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Periodical volume Nr. 88, 14. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Aussteliungs - Nachrichten. 
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hoffentlich dienen diese Zeilen ihren Verlierern als Benach 
richtigung. wo sie ihr Eigenthum wieder in Empfang nehmen 
(können. Auch der jungen Verkäuferin* dih ihre Dauerkarte 
im Etui verlor, dürfte es angenehm sein zu hören, dass diese 
gefunden und das dabei steckende Bild eines dunkeläugigen 
Artillerie-Lieutenants unversehrt ist, wahrend wir daran 
zweifeln, dass eine anscheinend älthre, verheirathete Dame, 
die 19 mit grünseidenem Band eingebundenen Liebesbriefe 
unter Chiffre R. M. 200, Postamt 12 lagernd, jemals aus dem 
Euudschrunk erlösen wird. Ein etwas seltenes Fundstück, 
der heulende vierjährige Junge, der am letzten Sonntag ein 
geliefert und zunächst mit einer Wurststulle des freundlichen 
Leiters der Fundangelegenheiten beruhigt wurde, ist glück 
licherweise mit Hilfe der Polizei seinen rechtmässigen Be 
sitzern wieder zugeführt worden und hat somit dem vielge 
iplagten Arbeitsausschuss keine weiteren Futterkosten verur 
sacht. Berechtigte Zweifel an der Ehrlichkeit der Menschen 
steigen in uns auf, wenn wir die Kehrseite der Medaille be 
trachten, d. h. uns mit den als verloren angemeldeten Ge 
genständen beschäftigen. Es sind dies circa 700. von denen 
einer — eine Beamtenkarte — gefunden und zurückgebracht 
wurde. Unter dieser grossen Anzahl hguriren zahlreiche 
Portemonnaies mit 120, 160, ISO, ja eines mit über 600 Mark 
Inhalt, hauptsächlich aber (über o0 pCt.) Werthstücke, gol 
dene und silberne Damenuhren, Armbänder, Brochen etc, 
die leider keinen „ehrlichen Finder“ und zwar wahrscheinlich 
deshalb nicht fanden, weil sie überhaupt nicht verloren wur 
den, sondern dank der Geschicklichkeit gewerbsmässiger 
Langfinger ihre Besitzer wechselten. Einem \ er- 
lustträger aber wollen wir unsere thatkräftige Unter 
stützung nicht versagen, jenem Herrn, der in einem 
umfangreichen, aktenmassigen Schreiben anzeigt, dass 
er am letzten Feuerwerkstag „einen längere Zeit ge 
tragenen, braunen rechten Sommerliandschuh“ verlor, 
„dessen linker Daumen, wahrscheinlich durch den Finger 
nagel, durchgeschärft ist.“ "Wir erklären uns gerne bereit, 
diesem Verlierer ein Paar neue „längere Zeit getragene“ 
Handschuhe gratis zur Verfügung zu stellen, falls er sich auf 
unserer Redaction, glaubwürdig legitimirt, melden will. 
S 
Das Corps „Rheno-Guestphalia“ feierte gestern im 
Thurmsaal des Haupt-Restaurants, nach vorherigem Rundgang in 
der Ausstellung, sein dreissigjähriges Stiftungsfest durch ein solennes 
Diner, an dem etwa 80 Petsonen, Corpsbrüder, alte Herren und 
Damen theilnahmeu. Das Fest, durch ernste und heitere Reden, 
sowie durch den Vortrag einer Anzahl trefflicher Festlicder angenehm 
gestaltet, verlief in anregendster Weise und fand seinen fröhlichen 
Abschluss in einem im grossen Festsaal improvisirten, aber desto will 
kommeneren Ball, der die Theilnehmer bis gegen Mitternacht fesselte. 
S 
Die Fischkosthalle, der gastronomische Appendix 
der Fischerei-Ausstellung, hat sich in der Gunst der Ausstel- 
lungsbesuchrr, die dieser überaus praktischen Institution 
von vornherein zu Theil wurde, immer mehr eingebürgert 
und erfreut sich einer derart steigenden Freqni siz, dass an ge 
wissen Tagen der Verkehr nur unter Aufgebot zahlreicher 
Hilfskräfte, aus den übrigen Etablissements bewältigt werden 
kann. Dies war auch am letzten Sonntag der Fall, wo über 
>16000 Portionen Fische servirt wurden, was einer Quantität, 
von etwa 125 Centnern entspricht, die in drei Küchen von 20 
Köchen verschiedener Nationalitäten zubereitet wird. Aus 
serdem siud den Tag über 20 Personen mit dem Schuppen der 
der Fische, 16 Frauen aber mit Kartoffelschäler» beschäftigt. 
Da :1er Fisch, wie sin altes Volkswort sagt, schwimmen will, 
so wurden demgemäss nicht weniger als 52 Hektoliter Bier 
ausgeschänkt. Das Verdienst, diese ausgezeichnet« Volks- 
nahrung so populair gemacht zu haben, gebührt ausser den 
Herren Adlon & Dressel auch dem Deutschen Seefischerei- 
^ erein, der speciell für die hiesige Fischkost halle in Kiel 
grosse Kühlräume eingerichtet hat und so im Stande ist, die 
verschiedenen Fischgattungen vollständig frisch hierher z.u 
liefern. Ganz besonders dürfte die Nachricht interessire.n, 
dass auch der Kaiser sich lebhaft für die Einführung der 
Fischkost ausgesprochen hat. 
Die Einrichtung von Bädern in der Ausstellung hat 
sich als sehr erspriesslich und einem wirklichen Bedürfniss ent-, 
sprechend erwiesen, wie dis zahlreiche Benutzung derselben beweist. 
Das Volksbrausebad, das seine Brausen für zehn Pfennige abgiebt, 
ist stets überfüllt und kann an heissen Tagen absolut nicht alle 
Kühlungheischenden befriedigen, aber auch die feinere und Bäder 
jeglicher Art verabreichende Bade-Anstalt von Moosdorf und 
Hochhäussler (Pavillon »Bade zu Hause«! erfreut sieb einer sehr 
starken Frequenz. Ara meisten werden naturgemäss die billigeren 
und weniger Zeit raubenden Brausen benutzt, allein auch die ele 
ganten Wannen- und Wellenschaukelbäder finden grossen Anklang, 
sodass von denselben seit ihrer Eröffnung (Ende Juni) bereits je 
über 800 Stück abgegeben wurden. Wir wollen bei dieser Ge 
legenheit darauf aufmerksam machen, dass sich legitimirende 
Angestellte von Ausstellern Vorzugspreise geniessen. 
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Die Hilfe der Sanitätswache wurde von Sonntag 
bis Montag Mittag in 34 Fällen in Anspruch genommen. Ein 
junges Mädchen stürzte im Hippodrom mit dem Pferde und zog 
sich eine grosse Wunde im Gesicht zu. Um 11 Uhr Abends 
wurde ein Arzt durch einen Schutzmann nach dem Ausstellungs- 
Hotel gerufen. Ein älterer Herr war in der Nähe desselben durch 
einen Wagen der Strassenbalm überfahren worden und hatte dabei 
eine Wunde am Kopf, sowie eine Verstauchung des Armes erlitten. 
Er wurde mittels Di-oscbke in das Krankenhaus Bethanien gebracht. 
— Auf der Unfallstation kamen in den letzten 24 Stunden 
37 Fälle zur ärztlichen Behandlung. Es handelte sich meistens 
um äussere Erkrankungen leichter und schwerer Art, durchschnitt 
lich bei Besuchern der Ausstellung. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
(Weitere Sehenswürdigkeiten werden ans Verlangen in diese Rubrik 
ausgenommen) 
Abgeordneten-Haus, Leipzigerstr. 75. Eintrittskarten parterre, Abds.vorher v. 5 Uhr ab. 
Aquarium, Unter den Linden 68a. 9—7. Wochentags 1 M., Sonntags 50 Pf. 
Kinder die Hälfte. 
Berg- und Hüttenmuseum, in der Geologischen Lau de sän stalf, Jnvalidenstr. 44 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uhr 
Berliner Rathhaus, (mit Ausnahme Donnerstags und Freitags'» 11—3 Uhr. 
Beuth-Schinkel-Museum, Charlottenburg in der techn- Hochschule. Montags und 
Donnerstags von 10—12 Uhr. 
Bibliothek, König!., am Opernplatz 1—2 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr. 9. 9—1 Uhr. 
Bibliothek in der König! Bau-Akademie an der Schleusenbrücke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. 
Bibliothek der polytechn. Gesellschaft, Neue Friedrichstr. 35. 2—3 Uhr. 
Botanischer Garten, Potsdamerstr. 75. 8—12, 2—7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse, Burgstrasse und Friedrichstrassen-Ecke, 12-2 Uhr, ausser Sonntag. 
Flora-Etablissement Palmen- u- Blumengärten in Chariottenburg. Eintritt 1 Mk 
Friedrichshain, mit dem Denkmal Friedrichs des Grossen. Platz vor dem Lands 
berger Thor, Ruhestätte der im März 1848 Gebliebenen. 
Herrenhaus, Leipzigerstr. 3 Eintrittskarten im Bureau daselbst. 
Historisches Museum im Schloss Monbijou (reich an Gegenständen aus der vater 
ländischen Geschichte) 10—3 Uhr. 
Hygienisches Museum, Klosterstr. 35 Sonntags 11—1 Uhr, Dienstags u Feitags 10—2 Uhr. 
König! Institut für Glasmalerei, Chariottenburg. Berliuerstr. 9 (beim Chausseehaus) 
täglich ausser Sonntags von 9—4 Uhr. 
Kunstgew. Ausstellung der namhaftesten Kunstgewerbe Deutschlands, Lindenstr. 18. 
wochentäglich 10—7. Eintritt frei. 
Königliches Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albrechtstr. 7 (mit Ausschluss des Montags) 
10—4 Uhr, Sonntags im April — Sept 12—6, Oct. u. März 12—5, Nov. u. Febr. 
12—4, I)ec u. Jan. 12—3 Uhr. 
König! Museum, Gemälde, Sculpturen, Antiquarium, Antike Vasen u Bronzen, 
Egyptisches Museum. Kupferstichsammiung etc. Mit Ausschluss d Montags 
im Sommer v. 9—3 Uhr, im Wint v. 10—3 Uhr, Sonnt stets v 12—3 Uhr. 
König! Porzdlan-Manufactur, Wegclystrasse- Dienstag, Mittwoch, Donnerstag iu 
Freitag Vorm bis 12 Uhr 
Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstler, Wilhelmstr- 92, täglich von 10—4, 
Sonntags von 11—2 Uhr 
König! Schloss, Meldung beim Kastellan, 10 bis 1 Uhr. 
Königs. Schloss in Charlottenburg. Meldung beim Kastellan- 
Markthallen, besonders: Centralmarkthalle. Neue Friedrichstrasse 24—27. 
Marställe, König!, Breiteste 32. 12-2V, Uhr. 
Märkisches Provinzial-Museum der Stadtgemeinde Berlin. Breiteste 20a im Köllnischen 
Rathhause Sonntag 11 2 Uhr. Montag und Donnerstag 12-2 Uhr. 
Mausoleum' in Charlottenburg Von 10—6 Uhr. 
Museum der landwirtschaftlichen Hochschule und permanente Ausstellung landwirtschaftlicher 
Maschinen, Jnvalidenstr 42 Besuchszeit an den Wochentagen (mit Ausnahme 
des Mittwochs» in den Vormittagsstunden. 
Museum für Naturkunde, Invalidenstr. 43. Sonnabend und Montag von 11—3 Uhr, 
Sonntags im Sommer 12—6 Uhr. im Winter 12—3 Uhr 
Museum für deutsche Volkstrachten und Hauserzeugnisse, Klosterstr. 36; täglich ausser 
Mittwoch von 11 —2 Uhr. Entree 50 Pfg., Kinder die Hälfte. 
Museum für Völkerkunde und Schliomann-Sammlung, Königgrätzerstr. 120 (mit Aus 
nahme des Montags) im Sommer von 9—3 Uhr, im Winter von 10—3 Uhr, 
Sonntags stets von 12-3 Uhr. 
National-Galerio, neben dem neuen Museum.- mit Ausnahme des Montags von 
10— 3 Uhr, Sonntags von 12—6 Uhr. . 
Palais der Kaiserin Friedrich, gegenüber dem Zeughause- Besichtigung nach Antrage 
Palais weiland Kaiser Wilhelms I. Besichtigung nach Anfrage. 
Post-Museum, Leipzigerstr 15. Täglich ausser Mittwoch und Sonnabend von 
11— 1 Uhr. 
Rauch-Museum, im Lagcrhause, Klosterstr 76; Sonntags und am letzten Sonnabend 
jeden Monats geschlossen. . f/v 
Ravcnesche Gemälde Sammlung Wal Ist r 92. Dienstag und Freitag von 10—2 Uhr» 
Reichstagsgebäude am Künie.spJatz, von 8'/,—9'/, Uhr, Sonntags von 2—4 Uhr. 
Sammlungen des Königl Zeughauses, täglich von 10—3 Uhr, Sonntags 12—3 Uhr. 
Siegessäule am Königsplatz, vom Geh Oberbunrath Professor Strack. 
Sternwarte, Lindenstr. 108. Besichtigung nach Meldung beim Director 
Zoologischer Garten, Wochentags 1 Mk., Sonntags 50 Pfg. Kinder die Hälfte.
	        
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