Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

(OfftcteUc Ausltelluttgs Nachrichten.
wendig. Die auf den Stadtbahngleisen verkehrenden Grunewald-
züge müssen vvr Erreichung des Bahnhofes Charlottenburg auf
die Ferngleise übergeführt werden, da diese den einzigen Weg für
den Verkehr von der Stadt nach Station Grunewalv bilden. Die
hierdurch bedingten Schienenkrenznngen am Ost-Ende des Bahn
hofes Charlottenburg sind für den Betrieb nicht ungefährlich und
geben, zu ständigen Zugverspütnngen Veranlassung. Ans der an
deren Seite des Bahnhofes, an seinem West-Ende, lagen die Ver
hältnisse wegen der vorhandenen Schienenkrcuzung der Nordring-
nnd Südringgeleise ebenso ungünstig. Diese Sachlage im Verein
mit dem Umstande, daß die Berlin-Wetzlarcr Ferngleise an und
für sich überlastet waren, indem sie außer dem genannten Fern
verkehr auch denjenigen der sämmtlichen von Osten herkommenden
Personen- und Schnellzüge behufs Auflösung, Zusammensetzung
und Reinigung der Züge auf Station Grunewald, sowie endlich
den Vorortverkehr ans der Strecke Berlin (Stadtbahn) - Potsdam
zu bewältigen hatten, gaben Veranlassung, besondere Personen
gleise zwischen Charlottcnbnrg und Grunewald in unmittelbarer
Verlängerung der Stadtbahngleise zur Ausführung zu bringen,
sodaß dadurch die gefährliche Schienenkrenznng am Ost-Ende des
Bahnhofes in Fortfall kam; gleichzeitig fand eine Verlegung des
Nordbahngleises Westend-Charlottenburg derart statt, daß dasselbe
schienenfrei über die Südringgleise geführt wurde und somit auch
die Schienenkreuzung der Nord- und Südringzüge beseitigt wurde.
Die Ausführung der neuen Bahnanlage war nicht ohne
Schwierigkeit. Der Gleise-Umbau mußte bei.dein außerordentlich
lebhaften Betriebe vor sich gehen; ferner waren in wenigen Monaten
400 000 cbm Erde auszuschachten und zu beseitigen und vier
zweigleisige Bahnlinien und zwei Wegeübergänge ohne Betriebs
störungen zu kreuzen.
7. Stralau-Rummelsburg.
Stralau-Rummelsburg hatte wie Tempelhof bisher keinen
schienenfreien Bahnsteig; derselbe wurde für den Südringverkehr
durch Verbreiterung des Bahndammes und Anlage eines Tunnels
gewonnen.
8. Bahnhof Ausstellung.
Ans Bahnhof Ausstellung sind vier Bahnsteige vorgesehen
(vgl. Abb. 4). Auf Gleis I, II und III fahren die von der
Stadtbahn kommenden, auf Gleis VI und VII die vom Görlitzer
Bahnhof kommenden und hier endenden Züge ein, während die
dazwischen liegenden Gleise IV und V von den weiter nach Osten
fahrenden Vorort- und Fernzügen benutzt werden; die Länge der
an diesen beiden Gleisen belegenen Bahnsteige L und 6 ist des
halb im Hinblick auf die größere Länge der Fern- und Vorortzüge
ausreichender bemessen. Die Bewältigung des Massenverkehrs
machte selbstverständlich schienenfreie Bahnsteigzugänge nothwendig;
es ist deshalb über sämmtliche Gleise und Bahnsteige eine ge
meinsame, 10 m breite Verbindungsbrücke (Abb. 3) gebaut, zu
gänglich an jedem Bahnsteig durch je zwei Treppen von 3 m
Breite. Am Ende der Brücke befindet sich die gemeinsame Fahr
karten-Kontrole, außerhalb derselben der Fahrkarten - Verkauf
und die Abortanlagen (vgl. Abb. 2). Diese Brücke ist dann in
der gleichen Höhe weiter geführt bis zum Anschluß an die von
der Ausstellungsleitung errichtete Ueberbrückung der Coepenicker
Landstraße, von welcher man über Treppenanlagen zum Aus
stellungsparke hin absteigt. Das Ueberschreiten der Coepenicker
Landstraße in Kronenhöhe ist also vermieden, was im Hinblick auf
den regen Straßenverkehr sowie auf die dort befindliche zwei
gleisige elektrische Straßenbahn mit 2 1 2 Minuten Zugfolge in
jeder Richtung zur zwingenden Nothwendigkeit wurde. Bahnsteige
und Brücken haben Uebcrdachungen, die sich unmittelbar an die
ebenfalls überdachten Wandelgänge im Ansstellnngspark anschließen,
sodaß man auch bei Regen trockenen Fußes aus dem Bahnzuge
bis zum Haupt-Ausstellungsgebüude gelangen kann.
Alle vorstehend erwähnten Ergünznngs- und Neubauten wurden
unter der Oberleitung des Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspectvrs
Klinke als Neubau-Referenten der Königlichen Eiscnbahndirection
Berlin ausgeführt. Der architektonische Theil rührt vom Eisen-
bahn-Bauinspector A. Wegner her, und die örtliche Bauleitung
lag in den Händen der Regierungs-Baumeister Bandekow, Pels-
Lensden (Bahnhof Tempelhof, Rixdorf), Dieckmann (Treptow,
Ausstellungsbahnhöf), Reff (Charlottenburg, Grunewald; und Jung
(Potsdamer Bahnhof und Schöneberg). Bis auf einige Ergänzungen
sind sämmtliche Bauten fertiggestellt.
Ihre Majestäten der Kaiser und König und die Kaiserin
und Königin eröffnen die Berliner Gewerbe-Ausstellung
1896 am 1. Mai Vormittags 11 Uhr. Die Einzelheiten des Allerhöchst
genehmigten Programmes werden demnächst bekannt gegeben werden.
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Am Mittwoch besuchte der Herr Minister des Innern
v. d. Recke die Gewerbe-Ausstellung. Derselbe wurde am Haupt
portal von dem Polizei-Präsidenten Herrn von Windheim und
dem Geheimen Commercienrath Herrn Goldberger empfangen
und durch die Ausstellung geführt.
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Zur Bildung eines Preß-Ansschusses hatte der Arbeirs-
AuSschuß der Berliner Gewerbe-Ausstellung 33 hiesige politische
und Fach-Zeitungen zu Dienstag Abend nach dem kleinen Saal
des Kaiserhofs geladen. 30 Zeitungen hatten Vertreter ent
sendet, denen Geheimrath Goldberger Mittheilungen über die
Einrichtungen machte, welche ans der. Ausstellung für die Presse
getroffen worden sind. Die Versammlung wurde aufgefordert, sich
als Preß-Comitee zu constituiren und einen engeren Ausschuß zu
wählen, welcher besonders die Vcrthcilnng der Zutrittskarten an
die hiesige und auswärtige Presse, sowie die Leitung der Feste,
die in der Ausstellung für die Presse des In- und Auslandes
veranstaltet werden, zu übernehmen haben würde.
Es wurde beschlossen, einen Ausschuß von sieben Mitgliedern
zu wählen, der berechtigt ist, sich durch Cooptation bis auf zwölf
Mitglieder zu verstärken und welcher bei dieser Cooptation auch
auf die belletristischen Blätter Berlins Rücksicht nehmen soll. In
den Preß-Ausschuß wurden gewählt die Herren: Vollrath
(Volkszeitung), G roddeck (Post), Caro (Confectionair), Hossmann
(Verein der Fachpresse), Dr. Ullstein (Berliner Zeitung), A.Oskar
Klaußmann (Officielle Ausstellungs-Nachrichten), ten Brink
(Germania). Nach Schluß der Sitzung constituirte sich sofort der
Preß-Ausschuß und wählte Vollrath zum ersten, Groddeck zum
zweiten Vorsitzenden und Caro zum Schriftführer. Die erste Arbeits
sitzung des Preß-Ausschusses findet in den nächsten Tagen statt.
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