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Volume Nr. 10, 4. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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GfftcieUe AnssteUungs -Nachrichten. 
Ausstellung verschiedene Gehilfen thätig sein werden. Die seit dem 
6. Juni v. I. ans dem Platze bisher thätigen beiden Heilgehilfen 
haben, wie gern anerkannt wurde, sich in schwierigen Verhältnissen 
trefflich bewährt und bei ihren vielen Dienstleistungen ein gutes 
Maß chirurgischer Geschicklichkeit bewiesen, was in ihren Zeug 
nissen vermerkt werden soll. Vom 15. April d. I. werden die 
Heilgehilfen neben einer ständigen Aerztewache thätig sein. Vor 
läufig verbleibt die Sanitätswache der Ausstellung, welche der 
selben so ersprießliche Dienste während des Baujahrs geleistet hat, 
noch in ihrem alten, schmucklosen Heim. Der genaue Zeitpunkt 
der Uebersiedelung in dem mit allem hygienischen modernen 
Comfort ausgestatteten Pavillon der vereinigten Sanitätswachen 
ist noch nicht festgestellt. Der Dienst wird während der Aus 
stellung genau in der bei den Berliner Sanitütswachen üblichen 
Weise gehandhabt werden; neben einem oder zwei Aerzten du jour 
werden ebensoviel Heilgehilfen bereit stehen. 
s 
M-y. Ganz reizend und ungemein originell ist die Banern- 
schünke am Karpfenteich mit dem flachen, steinbeschwerten Dach, 
den bunten Fensterladen, den kleinen, blitzenden Fensterscheiben mit 
den grellbunten Kattunvorhängen. An einer äußeren Eckwand 
ist der Sündcnfall dargestellt, selbstredend in „bayerischer Auf 
fassung". Der Giebel über dem Erker ist mit Heiligenbildern ver 
sehen, auf dem hölzernen Altar hängen Fischernetze, alte ver 
blichene, geflickte und verwaschene Hosen und Schürzen, Mais 
kolben, Käsekörbe, Bienenkörbe, Vogelbauer, eine Katze sitzt lauernd 
auf dem Geländer, in das Balkenwerk sind Sicheln eingehakt, 
über dem Ganzen schwebt der „heilige Geist". Ein anderer Erker 
ist mit Scheibenbildern, den heiligen Hubertus und einen Hirsch 
darstellend, geziert. Innen befinden sich an den Wänden alte, nach 
gedunkelte und verräucherte Oelbildcr, an den Decken hängen 
Hirschgeweihe, Kränze mit Krügen und Jnnnngshumpen, Wahr 
zeichen re. Hübsch geschnitzte Holzuhren, alte, bemalte Glas 
humpen, Zinnkrüge, bemalte, ehrwürdige Teller und sonstiger 
Banernhausrath vervollständigen die decorative Ausstattung, dazu 
kommen noch alte Tische mit weit gespreizten Beinen und die 
Stühle mit festen Gestellen — man kriegt ordentlich Lust 
zum Raufen, wenn man lang hinschaut. Aeußerst originell sind 
auch die Nebenräume und das Außenbuffet. Ueber keiner Thür 
fehlt das landesübliche K + M 4- B +. 
Die vom 29. bis 31. Mai innerhalb der Berliner Gewerbe- 
Ausstellung zu veranstaltende Internationale Hunde-Aus 
stellung erfährt seitens der Behörden jede mögliche Förderung. 
Durch Bermittelung des Reichs-Eisenbahn-Anckes ist von sämmt 
lichen Staatsbahnen in Deutschland frachtfreier Rücktransport 
ausgestellter Hunde bewilligt worden, ein Gleiches hat die General- 
Direction der österreichischen Staatsbahnen zugestanden, während 
die Bescheide der Tarif-Commission der schweizerischen Bahnen und 
der General-Direction der ungarischen Staatsbahnen noch aus 
stehen. Das Königliche Polizei-Präsidium hat verfügt, daß Aus- 
stellungshnnde vom 28. Mai bis 2. Juni auch ohne Maulkorb 
und Steuermarke durch die Straßen Berlins bewegt werden dürfen, 
wenn sie an einer Leine geführt werden und der Führer im Besitze 
eines vom Ausstellungsleiter unterzeichneten Ausweises ist; die 
Fangbeamten des Thicrschutzvereins sind mit entsprechenden An 
weisungen versehen. Es ist das besonders wichtig für die nicht 
weit von Berlin entfernt wohnenden Aussteller, die mit der Bahn 
ankommen und ihre Hunde im Waggon mitbringen. Ausführliche 
Ausstellungsbedingungen und Anmeldescheine versendet die Geschüfts- 
stelle der Internationalen Hunde-Ausstellung, Steinmetzstraße 52, 
kosten- und portofrei. 
6. Monatskarten im Wasserverkehr mit der Aus 
stellung werden seitens der Motor-Boots-Gesellschaft Berlin- 
Rummelsburg ausgegeben werden. Der Preis soll derselbe sein 
wie auf der Stadtbahn. Die Gesellschaft geht hierbei von der 
Annahme aus, daß während der Sommermonate ein thatsächliches 
Bedürfniß für diese Neueinrichtung vorhanden ist, weil viele 
Personen die angenehme Wasserfahrt der Stadtbahnfahrt vorziehen 
«erden. Insbesondere dürfte die Einrichtung auch den Ausstellern 
und deren Personal zu Gute kommen. Da bisher die Preise für 
den Wasserverkehr ziemlich hoch waren, so sind diese billigen 
Monatskarten für den Wasserverkehr als eine bemerkenswcrthe 
Neuerung im Interesse des Verkehrs zu begrüßen. — Die 
Dampfer-Gesellschaft Stern hat sich nach einem Abkommen 
mit dem Arbeits-Ausschüsse der Berliner Gewerbe-Ausstellung 
verpflichtet, folgenden Fahrplan einzuhalten: Es verkehren vom 
1. Mai ab bis zum Schluffe der Ausstellung von sig9 Uhr 
Vormittags bis 2 Uhr Nachmittags von der Jannowitzbrücke und 
Schillingsbrücke halbstündlich je ein Dampfer, von Nachmittags 
2 Uhr bis Abends 10 Uhr von beiden Stationen viertelstünd 
lich je ein Dampfer. Zur Rückfahrt von der Ausstellung müssen 
Dampfer bis 12 Uhr Nachts gestellt werden. Elektrische Boote, 
15—100 Personen fassend, liegen an dem Spreenfer der Aus 
stellung stets bereit, mit zurückgebliebenes Publikum schleunigst 
befördern zu können. Nach einem Uebereinkommen mit der Polizei 
hat sich die Gesellschaft ferner verpflichtet, ihre Dampfer mit dem 
internationalen Topplicht zu versehen. Ferner sind die Capitainc 
zur Sicherung des Wasserverkehrs besonders instruirt worden und 
n. A. angewiesen, falls durch die Schuld des Publikums 
dem Schiffsführer die Fernsicht verhindert ist, das 
Schiff so lange auf offener Strecke liegen zu lassen, 
bis die Passagiere seinen Anordnungen nachgekommen 
sind. Auf den Hauptdampferstativnen läßt die Gesellschaft 
Beschwerdebücher niederlegen, in welche die Fahrgäste ihre 
Wünsche und Klagen einzeichnen können. — Um während 
der Ausstellung dem Publikum den Verkehr so bequem wie 
nur möglich zu gestalten, wird die Dampfschifffahrts- 
Gesellschaft „Adler" (an der Waisenbrücke) an den Ein- 
steigestellen Automaten zur Aufstellung bringen, in welche der 
Fahrgast beim Betreten des Schiffes einfach das Fahrgeld hin 
einwirft, ohne sich einer weiteren Kontrole durch Vorzeigen eines 
Billets unterziehen zu müssen. Wenn auch diese Einrichtung in 
erster Linie sich ans die vom Publikum selbst ausgeübte Kontrole 
stützt, so ist doch andererseits der Apparat so sinnreich construirt, 
daß z. B. das Hineinwerfen eines falschen oder geringeren Geld 
stücks sofort entdeckt wird. 
M-y. An den Wandelgüngen wurden die letzte Wolle 
neu errichtet: der Edisonpavillon, eine Verkaufshalle für Cigarren 
und Cigaretten, eine neue Halle für Süßigkeiten, eine ebensolche 
für Mineralwasser und Fruchteis. Hübsch macht sich der braune 
Holzbau des Fernsprech-Vermittelungs-Amtes, über dessen Portal 
der deutsche Reichsadler in farbiger Ausführung prangt. Unfern 
vom Theater Alt-Berlin ist die Kapelle für Feuerbestattung aus 
farbigen Rohziegeln erbaut; sie wird soeben gedeckt; der Kanal 
vom Karpfenteich nach den Marineschauspielen und dem neuen 
See wird mittels Stein und Eisen hoch überbrückt, damit Fahr 
zeuge darunter passiren können. Im Park wurde mit der Auf 
stellung der eisernen Masten für die elektrische Beleuchtung und 
der Bedürfnißanstalten begonnen. — Im Bankettsaal wird die 
elektrische Beleuchtung installirt. 
Das Hauptrestaurant auf dem 
Ausstellnngsplatze. 
(Abdruck untersagt.; 
Der treffliche Gedanke, den neuen See int Treptower Park 
an den Seiten mit schattigen Laubgängen einzufassen und die Haupt 
achse durch zwei bedeutsame Baugrttppen hervorzuheben, gab dem 
Architekten dieser großartigen Gesammtanlage, Bruno Schmitz, 
willkommene Gelegenheit, in dem Hauptrestaurant ein prächtiges 
Gegenstück zu der Haupt-Jndustriehalle zu schaffen. 
So viele auch unter den sonstigen Werken der Ausstellung von 
geschickter Erfindung und reizvollem Aufbau, von hübscher Lage und 
künstlerischer Eigenart sein mögen, die Gruppe am See wird immer
	        
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