Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Gfficielle Ansstellmigs Nachrichten.
Im Querbau nach Treptow zu sind der Sitzungssaal des
Arbeits-Ausschusses und die Arbeitszimmer der einzelnen Mitglieder
desselben, das Jngenienrbureau, die Buchhalterei und Nebenräume.
Im dritten Stockwerk aber, das sich verengt, befinden sich
nur Privaträume, nämlich die Schlafzimmer der drei Mit
glieder des Arbeits-Ausschusses. Sie werden häufig in die Lage
kommen, in der vorgerückten Nachtstunde auf das Aufsuchen des
eigenen entfernten Heinis zu verzichten, um am anderen Morgen
in aller Frühe wieder auf dem Posten sein zu können.
Das ist das Verwaltungsgebäude und seine Bestimmung.
Während in der Ausstellung selbst sich das fröhlichste Treiben
entfaltet, concentrirt sich hier Alles, was an Gedankenarbeit und
emsiger Thätigkeit nothwendig ist, um die Ausstellung zu ge
deihlichem Ende zu führen. Möchte ihr Verlauf ein solcher sein,
daß man schließlich auch im Central-Verwaltungsgebäude ein ver
gnügtes Gesicht dazu machen kann. M. H.
Der Vorsitzende der Untergruppe „Jagd- und Schieß
sport" (Gruppe XXI, Sport), Herr Hauptmann a. D. Ahlers,
sendet uns folgende ergänzende Mittheilung:
„Im Anschluß an den in Nr. 5 dieses Organs erschienenen
Aufsatz fühle ich mich als Vorsitzender der Jagdgruppe, welche in
diesem Artikel sehr stiefmütterlich behandelt worden ist, veranlaßt,
zur Richtigstellung verschiedener falscher Ansichten über das Wesen
meiner Gruppe zur Feder zu greifen. Die Jagdgruppe bildet
zwar ihrer äußeren Eintheilung nach als Untergruppe einen Be
standtheil der Sportgruppe, hat aber, wie sie auf der Ausstellung
in die Erscheinung treten soll, mit dem Sport eigentlich garnichts
zu thun. Dieses möchte ich zur Klärung der Begriffe von vorn
herein feststellen. Das sportliche Gewand des Kunstschützen macht
diesen noch lange nicht zum Jäger, gerade >vie der tüchtigste
hirschgerechte Jäger kein Sportschütze zu sein braucht. Das sind
zwei grundverschiedene Dinge. In dem vorerwähnten Aufsatz sind
sie aber beide in einen Topf geworfen worden, und das möchte ich
im Interesse der in der Gruppe ausstellenden Fabrikanten ver
mieden wissen.
Ursprünglich sollte das Büchsenmacher-Gewerbe in der Gruppe
Metallindustrie seinen Platz finden. Die überreiche Beschickung
dieser Gruppe, vielleicht auch ein äußerer Anstoß, haben den
geschäftsführendcn Ausschuß bestimmt, eine Sportgruppe zu bilden,
und in dieser neben allen Zweigen des Sports auch die Jagd unter
zubringen und zwar unter der Bezeichnung „Jagd- und Schießsport."
Diese Bezeichnung würde zutreffend sein, wen» das Sportliche,
als da sind: Hetzjagd, Parforcejagd, Taubenschießen re., in dieser
Gruppe zum Ausdruck gelangte. Dieses ist aber thatsächlich nicht
der Fall, sondern es kommen nur die gewerbliche und die
rein jagdliche Seite zur Darstellung: die gewerbliche, um
den Zweck der Gewerbe-Ausstellung zu erfüllen, die rein
jagdliche, um den Ansprüchen der Jägerwelt zu genügen und
ihnen alle diejenigen Fabrikate der Neuzeit vorzuführen, welche
außer Gewehr und Munition zur waidgerechten Ausübung der
Jagd nothwendig find. Die Jagdgruppe bildet also ein in sich
abgeschlossenes Ganzes, in welcher die hervorragendsten Fabrikanten
des Teutschen Reiches ausstellen, und das ist ihre Empfehlung
und ihr Stolz. Wenn es ihr nebenher vergönnt ist, an der all
gemeinen dekorativen Ausgestaltung der großen Sportgruppe theil-
znnchmeu, eine Zugabe, die den Ausstellern auch ein hübsches
Stück Geld gekostet hat, so ist das ihre Freude, denn Kleider
machen Leute, und .wer ein hochzeitlich Geivaud angelegt hat,
macht auf den Beschauer auch einen angenehmeren Eindruck, als
ivcini mau sich im einfachen Gewände präsentirt. Aber im Wesen,
im Kern der Sache ändert dieses nichts."
V
Dr. A. Eine sehr werthvolle Würdigung erfuhr das viel-
umstrittene Placat der Berliner Gewerbe-Ausstellung
dieser Tage von fachmännischer Seite. Direktor P. Jessen vom
Kunstgewerbc-Musenm sprach Montag — vermuthlich aus Anlaß
des von der Schultheiß-Brauerei ausgeschriebenen Preises im
„Verein Berliner Kaufleute und Industrieller" über „künstlerische
Placate". Der Vortragende wies nach, wie von Frankreich an
geregt, London und Amerika für künstlerische Ausgestaltung der
Reclame-Placate immer mehr Sinn und Verständniß gewonnen;
er zeigte an vielen vorgelegten Beispielen, daß Deutschland hin
sichtlich der Ideen dem Franzosen und Engländer gewachsen, in
der Form aber völlig rathlos sei. Man strebe hier zu Lande
noch immer nach einer öldruckartigen Süßlichkeit und arbeite mit
zu viel Farben; hingegen seien derartige Placate, wie das von
der Berliner Gewerbe-Ausstellung, in wenigen kräftigen
Farben breit durchgeführt, nicht nur künstlerisch wirkungsvoller,
sondern für Reclamezwecke geeigneter. Durch seine auffallende
Originalität habe dieses Placat viel dazu beigetragen, die Kunde
von der Berliner Gewerbe-Ausstellung in alle Länder zu tragen.
Dr. A. Sonnabend, 21. März, fand im Bürger-Saale des
Berliner Rathhauses eine General-Versammlung der Aussteller
von Gruppe III („Bau- und Ingenieur-Wesen") statt.
Zunächst referirte der Vorsitzende, Herr Reg.-Baumeister Kaiserlicher
Regierungs-Rath R. Platz, über die von ihm veranlaßten Ver
änderungen in den Baulichkeiten und den decorativen Schmuck der
Gruppen-Ausstellung. Während in dem früher beabsichtigten Ent
wurf der ganze Flügel des Haupt-Jndustrie-Gebäudes, welcher für
die Bau-Äusstellung bestimmt ist, dem Anblick der Besucher durch
eine große Wand entzogen gewesen wäre, gewährt die nunmehr
vorgenommene Anordnung einen reizvollen Einblick; von der Mittel-
halle aus erblickt man in dem Seitenbau eine ganze Stadt mit
Pavillons und Springbrtlnnen, geschmackvollen Fayaden, in der Mitte
einen 38 Meter hohen Dom :c. Fiir die Verkleidung der Baulich
keiten ist außen Sandstein, innen Marmor und anderes werth
volles Material verwendet worden. Auch ist eine Fachbibliothek,
Lese- und Schreibzimmer, sowie Cantine zur Bequemlichkeit der
Aussteller angelegt worden.
Die air die Anwesenden vertheilten Pläne zeigen einen etwa
6000 Quadratmeter großen Anbau an die Haupthalle, nördlich
vom Mittelgang, zwischen Gruppe I Textil-Jndustrie und II Be
kleidungs-Industrie. In der Mitte des Flügels befindet sich ein
Bauhof von 45 Metern Länge und 30 Metern Breite. In
diesem wie in der nördlichen Haupthalle sind die Plätze der Aus
steller nach ihren Catasternummern nahezu vollständig eingetragen.
Tie endgiltige Feststellung der Plätze bildete den zweiten Theil
der Berathung.
Sodann theilte Referent betreffs der allgemeinen Dc-
corationskosten für Gruppe III — welche in Folge der
kostspieligen Baulichkeiten ziemlich hohe sind — mit, daß es
ihm gelungen sei, die früher auf 66 000 Mk. veranschlagten
Kosten, von denen 15 000 als Architekten-Honvrar, 18 000 als
Baukosten festgesetzt waren, — auf 26 000 Mk. zu vermindern,
so daß pro Aussteller und Quadratmeter 10 Mk. entfallen gegen
94 Mk. des früheren Kostenanschlags.
Auch iu der Betheiligung mitLvtteriegewinnsten war Gruppe III
dadurch beeinträchtigt worden, daß sie keinen Vertreter in der
Lotterie-Commission hatte. Zur Regelung dieser Angelegenheit sind
die erforderlichen Schritte geschehen. Da Gruppe III mit V
vereinigt werden, erhält sie auch deren Loose. — Als Haupt
gewinnst wurde eine Uhr ausgewählt, 1,95 Meter hoch, von
wunderbarer Schmiedearbeit, mir verschiedenen Figuren in den
Nischen und reichem dekorativen Schmuck, im Werthe von 5000 Mk.
Hierauf wurde die Wahl der Preisrichter vorgenommen.
Da Gruppe III 17-> Aussteller zählt, entfallen auf sie fünf
Preisrichter. Nach längerer Debatte einigte man sich auf die
Herren Otto (fürZimmcrmanusarbeiten), StadtbaninspectorZiksly
(für Maurerarbeiten), Platz (für Bau im Allgemeinen), Otto
Wetzing und Geh.-Rath Prof. Julius Lessing vom Berliner
Knnstgewerbe-Museum. >
Als Sachverständige wurden u. A. vorgeschlagen: für
Kücheneinrichtungen Theo Müller, Porges; für Steinmetzarbeit
Philipp Guth, Obermeister Delns; für Kunstschmiede Paul Markus,
Puls; für Jalousien Wvhlfarth; für Töpferei Hermann Schmidt,
I Eduard Schöpfet; für Glasmalerei Direktor Bernhart, Professor
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