Path:
Periodical volume Nr. 90, 16. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

10 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
liier ihre Kriegs- und Festtänze auf. Nach den Aufführungen be 
gaben sich die Fürstlichkeiten nach Alt-Berlin, wo sie einige Andenken 
kauften, um hierauf bei Adlon & Dressei im Haupt-Restaurant 
das Diner einzunehmen. Dem Mittagsmahl folgte eine eingehende 
Besichtigung des Tabak-Museums von Locscr & Wolff, wobei Herr 
Oppenheim, der Director der Firma die fachmännischen Erläuterungen gab. 
9 
Die Fest-Illumination. Heute Abend findet in der 
Ausstellung', wie schon berichtet, grosse Eestillumina- 
tion der Ufer des Neuen Sees, der Promenaden, der An 
lagen vor dem Hauptgebäude, des Hauptgebäudes, des Weges 
zum Vergnügungspark und des Vergnügungsparkes statt. 
Der Eintrittspreis beträgt den ganzen Tag eine Mark. Um 
einen erhöhten Schutz der Böschungen und Anlagen am 
Neuen See herbeizuführen, deren Beschädigung bei allzu 
grossem Andränge des Publikums" unvermeidlich ist, hat der 
Arbeitsausschuss probeweise die Genehmigung ertheilt, dass 
am heutigen Elitetagc der Platz dicht an den Ufern des Sees 
Sind vorn an der Böschung durch eine Reihe reser 
vierter und numerirter Stühle des Stuhl verleih- 
Instituts abgeschlossen wird, welche . als Barriere dienen. 
Der Preis für die Benutzung eines solchen roser virtpn 
Stuhles ist ans 50 Pfennige normirt, während für die übrigen, 
Stühle, wie gewöhnlich, 10 Pfennige Gebühr für den Nach 
mittag- erhoben wird. Die Billets für die reservirten Plätze 
sind in den Kiosken und den Zelten am See zu haben. 
9 
Das Theater „Alt-Berlin“, in dem die Liliputaner- 
Gesellschaft der Gebrüder Bosenfeld seit dem 9. d. M. mit 
gutem, sich täglich steigendem Erfolg Vorstellungen ver 
anstaltete, ist abermals geschlossen, da in Folge der Differen 
zen zwischen der Theatergesellschaft „Alt-Berlin“ und den 
jetzigen Pächtern, die erstere vertreten durch die Herren 
Stemmler und Director Dr. Blumenreich, den letzteren das 
Weiterspielen untersagte. Der Zwiespalt dürfte, falls er 
nicht noch in letzter Stunde gütlich ausgeglichen wird, zu 
einem Proeess führen, auf dessen Ausgang man immerhin ge 
spannt sein darf. Die Gebrüder Rosenfeld stellen den Sach 
verhalt folgendermaassen dar: Sie hatten mit dem Theater 
„Alt Berlin“ per 1. Juli einen Gastspielvertrag abgeschlossen, 
laut welchem sie für die Aufführungen ihr Liliputaner-En 
semble und ausserdem 20 Balletdamen, die Gesellschaft 
„Theater Alt-Berlin“ aber ebenfalls 20 Balletensen, einige 
Schauspielmitglieder, die Musik, das technische Personal, die 
Inserate, Zettel und die Beleuchtung stellen mussten. Dia 
Einnahmen sollten beiden Kontrahenten zu gleichen Theilen 
zufallen. Da die Gebrüder Rosenfeld unterdessen aber in 
bestimmte Erfahrung gebracht hatten, dass die Thea 
tergesellschaft insolvent geworden sei, weigerten sie, 
sich, den Vertrag zu erfüllen, liessen sieh aber, nach 
dem ihnen die Versicherung gegeben wurde, dass 
diese Insolvenznachricht unwahr und noch Geld genug in 
der Gesellschaftskasse sei, um den vertragsmässigen Ver 
pflichtungen nachzukommen, bewegen, am 9. d. M. das Gast 
spiel zu beginnen. Als sie die ersten Inserate aufgaben, ver 
weigerten die Zeitungen die Aufnahme auf Rechnung der 
Theatergesellschaft, und mussten die Gebrüder Rosenfeld für 
den Betrag aufkommen, ebenso für die elektrische Beleuch 
tung, die bereits abgeschnitten war, so dass sie in Summa 
bis heute 2500 Mark für Rechnung der Theatergesellschaft 
auslegten. Die Einnahme betrug an den sechs Spieltagen 
3300 Mark, wovon der Gesellschaft 1050 Mark zu gut kamen. 
Ausserdem befanden sich in dieser Einnahme für 900 Mark 
Idgalbillets, welche die Theatergesellschaft gegen Baar bei 
den Gebrüdern Rosenfetld einzulösen hatte, so dass also den 
letzteren noch ein Guthaben an die Gesellschaft von 1750 
Mark verblieb. Trotzdem wurde gestern an die Gebrüder 
Rnsenfeld das Ansinnen gestellt, sie sollten am heutign Don 
nerstag auch denjenigen Theil der Gagen auszahlen, der auf 
die Gesellschaft entfiel und wurde ihnen, als sie sich dessen 
weigerten, das Theater verschlossen. Wir müssen natürlich 
den Herren Rosenfeld die Verantwortung für die obigen Mit 
theilungen überlassen, auch für ihre Behauptung, dass die 
ihnen contractlich cedirten Einnähmen von Idealbillets, deren 
Einlösung verweigert wurde, bereits an Herrn Stemmler ver 
pfändet gewesen seien. Jedenfalls aber wäre, angesichts der 
sich täglich hebenden Einnahmen der „Liliputaner“ eine Ei 
nigung der Parteien für beide Theile dringend wünschens 
wert h. 
V 
Der Vortrag des Herrn Malers II. Kruse, der für gestern 
Abend im chemischen Hörsaalc angesetzt war, musste im letzten 
Augenblicke abgesagt werden, sodass der Hörsaal zur Vortragszeil 
geschlossen blieb. 
9 
Illuminirte Ausstellungsbesucher. Wir bitten 
von vornherein uns nicht im Verdacht zu haben, dass wir an die 
»spirituellen« Verhältnisse zu rühren gedenken, unter deren Ein 
fluss bei der glänzenden Illumination Alt-Berlins zahlreiche Fest- 
theilnehmer am späten Abend in etwas schwankender Verfassung 
denjenigen Heimweg antraten, der nicht als der »gerade Weg« 
bezeichnet werden kann. Wir wollen vielmehr von einem findigen 
Kaufmann G. reden, der sich eine grosse Anzahl allerliebster farbiger 
Illuminationslatemen aus Paris kommen liess, die gleich den be 
kannten Schaffnertatemen mit Anhängern versehen, derartigen An 
klang fanden, dass der ganze Vorrath binnen einer Stunde verkauft 
war und Männlein und Weiblein »illuminirt« zwischen der Menge 
als wandelnde Lichtträger umherspazierten, was einen ausserordent 
lich hübschen Anblick gewährte * und den brillanten Effect der 
Beleuchtung nicht unwesentlich erhöhte.' 
5g 
Der Vorsitzende der Gruppe II, Herr Bacher ver 
sendet folgendes Schreiben an die Aussteller seiner Gruppe: 
„Vielseitigen Wünschen nachkommend, habe ich mit dem 
Arbeits-Ausschuss vereinbart, dass diejenigen Herren Aussteller, 
welche davon Gebrauch machen wollen, an einem noch näher zu be 
stimmenden Tage zwischen dem 1. und 15. August ihre Ausstellungs 
objecte wechseln können. Bedingung ist, dass dieser Wechsel 
an ein und demselben Tage in der ganzen Gruppe stattfindet, 
und dass die Arbeiten bis spätestens Nachmittags 2 Uhr beendet 
sind. 
Behufs Festsetzung dieses Tages, welche durch Majoritäts 
beschluss derjenigen Branchen erfolgen soll, die am meisten an 
diesem Wechsel betheiligt sind, habe ich eine Generalversamm 
lung auf Donnerstag, den 16. dieses, Vormittags 9 Uhr 
im Hörsaal des Chemiegebäudes in Treptow anberaumt, und bitte 
Sie, entweder persönlich zu erscheinen oder einen Vertreter zu 
senden. 
Der proclamirte Tag des Wechsels wird vom Arbeits-Aus 
schuss in allen gelesenen Blättern bekannt gemacht werden, und 
dürfte dadurch eine neue Anregung für den Besuch der Gruppe II 
gegeben werden.“ 
9 
Abstemplung- der Ausstellungsbillets. Von heute 
ab gelangt an sämmtlichen Kassen der Ausstellung eine neue Ein 
richtung zur Einführung. Sämmtliche Tagesbillets, sowohl die 
an den Kassen, wie die vorher gekauften, werden an den Ein 
gängen durch die Kontfoleure mit dem Tagesstempel versehen 
und dadurch ent werth et. Es soll dadurch die Möglichkeit einer 
besseren Kontrole der Ausstellungsb'esucher geschaffen und vor allein 
der Verkehr von und nach Kairo so geregelt werden, dass eine 
Belästigung des Publikums künftig ausgeschlossen ist. 
9 
„Alle Frauen auf Deck.“ Man schreibt uns: „D» 
die Damen nun von Berlin nach der Gewerbe-Ausstellung; 
und zurück das Deck der Pferdebahnwagen benutzen können 
und werden, so wird das Strassenbild bald ein ganz anderes 
werden. Zunächst werden sich in der Köpenickerstrasse, 
Skalitzerstrasse etc. die möblirten Zimmer der ersten Etagen, 
leichter an Herren vermiethen und höhere Miethen erzielt-, 
weil anzunehmen ist, dass in der Hauptsache junge, schöne 
und wohlgewachsene Damen die Decksitze, bevorzugen. Daa 
Officiercorps wird sich entschliessen, nun ebenfalls die 
höheren Regionen im Strassenbahnverkehr zu frequentiren, 
was wiederum eine Aenderung des Commandos beim Honneu» 
zu Folge haben wird, wenn ein bewaffneter Trupp einen oben 
befindlichen Offleier grossen, muss, Dem Commando „Augen 
rechts!“ oder „Augen links!“ wird ein weiteres „Kopf rück 
wärts beugt!“ folgen müssen, weil der Untergebene beimi 
Erweisen der Ehrenbezeugung dem Vorgesetzten in'8 Aug« 
zu sehen hat. Das wird sich zweifellos ganz hübsch machen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.