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Volume Nr. 9, 28. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Ofsirielle AnssteUungs Nachrichten. 
lampen-Anlage des Theaters betrieben werden, welchen eine starke 
Accumulatoren- Batterie zur Unterstützung bcigegeben werden soll. 
Die dritte Centrale, sowie die dazu gehörige Beleuchtungs 
anlage des Vergnügungsparkes sind am weitesten vorgeschritten 
nnd werden bereits vor dem 1. Mai zum Betriebe fertig da 
stehen, ebenso wie die für die Privat-Ausstellung Kairo von 
Siemens & Halste gelieferte Einrichtung. 
Interessant ist ferner das Kesselhaus, welches den Dampf 
zum Betriebe der Dampfmaschine in der Hauptcentrale erzeugen 
soll. Hier werden die Dampfkessel als Ausftellungsvbjeetc im 
Betriebe vorgeführt werden. Vier Kessel mit Röhrenconstrnction 
der Firma A. Borsig, ebenso drei von Steinmüller-Cummersbach, 
ein von Petry Deveux-Düren, sowie ein von Walter & Co.-Kalk 
mit bis 20 Atmosphären Ueberdruck sind bereits eingemauert 
nnd können bald in Betrieb genommen werden. Drei Kessel sind 
noch nicht festgelegt, sondern man ist noch mit deren Justirung 
beschäftigt. 
Für die Leitung der Ströme von der Centrale nach den 
einzelnen Pavillons und Gebäuden, sowie innerhalb der Ans 
stellungsräume sind unterirdische Kabel gewählt worden, damit 
jede Feuersgefahr durch Verletzung der Drahtumhüllung und 
Ueberspriügen von Funken vermieden ist. Diese Anlage ist zwar 
bedeutend theurer, jedoch im Interesse der öffentlichen Sicherheit 
dringend geboten. 
Nach einem in den letzten Tagen gefaßten Beschluß des 
Arbeits-Ausschusses sollen die Arbeiten ev. unter Vermehrung der 
Arbeitskräfte und unter Zuhilfenahme von Nachtstunden derartig 
gefördert werden, daß die Beleuchtungsanlage zum größten 
Theil schon bei der Einräumung der Ausstellungs-Gegenstände 
in Betrieb genommen werden kann. Die ganze Anlage 
wird, wie mir von competenter Seite bestätigt worden ist, 
zum ersten Mai fertiggestellt sein, möglich wäre es nur, daß 
einige Bogenlampen auf den Hinteren, weniger besuchten Wegen 
des Ausstellungsplatzes noch nicht zu diesem Termin dem Be 
triebe übergeben werden können; jedoch erscheint auch dieser Fall 
so gut wie ausgeschlossen. 
Wir können also mit ruhigem Gewissen der Eröffnung der 
Ausstellung entgegensehen, in diesem Punkte werden sich die Be 
theiligten keine Blöße geben, sondern mit allen Kräften für 
eine rechtzeitige Fertigstellung und Inbetriebsetzung der Beleuch 
tung eintreten. Gustav Jakob. 
Die Kaiserlichen Prinzen in der 
Gewerbe - Ausstellung. 
tAbdruck untersagt.^ 
Montag Nachmittag '/z3 Uhr wurde der Besuch des Reichs 
kanzlers Fürsten von Hohenlohe in der Gewerbe Ausstellung er- 
ivartet, da erschienen um dieselbe Zeit gänzlich unerwartet nnd un 
angemeldet zwei Hofwagen mit den Kaiserlichen Prinzen Adalbert, 
August und Oskar in Begleitung ihrer Erzieher und fuhren durch 
das offene Portal IX, ihnen folgten nach etwa einer Minute 
die Wagen der Frau Fürstin von Hohenlohe und des Fürsten 
von Reuß nebst Begleitung. Fürst Hohenlohe wurde im letzten 
Moment geschäftlich abgehalten. Die Prinzen und ihre Erzieher, be 
gleitet von einem Portier und einemPolizeiwächtmeister, schritten sofort 
demPanorama zu, wo sie,vonHerrnMalerRummelspacher empfangen, 
zuerst die Gletscher besichtigten und gespannt den Erklärungen ihrer 
Herren Erzieher lauschten. Hier bemerkte einer der Kaiserlichen 
Prinzen: „Da sehen wir ja die Alpen ftüher als unsere Brüder!" 
Letztere waren bekanntlich schon seit Vormittag unterwegs nach 
Italien mit ihren Kaiserlichen Eltern. Als sie sich nach dem Alpen- 
thale, dem unteren Theil des Panoramas, begeben wollten, be 
gegneten sie der Fürstin Hohenlohe und dem Fürsten Reuß, welche 
unter Führung des Geh. Commercienraths Goldberger, Architekt 
Hoffacker und Corvetten-Capitain Heyn aus dem Tunnel kamen und 
hier von den Prinzen durch Händedruck begrüßt wurden. Im 
unteren Panorama übernahm die Erklärung ein jüngerer College 
des Herrn Rummelspacher, letzterer begab sich wieder zur Gletscher 
partie, um hier Auskunft zu geben. Nach längerem Verweilen 
ging es am „nassen Viereck" vorüber zu den Marineschauspielen. 
Hier wurde die Tribüne resp. das Oberdeck der „Hohenzollern" er 
klettert, Herr Leps, der Erbauer des Schiffes und der Tribüne, 
erläuterte hier Zweck und Wesen der Märineschauspiele nnd hatte 
angeordnet, daß die Elektromotormodelle manöverirlen. Sic kamen 
fünf an der Zahl aus dem Fort heraus und führten verichiedeue 
Bewegungen aus, zum Schluß defilirteu sie unter Salutschießen 
vor den Prinzen, welche dann sich von der Tribüne nach dein 
User begaben, uni die kleinen Schiffsmodelle, mit je einem ge 
dienten Matrosen bemannt, in der Nähe zu betrachten; auch 
die unteren Jnneurüume der „Hoheuzollern" wurden besichtigt. 
Auf dem Wege von hier nach Alt-Berlin durfte auch Schreiber 
i dieser Zeilen einige Erläuterungen geben. Ter Weg wurde durch 
die Bogenhalle des großen Restaurants genommen, um von der 
Terrasse aus einen Blick auf das Haupt-Ausstcllungsgebäudc zu 
werfen, der, ivic stets, ungemein ansprach. Durch den Baukettsaal 
wurde die Wanderung fortgesetzt nach Alt-Berlin, wo zufällig 
Handelsrichter Kaufmann als Sachkundiger angetroffen wurde nnd 
die weitere Führung übernahm. Mit großem Interesse sahen die 
Prinzen hier, >vie die anscheinend so massive» nnd festen Mauern 
hergestellt werden. — Es wurde einige Zeit am Spandauer Thor 
verweilt, auf die Araber-Tembe nnd die Thürnie von Kairo auf- 
merksam gemacht, dann an der Heiligen Geistkirche vorbei nach dem 
allen Molkenmarkt geschritten. Hier fragten die Kaiserlichen Prinzen 
nach der Bestimmung des Halseisens, die ihnen von Herrn Haupt 
mann Rauch erklärt ivurde. Das alte Ralhhans mit der Gerichts 
taube wurde innen und außen angesehen, die Straßen mit den 
kleinen Verkaufsläden, dem Zaubertheater und eine Wirthschaft, die 
soeben ausgemalt wird, besucht, auch bei einem älteren Maurer 
wurde kurzer Halt gemacht, um die Wände aus Drahtgewebe p 
besehen. Gern wären die Prinzen nach „Kairo" gegangen, aber 
die leider nur kurz bemessene Zeit war verstrichen. Am Karpfen 
teiche hin nach dem Kairo gegenüber liegenden Portal wurde dem 
Ausgange zugestrebt, dort hielten die Wagen. Die Prinzen 
wurden überall, wo sie erkannt wurden, freudig begrüßt, 
sie schwenkten dankend ihre Matrosenmützen und grüßten noch 
lebhaft während der Abfahrt. Es wurde bemerkt, daß der 
Besuch nicht zu lang ausgedehnt werden könne, weil die Prinzen 
nahe vor dem Examen stehen. — Prinz Oskar fand augen 
scheinlich Vergnügen daran, auf der elektrischen Bahn von Schwelle 
zu Schwelle zu springen. Geh. Commercienrath Goldberger hatte 
den Prinzen das Heft mit den farbigen Ansichten der Ausstellungs- 
Gebäude überreicht; diese schienen ihnen offenbar Freude, p machen, 
sie durchblätterten das hübsche Büchlein wiederholt. Ein späterer 
Besuch wurde in Aussicht gestellt. Emil May. 
Das Riesen-Fernrohr. 
tAbdruck untersagt.^ 
Das vielbesprochene Riesen-Fernrohr, welches auf Ver 
anlassung des Herrn F. S. Archen hold zur Ausstellung gebracht 
wird, hat seinen Platz gegenüber dem Theater „Alt-Berlin" er 
halten. Das Gebäude, in dessen Mitte cs sich erhebt, sodaß jeder 
Besucher bei einem Rundgang alle Einrichtungen i» Augenschein 
nehmen und durch einen anderen Ausgang wieder in's Freie ge 
langen kaun, ist so eingerichtet, daß die Möglichkeit jeder Störung 
auch bei dem stärksten Verkehr ausgeschlossen ist. 
Der Besucher wird zunächst eine Fülle von Belehrung aus 
einer Mustersammlung astronomischer Aufzeichnungen schöpfen 
können, welche die Wände bedecken; aus den langjährigen Ergeb 
nissen der Arbeiten aller großen Sternwarten sind dazu Beträge 
geliefert worden. 
An dem Fernrohr selbst finden Demonstrationen und 
erläuternde Vorträge statt, nnd zwar vor gleichzeitig 1000 
Personen. Bei ungünstiger Witterung wird nur das Fernrohr 
selbst und der kunstvolle Bewegungs - Mechanisnuis denionstrirt 
werden, während in dem großen, etwa 300 Personen fassenden 
Saale die Vorführung von Aufnahmen stattsinden wird, die 
mit dem Fernrohr gemacht wurden. 
In einem wesentlichen Punkte unterscheidet sich das Archen- 
hold'sche Fernrohr von allen anderen dieser Art: Es ist eine Kuppel 
nicht vorhanden und in ihrer Ersetzung durch eine andere Schutz 
hülle ist gerade diejenige Eigenschaft zu finden, durch welche es 
Epoche machen wird. Die Errichtung eines großen Fernrohres 
mit dem herkömmlichen Kuppelbau kam gewöhnlich auf eine bis 
zwei Millionen Mark zu stehen, wovon die Linsen, das Rohrund
	        
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