Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

8
Ofsirielle AnssteUungs Nachrichten.
lampen-Anlage des Theaters betrieben werden, welchen eine starke
Accumulatoren- Batterie zur Unterstützung bcigegeben werden soll.
Die dritte Centrale, sowie die dazu gehörige Beleuchtungs
anlage des Vergnügungsparkes sind am weitesten vorgeschritten
nnd werden bereits vor dem 1. Mai zum Betriebe fertig da
stehen, ebenso wie die für die Privat-Ausstellung Kairo von
Siemens & Halste gelieferte Einrichtung.
Interessant ist ferner das Kesselhaus, welches den Dampf
zum Betriebe der Dampfmaschine in der Hauptcentrale erzeugen
soll. Hier werden die Dampfkessel als Ausftellungsvbjeetc im
Betriebe vorgeführt werden. Vier Kessel mit Röhrenconstrnction
der Firma A. Borsig, ebenso drei von Steinmüller-Cummersbach,
ein von Petry Deveux-Düren, sowie ein von Walter & Co.-Kalk
mit bis 20 Atmosphären Ueberdruck sind bereits eingemauert
nnd können bald in Betrieb genommen werden. Drei Kessel sind
noch nicht festgelegt, sondern man ist noch mit deren Justirung
beschäftigt.
Für die Leitung der Ströme von der Centrale nach den
einzelnen Pavillons und Gebäuden, sowie innerhalb der Ans
stellungsräume sind unterirdische Kabel gewählt worden, damit
jede Feuersgefahr durch Verletzung der Drahtumhüllung und
Ueberspriügen von Funken vermieden ist. Diese Anlage ist zwar
bedeutend theurer, jedoch im Interesse der öffentlichen Sicherheit
dringend geboten.
Nach einem in den letzten Tagen gefaßten Beschluß des
Arbeits-Ausschusses sollen die Arbeiten ev. unter Vermehrung der
Arbeitskräfte und unter Zuhilfenahme von Nachtstunden derartig
gefördert werden, daß die Beleuchtungsanlage zum größten
Theil schon bei der Einräumung der Ausstellungs-Gegenstände
in Betrieb genommen werden kann. Die ganze Anlage
wird, wie mir von competenter Seite bestätigt worden ist,
zum ersten Mai fertiggestellt sein, möglich wäre es nur, daß
einige Bogenlampen auf den Hinteren, weniger besuchten Wegen
des Ausstellungsplatzes noch nicht zu diesem Termin dem Be
triebe übergeben werden können; jedoch erscheint auch dieser Fall
so gut wie ausgeschlossen.
Wir können also mit ruhigem Gewissen der Eröffnung der
Ausstellung entgegensehen, in diesem Punkte werden sich die Be
theiligten keine Blöße geben, sondern mit allen Kräften für
eine rechtzeitige Fertigstellung und Inbetriebsetzung der Beleuch
tung eintreten. Gustav Jakob.
Die Kaiserlichen Prinzen in der
Gewerbe - Ausstellung.
tAbdruck untersagt.^
Montag Nachmittag '/z3 Uhr wurde der Besuch des Reichs
kanzlers Fürsten von Hohenlohe in der Gewerbe Ausstellung er-
ivartet, da erschienen um dieselbe Zeit gänzlich unerwartet nnd un
angemeldet zwei Hofwagen mit den Kaiserlichen Prinzen Adalbert,
August und Oskar in Begleitung ihrer Erzieher und fuhren durch
das offene Portal IX, ihnen folgten nach etwa einer Minute
die Wagen der Frau Fürstin von Hohenlohe und des Fürsten
von Reuß nebst Begleitung. Fürst Hohenlohe wurde im letzten
Moment geschäftlich abgehalten. Die Prinzen und ihre Erzieher, be
gleitet von einem Portier und einemPolizeiwächtmeister, schritten sofort
demPanorama zu, wo sie,vonHerrnMalerRummelspacher empfangen,
zuerst die Gletscher besichtigten und gespannt den Erklärungen ihrer
Herren Erzieher lauschten. Hier bemerkte einer der Kaiserlichen
Prinzen: „Da sehen wir ja die Alpen ftüher als unsere Brüder!"
Letztere waren bekanntlich schon seit Vormittag unterwegs nach
Italien mit ihren Kaiserlichen Eltern. Als sie sich nach dem Alpen-
thale, dem unteren Theil des Panoramas, begeben wollten, be
gegneten sie der Fürstin Hohenlohe und dem Fürsten Reuß, welche
unter Führung des Geh. Commercienraths Goldberger, Architekt
Hoffacker und Corvetten-Capitain Heyn aus dem Tunnel kamen und
hier von den Prinzen durch Händedruck begrüßt wurden. Im
unteren Panorama übernahm die Erklärung ein jüngerer College
des Herrn Rummelspacher, letzterer begab sich wieder zur Gletscher
partie, um hier Auskunft zu geben. Nach längerem Verweilen
ging es am „nassen Viereck" vorüber zu den Marineschauspielen.
Hier wurde die Tribüne resp. das Oberdeck der „Hohenzollern" er
klettert, Herr Leps, der Erbauer des Schiffes und der Tribüne,
erläuterte hier Zweck und Wesen der Märineschauspiele nnd hatte
angeordnet, daß die Elektromotormodelle manöverirlen. Sic kamen
fünf an der Zahl aus dem Fort heraus und führten verichiedeue
Bewegungen aus, zum Schluß defilirteu sie unter Salutschießen
vor den Prinzen, welche dann sich von der Tribüne nach dein
User begaben, uni die kleinen Schiffsmodelle, mit je einem ge
dienten Matrosen bemannt, in der Nähe zu betrachten; auch
die unteren Jnneurüume der „Hoheuzollern" wurden besichtigt.
Auf dem Wege von hier nach Alt-Berlin durfte auch Schreiber
i dieser Zeilen einige Erläuterungen geben. Ter Weg wurde durch
die Bogenhalle des großen Restaurants genommen, um von der
Terrasse aus einen Blick auf das Haupt-Ausstcllungsgebäudc zu
werfen, der, ivic stets, ungemein ansprach. Durch den Baukettsaal
wurde die Wanderung fortgesetzt nach Alt-Berlin, wo zufällig
Handelsrichter Kaufmann als Sachkundiger angetroffen wurde nnd
die weitere Führung übernahm. Mit großem Interesse sahen die
Prinzen hier, >vie die anscheinend so massive» nnd festen Mauern
hergestellt werden. — Es wurde einige Zeit am Spandauer Thor
verweilt, auf die Araber-Tembe nnd die Thürnie von Kairo auf-
merksam gemacht, dann an der Heiligen Geistkirche vorbei nach dem
allen Molkenmarkt geschritten. Hier fragten die Kaiserlichen Prinzen
nach der Bestimmung des Halseisens, die ihnen von Herrn Haupt
mann Rauch erklärt ivurde. Das alte Ralhhans mit der Gerichts
taube wurde innen und außen angesehen, die Straßen mit den
kleinen Verkaufsläden, dem Zaubertheater und eine Wirthschaft, die
soeben ausgemalt wird, besucht, auch bei einem älteren Maurer
wurde kurzer Halt gemacht, um die Wände aus Drahtgewebe p
besehen. Gern wären die Prinzen nach „Kairo" gegangen, aber
die leider nur kurz bemessene Zeit war verstrichen. Am Karpfen
teiche hin nach dem Kairo gegenüber liegenden Portal wurde dem
Ausgange zugestrebt, dort hielten die Wagen. Die Prinzen
wurden überall, wo sie erkannt wurden, freudig begrüßt,
sie schwenkten dankend ihre Matrosenmützen und grüßten noch
lebhaft während der Abfahrt. Es wurde bemerkt, daß der
Besuch nicht zu lang ausgedehnt werden könne, weil die Prinzen
nahe vor dem Examen stehen. — Prinz Oskar fand augen
scheinlich Vergnügen daran, auf der elektrischen Bahn von Schwelle
zu Schwelle zu springen. Geh. Commercienrath Goldberger hatte
den Prinzen das Heft mit den farbigen Ansichten der Ausstellungs-
Gebäude überreicht; diese schienen ihnen offenbar Freude, p machen,
sie durchblätterten das hübsche Büchlein wiederholt. Ein späterer
Besuch wurde in Aussicht gestellt. Emil May.
Das Riesen-Fernrohr.
tAbdruck untersagt.^
Das vielbesprochene Riesen-Fernrohr, welches auf Ver
anlassung des Herrn F. S. Archen hold zur Ausstellung gebracht
wird, hat seinen Platz gegenüber dem Theater „Alt-Berlin" er
halten. Das Gebäude, in dessen Mitte cs sich erhebt, sodaß jeder
Besucher bei einem Rundgang alle Einrichtungen i» Augenschein
nehmen und durch einen anderen Ausgang wieder in's Freie ge
langen kaun, ist so eingerichtet, daß die Möglichkeit jeder Störung
auch bei dem stärksten Verkehr ausgeschlossen ist.
Der Besucher wird zunächst eine Fülle von Belehrung aus
einer Mustersammlung astronomischer Aufzeichnungen schöpfen
können, welche die Wände bedecken; aus den langjährigen Ergeb
nissen der Arbeiten aller großen Sternwarten sind dazu Beträge
geliefert worden.
An dem Fernrohr selbst finden Demonstrationen und
erläuternde Vorträge statt, nnd zwar vor gleichzeitig 1000
Personen. Bei ungünstiger Witterung wird nur das Fernrohr
selbst und der kunstvolle Bewegungs - Mechanisnuis denionstrirt
werden, während in dem großen, etwa 300 Personen fassenden
Saale die Vorführung von Aufnahmen stattsinden wird, die
mit dem Fernrohr gemacht wurden.
In einem wesentlichen Punkte unterscheidet sich das Archen-
hold'sche Fernrohr von allen anderen dieser Art: Es ist eine Kuppel
nicht vorhanden und in ihrer Ersetzung durch eine andere Schutz
hülle ist gerade diejenige Eigenschaft zu finden, durch welche es
Epoche machen wird. Die Errichtung eines großen Fernrohres
mit dem herkömmlichen Kuppelbau kam gewöhnlich auf eine bis
zwei Millionen Mark zu stehen, wovon die Linsen, das Rohrund
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