Path:
Volume Nr. 10, 4. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

©fftcieUc Ausstellung» Nachrichten. 
7 
Am Sonntag statteten Magistrat und Stadtverordnete 
von Berlin mit ihren Damen der Gewerbe - Ausstellung einen 
Besuch ab. Unter den 300 Gästen befanden sich Oberbürger 
meister Zelle, Bürgermeister Kirschner, Stadtverordneten-Vorsteher 
Dr. Langcrhans und Stadtverordneten - Vorsteher - Stellvertreter 
Michclll. In erster Linie wurde die Special-Ausstellung Kairo 
besichtigt, auf deren Gebiet Stadtverordneter Wohlgemuth und 
Rathszimmermeister Urans die Führung hatten. Dann ging es 
unter Leitung der Mitglieder des Arbeits-Ausschusses, Baumeister 
Fetisch und Geh. Commercienrath M. L. Goldberger, hinüber nach 
All Berlin. Es wurden ferner noch, trotz des sehr schlechten 
Wetters, besichtigt: der Pavillon der Stadt Berlin, das Gebäude 
für Nahrungsmittel und Fischerei, das Hanptindnstriegebäude und 
Hauptrestaurant, endlich der Platz der Marineschauspiele und die 
Nachahmung des Lloyddampfers. 
9 
Am 1. April sollte die Treptower Chaussee, soweit sie 
durch die Ausstellung führt, vollständig gesperrt werden. Mit 
Rücksicht ans den bevorstehenden Feiertagsverkehr erfolgt die 
völlige Schließung erst am 7. April. Für den Wagenverkehr 
wurde die Chaussee bereits am 2. April gesperrt. 
9 
Der gerichtliche Streit um das Hammer-Placat der 
Ausstellung ist nun beendet. Der Geh. Commercienrath Gold 
berger, als Vertreter des Arbeitsausschusses der Berliner Gewerbe- 
Nusstellung, hatte bekanntlich vom Landgericht I eine einstweilige 
Verfügung erlangt, wonach den Directoren des Wintergartens die 
Benutzung des bekannten Sütterlicn'schen Placats für Reclamc- 
zwecke des Wintergartens untersagt wurde, wobei der Gerichtshof 
von der Ansicht ausging, daß die in das Sütterlien'sche Placat 
hineingetragenen humoristischen Motive (fünf Barrisons) an der 
Verletzung des von der Gewerbe-Ausstellung im Wege des 
- Musterschutzes erlangten Rechts nichts ändern. Die hiergegen 
von den. Herren Dorn u. Baron als Directoren des Wiuter- 
gartens eingelegte Berufung hat der zehnte Civilsenat des Kammer 
gerichts in seiner letzten Sitzung zurückgewiesen. 
— WL — Die Fayadenmalerei für die Stadtfront des 
Haupt eingangs in Treptow ist durch Maler Max Seliger 
soeben iu der wirklichen Größe entworfen und für die Ausführung 
in allen Theilen vorbereitet worden. Danach wird man es hier 
mit einer sehr interessanten künstlerischen Leistung zu thu» haben, 
die das Verwaltungsgebäude durch ihre Eigenart und Schönheit 
bedeutsam hervorhebt. Die Hauptfiguren der ganzen Darstellung 
werden sich auf die Ausstellung selbst beziehen und eine Ver- 
herrlichung der Berliner Industrie zur Anschauung bringen. Das 
größte Feld des schlanken Giebels über der wuchtigen Einfahrt 
wird die Verbrüderung der Arbeit aufnehmen; dieselbe ist so 
gedacht, daß von links her ein kraftvoll gestalteter Arbeiter mit 
Händedruck eine Arbeiterin begrüßt, die ein Stück bedrucktes Zeug 
über deu linken Arm geworfen trägt. Die bis in's Einzelne hinein 
charakteristisch gezeichneten Figuren heben sich in scharfem Umriß 
vvn dem Hintergründe ab, der mit dem Reichsadler geschmückt 
ist. — In gleich moderner Anschauung sind die Seitenfelder aus 
gefüllt, in denen zwei Arbeiter in knieender Stellung durch Hand 
werkzeug und Attribute als Vertreter der Elektrotechnik und des 
Maschinenbaues <Dampfkraft> erkennbar gemacht sind. In den 
oberen Blend-Arkaden des Giebels hat der Maler in geschickter 
Erfindung zwei bekränzte, tanzende Knaben (mit Posaunen) ab 
gebildet, deren Gewänder in lustigem Flattern die Flächen der 
Felder bedecken. Die zierlichen Pfeiler des hochragenden Giebels, 
wie alles Ornament und Schmuckwerk werden in kräftigen Tönen 
farbig behandelt, und in den Seitenflächen soll ein Bogenfries aus 
eng mit einander verschlungenen Händen als Zeichen treuen Zu- 
sammenstehns der Industrie aufgemalt werden. 
Von besonderer Schönheit aber sind vier genial erfundene 
Figuren in den Nischen der hübschen Eckthürmchen, welche die 
der Arbeit der Menschenkraft und des Menschengeistes dienstbaren 
Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde versinnlichen. Die 
geringe Breite der Felder wies den Künstler hier auf eine 
Höhenentwickelung des Einzelbildes hin, die denn auch mit vielem 
Geschick erzielt wurde. So ist das „Feuer" als eine leicht 
gekleidete Jungfrau dargestellt, die eine helllodernde Fackel über 
dem Haupte schwingt, während die „Luft" durch eine bezaubernde 
Edeldame mit einem Falken auf der hocherhobenen Linken 
repräsenürt wird. Eine andere Gestalt mit mildem, sinnendem 
Ausdruck des Antlitzes und einem lockigen Haupte, von Mai 
glöckchen bekränzt, läßt das „Wasser" in silberhellen Strahlen 
aus einer Amphora herabfließen; und die „Erde", sie ist ein 
herrliches Weib, das Blumen und Früchte herbeitrügt, einen Zweig 
von Apfelblüthen in den Haaren. 
Auch hier wird der Farbenschmuck der umrahmenden Bau 
glieder erst chen Accord des Ganzen geben und die Harmonie mit 
dem die Architektur dominirenden Giebel herbeiführen. Die Hauben 
mit ihrer edelwirkenden Patina und die goldenen Wimpel und 
Knäufe der Thurmspitzen werden einen weiteren Effect auf den 
blauen Grund des Himmels hineintragen und somit dieses Portal 
zur vollsten künstlerischen Wirkung bringen. Die übrigen Seiten 
des Gebäudes sollen durch Wappen, Spruchbänder und farbiges 
Ornament ebenfalls eine künstlerische Verstärkung des architektonischen 
Eindrucks erfahren. 
C. Ueber den Ausbau der elektrischen Rundbahn, der 
inneren Verbindungsbahn auf der Ausstellung, welche seitens der 
Firma Gebrüder Naglv errichtet wird, liegen uns die folgenden 
authentischen Daten vor, welche die erfreuliche Bestätigung geben, 
daß der Oberbau der Bahn vollendet ist und daß der Ring, 
welcher von der 4 Kilometer langen Bahn gebildet wird, in dem 
Augenblick geschlossen ist, in welchem die officielle Absperrung der 
Treptower Chaussee erfolgt sein wird. Auch für diese Uebergänge sind 
schon die Paßstücke der Schienen vorbereitet; diese aber sind nur einzu 
setzen, um die Continuitüt des Geleises herzustellen. Die Träger 
für die oberirdische Stromzuführung mit ihren schmiedeeisernen 
Auslagen sind ebenfalls einbetonirt; zur Zeit ist man dabei, den 
Fahrdraht auszuspannen und aufzubringen. Der größte Theil der 
Elektromotoren für die elektrischen Motorwagen steht in der "Fabrik 
vollkommen fertig; der Rest geht der Vollendung entgegen. Eine 
Anzahl Monteure der elektrischen Rnndbahn befindet sich seit 
längerer Zeit in Breslau bei der Waggonfabrik Gebrüder Hvff- 
mann Actien-Gesellfchaft in Arbeit, welche diese Wagen herstellt. 
Dort werden die elektrischen Leitungen sowohl für die Elektro 
motoren als auch für die Beleuchtung iu den fertiggestellten Wagen 
angebracht. Eine Anzahl dieser Wagen befindet sich bereits auf 
dem Wege nach Berlin. Diese werden direct per Eisenbahn nach 
dem Ausstellungsterrain befördert, um dort in dem eigens aufge 
führten großen Wagenschuppen aufgestellt zu werden. Dieser 
Schuppen ist mit allen Einrichtungen versehen, welche das Ein 
bauen der Elektromotoren in den Wagen erleichtern. Zu diesem 
Zweck wird u. A. unter den Geleisen ein tiefgelegter Gang aus 
geführt, welcher cs ermöglicht, ganz bequem unter dem Wagen 
gestell die erforderlichen Arbeiten vorzunehmen. 
Die für die Strombereitung zum Zwecke des Betriebes der 
Rundbahn erforderlichen dynamoelektrischen Maschinen sind eben 
falls fertiggestellt; sie envarten die Möglichkeit ihrer baldigen Auf 
stellung theils in der Maschinenhalle desHauptausstellnngsgebüudes, 
theils in der elektrischen Centrale des Syndikats deutscher Elektro 
techniker iu der Parkallee, woselbst, wie schon früher mitgetheilt, 
diese Filial-Kraftstation zur Aufstellung kommt. Es unterliegt 
somit gar keinem Zweifel, daß, insofern die durch die Verwaltung 
der Ausstellung auszuführenden Ueberbrückungen rechtzeitig fertig 
gestellt werden, der Betrieb der elektrischen Rnndbahn 
seinem ganzen Umfange nach am 1. Mai d. I. pünkt 
lich aufgenommen werden wird. £ 
9 
Die Stufen bahngesellscha ft hat in der Gewerbe-Aus 
stellung mit der Montirung begonnen, nachdem die Wagen aus 
Amerika eingetroffen sind. Man hofft, bis zur Eröffnung der 
Ausstellung mit dem Betrieb der Bahn beginnen zu können. 
C. Die Vereinigung der Berliner Sanitätswachen, 
welche den Sanitätswachendienst auf dem Ausstellungsplatzc 
organisirt hat, hielt dieser Tage eine Sitzung ab, in welcher be 
schlossen wurde, die auf dem Platze amtirenden Heilgehilfen in 
einem bestimmten Turnus ablösen zu lassen, so daß während der
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.