Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

©fftcicUe Aussteltnntzs-Ilachrichte«.
11
Unsere deutsche Colonial-Ausstcllunq ist das Product emsigster
Arbeit und gewissenhaftester Forschung, sie ist belehrend und unter
haltend und wird mit ihren exotischen Reizen und ihrer malerischen
Ausgestaltung auch äußerlich ein fesselndes Schauspiel bieten.
In Das Theater Alt Berlin, welches durch die für die ge-
famuite Ausstellung bestimmten elektrischen Anlagen beleuchtet Iverden
soll, hat, uni ganz sicher zu gehen und für alle Fälle geschützt zu
sein, außerdem eine eigene elektrische Beleuchtungsstation eingerichtet.
Dieselbe besteht aus zwei Locomobileu und einer Dynamomaschine
von 60 Pferdekraft und ist ausschließlich für die Beleuchtung des
Theaters und die Hervorbringung der großartigen scenischen Lichi-
effecte bestimmt. Wie wir fernerhin erfahren, wird Herr Witte-
Wild, der jetzige Director des Breslauer Lobetheaters, der die
künstlerische Leitung des Theaters Alk-Berlin und späterhin die des
Theaters des Westens übernimmt, mit den Proben bereits am
2. April beginnen. An diesem Tage nehmen die Proben mit dem
Statisten-Personal, das in den Aufführungen des Theaters Alk
Berlin eine wesentliche Rolle spielt, ihren Anfang.. Das Solisten
Personal muß vertraglich vom 8. April an zur Verfügung stehen.
v
Die Leitung unserer Hoftheater plant, wie wir erfahren,
während der Ausstellungszeit eine Reihe von Gastspielen hervor
ragender Gesangskräfte. Der Vertrag mit Marcella Sembrich
ist bereits perfect geworden, ebenso ist Theodor Reichmann, der
jetzt im Königlichen Opernhause mit größtem Erfolge singt, zu
einem abermaligen Gastspiel verpflichtet worden. Das Künstler-
paar wird u. A. gemeinsam in Anibroise Thomas' seit Jahren
nicht gegebener Oper „Hamlet" auftreten. Jn'Kroll's Theater
tvird die General-Intendantur in der Zeit vom 13. Mai bis
15. September c, Opern-Vorstelluugen veranstalten, auf welche ein
Abonnement eröffnet werden soll. Der Abonnements-Preis beträgt
pro Vorstellung und Platz: a) Parquet (Mitte) Reihe 1—18
4,50 Mk., b) Parquet (Mitte) Reihe 19—22 3,50 Mk., c) Parquet
(Seite) Reihe 1—15 3,00 Mk., d) Parquet (Seite) Reihe 19—22
2 Mk., e) 1. Rang (Mitte) 4,50 Mk., f) Seitenbalcon (Tribüne)
3 Mk. Die näheren Bedingungen können in der General-Inten
dantur der Königlichen Schauspiele - Französischestr. 86 — und
an den Tageskassen des Königlichen Opern- und Schauspielhauses
eingesehen werden. Den Abonnenten des Königlichen Opernhauses
sollen die im Jahre 1895 bei Kroll innegehabten Plätze gewahrt
bleiben, wenn entsprechende Erklärung bis spätestens zum 10. April
d. I. schriftlich bei der General-Jnteudautur eingeht. Bestellungen
auf Kroll-Abonnements werden nur bei der General-Intendantur
bis 15. April d. I. entgegengenommen, wo auch der Abschluß der
Abonuemeuts-Verträge stattfindet.
Das Knattern von Revolvcrgesthützen, welches an einem der
letzten Tage in der Morgenfrühe über die Spree schallte, wies
darauf hin, daß die ersten acht für das große Marineschauspiel
bestimmten Kriegsboote ihre Werft verlassen hatten und unter der
deutschen Kriegsflagge über den schönen Strom dem Ausstellungs
gebäude zusteuerten, wo sie durch einen eigens gegrabenen Kanal
nahe dem Marineschauspiel vor Anker gingen. Diese auf der
Werft der Mvtor-Boots-Gesellschaft Bcrlin-Rummelsburg her
gestellten Boote, welche nach den seitens der Kaiserlichen Marine
gelieferten Zeichnungen erbaut sind, entsprechen den großen Kriegs
schiffen, ihren Originalen, im Verhältniß von 1 : 25. Die Nach
bildungen sind aus Stahl gebaut und erhalten als Betriebskraft
einen Elektro-Motvr nebst zugehörigen Accumulatoreu. Sie sind
mit vollständiger Takelage und sämmtlichen Aufbauten, Schorn
stein, Rettungsbooten k. versehen und iverden bei Abendzeit durch
eine Anzahl Glühlampen erleuchtet. Die Fahrzeuge sind mit
den erforderlichen Geschützen en miniature ausgerüstet. Die Be
dienung der Boote erfolgt durch einen Mann, welcher, dem Auge
unsichtbar, im Schiffskörper sitzt. Diesem ist die Steuervor
richtung, der Schaltapparat für de» Elcktro-Motor und für das
elektrische Licht, und ferner eine automatische Vorrichtung zum
Abfeuern der Geschütze bequem zur Hand gelegt. Die Boote können
in der Minute 126 Schüsse abgeben.
Die Naturschöuheiten, die unsere Ausstellung umrahmen, dürsten
unseren Gästen ein überraschendes Schauspiel bieten. Die lauschigen
Büsche um den Karpfenteich haben durch die alterthümlichen Mauern
und Zinnen eine stimmungsvolle Staffage erhalten; der Mitteltheil
des Treptower Parks mit seinem gleichmäßig umrandeten neuen See
zwilchen den halbrunden Arkaden und den hohen Thürmen des Haupt-
Gebäudes und Haupt-Restaurants ist wiederum der richtige Rahmen
für ein weltstädtisch elegantes Treiben; die Eigenart der Nilsladt
konnnt in dem südlichen Terrain jenseit der Cvepenicker-Landstraße
prächtig zur Geltung; — den überraschendsten, weil nngesuchtesteu
Effectaberwerden die Laubgänge an dem Ufer der breiten, majestätischen
Spree, der sogenannte „Nordpark", erzielen. Nach links und
rechts dehnt sich das Gewässer weithin; vom rechten Ufer winken
die zierlichen Villen, die Gasthäuser mit ihren Vorgärten herüber;
inmitten alter Bäume ragt die altehrwürdige, graue Kirche von
Stralau. Große Dampfer, bunte Segelboote ziehen vorüber, da
zwischen tummeln sich die hellen Kielboote und Canoes der um die
Wette rudernden Sportsmeu. - - Nach links hin ist das Uferbild
durch den Bau des imposanten Kaiserschiffes abgeschlossen; den
Hintergrund bildet das große Fischereigebäude mit seinen braunen
Holzwänden, grünen Dächern, Balkenköpfen und dem gegen das
Ufer zii offenen Fisch-Basfin; die Thürme des Hauptgebäudes, des
Pavillons der Stadt Berlin winke» über die Wipfel herüber;
iveiterhin nach Osten weitet sich der Rauni, und man betritt — die
Alpenwiese. Das überraschend lebendige Bild der Alpenfelsen und
Matten, nahe dem Spree-Ufer, giebt der Landschaft nach dieser
Seite einen Culminationspnnkt, so daß ein einheitliches Naturbild
von ganz seltener Pracht entsteht, das geeignet ist, die Vorurtheile
über Berlins „reizlose" Umgebung endgiltig zu zerstreuen.
li. Die Ausstellungs-Fremden werden während eines großen
Theiles der Ausstellung zwei der hervorragendsten Sehensivürdig-
keiten Berlins vermissen. Ter Circus Busch beendet seine Vor
stellungen bereits am 2. April, und Circus Renz wird seine
Pforten ebenfalls in wenigen Wochen schließen. Es ist verwunder
lich und bedauerlich, daß diese beiden im weltstädtischen Stil geleiteten
Etablissements, die auch außerhalb Berlins einen großen Ruf
genießen und auf unsere Gäste gewiß eine bedeutende Anziehungs
kraft ausgeübt hätten, gerade während der Ausstellungszeit, in der
Berlin mit seinen weltstädtischen Sehenswürdigkeiten paradiren
müßte, geschlossen bleiben sollen.
s
Zur Jubelfeier des 200jährigen Bestehens der Königlichen
Akademie der Künste finden vom 5. bis 9. Mai unter Leitung des
Kapellmeisters der Königlichen Akademie, Professors Dr. Joachim, Musik-
feste statt, für die vorläufig nachstehendes Programm festgesetzt ist: Am
ersten Tage Singakademie: Theile aus der Grell'schen Messe, B-moll
Quartett von Cherubini, Ballade von Löwe, gesunken von Herrn Meschaerdt,
Doppelquartett E-moll von Spohr, Lieder von Taubert und Matschner,
gesungen von Frau Schultzcn von Asten, und das Salvum fac regem von
Hauptmann. Am nächsten Tage öffentliche Generalprobe zu dem neuen
Oratorium von Mar Bruch „Moses" in der Philharmonie, woselbst dieses
am 7. Mai zur Aufführung gelangt (800 Sänger, Solisten: Fräulein
Marie Joachim und die Herren Dierig, Meschaerdt). Am letzten Tage
findet Vormittags in der Philharmonie eine Generalprobe und Abends
ein Concert statt mit folgendem Programm: Faust-Ouverture von R. Wagner,
„Fern im Osten wird es helle" von Kiel für Chor und Orchester, Brahms'
0-molI-Symphonie und Mendelssohn's „Die Walpurgisnacht". Vorver
merke auf Abonnements für alle Tage oder einzelne Concertaufführuugen
werden bereits jetzt im Bureau der Königlichen Akademie der Künste,
llniversitätsstraße 6 l, entgegengenommen. — Fernerhin wird aus Anlass
der Jubelfeier des zweihundertjährigen Bestehens der Königlichen Akademie
der Künste in Anwesenheit des Kaisers, der Kaiserin, der Kaiserin Friedrich
ani 2. Mai, Nachmittags tz'/r Uhr, eine Festsitzung der Akademie in del
Rotunde des Königlichen Museums stattfinden, — Im Ausstellungsgebäud«
am Lehrter Bahnhof herrscht jetzt schon reges Treiben: die Zahl der für
die Internationale Kunst-Ausstellung Berlin 1896 abgelieferten Werke er
reicht eine Höhe, wie in keinem Jahre zuvor. Nunmehr ist der Termin
der Einsendungsfrist abgelaufen, soweit die Ausstellungs-Commission den
Künstlern die Frist noch nicht verlängert hat. Die in Berlin gewählte
Aufnahme-Jury beginnt nunmehr ihre mühevolle Arbeit. Es unterliege»
ibr diesmal nur die Werke der hier lebenden Künstler und solche, ivelche
direct, ohne Berücksichtigung der Sammelstellen, nach Berlin gelangen. Im
klebrigen entscheidet die Aufnahme-Jury der einzelnen Eollectiv-Ausstvllungen.
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.