Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

GfftrieUe AnssteUungs Nachrichten.
5
Döpler jun.; für Linoleum Director Tr. Poppe (Rixdorfs, Director
Krüger (Cocpcnick); für Dachdecker Karl Meyer; für Bildhauerei
Geh. Regierungs-Rath Prof. Jakobsthal, Johannes Albert; für
Baumaterialien Baumeister Eßniann.
»
Dr. A. In der am vergangenen Sonnabend ftattgehabten
Vorstands - Sitzung der Gruppe XX, Deutsche Binnen
fischerei, verlas der Vorsitzende Herr Pros. Dr. Weigelt den
Inhalt des vorläustgen Gruppeu-Verzeichniffes, erläuterte das bei
der Anordnung beobachtete Princip und besprach mit den anwesen
den Herren Bezeichnung und Placirung einzelner Ausstellungs
Objecte.
6. Ter Jnsormationscursus der Berliner Feuer
wehr auf dem Ausstellungsterrain ist nunmehr abgeschlossen.
Seitens des Commandos waren der Reihe nach sämmtliche Mann
schaften auf das Gelände geführt worden, wo ihnen seitens des
mit dem Decernat über die Ausstellung betrauten Officiers Vor
träge über die Verhältnisse bei einem Brande an Ort und Stelle
gehalten wurden. Ein besonderer Lageplan der einzelnen Baulich
keiten mit besonderer Rücksicht aus die Hydranten ist ausgearbeitet
worden und in den Händen der Chargirten. Ueber den Ausbau
der zeitweiligen Wache auf dem Ausstellungsplatze sind endgiltige
Bestimmungen zwar noch nicht getroffen worden, es gilt jedoch
als bestimmt, daß der Grundsatz der Decentralisation durchgeführt
und der mit dem 1. Mai in Thätigkeit tretende komplette Löschzug
in verschiedene, über den Platz zerstreute kleine Depots unter
gebracht wird. Wie verlautet, werden diese „fliegenden Wachen"
in Kairo, dem Fischereigcbüude, in Alt-Berlin und dem Ver
gnügungspark untergebracht und mit je fünf Mann belegt werden,
Die Hauptwache, welche von einem Osficier commandirt wird,
bleibt an ihrem gegenwärtigen Platze in der Rühe des Haupt-
ciugaugcs und wird durch einen Anbau erweitert. Für die nächste
Zeit ist die Commandiruiig eines zweiten Oberfeuerwehrmannes
zur Unterstützung des Diensthabenden auf der provisorischen Wache
in Aussicht genommen, da sich mit der fortschreitenden Bebauung
des Platzes auch die Arbeitslast für die Feuerwehr vermehrt.
Im Verkehr mit der Ausstellung werden die elektrischen
Boote eine Rolle spielen, durch welche neben der Dampfschifffahrt
■ eine regelmäßige Verbindung zwischen der Jannowitzbrücke und dem
Ausstcllungsplatze durch die Motor - Boot - Gesellschaft Berlin-
Rummelsburg unterhalten werden soll. Wir hatten, einer Ein
ladung folgend, Gelegenheit, eine Probefahrt mit einem dieser neu
erbauten Boote zu unternehmen. Das Fahrzeuge 14 Meter lang
und ganz aus Stahl gebaut, wurde durch einen lOpferdigen Elektro
motor betrieben. Der Strom zum Betriebe des Motors wurde
einer Accumulatoren-Batterie entnommen, welche, dem Auge un
sichtbar, unter dem Fußboden placirt war. Diese Batterie ist im
Staude, den Motor für 8 Stunden mit Strom zu versorgen.
Die Fahrgeschwindigkeit des Bootes war eine gute und betrug
nach oberflächlicher Schätzung ca. 13 Kilometer pro Stunde. Die
Ladung der Accumulatoren erfolgt entweder auf der Werft der
Motor-Boots-Gesellschaft in Rummelsburg oder bei deren zu
diesem Zweck erbauten Ladestation an der Jannowitzbrücke. Für
den Fall, daß weitere Touren mit elektrischen Booten gemacht
werde», ist Vorsorge getroffen, daß dieselben auch in Grünau ge
laden werden können. Auf der Werft der Gesellschaft befinden sich
zur Zeit 10 elektrische Boote in Arbeit, welche für den Aus
stellungsverkehr bestimmt sind. Die Fahrzeuge werden mit Sitz
plätzen^ für 60 Personen und einem Sonnendach ausgerüstet. Die
Probefahrt gestaltete sich sehr angenehm; es war weder Geruch
noch Hitze noch irgend eine Erschütterung der maschinellen Anlage
wahrnehmbar.
Die Neue Berliner Omnibus - Actien - Gesellschaft hat am
Donnerstag eine neue Linie Nordbahnhof—Gewerbe-Aus-
stellung eröffnet. Zunächst wird die Linie vom Nordbahuhof
durch die Beruaucr-, Brunnen-, Rosenthaler-, Weinmeister-, Münz
straße, über den Alexanderplatz, durch die Landsbergerstraße, Kleine
und Große Frankfurterstraße, Andreas-, Breslauer-, Koppenstraße
bis zum Schlesischen Bahnhof Halteplatz in der Madaistraße)
geführt. Die Wagen verkehren in Zwischenräumen von zehn
Minuten. Der Fahrpreis beträgt 15 Pfennig, mit 10 Pfg.-
Theilstrecken Nordbahnhof — Große Frankfurter Straße und
Rosenthaler Straße — Schlesischer Bahnhof. Der erste Wagen
fährt vom Nordbahnhof 7,35, vom Schlesischen Bahnhof 6,50,
der letzte um 11,55 bezw. 11,10. Die Fahrzeit beträgt 35 Minuten.
V
M-y. Im Gebäude der Fischerei-Ausstellung wird so
eben der Fußboden cementirt. In der Mitte des Hauptbaues erhebt
sich ein leuchtend weißer Pavillon, dessen spitzes Dach von einem
Adler mit ausgebreiteten Flügeln gekrönt ist; die vier Eckpfeiler tragen
das Wappenthier Berlins, den Bär. — Dicht neben dem Fischerei-
Gebäude nach der Spree zu wird eine geräumige Halle erbaut,
in welcher Fische in allen denkbaren Zubereituugsarten verkauft
werden; diese Fischkvsthalle darf als Ergänzung der Fischerei-Aus
stellung dienen. Univeit davon lagern Kabinen-Wände, Kajüten,
Möbel und Ausrüstungs-Gegenstände für das Lloydschiff, dessen
Hauptmast soeben mit Eisenblech beschlagen wird. Das für die Er
richtung des Hauptmastes nöthige Gerüst ist durch 18 Kupferseile
gegen den Wind gesichert. — An der Spree, am Dampfer-Landungs
platz hinter dem Chemiegebäude, ist ein großer, achtseitiger, pagodeu-
artiger Pavillon für eine Photographie-Ausstellung erbaut worden,
dessen Architektur dem Fischerei-Gebäude angepaßt ist.
M-y. Nahe dem Unterrichtsgebäude im Südpark entstehen
von Tag zu Tage neue Privat-Pavillons, namentlich an der dies
seitigen Waudclbahu. Zunächst ist da ein eleganter Salon vorge-
sehen, in deni rasirt und frisirt werden soll, unweit davon ein Bade
haus. Seitlich leuchtet ein reichornanreutirter Kiosk in maurischem
Stil aus dem Gebüsch, es ist eine bekannte Kaffee-Rösterei. Ferner
finden wir einen schmalen, hohen Holzbau in russischem Stil, dessen
Wände und Balken bunte Bemalung zeigen, dies ist eine russische
Eonditorei. Hier ist überhaupt das Reich der Süßigkeiten: Chocotade-
Fabriken im Betriebe, Couditoreien aller Art und jeden Stils, Zucker
bäckereien und Pfefferküchlereien wetteifern darin, den Damen ihre
Dienste anzubieten, und die lieben Kleinen werden wohl hier nicht
leicht fortzubringen sein. So süß >vie dies süße Dreieck in der
Berliner Gewerbe-Ausstellung und so feuchtfröhlich, wie das nasse
Viereck im Zillerthal des Nordparks war noch keins in den bis
herigen Ausstellungen. Am Wege nach der Araber-Tembe wird auch
eine Camera obscura errichtet. — Der Weg nach dem Landungs
platz und der Araber-Tembe der deutschen Colonial-Ansstellung ist
bereits durch ein seltsam stemdartiges Portal gesperrt; hier wird
Niemand durchgelassen, der nicht in der Colonial-Abtheilung be
schäftigt ist, auch wenn er graue oder rothe Dauer-Einlaßkarte be
sitzt. Am Landungsplatz werden soeben Götzenbilder mit gräulichen
Fratzen aufgestellt, auf dem Wasser schaukelt ein großes Ruderboot
von stemdartigem Bau.
M-y. In Gruppe VII, „Metall-Industrie", sind bereits die ersten
Ausstellungs-Objecte, sehr schöne Schmiedearbeiten, eingetroffen.—
In den Bogenhallen des Hauptausstellungsgebäudes ist der Fuß
boden fast durchgängig fertig cementirt, in die Einzelabtheile werden
die Thüren eingesetzt. Die Bildhauer sind an den großen Gruppen,
welche den Abschluß der Bogenhallen bilden, beschäftigt. — Der
neue See wird soeben mit Betoneinfassung versehen. Am rechten
Ufer wird ein großer Bau für eine internationale Tabak-Ausstellung
errichtet, in der Nähe dieses Gebäudes ein chinesisches Theehaus,
gegenüber der Araber-Tenibe. Im Wendenhof ist man bei der
inneren Einrichtung, die Dächer werden mit Stroh und Schilf be
deckt. Die Front des Theaters Alt-Berlin wird bemalt und niachi
einen recht „alterthümlichen" Eindruck. In der Nähe des Theaters
hat der Verein der Berliner Milchpächter eine Milchhalle erbaut. —
Wie schnell es mit dem Bauen geht, wird dadurch illustrirt, daß
mau Mittwoch noch mit dem Richten der großen Feuerwache be
schäftigt war und Donnerstags schon die Mauern standen. Im
Nordpark ist eine Ausstellungshalle für Wagen und eine Blumen
halle (im Alpenpanorama) errichtet.
M-y. In der Gartenbau-Ausstellung wird es seit einigen
Tagen lebendig, es sind Treibhäuser aus Eisen und Hallen aus
Holz errichtet worden. Der neue Graswuchs kommt prächtig an,
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.