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Periodical volume Nr. 92, 18. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officieile Ausstellungs - Nachrichten. 
Eisenbahnbau- und Signalwesen. 
Weichen- und Signalstellwerke. 
[Abdruck untersagt ] 
In einem früheren Artikel haben wir die elektrischen 
Eisenbahn-Signal- und Blockeinrichtungen der Firma 
Siemens & Halske zum Gegenstand der Besprechung ge 
macht. Es handelte sich nur um die Hervorhebung den 
elektrischen Sicherheitsvorrichtungen. Im Folgenden wollen 
wir nun auf jene Vorrichtungen einen Blick werfen, die im 
Eisenbahnverkehr meist zu finden sind. 
Viele, die wohl täglich die Bahn benutzen, haben kaum 
einen Begriff davon, welche hohen Anforderungen an die 
Apparate zür Signalisirung und Weichenführung gestellt 
werden. Viele werfen kaum einen Blick auf diese Vorrich 
tungen trotzdem von deren präciser Construction das Leben 
der Passagire und die Sicherheit des Betriebes abhängt. 
Beginnen wir zunächst mit den Weichenanlagen. Be 
kanntlich werden die auswechselbaren Schienenverbindungen 
durch sogenannte Weichenzungen gebildet, die in bestimmter 
Abhängigkeit mit einander stehen. Je nach der verschie 
denen Einstellung dieser Zungen nach der einen oder anderen 
Seite wird der Bahnzug gezwungen auf demselben Geleise zu 
bleiben oder sich seitwärts abzweigen. Bei gewöhnlichen 
Geleisanlagen wird die Umstellung der Zungen durch Um 
schalter bewirkt, die mit Gegengewichten beschwert, neben 
den Schienen angebracht sind,. Bei grösseren Bahnanlagen 
konnte diese Methode, bei welcher der Wärter sich stets an 
die betreffende Weiche begeben musste und so keinen Ueber 
blick über die anderen Weichen hatte, im Interesse der Be 
triebssicherheit nicht beibehalten werden, man sah sieh 
vielmehr gezwungen, die Bedienung der sämmtlichen 
Weichen in eine Hand zu geben, welche stets das 
ganze Schienenbild vor Augen haben sollte, wodurch 
verhängnissvolle Irrthümer ausgeschlossen werden sollen. 
Aus diesem Gedanken heraus entstand die Anlage der soge 
nannten Centralweichen. Diese sind derartig erhöht ange 
legt, dass der diensthabende Beamte stets ungehindert das 
Bahnhofsterrain übersehen und genau den Bewegungen der 
einzelnen Züge folgen kann. In diesen Central weichen be 
finden sich feste eiserne Stände, an welchen sich für jede an 
geschlossene Weiche ein besonderer Hebel befindet. Die Ver 
bindung des Hebels mit der Weiche erfolgt durch Draht 
zug, welcher in bestimmten Abständen durch bewegliche 
Eisenrollen getragen wird. Die Spannung des Drahtes ge 
schieht durch eingeschaltete, mitGewichten beschwerte doppel- 
armige Hebel. Welche Anforderung an einen solchen Draht 
zug gestellt werden, ist leicht ersichtlich, da ein Zerreissen 
desselben unter Umständen sehr traurige Folgen haben kann. 
Die Leitungen werden in den meisten Fällen aus ca. 5 mm 
starkem Gussstahldraht hergestellt, der auf seine Festigkeit 
gegen eine Belastung bis zu 90 kg pro qmm ausgeprobt ist. 
Die Verbindung der einzelnen Leitungen, welche ebenfalls 
hohen Widerstand leisten muss, erfolgt am Vortheilhaftesten 
durch Löthung auf eine Länge von mindestens 110 mm. Auf 
kürzere Strecken erfolgt die Bewegungübertragung durch Ge 
stänge aus Weichenrohr von ca. 40 mm äusserem Durchmesser 
und 4,5 mm Wandstärke. Wenn diese Verbindungsdräbte? 
oder Gestänge neben den Schienen oder unter diese hindurch 
auf dem Bahnkörper entlang geführt werden müssen, wird, 
um äussere Einflüsse und Störungen zu verhindern, ein Ka 
nal aus schmiedeeisernen verzinkten Röhren bisweilen wohl 
auch aus Mauerwerk gebildet. 
Die bisher benannten Einrichtungen dienen wohl zum 
Umstellen der Weiche, können sie jedoch bei dem starken 
Drucke, welchen darüber weggehende Bahnzüge ausüben, 
nicht sicher in ihrer Lage festhalten. Um nun jedes Aus 
springen der Weichenzungen zu verhüten, bringt man soge 
nannte Verriegelungen an, welche mit dem Weichenstellhebel 
zugleich in Thätigkeit gesetzt werden und eine vollkommen 
sichere Festlegung der umgelegten Weichenzungen bewirken. 
Bei den enormen Zuggeschwindigkeiten, die jetzt innege 
halten werden müssen, ist diese Einrichtung von ausseror 
dentlicher Wichtigkeit. 
Besonders für Rangirbahnköfe bestimmt sind die Gelei s- 
sperren. Bei Geleisen, die aus irgend einem Grunde nicht 
befahren werden sollen, wird durch Hebeleinrichtungen ein 
Hinderniss über die Schienen gelegt, welches ein Weiter 
fahren des betr. Zuges verhindert. Mit diesem in Verbindung 
steht eine drehbare automatische Signallateme, welche bei 
der Betriebsetzung der Geleissperre selbstständig sich auf 
„Halt” stellt. 
Ebenso wie die Drahtzüge und Gestänge müssen auch die 
Stellböcke, auf welchen sich die Stellhebel befinden, sehr 
dauerhaft construirt sein. An ihnen ist eine mit jeder Hebel 
bewegung automatisch functionirende Vorrichtung ange 
bracht, die dem diensthabenden Beamten jederzeit durch Ein 
stellung einer rothen oder weissen Scheibe zu erkennen giebt» 
ob die betreffendenGe 1 ei s s treckenfrei. sind oder mclit. Anstelle 
des gewöhnlichen Stellbockes wird vielfach auch ein soge 
nannter Kurbelsteller verwendet, bei welchem das Umstellen 
der Weiche statt durch Hebel durch Kurbelbewegung er 
folgt. 
Bekanntlich sind unsere Eisenbahnlinien in sogenannte 
Blockstrecken getheilt, innerhalb deren sich stets nur ein Zug 
befinden darf. Das Absperren dieser Strecken erfolgt durch 
Signalmaste, welche in directer Verbindung mit den Weichen 
stehen oder, falls solche in der Blockstrecke nicht vorhanden 
sind, von der Centralweiche aus eingestellt werden. Ist die 
Blockstrecke frei, so hat der Signalhebel eine schräg nach 
aufwärts gerichtete Stellung, bei Freigabe eines Zweigge 
leises haben zwei Arme dieselbe parallel zu einander liegende 
Richtung nach oben. Ist die Strecke dagegen gesperrt, so 
steht der Signalhebel wagerecht. Die, Einschaltung eines 
nach aufwärts gerichteten Signalarmes in die Halt-Stellung 
nach erfolgter Durchfahrt eines Zuges geschieht mittels des 
.elektrischen Stromes. Durch sinnreiche Vorrichtungen 
stehen alle Signale unter einander in einem solchen Abhän- 
gigkeitsverhältniss, dass z. B. der Beamte auf der Central- 
weiche nicht im Stande ist, das hinter einem Zuge auf „Halt” 
eingeschlagene Signal wieder in freie Fahrt umzuwandeln, 
ehe der vor herfahrende Zug die Blockstrecke verlassen hat 
und dieselbe auf elektrischem Wege debloekirt (freigegeben) 
ist. Ausser diesen Apparaten gelangen noch Vorsignale, 
niedrigere Ständer mit einer durchbrochenem kreisrunden 
Scheibe, nach deren Stellung der Locomotivführer auf das 
nun folgende Hauptsignal aufmerksam gemacht wird, zur 
Verwendung. 
Eine erst seit neuerer Zeit auf den Rangirbahnhöfen 
Rummelsburg und Pankow in Betrieb befindliche Einrich 
tung ist das sogenannte Rangirsignal. Dasselbe besteht aus 
zwei auf einer Achse laufenden zebneckigen Trommeln, auf 
deren einzelnen Flächen die Zahlen von 0 bis 9 angegeben, 
sind. Durch entsprechendes Drehen der einzelnen Trommeln 
kann in der Oeft'mmg der vorderen Stirnwand jede einzelne 
■Nummer von Ibis99 in wenigen Sekunden gegeben werden. 
Durch Innenbeleuchtung am Abend ist das Signal noch deut 
lich bis auf 400 m Entfernung erkennbar. Es dient als ein 
fachstes und sicherstes Verständigungsmittel zwischen dem, 
Rangirmeister und dem Weichensteller. Letzterer erhält 
hierdurch Kenntniss von der Nummer des Geleises, welches der 
umzurangirende Wagen durchlaufen soll und kann danach 
seine Weichen einstellen. 
Ueber die Wegeschranken, welche ja allgemein bekannt 
sind, lässt sich nur bemerken, dass auch an ihnen in jeder Be 
ziehung leicht erkennbare Verbesserungen und Vervollstän 
digungen vorgenommen worden sind. Sie sind mit Signal 
laternen, Gitterwerken, Drahtzugbewegung ausgestattet, sej 
dass den nachkommenden Generationen in dieser Beziehung, 
kaum noch etwas zu thun übrig bleibt. 
Die hervorragendsten Fabriken auf diesem Gebiete des 
Eisenbahnbau- und Signalwesens haben es sich nicht nehmen 
lassen, auf dem Terrain der Berliner Gewerbe-Ausstellung ihre 
Products aufzustellen. Namentlich finden wir neben Sie.-
	        
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