Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gfftrrelle AussteUnngs -Uachrtchte».
uI
Von der großen Arena sind bereits die Holzstufen errichten
die Pyramide Gizeh, in der Eiscnconstruction fertig, wird eben
mir großen Cementplatten bekleidet; auf dem großen, freien Platze
vor den Restaurants ist man beschäftigt, eine Oase nachzubilden,
mit kleiner Erderhebung, schattigen Palmen. Ruheplätzen und einer
Quelle, — Palmen werden in großer Zahl an geeigneten Plätzen
aufgestellt. All' diese Arbeiten dürften in etwa zwei Wochen be
endet sein.
Einen Vorgeschmack von der Herrlichkeit, die uns an schönen
Sonimertagen hier entzücken ivird, konnte man in den sonnigen
Stunden der vergangenen Woche gewinnen. Am Dienstag Abend
standen Bauleiter und Arbeiter andachtsvoll auf den oberen Stufen
der Freitreppe, versunken in den feenhaften Anblick des Sonnen
untergangs. Seitwärts von der großen Pyramide iah man den
goldenen Ball in die Ebene hinabsinken, aus der von ferne die
Kirchthürme und Fabrikschlote der Millionenftadt emporragen; die
Hellen Thürmchen und blanken Kuppeln leuchteten in rothem Glanz,
die Wipfel der Palmen wiegten sich im leisen Abendwind. Fata
morgana schien für einen Augenblick die bunten Wunder des sonnigen
Orients vor unsere Angen gezaubert zu haben.
Dr. Lndw. Abels.
Belehrendes und Unterhaltendes ans der
Cotoniat-AnssteUuttg.
^Abdruck untersagt.!
Noch Wenige Wochen, und man wird draußen in Treptow
den Suahelis und anderen Eingeborenen der Eolonien mit ihren
Frauen und Kindern begegnen, die bereits auf der Reise nach
Deutschland begriffen sind. Schmiede, Holzarbeiter, fernerhin
Künstler in Elfenbein- und Schildpattschnitzarbeiten, geübte Fischer
und Ruderer, tüchtige Speerschleuderer, die hier ihren Künsten und
Handwerken, der Jagd und dem Fischfang nachgehen werden,
Frauen, die ihre Fertigkeiten im Flechten, Weben und Sticken
zeigen sollen, befinden sich in der Karawane. Auch die Pflege
des religiösen Cultus ist vorgesehen. Auf dem Hanptplatz von
Quikurru-Quasicki erhebt sich ein drei Meter hohes Götzenbild, vor
dem die Fethisch-Anbeter ihren Götzendienst abhalten können.
Sehr charakteristisch präsentirt sich nach dem Passiren der langen
Bogenbrücke das Thor zur eigentlichen Colonial-Ausstellung mit seinen
riesigen Neu-Guinea-Masken in schreiend bunten Farben, mit seinem
Schmuck von Matten, Palmenwedeln, Speeren, Schildern und anderem
ethnologischen Zierat. Unmittelbar vom Thor aus zieht sich an
der nördlichen Längsmauer eine Bannnvollenplantage hin. Die
Neger — fein modellirte Figuren — sammeln die weißen Flocken,
die theils inte Schnee ans den Kapseln quellen, theils auf dem
Boden liegen, wohin sie der Wind verstreute. Die Ernte muß schnell
eingebracht werden, da mehrtägiges Liegen im Freien die Qualität
der Baumwolle wesentlich beeinträchtigt. Rings um die Baumwoll
felder liegen die Baulichkeiten, in denen die Baumwolle gesannnelt,
gereinigt und in riesigen Ballen aufgespeichert wird — sauber ge
arbeitete Modelle im Verhältniß von 1 : 80. Auf einer Feldbahn,
von Arthur Koppel, Berlin, ansgestellt, werden die Ballen zu den
Speichern befördert. Wie hier Anbau und Ernte der Baumwolle
veranschaulicht wird, so geschieht es mit dem Tabak in der Colonial
halle, wo im erkerartigen Mittelbau eine Tabaksplantage über die
Zucht und Pflege der Pflanze und über deren Verarbeitung bis
zur fertigen Cigarre aufklärt, die der Liebhaber gleich an Ort
und Stelle aits erster Hand genießen kann. Die Ren Gninea-
Gesellfchaft stellt ferner in der Colonialhalle drei Sammlungen
von Paradiesvögeln und eine solche von Faser und Farbpflanzen
ans, deren Verwerthung gleichfalls in Modellen mit malerischem
Beiwerk dargestellt ivird. Recht praktisch soll der Nutzen unserer
Colonion und ihrer Prodnclc durch eine Holzsammlnng bewiesen
werden. Main sieht die verschiedenen Nutzhölzer in ihrem Rohzu
stände, verfolgt ihre allmählich fortschreitende Verarbeitung und ge-
laugt schließlich zu einer Speisezimmer-Einrichtung, die I. C. Pfaff,
Berlin, ans Nen-Gninea-Hölzern angefertigt hat.
Einen kostbaren Elfenbeinschatz bringt der bekannte Elfenbein-
Importeur Ad. Meyer in Hamburg. 600 Elephantenzähne, vom
ersten Milchzahn des dickhäutigen Säuglings bis zum gewaltigen
Stoßzahn des ausgewachsenen Elephanten, 5,00 Walroßzähne, pracht
volle Elfenbein-Schnitzereien von Eingeborenen der Colonien, sowie
aus China, Japan und Indien werden hier in einem 9 1 / 2 Meter
hohen Pyramidcn-Schrank ausgestellt sein. Hohen Werth repräsen-
streit die ethnologischen Sammlungen von Waffen, Gewändern, Ge-
räthen für Fischerei, Ackerbau und von allerlei Hausrath der Ein
geborenen, die Major Wissmann auf seinen weiten Reisen znsammcn-
srug und die etwa einen Raum von 240 Quadratmetern einnehmen.
Nicht minder reichhaltig ist die Sammlung, die Hauptmann Rochus
Schmidt zur Verfügung gestellt hat. Unsere Numismatiker werden
gewiß den verschiedenen Arten von Muschelgeld (Dhvarra), das in
den deutschen Colonien bei den Eingeborenen noch viel beim Handel
benutzt wird, großes Interesse abgewinnen.
Einen Einblick in den Handel mit unseren überseeischen Be
sitzungen gewährt die Firma H. Woerniann tu Hamburg durch die
Ausstellung des Modells einer Kameruner Factorei für Tauschhandel:
eine Uebersicht der verschiedenen Erzeugnisse der ostafrikanischen
Colonien erhöht die Anschaulichkeit dieser Darbietung. Die Deutsche
Colonial-Gesellschaft will das Interesse an den deutschen irans-
oceanischen Besitzungen durch eine Bibliothek von Werken unserer be-
denkendsten Colonialforscher heben und wird einen Colonial-Atlas in
etwa 20 000 Exemplaren unter die Ausstellnngsbesucher vertheilen.
Die Jaluit-Gesellschaft, die ihren Sitz in Hanibnrg ttitb ans den
Marschallsinseln hat, betheiligt sich mit Sammlungen von Schmuck-
und Kleidungsgegenständen, von Muscheln, Proditcken des Bodens
und des Handwerks ihres Arbeitsgebietes; etwa 20 evangelische und
katholische Missionsgesollschaften werden Schulsachen, Modelle von
Kirchen, Kranken- und Schnlhäusern, photographische Ansichten ihrer
Ansiedelungen zur Schau stellen, und durch Schiffsmodelle, Copien
von Hafenanlagen, Ansichten von Werkstätten in den Colonial-
Häfen werden die verschiedenen Schiffsrhedereien, >oie die Ost
afrika-Linie, die Woermann-Linie, der Norddeutsche Lloyd und
die Actien-Gesellschaft in Tegel, vertreten sein. Auch der Bergbau
wird veranschaulicht werden, und zwar durch drei westaftikanische
Minen-Gesellschaften, die Modelle von Minen und Maschinen, so
wie Sammlungen von Kupfer, Zinn und anderen Bergbauprodnctcn
in den verschiedenen Stadien ihrer Gewinnung ltitb Bearbeitung
zugesagt haben. Ein Stückchen „Deutschland in Transvaal" zeigt
die Ausstellung von Minen-Modellen und Producten ans den Berg
iverken der Deutschen Bank in Transvaal, und „Deutschland in
Venezuela" repräsentirt die bildliche Wiedergabe des Bahnbaus in
Venezuela, an dem die hiesige Disconto - Gesellschaft mit etiva
60 Millionen Mark betheiligt ist.
Der Arbeits-Ausschuß unter Vorsitz des Herrn Grafen Schweinitz
schafft und ivirkt mit Eifer ititb Sachkenntnis; und findet eine aus
gezeichnete Stütze in Herrn v. Beck, dem Vorsitzenden der Neu-
Guinea-Gesellschast, der für eine fachmännische Ordnung der reichen
Schätze in den verschiedenen Hallen und Ausstellungsräumen Sorge
trägt. Sehr erfolgreich arbeiten auch die geschäftlichen und bau
lichen Berather des Unternehmens. Die Verkaufsarkaden, die ver
schiedenen Ausstellungshallen erweisen sich schon jetzt im Verhältniß
zu den täglich einlaufenden Anmeldungen als zu klein und werden
theilweife durch Anbauten vergrößert, so daß dem rührigen
Architekten der Colonial - Ausstellung, Herrn Baumeister Zschunke,
immer neue schwierige Aufgaben erwachsen. Herr Maler Hel-
grewe, der selbst Jahre hindurch in den deutschen Colonien lebte,
hat die Skizzen für die verschiedenen Baulichkeiten entworfen und
schafft jetzt emsig mit Pinsel und Farben, um in der Colonialhalle
den verschiedenen Ansstcllnngsgebieten durch malerische Prospecte
und plastische Ausschmückung ein künstlerisches und naturtreues
Colorit zu geben. — Für die Concerte der Ausstellung sind die
Kapellen des l. Garde-Dragoncr-Regiments (Musikdirecwr Voigt) und
des l. Garde-Kürassier-Regiments (Musikdirector Ruth) gewonnen.
Außer den schon früher erwähnten Volksbelustigungen, wie Elephanten
reitbahn, Affenhaus u. s. w., wird auch u. A. eine afrikanische
Schießbude aufgestellt werden, in der mit Speeren und Pfeilen
nach laufendem (ausgestopften) afrikanischen Wild geschaffen
werden soll.
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.