Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Gfstrielle AnssteUungs Nachrichten. 7
kürzester Zeit genügende Verstärkung zur Stelle zu haben. Auch
sind die Arrangements dahin eingeleitet, daß die Berliner Schutz
mannschaft auf telephonischen Anruf zur nachbarlichen Hilfeleistung
sofort nach dem Ausstellungsgelände eilt. Eine derartige
Alarmirung ist in aller Geschwindigkeit durchzuführen. Wir glauben
aber, wie gesagt, daß wir aus Grund der Erfahrungen mit unseren
Beamten diese Vorsichtsmaßregeln nicht brauchen werden. Unsere
Leute, die unter tüchtigen Oberwachtmeistern stehen, werden so
ruhig und sachgemäß ihren Dienst versehen, daß trotz der zu er
wartenden gewaltigen Menschenmengen die Ordnung keineswegs
ernstlich gefährdet werden dürfte. Wir hoffen sicher, daß die
Gendarmerie auf der Höhe ihrer Aufgabe sein wird."
Wie man sieht, rechnet man sowohl an höherer Stelle als auch
bei den für den Straßendienst commandirten Beamten vor Allem
auf die Selbstständigkeit und Selbstdisciplin der Berliner, welche
den fremden Ausstellungsbesuchern in dieser Beziehung mit gutem
Beispiel vorangehen müssen. Wir glauben, daß dieser Appell an
unsere lieben Mitbürger garnicht frühzeitig und eindringlich genug
ertönen kann. Dem Berliner, insofern er als Maffemnensch zu
Tausenden und Abertausenden auf der sonntäglichen Landpartie
und bei sonstigen festlichen Veranstaltungen auftritt, kann in seiner
Eensur unter dem Rubrum: „Betragen" keine gute Note aus
gestellt werden. Er ist viel zu wenig selbstständig erzogen, ver
liert im Getümmel der Schlacht allzu leicht die Ruhe und läßt
die bei Massentransporten unausbleiblichen kleinen Unannehmlich
keiten nicht immer mit dem Humor über sich ergehen, dessen er
sich so gern rühmt. Die Berliner werden sich also recht schnell auf
ihren Berns als Weltstädter besinnen müssen, wenn sie vor den
fremden Gästen mit Ehren bestehen und die gute Meinung recht
fertigen wollen, welche die braven Gendarmen von ihnen haben.
Als Entschuldigung für diese von fremden Besuchern aus Ncw-
Aork, Paris, London oft bemängelte geringe Geschicklichkeit unserer
Mitbürger, bei bewegtem Wellenschlag des Verkehrs rüstig mit
zu schwimmen, mag der Umstand dienen, daß ihr Weltstädterthum
noch sehr jungen Datums ist.
Ein interessantes Experiment wird im Ausstellungsjahr also
vor den Thoren der Capitale in Scene gehen: Der Berliner wird
angesichts einer gewaltigen und umfassenden Ausstellung, welche
uns Besucher ans aller Herren Ländern zuführen wird, zum ersten
Mal ernsthaft den Befähigungsnachweis als Weltstädter zu
führen haben, die ländliche Polizei aber wird sanft und liebreich
seine Schritte geleiten. Auf den Ausgang beider Versuche darf
man gespannt sein. Max Caro.
Der gegenwärtige Stand der
Deleuchtnngsardeitett.
^Abdruck untersagt.)
In den weiteren Kreisen des Publikums, welches bisher
Zutritt zu dem Ausstcllungsgeländc gehabt hat, sind besonders in
letzter Zeit mehrfach Zweifel darüber laut geworden, ob die ge-
sammten Beleuchtungsanlagen auch bis zum Beginne der Aus
stellung, am t. Mai d. I., rechtzeitig fertiggestellt werden können.
Diese Zweifel sind gerechtfertigt, wenn man bedenkt, daß bei
früheren Ausstellungen gerade in dieser Hinsicht vielfach gefehlt
worden ist. Allerdings giebt auf dem Treptower Terrain hierzu
der Umstand Veranlassung, daß bisher noch keine Vorbereitungen
zur Verlegung der Leitungen und zur Aufstellung der Candelaber
getroffen zu sein scheinen. Der Berliner urtheilt eben nur nach
dem, was er wirklich vor Augen sieht. Dieses Darniederliegen
der Bcleuchtungsarbeiten ist jedoch nur anscheinend. Die
theoretische» Vorarbeiten sind nunmehr bereits soweit fertig, daß
ängstliche Gemüther durch die energische Inangriffnahme der
Ausführung bald eines Besseren belehrt sein werden.
In einem früheren Aufsätze in Nr. 1 dieser Zeitung ^Verfasser
Herr A. Oskar Klnußmann) ist auf die beabsichtigte Ausdehnung
der Beleuchtung, soweit sie damals festgelegt war, bereits ge
bührend hingewiesen worden. Dieses Projcct hat jedoch in neuerer
Zeit einige Aenderungen erfahren, ist im Ganzen aber seiner Aus
führung näher gerückt.
In dem Hauptgebäude sind die Zuleitungsdrühte unterirdisch,
im Ganzen also nicht sichtbar verlegt. Man kann nur diese
Leitungen dort erkennen, wo sie i» einer Höhe von ungefähr drei Metern
aus den Wänden der Seitenhallc» heraustreten. Vorläufig sind
die Drähte an diesen Punkten noch rollenförmig zusammengewickelt
und zwar derartig, daß sie ohne Zeitversänmniß mit den an
bereits vorhandenen Haken aufzuhängenden Bogenlampen ver
bunden werden können. In der Mittelhalle des Hauptgebäudes
erfolgt die Zuleitung des' Stromes durch bereits vorhandene
Drähte, welche mittels Porzellan-Isolatoren an der Eiseuconstructivn
des Daches entlang geführt werden. Hier ist man bereits stark
mit dem Justiren der Lampen beschäftigt, welches wohl noch in
diesen Tagen beendet sein wird. In der Kuppel konnte natürlich
noch nicht mit der Befestigung der Leitungsdrähte begonnen
werden, da hier die Stuckateure und Maler noch nicht ihre Arbeiten
beendet haben. In wenigen Tagen werden jedoch auch hier
die Gerüste fallen und es können dann in vier bis fünf Tagen
die 20 für die Kuppel bestimmten Bogenlampen, sowie die er
forderlichen Leitungen hergestellt werden.
Da Drahtzuleitungen in den Gebäuden für Chemie und
Optik, dem Unterrichts-Gebäude, sowie in dein Hauptrestaurant,
dem Hanse der Stadl Berlin, sowie der Fischerei-, Sport- und
Genußinittel-Ausstelluug werden ebenfalls binnen Kurzem fertig
gestellt sein. Die Schaltvorrichtungen sind bereits überall vor
handen und ist nur noch die Anbringung der Lampen erforderlich.
Das Theater Alt-Berlin hat ebenfalls bis ans die Letzteren seine
vollständige Beleuchtungsanlage.
Die Einrichtungen für die einzelnen Privatpavillons rechtzeitig
zu beschaffen, ist selbstverständlich nicht Sache des Arbeits-Ausschusses
oder der Beleuchtungs-Commission, sondern es muß diese Sorge
den einzelnen Ausstellern selbst überlassen bleiben. Zn der Park-
beleuchtung sind bisher noch keine direkten Arbeiten vorgenommen
worden. Die Zahl der aufzustellenden Lampen schwankt noch,
ivird voraussichtlich jedoch ungefähr 350 betragen, also 150 mehr,
als anfangs projectirt war. Die Lampen werden an den Haupt
gängeit, um den neuen See herum, sowie vor dem Hauptgebäude
von gußeisernen, theilweise aus Manncsmann-Röhren gefertigten
Kunstguß-Candelabern getragen. Auf den Nebenwegen werden
Holzmasten, mit Holz- oder Stuckverzierungen und harnionisch mit
den eisernen angestrichen, verwendet. In den Hauptgüngcn imb
Plätzen, den Promenaden werden die Candelaber dichter gestellt,
während sie auf den Nebenwegen sich in größeren Intervallen
folgen. In der Nähe des Platzes für die Marineschauspiele stehen
sie in den größten Abständen, weil dort theilweise Gasbeleuchtung
vorhanden ist. Wenn auch bis jetzt noch keilt Fortschritt der Park-
beleuchtung zu bemerken ist, so liegen die eisernen Candelaber doch
bereits licsernngsfertig in den betr. Fabriken vorräthig. Außerdem
ivird mit der Kabclvcrlcgung, sowie mit der Verbindung der ein
zelnen Gebäude mit den Kraftsintioncn bereits in nächster Woche
begonnen werden. Bemerken ivill ich noch, daß die Hintere Hälfte
der abgesperrten Treptoivcr Landstraße nicht elektrisches, sondern
Auer'sches Gasglühlicht erhalten wird.
Was nun die maschinellen Einrichtungen zur Lieferung des
erforderlichen Stromes anbelangt, so kann man auch hierüber ganz
beruhigt sein. Der größte Theil der zu Beleuchtungszwecken
dienenden Dynamomaschinen wird in dem nordwestlichen Theile
des Hauptgebäudes zu einer Centrale vereinigt werden, doch werden
zwei große Maschinen ans dem Platze der Firma A. Borsig, der
den Abschluß der Mittelhalle bildet, Aufstellung finden. Die
Fundamente für die 12 Gleichstrvmdynamvs mit einer Strom
stärke von 1800 PS, sowie für die 7 Drehstrom-Dynamos mit
zusammen 1400 PS sind bereits fertiggestellt, ebenso sind die Dampf
zuleitungsröhren für 17 theilweise mit den Dynamos direct ver
kuppelte» Dampfmaschinen von je 64—350 PS beinahe fertig
gestellt. Die Aufstellung der Dynamomaschinen wird mit den
Aiisstellungsobjecten zusammen gegen Mitte April, also ebenfalls
rechtzeitig, erfolgen.
Die zweite Kraftstation in der Nähe des Theaters Alt-
Berlin am Karpfenteich ist ebenfalls stark im Bau begriffen. Es
ivird schon mit der Einmäuerung des Kessels begonnen: der
Schornstein wird auf den vorhandenen Fundamenten bereits auf
gerichtet, ebenso wird eifrig an dem Bau der Umfassungswände
des Gebäudes gearbeitet. Von einer Wolff'schen 300-U8-
LocOmobile sollen hier zwei Gleichstrom-Dynamos für die Glüh-
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