Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

2 Offikielle Ausstelluirgs -Uachrichtett.
lind Unternehmer ihre rothen Karten in unserer Platzinspection, Central-Verwaltungsgebäude, Erdgeschoß
links, mit einem Stempel versehen zu lassen, welcher den unbedingten Eintritt gewährleistet, oder daselbst
neue Karten abzufordern.
2. Die Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, des Gesammt-Vorstandes, der Gruppen-Vorstände
und aller Commissionen, deren rothe Karten ebenfalls mit einem Stempel zu versehen sind.
3. Die Vertreter der Presse, auf Grund der für sie von dem Arbeits-Ausschuß, der Geschäftsstelle, dem
Officiellen Internationalen Preß-Bureau oder dem Propaganda-Bureau ausgestellten Eintrittskarten.
Bei allen zu 1. bezeichneten Karten verliert die Bezeichnung „mit Begleitung" Giltigkeit.
Berliner Gewerbe - Ausstellung 1896.
Der Arbeits-Ausschuß.
Fritz Kühnemann. Beruh. Fetisch. L. M. Goldberger.
Die Capitalien und Einkommen
in der berliner Industrie.
Von Dr. Karl Thieß.
^Abdruck untersagt.]
Vermögen und Einkommen sind etwas, worüber der Einzelne
äußerst tingern Aufschluß giebt uitd das man beim Einzelnen
gerade in den vielfach verschlungenen Verhältnissen der Großstadt
immer weniger klar durchschauen kann. Und trotzdem sind wir
über die gesammten Wohlstandsvcrhültnisse, über das Vorkommen
der verschieden hohen Vermögens- und Einkommensstufen in Staat
und Stadt gerade jetzt ziemlich genau unterrichtet. Denn die
fürsorgliche preußische und deutsche Finaiizverwaltnng hat dafür
gesorgt, daß unser Einkommen und unser Vermögen, unsere Gewerbe-
und Wohnverhältnisse und ebenso unsere ivichtigsten Verbrauchs-
Artikel fein ordentlich und vollständig mit Steuern belegt worden
sind. Dazu muß aber über alle Gegenstände der Besteuerung
eine sorgfältige Buchung geführt, müssen sie behördlich festgestellt
oder geschätzt werden. Wiewohl die dadurch ermittelten Zahlen
für den Einzelnen durchaus nicht bekannt gegeben und öffentlich
gebraucht werden dürfen, so werden sie doch zu sorgfältigen statistischen
Massenbildern verarbeitet, bei denen alles Persönliche in den großen
Zahlen untergeht; höchstens ganz zu oberst aus den höchsten Stufen
des Einkommens und Vermögens tritt die Neugier auch diesen
Zahlen näher mit der Vermuthung, der eine dort verzeichnete
fünfzigfache Millionair möge wohl der Banqtlier A. und der andere
mit dem Einkommen von 2 Millionen der Fabrikant B. sein.
Eine brauchbare Uebersicht über Vermögen und Einkommen
der Berliner sollte auf der Gewerbe-Ausstellung nicht fehlen, und
da das Statistische Amt der Stadt Berlin unter den Ausstellern
erscheinen will, wird sie voraussichtlich auch dort zu finden sein.
Denn Berlin zeigt sich auch darin als Industriestadt ersten Ranges,
daß in erster Linie sein Gewerbe der Bevölkerung Nahrung, Aus
kommen und Reichthümer zuführt. Selbst die ganz großen Ver
mögen in Berlin entstammen größtenthcils der Industrie, während
diese sonst gewöhnlich durch den Handel und vor allem de» Geld
handel, das Bankgeschäft, angesammelt werden. Die Vermögen
zeigen auch deutlich den Charakter ihres Ursprungs, In der
Industrie gehört weit mehr sichtbare schwere Anstrengung dazu,
Reichthümer zu sammeln, ein Lebensalter oder gar mehrere Gene
rationen voll hervorragend tüchtiger, unermüdlicher und nie unter
brochener, nie durch ungünstige Zeitläufte gebeugter Mühe und
Arbeit der Leiter, dazu die mühsame, harte und karggelohnte
Thätigkeit von Hunderten und Tausenden von Arbeitern. Daher
haftet auch diesen Reichthümern in hohem Grade das Bewußt
sein des schwer errungenen, hohen Werthes an; , sie werden meist
sorgsam zusammengehalten, ängstlich gehütet und weiter vererbt.
Dem Handelsgewinn dagegen haftet nicht so sichtbar der
Schweiß der vielen Arbeiter an, ihn verdankt man häufiger einem
kühnen l Wagniß, einer geistvollen Combination, einem geschickt
durchgeführten Einzelgeschäft. Man berichtet, daß eine der größten
Berliner Banken jüngst durch ein einziges Geschäft, eine Ver
einigung mit einer anderen großen Bank, einen Gewinn von circa
30 Millonen Mark gemacht und damit große Verluste gedeckt
habe. Der leichteren Ansammlung entsprechend dient das im
Handel verdiente Vermögen in höherem Grade dem Luxus, dein
Lebensgenuß, und es hat nicht oft durch viele Generationen Be
stand. Auch für gemeinnützige Zwecke aller Art wird es frei
gebiger dahingegeben. Capitalien solcher Art fehlen natürlich
auch in Berlin tiicht, aber sie geben nicht den Ausschlag. Durch
einen Vergleich z. B. mit der Nächstreichen Stadt Preußens, mit
Frankfurt a. M., das seine großen Vermögen fast ausschließlich
dem Handel verdankt, springt die andersartige Vermögensbildung
Berlins in die Augen. In Frankfurt entfalten die reichen Handel
treibenden eine weitgehende Wohlthätigkeit tind legen große Ver
mögen in gemeinnützigen Anstalten aller Art an. Berlin hat
davon vergleichsweise wenig aufzuweisen. Die reichen Gewerbe
treibenden ziehen es meist vor, alle ihre Gelder durch immer neue
Erweiterungen ihrer Etablissements festzulegen oder sie durch die
Erbauung prächtiger Paläste oder die Erwerbung großer Ritter
güter für die kommenden Geschlechter zu sichern. Freilich kann
die eigennützige productive Anlage, da eine gesunde Socialpolitik
eine kräftige Volkswirthschaft zur nothwendigen Voraussetzung hat,
auf die Dauer gemeinnütziger wirken als jene Wohlthätigkeit.
Die Gewerbesteuer wird seit 1893 von allen Gewerbe
treibenden erhoben, deren gewerbliche Einnahme die Summe
vvn 1500 Mk. oder deren Anlage- und Betriebscapital die Summe
von 3000 Alk. übersteigt. Solcher Gewerbetreibenden giebt es in
Berlin an 59 000, und sie bringen eine Steuersumme von
3% Millionen Mark auf. Das entspricht, da die Steuer durch
schnittlich ungefähr 1 Procent der Einnahme ausmacht, einem
gewerblichen Gesammteinkommen von circa 375 Millionen Mark.
Somit haben die 59 der größeren Gewerbetreibenden aus ihreni
Gewerbebetriebe allein rund ein Drittel der Sumnce gewonnen,
welche der gesammten Berliner Bevölkerung, darunter über
800 000 Selbstthätige, aus allen Quellen als Einkommen zu
fließt. Denn die Gesammtsumme der Einkommen in Berlin muß
nach den Ergebnissen der Einkommensteuer auf 1100 Millionen
Mark angenommen werden. Zu der Gewerbesteuer kommen noch
225 000 Mark Betriebssteuer, die von 11 500 Berliner Gast-
wirthen bezahlt wird; und weiterhin zahlen 2800 Leute, die ihr
Gewerbe im Umherziehen betreiben, dafür 47 000 Mark Steuern.
Das Gesammteinkommen der Berliner läßt sich nach
den Ergebnissen der Einkommensteuer im Großen und Ganzen zu
treffend angeben. Nicht weniger als 4380 Herren bemühen sich,
als Mitglieder der Einschätzungscommissionen in Berlin, um die
thatsächlichen Einkommensverhältnisse ihrer Mitbürger so genau
ivie möglich festzustellen. Zn tmterst auf der Stufenleiter der
Wohlhabenheit stehen an 120 000 Erwerbsthätige, die ein Jahres
einkommen von weniger als 060 Mark haben und für die Be
steuerung nicht in Betracht sommert. Ihnen schließen sich todter
180 000 Leute an, die zwischen 660 und 900 Mark einnehmen,
also ebenfalls noch nicht' zur Staatssteuer herangezogen, aber
schon eingeschätzt werden. Der größte Bruchtheil der Berliner
hat ei» Einkommen zivischen 900 und 3000 Mark, nämlich
263 000 Personen. Freilich sind hier die niedrigsten Steuerstnfen
am stärksten besetzt, die von 900 und 1050 Mark allein mit
99 000 Steuerzahlern. Nach oben hin lichten sich die Reihen
schoti bedenklich. Zur nächsten Stufe gehören noch 57 000, zur
übernächsten nur noch 21 000. Ein Einkommen von 2700 bis
3000 Mk. haben nur noch 5600 Personen.
Nun werden die Zahlen genauer. Wir kommen zu den
44 000 Leuten in Berlin, die in der beneideten Lage sind, über
3000 Mark jährlich einzunehnieli, und in der schon weniger bc-
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