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Volume Nr. 18, 5. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

OfftcieUc Ausstellnngs Nachrichten. 
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neideten Lage, ihr Einkommen nach Pflicht und Gewissen selber 
der Steuerbehörde richtig anzugeben. Diese Zahl von 44 000, mit den 
obigen Gruppenzahlen verglichen, zeigt schon, daß auch in Berlin die 
größeren Einkommen verhältnismäßig selten sind, wenngleich die 
Zahl gegenüber den Verhältnissen der Provinzen eine vergleichs- 
iveise sehr hohe ist. Einkommen von 3000 bis 6000 Mk. 
beziehen circa 25 000 Personen, von 6000 bis 9000 Mk. 
nur noch an 7000 Personen. Die nächsten 7000 Personen 
haben 9000 bis 20 000 Mk. Einnahmen. Bon da werden 
die Gruppen rasch kleiner. Zwischen 20- und 30 000 Mk. sind 
nur noch an 2000 Einkommen versteuert, zwischen 30- und 
40 000 nur noch etwas über 900, bis 50 000 noch gegen 500. 
Einkommen zwischen 50 000 und 100 000 Mk. haben in Berlin 
644 Personen. — Da wir jetzt schon stark in die Millionaire 
hineingekommen sind, nehmen wir, der Gewichtigkeit des Gegen 
standes entsprechend, von nun an die genaueren Zahlen. Mit 
100- bis 200 000 Mk. Einkommen schließen sich ihnen immerhin 
noch 297 Leute an. Bis 300 000 Mk. nehmen noch 51 Personen 
ein, bis 400 000 Mk. 25 Personen, bis 500 000 Mk. 18 Personen. 
Dann bleiben noch 38 Personen übrig, die über y 2 Million Mark 
Jahrescinnahmen haben. 31 davon nehmen V 2 bis 1 Million 
ein, 5 andere 1 bis 1 */ 2 Millionen, endlich 1 Person 1 800 000 Mk. 
und 1 Person 2 415 000 Mk. Die preußische Steuerbehörde ist 
so conlant, dies letztere Einkommen durch die Besteuerung nur ans 
2 318 400 Mk. zu verkürzen, so daß immer noch ein hübscher 
Posten übrig bleibt. Im Reichstag haben sich die Herren 
neulich den Kopf zerbrochen, wie man die ungerechte und 
drückende Salzsteuer beseitigen könnte, die jedem Bürger 
ohne Unterschied im Salzpreis eine Steuer von beinahe einer Mark 
pro Kopf der Familie auferlegt, sic haben aber keinen Ausweg 
gefunden. Dieser höchstbesteuerte Herr könnte vielleicht die 1'/» Mil 
lionen Salzsteuer, die auf Berlin entfällt, auch außer seinen sonstigen 
Steuern ganz allein bezahlen und brauchte sich mit der ihm jähr 
lich verbleibenden knappen Million noch nicht allzusehr einzu 
schränken. Aber das nur nebenbei. Das höchste Einkommen in 
Berlin, das der Kaiser und König mit 16 Millionen Mark bezieht, 
erscheint in dieser Zusammenstellung nicht, weil das Staatsober 
haupt stets steuerfrei ist. 
In Berlin giebt es aber noch andere Steuerzahler als die 
Bürger. Die Actiengesellschaften, Genossenschaften und andere 
Gesellschaften einerseits und die Fremden, deren Erwerbsquelle das 
Berliner Gewerbe ist, haben bisweilen sehr anständige Einnahmen 
I daraus. Von den 240 besteuerten Gesellschaften bleiben 57 unter 
10000 Mark Jahrescinnahme zurück, 83 bleiben zwischen 10- und 
50 000, dagegen kommen 37 über X U Million, davon 15 auch 
über V 2 Million. 7 Gesellschaften haben über 2 Millionen Mark 
Jahreseinnahme. Die reichste hat eine jährliche Einnahme von 
5 710 000 Mk. Auch von den 600 Fremden, die in Berlin 
1 Steuer bezahlen müssen, ziehen manche, danach zu schließen, ein 
ganz hübsches Einkommen aus Berlin, der reichste über 3 / i Mil 
lionen Mk. 
Die letztgenannten hohen Zahlen geben wohl ein Bild von 
I großen Reichthümern, aber wie schon hervorgehoben, sind diese 
I leider sehr vereinzelt, und ihnen stehen auch wieder sehr niedrige 
Einkommen, und zwar in weit größerer Zahl gegenüber. Das 
j Berliner Statistische Amt hat sehr sorgfältig herausgerechnet, wie 
I viel Einkommen durchschnittlich auf einen Berliner entfällt. 
] Rach der letzte» Rechnung komint auf den Kopf der Berliner Be 
völkerung ein Einkommen von 666 Mk. Danach kann sich jeder 
Berliner ein Bild davon machen, indem er diese Summe mit der 
Zahl seiner Familienmitglieder multiplicirt und dann mit deni 
j Einkommen der Familie vergleicht, ob er zu gut oder zu schlecht 
1 bei der Bertheilung der Glücksloose weggekommen ist. Ist das 
Letztere der Fall, so kann vielleicht gerade jetzt die durch die Aus- 
I Heilung herbeigeführte bessere Erwerbsgelegenheit ihm dazu helfen, 
I alsbald den Schaden zu kurircn. Es ist auch sehr interessant, 
I das jetzige Durchschnittseinkommen mit dem früherer Jahre zu 
I vergleichen. Bor dem Kriege von 1870 betrug es rund 500 Mk. 
I Dann stieg es aber von 1871 an. Namentlich die Gründerjahre 
< 1872 und 1873 brachten höhere Löhne und Gewinne, das Durch 
schnittseinkommen stieg auf 570 und dann auf 600 Mk. Selbst 
! als 1874 der Krach viele große Vermögen zusammenwarf, ging 
I das Durchschnittseinkommen noch in die Höhe auf 627 Mk. Die ! 
Löhne der großen Mehrzahl hielten sich eben etwas länger auf 
der Höhe. Von da ab aber ging der Durchschnittsverdienst von 
Jahr zu Jahr herunter. Bis 1881 dauerte die allgemeine 
Geschäftsstockung fort. An letzterem Zeitpunkt war das durch 
schnittliche Einkommen noch unter 500 Mk. gesunken. Dann hob 
es sich langsain und regelmäßig wieder, stieg bis Ende 1888 
wieder über 600 Mk., und selbst die mit Ende der 80er 
Jahre wieder heftiger einsetzende Erwerbsstockung hielt zu 
nächst das Steigen nicht auf. Eude 1891 hatte das Durch- 
schnittseiukommen mit 690 Mk. dcu höchsten Stand erreicht. 
Seither ist wieder ein kleiner Rückgang beobachtet worden. Indeß 
wird dieser voraussichtlich im laufenden Jahre mehr als eingeholt 
werden, sodaß sich die Einkommensverhältnisse gegen früher an 
scheinend günstig stellen. Da eine Vertheucrung der wichtigsten 
Bedürfnisse, namentlich Wohnung, Kleidung, Brod, gegenwärtig 
nicht in bedrohlichem Umfang zu erwarten steht, so ist zu hoffen, 
daß die größere Einnahme wirklich eine Verbesserung in der Lage 
der hauptstädtischen Bevölkerung bewirken wird. 
Die Derkestrs-Nerstiiltmste der Berliner 
Gewerbe - Ausstellung. 
Herr Eisenbahn-Ban- und Betriebs-Jnspectvr Klinke, Mit 
glied der Verkehrs-Commission der Berliner Gewerbe-Ausstellung, 
veröffentlicht in dein vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten 
herausgegebenen Central-Blatt der Bauverwaltnng (Verlag von 
Wilhelm Ernst Solm in Berlin) den folgenden hochinteressanten 
Artikel, deit mir mit besonderer Erlaubniß des Verfassers, der 
Redaction und des Verlags hiermit zum Abdruck bringen: 
Ter Eisenbahnverkehr. 
Um den Umfang der zur Bewältigung des voraussichtlichen 
Massenverkehrs der Ausstellung erforderlichen Anlagen einiger 
maßen richtig bemessen zu können, war die Kenntniß der unge 
fähren Größe desselben nothwendig. Einen kleinen Anhalt für 
die Schätzung des Verkehrs bot die im Frühjahr 1894 im 
Treptower Park abgehaltene landwirthschaftliche Ausstellung, die 
einen Tagesbesuch von rund 50 000 Personen aufwies. Ter 
Interessentenkreis für eine Gewerbe-Ausstellung ist aber ein un 
gleich größerer, jene Besucherzahl kann daher nur als unterste 
Grenze in Betracht kommen. Einen weiteren Anhalt bieten die 
jüngsten Welt-Ausstellungen von Paris und Chicago. Auf der 
ersteren betrug die höchste Zahl der Ausstellungsbesucher an einem 
Tage rund 380 000, auf der letzteren rund 780 000 Personen. 
Die letztgenannte außergewöhnlich hohe Besuchsziffer wurde nur 
an einem einzigen Tage während der ganzen Dauer der Aus 
stellung unter ganz besonders günstigen Umständen und unter 
Aufgebot besonderer künstlicher Reizmittel erreicht, an allen anderen 
Tagen blieb die Besucherzahl unter der Höchstziffer der Pariser 
Welt-Ausstellung. 
Eine Besucherzahl von 380 000 Personen würde daher bei 
Bemessung der zu schaffenden Verkehrsverhältnissc als Höchstzahl 
zu erachten sein. Allein auch diese Zahl ist im Hinblick daraus 
entsprechend einzuschränken, daß sich die Berliner Gewerbe-Aus 
stellung, wiewohl sie in vielen Zweigen weit über den Rahmen 
einer örtlichen Ausstellung hinausgeht, einer Weltausstellung nicht 
voll an die Seite stellen kann. In welchem Maße diese Ein 
schränkung angemessen sein würde, darüber giebt die uns bekannte 
Höchstziffer des Verkehrs auf der Stadt- und Ringbahn schätz 
baren Anhalt. Dieselbe betrug am vorjährigen Pfingstmontage 
rund 306 000; dazu kam der Vorortverkehr, soweit er auf die 
Stadtbahn übergeht, also derjenige der Ostbahn, Schlesischen Bahn, 
Görlitzer Bahn im Osten Berlins und derjenige der Wetzlarer Bahn 
Grunewald, Potsdam — und der Hamburger Bahn — 
Spandau, Nauen — im Westen Berlins mit rund 120 000, im 
ganzen also 426 000 Personen. Es dürfte wohl kaum zu hoch 
gegriffen erscheinen, wenn angenommen wird, daß an schönen 
Sonntagen der dritte Theil dieser Fahrgäste die Ausstellung als 
Ausflugsziel wühlen wird; es würde demnach eisenbahnseitig ein 
Verkehr von rund 140 000 Menschen zu bewältigen sein. Wie 
wir weiter unten nachweisen werden, fällt der Eisenbahn-Verwal 
tung die Bewältigung etwa der Hälft- des Gesammtverkehrs zu,
	        
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