Path:
Periodical volume Nr. 96, 22. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

10 
Officielle Äussiellungs-Nachrichten. 
Sterblichen beschieden, und mancher deutsche Handwerks- 
mann, der in einer freien Stunde durch die Dörfer der 
Schwarzen in der Kolonial-Ausstellung wandert, möchte wohl 
auf der Stelle mit seinem schwarzen Landsmann tauschen. 
Das Leben vom Herrgott, die Wohnung und das Essen von 
der Direction — Bruder-Herz was begehrst du mehr? —- 
Tim A8 Uhr Ahends wird die Boma laut Anschlag auf den 
Tafeln geschlossen, damit kein neugieriger Besucher den 
ersten Schlummer der Pfleglinge störe. Und morgens gegen 
10 Uhr, wenn die ersten Ausstellungsgäste sich einfinden, 
erheben sich diese Glücklichen erst von der molligen Lager 
stätte. Männer und Frauen binden sich zuerst ihre Tücher 
um Brust und Lenden, einige schlingen sich einen Turban um 
das wollige Habenhaar, besonders Noble legen sogar 
Strümpfe an, die sie aber niemals über die Waden empor 
ziehen, sondern in malerischen Falten um die Knöchel bau 
meln lassen. Ob das aus Eitelkeit auf ihre dünnen Beine 
geschieht, oder aus Bequemlichkeit, konnte bisher nicht eruirt 
werden. — Die Schuhe werden Morgens noch nicht an 
gelegt, sondern in langer Reihe hinter dem Zaun vor die 
Häuser gelegt, wo die stattliche Galerie von „Fussbeklei- 
dungsgefässen“ beim Publikum höchste Bewunderung er 
regt: meist sind es gelbe Strandschühe von der Dimension 
massiger Ruderboote; auch Gummizugschuhe scheinen in 
Ost- und Westafrika en vogue zu sein. —- Die weitere Toilette 
vollzieht sich vor den Augen des Publikums. Innerhalb des 
umzäunten Hofes befindet sich ein Brunnen ; einer nach dem 
andern tritt an die Pipe, ergreift die Seife und wäscht sich 
Hände und Arme bis zum Ellenbogen; die „Gigerln“ 
waschen sogar das Gesicht, obwohl ein Unterschied in der 
Färbung nicht erreicht wird. — Sodann werden die eleganten. 
Luxuskleider: Hemden, bunte Tücher etc. zum Trocknen 
und Lüften an den Strick gehängt. Während die Frauen 
nun an die Arbeit gehen, Feuer machen, Reis und Kartoffeln 
aufsetzen, Hühner rupfen etc., begeben sich die Männer und 
Knaben in die Hütten, um Zahnbürste, Rasirmesser und 
Taschenspiegel zu holen. Dann treten sie wieder in’s Freie 
oder in die Thür und vollziehen mit Sorgfalt, indem sie ab 
und zu wohlgefällige Blicke auf das bewundernde Publikum 
werfen, die Arbeit des Zähneputzens und Rasirens. Cultur- 
histori.scli interessant ist, dass sich auch die bartlosen Jungen 
von 12—13 Jahren das Gesicht mit einem Elfenbeinmesser 
abkratzen. — Damit ist das Lever auch, für die Männer be 
endet und sie gehen an ihre Tagesarbeit. Einer steckt Fleisch 
an den Spiess und brät es, ein anderer setzt sich an den Web 
stuhl und zieht blaues Garn als Schuss durch weisse Grund 
fäden. — Bismarck Bell, der königliche Spross, setzt sich, 
einen Spazierstock mit grossem Knopf in der Rechten, mit 
einem Freunde auf die Schwelle einer Hütte, raucht und 
leiert fröhliche Liedchen ab. Und wenn ihn jemand neidvoll 
anblickt, fragt er auf gut Deutsch: „Mechtste woll! ?“ 
s 
Kannibalen. Ein ethnographisch sehr werthvolles 
Bild in Aquarellfarben ist in der wissenschaftlichen Halle der 
Deutschen Kolonial-Ausstellung unter der Findsclvsehen 
Sammlung zu finden. Findseh hat von seinem Vater, der 
Maler war, einiges zeichnerisches Talent geerbt und stellt 
hier in sehr lebhaften Farben eine Menschenschlächterei dar, 
deren Zeuge er am 7. März 1881 in Matupi (Neu-Pommern) 
war. Die Eingeborenen, Südsee-Insulaner, in ihrem vollen 
Festschmuck, haben sich theils am Ufer eines Flusses grup- 
pirt, theils stehen sie im Wasser selbst, um ihr unglückliches 
Opfer, einen Kriegsgefangenen aus einem feindlichen Stamme, 
herum. Der Aermste wird, auf dein Rücken liegend, nach 
allen Regeln der Kunst abgeschlachtet. Der eine von seinen 
Peinigern hält einen der abgeschnittenen Arme, ein 
anderer ist eben damit beschäftigt, dem Unglücklichen 
den Bauch aufzuschlitzen. Das Bild ist in den Figuren 
und der Scenerie so gut dargestellt, dass man sich einen vol 
len Begriff von dem grausamen Brauch', der noch jetzt unter 
den Südsee-Insulanern herrscht, machen kann. 
» 
Italien in Kairo. Dem internationalen Charakter de r 
egyptischen Hauptstadt entsprechend, haben sich in den Strassen 
und Bazaren des Treptower »Kairo« auch zahlreiche italienische 
Firmen niedergelassen. Italienische Mosaiken, florentinische Bilder- 
rakmen und verschiedenartige geschmackvolle Bi.jouterieen weist der 
Pavillon Pietro Tappari’s auf; am Khediveplatz hat Luigi Gazzolo 
eine Osteria etablirt, so das neben Libanon-, Palaestina- und 
griechischen Weinen auch Chianti und Marsala in Kairo verzapft 
werden. —Viel bewundert werden die Compagnons Voghera und 
Calabi, die am Eingang zu den Chalifengräbem einen kleinen 
Laden mit italienischen Seidenstickereien, besonders auf Taschen 
tüchern, errichtet haben. Signore Voghera stickt vor den Augen 
des Publikums jeden ihm vorgeschriebenen Namenszug mit staunens- 
werther Aehnlichkeit und grösser Schnelligkeit mit der Maschine 
in den Baiist des Taschentuchs. — Auch die in Berlin etablirte 
Societä Italiana stellt ihre Kunstschnitzereien, Venetiauischen Glas- 
waaren u. a. m. auf dem Khediveplatz aus. 
*' 
Die Hilfe der Sanitätswache wurde in den letzten 
24 Stunden 33 Mal in Anspruch genommen. In 24 Fällen lagen 
äussere Erkrankungen vor. Im Vergnügungspark würde ein Herr 
von epileptischen Krümpfen befallen. Daselbst wurde ihm von dem 
aus der Wache herbeigerufenen Arzt die nöthige Hilfe zu Theil. — 
Auf der Unfallstation wurden in den letzten 24 Stunden 
23 meist leichtere Fälle behandelt. In einem Falle handelte es 
sich um einen Angestellten der elektrischen Kundhahn, der durch 
Umschnürung mit einem Strick sich au zwei Fingern Quetsch 
wunden zugezogen hatte. Einer Angestellten wurde eine Gräte, 
die im Halse stecken geblieben war, entfernt. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
(Weitere Sehenswürdigkeiten werden ans Verlangen in diese Rubrik 
aufgenommen) 
Abgeordneten-Haus, Leipzigerstr.75. Eintrittskarten parterre, Abds.vorher v. 5 Uhr ab. 
Aquarium, Unter den Linden 68a- 9—7. Woehentags 1 M., Sonntags 50 Pf. 
Kinder die Hälfte. 
Berg- und Hüttenmuseum, in der Geologischen Landesanstalt, Invahdenstr. 44. 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uln- 
Berliner Ha'hhaus, (mit Ausnahme Donnerstags und Freitags) 11—3 Uhr. 
Beuth-Schinkel-Museum, Charlottenburg in der techn- Hochschule. Montags und 
Donnerstags von 10—12 Uhr. 
Bibliothek in der Königs. Bau-Akademie an der Schleusenbrücke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. 
Bibliothek der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im 
König!. Museum für Völkerkunde, Eingang Prinz Albrechtstras.se. Be 
suchszeit von 10—3 Uhr. 
Bibliothek, Königs, am Opernplatz. 1—2 Uhr. 
Bibliothek des Kunotgewe be-Museums, Prinz Albreclitstr. 7. Besuchszeit v. 10—10 Uhr* 
Bibliothek der polytechn. Gesellschaft, Neue Friedrichstr. 35. 2—3 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr. 9. 9—1 Uhr. 
Botanischer Garten, Potsdamerstr. 75. 8 —12, 2 -7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse, Burgstrasse und Friedrichstrassen-Ecke. 12-2 Uhr, ausser Sonntag- 
Flora-Etablissement. Palmen- u- Blumengärten in Charlottenburg. Eintritt 1 Mk 
Friedrichshain, mit dem Denkmal Friedrichs des Grossen. Platz vor dem Lands 
berger Thor, Ruhestätte der im März 1848 Gebliebenen. 
Herrenhaus, Leipzigerstr. 3. Eintrittskarten im Bureau daselbst. 
Historisches Museum im Schloss Monbijou (reich an Gegenständen ans der vater 
ländischen Geschichte) 10- 3 Uhr. 
Hygienisches Museum, Klosterstr. 35. Sonntags 11—1 Uhr, Dienstags u. Feitags 10—2Uhr. 
Königs Institut für Glasmalerei, Charlottenburg. Berlinerst»'. 9 (beim Chausseehaus) 
täglich ausser Sonntags von 9—4 Uhr. 
I Königliches Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albreclitstr. 7. Wochentags mit Ausnahme 
des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer von 12—6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3, 12—4, 
12—5 Uhr. 
Kunstgew. Ausstellung ,1er namhaftesten Kunstgewerbe Deutschlands, Lindenstr. 18. 
wochentäglich 10—7. Eintritt frei. 
König! Museum, Gemälde, Sculpturen. Antiquarium, Antike Vasen i u. Bronzen, 
Egvptischcs Museum. Kupierstichsammlung etc Wochentags mit Ausnahme 
d. Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer v. 12—6 Uhr, im Wint je nach der Jahresz v. 12—3, 12—4, 12—5 Uhr 
Könlgl Porzellan-Manufactur, Wegely.stra.sse- Dienstag, Mittwoch, Donnerstag n 
Freitag. Vorm bis 12 Uhr. 
Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstler, Wilholinstr- 92, täglich von 10—4, 
Sonntags von 11—2 Uhr. 
Königl Schloss, Meldung beim Kastellan, 10 bis 1 Uhr. 
Königs Schloss in Charlottenburg. Meldung beim Kastellan 
Markthallen, besonders: CentralmarkthaTIo. Neue Friedrichstras.se 24—27. 
Marställe, Königl, Breitest»*. 32, 12—2*4 Uhr. 
Märkisches Provinzial-Museum der Stadtgemeinde Berlin. Breitest»*. 20a im Köllnischen 
Rathhause. Sonntag 11-2 Uhr. Montag und Donnerstag 12—2 Uhr. 
Mausoleum in Charlottenburg. Von 10—6 Uhr. 
Münzkabinet im Museum am Lustgarten. Besuchszeit Wochentags^ mit Ausnahme 
des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags 
im Sommer von 12—6 Uhr» im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3, 
12-4, 12-5 Uhr. 
Museum der landwirtschaftlichen Hochschule und permanente Ausstellung landwirtschaftlicher 
Maschinen, Invalidenstr. 42. Besuchszeit an den Wochentagen (mit Ausnahme 
des Mittwochs» in den Vormittagsstunden. 
Museum für Naturkunde, Invalidenstr. 43. Sonnabend und Montag von 11—3 Uhr, 
Sonntags im Sommer 12—6 Uhr, im Winter 12- 3 Uhr. 
Museum für deutsche Volkstrachten und Hauserzeugnisse, Klosterstr- 36; täglich ausser 
Mittwoch von 11—2 Uhr. Entree. 50 Pfg , Kinder die Hälfte: 
Museum für Völkerkunde und Schliemann-Sammlung, Königgrätzerstr. 120 Wochentags 
mit Ausnahme des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter,
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.