 5 Mk., Kinder 2 Mk. Schiessstand. Drei 
Schuss 10 Pf. Grösster Topf. Erwachsene 10 Pf., Kinder in 
Begleitung frei. Theater Nen-Berlin. Erwachsene 50 Pf., 
ein Kind frei. Stuhl-Verleih-Institut. Für Erwachsene ganzer 
Tag 15 Pf., halber Tag 10 Pf., ein Kind frei! 
Die zweite Fest - Illumination von Alt-Berlin 
die gestern (Montag) stattfand und viele Tausende nach der eben 
so beliebten, wie originellen Sonder-Ausstellung gezogen hatte 
verlief, begünstigt vom herrlichsten Wetter, in hochbefriedigendei 
Weise, und hörte man nur eine Stimme des Lobes über das glänzende 
Schauspiel, das dem feinfühligen, künstlerischen Geschmack seiner 
Veranstalter alle Ehre machte. Freilich ist auoh hier die eigenartige 
Oertlichkeit mit ihren engen Strassen, ihren vorspringenden Winkeln 
und poetischen Plätzen ganz danach angethan, besonders wirksame 
Effecte zu erzielen; aber trotzdem muss anerkannt werden, dass 
Herr Architekt Hoffacker, der den Entwurf für die 
Illumination machte, diese Oertlichkeit in wahrhaft genialer 
Weise benutzte. Die stilvollen, schmiedeeisernen Lichtträger 
mit ihren reizenden Blumenkronen und Tannenbäumen. 
alles in geschmackvollster Farbenpracht stiMlend, die geradezu 
wundervollen feurigen Blumenbeete, die hängenden, licht- 
schimmemden Guirlanden — all’ dies bildete ein Ensemble von 
fascinirender Wirkung und darf mit als das Schönste bezeichnet 
werden, was auf diesem Gebiet bis jetzt geleistet wurde. Das 
Publikum, das Strassen, Plätze und alle Lokale füllte, unterhielt 
sich denn auch auf das beste und trennte sich erst in später 
Nachtstunde von dem reizenden Schauspiel, das durch die guten 
Leistungen des altdeutschen Orchesters und die trefflichen Vorträge 
der Concertsänger-Gesellschaft »Flora« noch wesentlich gehoben 
wurde. 
9 
Das Riesenfernrohr nähert sich seiner Vollendung und 
soll am 9. August in Benutzung genommen werden, um die an 
diesem Tage stattfindende Sonnenfinsternis zu beobachten. Freilich 
ist die Verfinsterung in Berlin nicht als totale sichtbar, aber es 
wird jedenfalls ein ganz ausnahmsweise« Schauspiel sein, das durch 
das längste Rohr der Welt entworfene Sonnenbild verfinstert zu 
erblicken und den Mondschatten langsam heranrücken zu sehen, 
bis die ganze Sonnenscheibe wieder in hellem Glanze erstrahlt. 
Bis zum Eintritt der Sonnenfinsternis finden jetzt täglich 
im Fernrohrgebäude Projectionsvorträge über Sonnenfinsternisse statt, 
in welchen die Entstehung und der Verlauf dieser Erscheinung, 
sowie ihre Bedeutung für die astronomische Wissenschaft aus 
einander gesetzt werden. Die stetig wachsende Besucherzahl (am 
Sonntag allein gegen 1000) besichtigt auch mit grosser Freude 
die astronomische Sammlung und folgt mit erfreulichem Interesse 
den Erläuterungen, welche über den Aufbau des Fernrohres ge 
geben werden. 
9 
Ausstellungsliteratur. Gross-Berlin, Bilder aus 
der Ausstellungsstands, bringt soeben seine Hefte 6 und 7 zur 
Versendung, welche sich ihren Vorgängerinnen ebenbürtig anreihen. 
Aus dem reichen Inhalt heben wir besonders hervor »Kairo in 
Berlin«, »Ein Gang durch das neue Berlin« von unserem Mit 
arbeiter Peter Walle und »Das Haupt-Ausstellungs-Gebäude«. Das 
Werk, welches A. Kühnemann herausgiebt, wird die gesammte 
Ausstellung in Wort und Schrift behandeln. Die Hefte sind auch 
einzeln für 50 Pfennige käuflich. Kürzlich ist vom Kaiser das 
Abonnement auf 2 Hefte befohlen worden. 
9 
Die schnellste Arbeiterin in der Ausstellung 
ist unstreitig die Packetmacherin in Motard’s Stearin werk am 
Chemiegebäude. Täglich ruhen die Blicke vieler Hunderter auf 
ihrer emsigen Arbeit, aber cs stört sie nicht in ihrer Beschäftigung, 
die keinen Augenblick stockt, selbst wenn sie ab und zu auf eine 
flüchtig hingeworfene Frage Antwort geben muss. Die beiden 
Hände arbeiten maschinenmässig in immer gleichem Tempo, sei es 
dass sie ein halbes Dutzend Stearinkerzen mit einem Griff aus dem 
Massenvorrath herausnehmen und glatt auf den blauen Bogen legen, 
sei es dass Letzteres zu einem Packet geformt und mit einem 
Bindfaden eingeschnürt wird. Keiner von den Zuschauern wäre 
im Stande, es dem jungen Mädchen an Geschwindigkeit gleich zu 
thun, wenn auch die ganze Arbeit im ersten Augenblick sehr ein 
fach aussieht. Geschwindigkeit ist zwar keine Hexerei, aber sie will 
überall erlernt sein, selbst beim Packetmachen. 
9 
Ferien und Edelsteine in köstlichem Glanze blitzen 
und flimmern dem Beschauer der Vitrine von den Hofjuwe*
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.