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Periodical volume Nr. 89, 15. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
Für den Fünfundzwanzig-Pfennigtag, der nun 
mehr definitiv Sonnabend, 18. d. M., stattfindet, sind Eintritts 
karten nicht nur an den Kassenschaltern der Ausstellung, 
sondern auch bei den bekannten übrigen Verkaufsstellen 
in der Stadt zu haben. Die Bemühungen der Fest-Commission, 
für die Besucher der Ausstellung, zu denen voraussichtlich auch die 
Jugend ein starkes Contingent stellen wird, bei allen Schaustellungen 
im Vergnügungspark, sowie in Alt-Berlin, der Kolonial-Ausstellung, 
den Marine-Schauspielen und für den Besuch des Kaiserschiffs 
»Bremen« ennässigte Preise zu erwirken, sind von Erfolg gewesen, 
nur die »Sonder-Ausstellung »Kairo« hat sich ablehnend verhalten. 
Auch verschiedene Restaurateure im Vergnügungspark werden für 
Speisen und Getränke Ausnahmepreise eintreten lassen und beispiels 
weise das Paar- Würstchen für 20, statt für 30 Pfennige verkaufen. 
V 
Ausstellungsgäste. Vom „Officiellen Internationalen 
Pressbureau'' wird uns geschrieben: Der schwedische 
Reichstagsabgeordnete und österreichische Generaiconsul 
Herr Eduard Frankel in Stockholm, Vorsitzender der Ma- 
schinengrugTC der schwedischen Industrieausstellung 1897 
weilte zum Gesuch unserer Ausstellung hier und drückte 
sich kurz dahin aus, dass er zwar viel Lobenswerth.es über 
unsere Ausstellung gehört, dass aber seine Erwartungen weit 
übeitroffen wären. — Der Besitzer des berühmten Restau 
rants „Hasselbacken" in Stockholm weilte zum Studium, der 
1 riesigen Ausstellungsrestaurationen hier, traf Vorbereitun 
gen und machte auch umfangreiche Bestellungen, um zur 
nächstjährigen Stockholmer Ausstellung ein Restaurant 
nach dem Muster des hiesigen Adlon & Dressel’schen Haupt 
restaurants zu schaffen. — Etwa 1400 Mitglieder des (Kon 
gresses der deut schen Barbier-, Friseur- und Perrücken- 
anacher-Innungen, die in den Tagen vom 19. bis 23. d. M. in 
den Sälen der Philharmonie tagen, wo auch eine grössere 
Fachausstellung stattfindet, werden Mittwoch, den 22. d. M. 
in corpore die Ausstellung besuchen und unter Führung des 
Obermeisters Fr. \Vollschlager eine gründliche Besichtigung 
derselben vornehmen. Die Gäste treffen auf festlich ge 
schmückten Dampfern, welche die hiesiges Innung stellt, 
auf dem Ausstellungsgelände ein. 
S 
Wieviel Personen besuchen ungefähr täglich 
durchschnittlich den Pavillon des „Berliner Lokal- 
Anzeiger?“ Diese an uns gerichtete Frage hat uns ver 
anlasst, zu verschiedenen Tageszeiten Ermittelungen über den Be 
such anzustellen. Dieselben haben ergeben, dass zu den schwach 
besuchten etwa 25, zu stark besuchten Zeiten 75 Personen, im 
Durchschnitt also 50 Personen in der Minute den Pavillon be 
treten. Hiernach wird die tägliche Durchschnitts - Besuchsziffer 
ungefähr 40—50000 Personen betragen. 
s 
Das Musikcorps des II. Seebataillons aus Wil 
helmshaven (Kapellmeister R. Rothe) hat für sein heu 
tiges Abschiedsconcert ein ausgewähltes Programm zusam 
mengestellt. Ein Theil bringn nur Wagnerische Musik, in 
einem andern führt Kapellmeister Rothe eigene Composi- 
tionsn vor. Vom 16. Juli ab concentrirt neben dem Phil 
harmonischen Blas-Orchester des Herrn Gf. Baumann das 
Trompetercorps der Sächsischen Gardereiter. 
S 
Wo legt man die Garderobe ab? Die Frage hat 
schon manchen Ausstellungsbesucher beschäitigt, wenn er bei 
drückender Sonnengluth so gern seinen Sommerüberzieher oder den 
l mhang seiner Begleiterin in Verwahrung gegeben hätte. Es 
macht kein Vergnügen, drei bis fünf Stunden hindurch den wan 
delnden Kleiderhalter zu spielen. Jetzt ist auch für diese armen 
geplagten Ausstellungsbesucher hinlänglich gesorgt. An der Brücke 
über das Geleise der elektrischen Rundbahn in der Nähe de! 
Hauptportals, ferner am Eingang Nordpol gegenüber dem Edison 
Pavillon sind jetzt regensichere Zelte errichtet worden, in denen 
gegen geringes Entgelt Garderobenstücke aufbewahrt werden. Ii> 
den letzten Tagen, namentlich am Sonntag ist von dieser Neue 
rung bereits viel Gebrauch gemacht worden. 
V 
Ein Sportball ist die nächste Acquisition des Vergnügungs 
parks und die Besitzer des Hippodroms Grützner und Berg sind 
seine Veranstalter. Es zeigt sich hierbei, was schon bei einiger 
maassen näherer Betrachtung auffällt, nämlich dass die verschiedener 
Veranstaltungen der Ausstellung und besonders des Vergnügungsparks 
ein durchaus verschiedenes Publikum haben. Bei Schippanowskj 
finden wir einen festen Stamm von gutem Familienpublikum und 
Fremden aus der Provinz, und im Hippodrom dominirt die sogenannte 
Lebewelt, jene Mischung aus den heterogensten Elementen, dienichtimmei 
die harmonischste, wohl aber eine der interessantesten ist. Wit 
finden dort dieselben Typen wie auf den Rennbahnen und Sport 
plätzen und der eigenthümliche Dunst — pardon das Stall 
parfum — das manchen Menschen unentbehrlich ist, wie die 
Luft, diese undefinirbare Zusammensetzung aus allen möglichen 
Odeurs, die das klirrende Geräusch, mit dem die Pferde die Kinn- 
ketten und Zäume schütteln, der feine Staub, den sie aufwirbeln, 
wenn sie in ihrer sandigen Rundbahn galoppirten, kurzum alles 
das, was den Pferdeliebhaber, den berufenen und den unberufenen 
so mächtig anzieht, finden wir dort. Das Hippodrom hat gegen 
wärtig 32 wirklich gute Pferde im Betrieb. Das Pferdematerial 
wird häufig gewechselt; so wurden am letzten Freitag 18 Pferde 
gegen frische vertauscht, damit immer ein gutes Material vor 
handen ist. 
V 
Juli im Treptower Park. Die diesjährige Gewoivbe- 
Ausstellung hat für die Berliner ausser allen industriellen 
und Verkehrsvortheilen auch das Gute, dass sie die Heimge- 
sessenen oftmals in’s Freie hinauslockt. Der Durchschnitts 
mensch klagt im Winter über Kälte, im Frühjahr über Nässe, 
im Sommer über Hitze; dass zwischen und neben diesen. 
Extremen noch manches erfreuliche Stadium existirt, be 
merkt der in Strassen und Wohnung Gebannte nicht-, und 
die Zahl derjenigen, welche durch Sport oder Reisen in in-, 
nigere Berührung mit der Natur gebracht werden, ist ver- 
hältnissmässig sehr gering. Nun, im Treptower Park giebt) 
es Gelegenheit genug, das segensreiche Walten der Natur 
kräfte, Wandel und Wechsel in der Natur kennen zu lernen. 
Auf einen wundervollen Frühling ist nach mehrtägigem Regen 
ein prächtiger Sommer gefolgt; ohne allmäbliebeIIehergänge 
sind wir, nachdem der verhüllende Wolkenvorhang wegge 
zogen wurde, aus der Zeit des hellglänzenden zarten Laubes, 
der im Blüthenschmuck (schimmernden Fruchtbäumchen, 
ans den „Tagen der Rosen” hineinversetzt worden in die 
Jahreszeit der reifenden Früchte; fast senkrecht treffen die 
glühenden Sonnenstrahlen auf die breiten Blätter der Ahorne 
und Kastanien; von den hohen Linden schweben che letzten, 
süssduftenden Blüthen müde und verträumt durch 
die windstille, athenisch were Luft zu Boden. In 
den Beeten funkeln jetzt die seltsam geformten, 
farbensatten Blumen des Südens und des Orients und aus 
dem Blattwerk der Sträucher locken saftige Stachelbeeren. 
Auch Sonnenauf- und -Untergang hat in dieser Jahreszeit 
eigene Formen und Farben. Ein grauer, schwermüthiger 
Schleier umzieht am frühen Morgen, wenn die Erde all die 
drückende Schwüle an che Atmosphäre abgegeben hat, die 
Wipfel der Bäume, zieht sich langsam über das glatte dunkle 
Wasser der Spree; allmählich steigt die Dunstschicht höher 
und höher bis in Wolkenferne. Da — plötzlich dringt im. 
Osten ein erster Sonnenstrahl durch das wollige Gewölk, und 
immer weiter breitet sich das heitere Blau und um sieben 
Uhr leuchtet der ganze Himmel bis zum fernen Horizont in 
wolkenloser Klarheit. Nun wird es auf dem Wasser leben 
dig. Ruderkähne lösen sieh vorn Ufer, massige Fischer- 
flossej, schnaubend^ Dampfer ziehen vorbei; die glatte 
Fläche kräuselt sich, lange Wellen, rollen hinter den Schiffen 
her an’s Ufer, bald blitzt und blinkt das Sonnenlicht auf 
tausenden Wellen.spitzen. — Weniger stimmungsvoll aber
	        
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