Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

öfftcidle AnsftcUnngs -|lrtrijririjtcn.
Ueber dem leichten Dache der Galerie, das an den Sichtflächen
mit farbigen Schnitzereien versehen ist, erscheinen die bewegten
Linien der Fronten, diesem Bilde etwas echt Deutsches, Gemüth-
vvlles verleihend.
Die an und für sich weder leichte nvch dankbare Auf
gabe, das Verwaltungsgebäude in entsprechender Weise
auszugestalten, wurde dadurch noch schwieriger, daß zugleich hier
ein Bau zu schaffe» war, der als der erste gewissermaßen der
ganzen Ausstellung tagtäglich von vielen Tausenden kritisch ge
mustert wird, als ob er gerade den künstlerischen Charakter zu ver
rathen berufen sei. Hvffacker hat das architektonische Thema,
mit dem er hier zwischen Jndustriehalle und Chemiegebäude zum
Empfang der großen Massen vorgeschickt wurde, trefflich gelöst
und mit großer Gewandtheit alle Punkte des nüchternen Pro
gramms für seine Arbeit zum Vortheil des Werkes gewendet.
Der flott erfundene Aufbau des Ganzen legt sich glücklich
in den Rahmen der schattigen Allee und geht mit dem kühnen
Giebel keck in den blauen Himmel. Die beiden Frontthürme
geben der ganzen Ansicht einen Schein von breiter Behaglichkeit,
der in den Zeiten eines kraftvollen Bürgerthums durch die alten
Baumeister so glücklich zum Ausdruck gebracht wurde. Die rcich-
profitirte Umrahmung der Einfahrt findet ihre Fortsetzung in dem
zierlichen Maßwerk der Trcppenlänse, deren Vorhallen fein
empfunden gegliedert sind. Aber auch hier lvird als Hanpttrumps
die Farbe herangezogen und an allen Fronten der farbensatte
Ton der Ziegel oder der tiefe Grund des Hvlziverks mit der
Fläche selbst in einen wirksamen Gegensatz gebracht. ES ist das
ein Moment, das in gleichem Maße wie hier auch bei den
anderen hauptsächlichsten Baugruppen durch die hcllblinkeuden, tief-
rothen oder metallschimmerndeu Dachflächen in den Vordergrund
gerückt ist und das uns erkennen läßt, in welcher Weise die drei
Architekten des großen Werkes neben einander selbstständig und
doch gemeinsam planend vorgegangen sind. Hvffackcr's Eintritts
portal an der Treptower Chaussee ist in diesem Sinne eine sehr
verdienstliche Schöpfung. P. Wallä.
Das Innere.
Die Architektur des Central-Verwaltungsgebäudes ist au
anderer Stelle bereits beschrieben. Es ist ausgeführt worden, daß
dieselbe durch die Wahl des Platzes, an welchen man das Ver
waltungsgebäude brachte, bedingt worden ist. Die Entschließung,
es hierher zu stellen, aber ivnrde andererseits durch praktische Er
wägungen und solche des Schönheitssinnes mitbestimmt.
Das entsprechende Gebäude der Weltausstellung in Chicago,
ivvhl das stolzeste Bauwerk der weißen Stadt, lag in der Mitte
des gewaltigen Geländes. Es wurden in ihm zahlreiche Bureaux
untergebracht, welche mit der Verwaltung der Ausstellung nichts
zu thun hatten, unter Anderen auch die gesummten Räume für
die Presse und ein Theil der für das Publikum geschaffenen, bei
uns in der Wandelhalle untergebrachten Einrichtungen, soweit sie
überhaupt vorhanden waren. Dadurch wurde in die emsiger und
ungestörter Arbeit gewidmeten Räume eine große und sehr
unliebsam empfundene Unruhe gebracht. Tie Vereinigung so vieler
Räume aber bedingte auch wieder die Größe des Hauses, so
daß cs kleiner Reisen innerhalb desselben bedurfte, um an den
Trt seiner Bestimmung zu gelangen. Ein Triumph der Architektur
und gleichzeitig eine höchst unpraktische Erschwerung der Arbeit.
Die Lage inmitten der Ausstellung zwang aber auch die
zahllosen Personen, welche nur bei der Verwaltung etwas zu er
ledigen hatten und die Ausstellung nicht besuchen wollten, dieselbe
gegen Eintrittsgeld zu betreten. Und endlich nahm sie den
Architekten die Möglichkeit, an die Schwelle gewissermaßen ein
Wahrzeichen derselben zu setzen. Die Eingänge zur Chicagoer Welt
ausstellung waren ebenso jämmerlich ivie ihre äußere Umgebung.
Vermuthlich ist der Architekt des Central Verwaltungsgebäudes,
Herr Hvffacker, der ja während des größten Theiles der Aus
stellung und lange vorher in Chicago gewesen, durch die dort
gewonnenen Eindrücke zu den Vorschlägen bestimmt worden, die
hier zur Ausführung gelangten. Nun präsentirt sich der schmucke
und gefällige Ban den über die Chaussee Kommenden schon von
Weitem als der stattliche Haupteingang zur Ansstellnug. Trägt
er doch mit Recht die Bezeichnung Haupteinganz l.
Aber wenn man das Central-Verwaltungsgebönde an. das
eine Ende der Ansstellnug gesetzt hat, die modernen Hilfsmittel er
möglichen es doch, daß es gewissermaßen sich mitten darin be
findet. Von der Platz Jnspectivn aus — die Bestimmung der
selben liegt in ihrem Namen ausgedrückt — laufen die Drähte
nach allen anderen Haupteingängen und allen wichtigen Cekilral-
pnnkten. Unabhängig vom postalischen Bermittelungsbureau für
den Tclepyonverkchr ist hier eine eigene Verbindung geschaffen
tvorden, welche jeden Augenblick gestattet, mit den entferntesten
Punkten der Ausstellung in Verkehr zu treten, sei es durch An
rufen, sei es durch die Entgegennahme von Mittheilungen. Die
elektrische Innenbahn der Ausstellung aber führt in unmittelbarer
Nähe vorüber.
Das Central-Vcrwaltungsgebände hat drei Stockwerke. Die
beengte Grundfläche, nicht einmal die ganze Breite der Chaussee,
bedingte, daß man mehr in die Höhe als in die Breite
ging. Auch die das Auge erfreuende Veranda in der Nähe
des ersten Stockwerkes entsprang nicht etwa dem Wunsche
architektonischer Verzierung. Sie stellt vielmehr von außen die
Verbindung zwischen den einzelnen Bureaux her, da die Schmal
seite der einzelnen Flügel die Anlage von Cvrridors innerhalb des
Gebäudes schlechterdings nicht gestattete. Mau sieht, die Leiter
der Ausstellung haben sich da, >vo cs sich um ihre eigenen Räume
handelte, in dirccteu Gegensatz zu dem sonst von ihnen durchgc-
sührten Grundsätzen gestellt, lieberall ans der Ausstellung ist mit
denkbar größter Rücksichtnahme ans Licht und Luft und spatiös
gebaut. Hier hat man sich so eingeschränkt, daß darüber hinaus eine
Einengung nicht möglich war. Hinter dem Ceutral-Vcrwaltnngsge-
bände beginnt das Vergnügen, es selbst ist der Arbeit gewidmet.
Dieser Unterschied ist auch in Bezug ans die Einrichtung streng
innegehalten worden.
Sie ist einheitlich durchgeführt und mit einer vielleicht über
triebenen Bescheidenheit. Aller Luxus ist verbannt, in den Bureaux
auch kleiner Geschäfte in der Stadt gönnt man sich wohl größeren
Comfort. Ans einfachen kien- und eichenpolirten Holzen sind die
Schreibtische und Stühle, der grüne Ucberzug der ersteren zeigt
sofort ihre Bestimmung.
In der Richtung von dem Stadtbahn-Viaduct aus gesehen,
befinden sich im Central-Verwaltungsgebäudc im Erdgeschoß links
die Platziuspectivn ’ und das Propagaudabureau, die beiden Ab
theilungen, die, hier ucbcneinandergcrückt, in ihren Ausgaben so
weit auseinanderstehen. Die erste ist ausschließlich aus das
Ansstcllüngsgcläude selbst beschränkt; bei ihr ruht die Vcrant-
lichkcit für das zahlreiche Anfsichtspersoual. Die Aufgabe des
Propagandabureau epdigt mt der Schwelle der Ausstellung. Es
schafft durch seine Thätigkeit gewissermaßen de» Besucher herbei,
dem sic daun die Millionen hinzugesellt, für deren Sicherheit die
Platziuspectivn die Verantwortung übernimmt.
Im Erdgeschoß rechts sind die Architekten und dieelektro-techuische
Abtheilung untergebracht. Die Ersteren, bisher die Allcin-
herrschcr ans dcmGeläude, werden mit der Eröffnung der Ausstellung
etwas mehr in den Hintergrund treten. Der Löweu-Antheil ihrer
Arbeit ist gethan. Dafür beginnt der ihrer Nachbarn von der
Elektricität erst jetzt. Beide aber werden Tag für Tag scharf in
Anspruch genommen sein. Immer wieder giebt es etwas neu zu
erschaffen oder zu repariren an den Gebäuden und Wegen, und
daß die gewaltigen Beleuchtungsanlagen unter steter Uebcrmachung
sein müssen, bedarf nicht der Ausführung.
I» der ersten Etage links befinden sich die Betriebs-
Juspcction, der Kassencnratvr und die .Hauptkasse. Das wird
nach der Eröffnung der Ausstellung ein recht wichtiges und
hoffentlich gewichtiges Ressort sein. In die Kassen sollen die
Gelder nun zurückfließen in breitem, goldigem Strome, die man
bis dahin mit vollen Händen verausgaben mußte. Nun, man ist
darauf gerüstet. Es sind eine ganze Anzahl Schiebefenster ein
gerichtet, durch welche die Kassircr die Scheine und die Rollen an
zunehmen bereit sind, und die „Arnheims" haben in ihrem Innern
ivvhl viel Raum zur Unterbringung der Schütze.
I» der ersten Etage rechts befindet sich die Geschäftsstelle.
Sie dient dem Verkehr des Publikums mit den Mitglieder» des
Arbeits-Ausschusses und der Unterbringung der Bureaubeamtcn für
die Cvrrespvndeuz.
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