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Periodical volume Nr. 85, 11. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
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mannichfach und machen in ihrg.r künstlerischen Anordnung 
einen angenehmen Eindruck. Der viereckige, längliche 
Raum ist in Eichenholz mit Porzellanfüllungen getäfelt, die 
manneshohe Täfelung wird durch einen Kachelfries mit 
Fruchtgewinden nach oben abgeschlossen. In den unteren 
Füllungen finden wir Blumen- und Fruchtstücke, See-, 
Fluss- und Waldlandschaften, Stillleben etc., in zarten, doch 
sich von der Eicheneinfassung kräftig abhebenden Farben, 
auf dem Sims über der Täfelung stehen gemalte Teller, Vasen, 
Tabletten, Gefässe etc. Den Mittelraum nimmt ein Buffet 
aus hellem Eicnenholz mit Porzellanfüllungen ein, auf dessen 
oberem Theil Landschaften, auf dem unteren Trinkembleme 
dargestellt sind. Auf verschiedenen Etageren mit Porzeilau 
platten sind allerlei Kippessachen aufgestellt, ein grosser 
Wandschrank mit Porzellanmalereien, Bauerntische, Schau- 
gestelle mit Bowlen, Wandtellern, Blumenkübeln, Kacheln 
und derg-1. completirt die Ausstattung. An den Innen- und 
Aussenwänden sind grosse Porzellanbilder in Eichenholz 
rahmen aufgehängt. Recht hübsch macht sich der Eingang 
bestehend aus 4 schönen Majolikasäulen mit Fächerpalmen 
in Kübeln und das schmiedeeiserne Geländer mit Füllungen 
aus gemaltem Porzellan, auf denen reizende Putten dargestellt 
sind. Diese Art Malerei wird in Berlin auch vielfach als 
Hausindustrie von Damen betrieben, die im Erfinden schöner 
Neuheiten oft glücklich sind. — Die Stücke müssen zweimal 
gebrannt werden, einmal vor der Bemalung, dann um die 
Glasur hervorzubringen. 
» 
Unfug an der elektrischen Bahn. Von der Finna 
Siemens u. Halske geht uns folgende Zuschrift zu: „Wir 
theilen Ihnen ergebenst mit, 1. dass wir unser Strecken-Per 
sonal streng angewiesen haben, alle Kinder und Erwachsene, 
welche dabei betroffen werden, dass sie unsere Anlage 
gefährdende Gegenstände mit unserer Oberleitung in Berüh 
rung bringen oder in den Kanal unserer unterirdischen. 
Stromzuführung hineinwerfen, sofort durch Sicherheits 
Beamte namentlich feststellen zu lassen, und ist unserem 
Personal für jeden gemeldeten derartigen Fall eine Geld 
prämie ausgesetzt. Wir werden alsdann in jedem Falle un 
nachsichtlieh gegen den betreffenden Festgestellten gericht 
lich vergehen. Veranlassung zu diesen Maassnahmen geben 
uns die bisher gemachten Erfahrungen, dass erstens mehr 
fach seitens der Strassenjugend dünne Dräh.te etc. über unsere 
oberirdische Stromzuleitung geschleudert und der Betrieb 
und das Publikum dadurch gefährdet worden sind. (Bei 
einer solchen Gelegenheit erhielt ein Herr aus dem Publi 
kum, der einen solchen Draht entfernen wollte, einen starken 
elektrischen Schlag, so dass er zu Boden fiel). 2. Dass wäh 
rend unserer Probefahrten auf unserer unterirdischen Strecke 
mehrfach Eisenstücke, Drähte und dergleichen in offenbar 
böswilliger Absicht in unseren Stromzuführungskanal 
hineingeworfen worden sind und nur durch die Güte der 
Sicherheits-Vorrichtungen der Stromlieferungs-Quelle u der 
Berliner Elektricität«-Werke grösserer Schaden, vermieden 
worden ist. Es wäre uns erwünscht, wenn Sie, im Interesse 
des über die Strafbarkeit derartiger Handlungen nicht unter 
richteten Theils des Publikums, diese Mittheilung in Ihrem 
geehrten Blatte veröffentlichen wollten.“ 
ö 
Ein unfreiwilliges Bad nahmen gestern (Freitag) 
Nachmittag zwei Ausstellungsgäste, ein Herr und eine Dame, die 
sieh von des Tages Staub und Hitze durch eine Wassertahrt auf 
der Spree erfrischen wollten, statt dessen aber in des Wortes 
verwegenster Bedeutung gründlich hineinfielen. Der Herr hatte 
am Landungsplatz der Sterndampfer einen Kahn gemiethet, fuhr 
an das Ufer heran und winkte der Dame, die fröhlich in das 
Fahrzeug hüpfte — so fröhlich, dass dieses umschlug und beide 
Passagiere alsbald, nach Hilfe rufend, im Wasser plätscherten, 
aus dem sie im Augenblick von rettenden Händen herausgezogen 
wurden, als ein Dampfer heranfuhr und sie mit starken Wellen 
überschüttete. Nur langsam erholte sich die Dame auf der 
Landungsbrücke von ihrem Schrecken. Dass sie für den Rest des 
Tages gründlich abgekühlt war, bedarf wohl keiner besonderen 
Versicherung. 
Contraste. Wer in der Grosstadt lebt, bürtet sich all 
mählich gegen wechselnde Eindrücke, ja selbst gegen aufre 
gende Scenen derart ab, dass or ruhig an ihnen vorbei seinen 
Geschäften oder seinem Vergnügen nachgeht. Wenn durch 
eine Kleinstadt eine elegante Equipage fährt, so laufen alle 
Bewohner vor die Thür, aber in den Strassen der Weltstadt 
bleiben die Contraste von reich uiul arm, schön und häss 
lich, gut und schlecht unbeachtet, weil sie eben zu gewöhnlich 
sind. In der Ausstellung ist das anders ; erstens kommt man. 
schon mit der Disposition zu sehen und zu beobachten bin, 
und zweitens treten so viel neue Gegen-ätze. bei die er Gele 
genheit hervor und stehen so dicht nebeneinander, dass man 
blind und gottverlassen sein müsste, um sie nicht zusehen. —. 
Wie eigenartig wirkt schon beim ersten Bundgang durch die 
Ausstellung der Gegensatz zwischen der idyllischen Land 
schaft im alten Treptower Park und den eleganten, hellen 
Bauten! In welch’ reizvollem Gegensatz steht der vornehm 
gehaltene. Neue See zu dem idyllischen Karpfenteich einer 
seits, zu der ernsten Spree mit ihrem geschäftigen Treiben 
andererseits ! — Welche Stimmung liegt beispielsweise darin, 
wenn man in dem elektrisch beleuchteten, mit allem Comfort 
ausgestatteten Fisckrestaurant von Adlon & Dressei sitzt 
und hinausblickt auf dm breiten Strom, auf dem eben ein 
alter schwerfälliger Fischerkahn vorbeizieht, so unbeholf j n 
einfach, wie die Wasserfahrzeuge unserer Altvordern ; us dem 
einstigen Fischerdorf gewesen sein mögen. Hier Dampf 
schiffe und elektrische .Motorboote, — dort ein breiter Kahn, 
den zwei Männer mit Stangen vorwärts schieben; die Frau 
des Fährmanns hängt Wäsche an den Strick, ein kleines, 
halbnacktes Kind spielt, mit den Hübnern —- denn Wohnung, 
Wirthschaft, Hühnerhof, ja eine kleine Ziege -— alles befindet 
sich „an Bord“. — Wie sonderbar nimmt sich dieses Univer- 
salschiff neben dem Dampfer des Lloyd aus, der ja auch 
Wohn- und Speiseräume enthält. So hat sich das „Einst“ 
bis zum heutigen Tage lebendig erhalten und wirkt oft er 
greifender als die künstliche Nachahmung der alten Zeit in 
„Alt-Berlin“. Hier giebt es wieder andere Contraste. 
Man kann lango'elockte altdeutsche Jünglinge im „Wen 
dischen Jagdzug“ fürbass schreiten sehen, vom Scheitel bis 
zur Zehe „Alt-Berlin“, nur auf der Nase thront ein 
schneidiger Kneifer! — Drüben am rechten Ufer des 
Karpfenteichs wandeln indess die Kameruner, voll 
kommen „Original”, so nackt, als es in Berlin möglich ist, 
aber der eine hat an den Füssen ein paar Gummizugsclmhe, 
der andere auf der schwarzen Mannesbrust eine weisse Weste, 
Bismarck Bell trägt sogar als Vorkämpfer für deutche Cul 
tur ein Monocle. — Auch wenn eine Gondel und ein Motor 
boot sich kreuzen, der Steuermann sein deutsches „L — —- 
junge, kannste nich auf mein Pfeifchen hören!“- ausruft, 
und der Gondolier mit Achselzucken „Male.detto poico' er 
widert, kann der Freund von Contrasten sich ergötzen. 
V 
In der Sanitätswache wurden in den letzten 24 
Stunden 28 Personen behandelt. In 21 Fällen handelte es sich 
um äussere, in den übrigen um innere Erkrankungen. — In den 
letzten 24 Stunden kamen 22 leichtere Fälle zur ärztlichen Be 
handlung nach der Unfallstation. — In den Vormittagsstunden 
besichtigte Se. Durchlaucht Prinz 8. Galitzin, Dirccteur general de 
l’hospital galitzin aus Moskau die Unfallstation. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
(Weiteve Sehenswürdigkeiten werden auf Verlangen in diese Rubrik 
aufgenommen) 
Abgeordneten-Haus, Leipzigcrstr. 75. Eintrittskarten parterre» Abds. vorher v. 5 Uhr ab. 
Aquarium. Unter den Linden 68 a. 9—7. Wochentags 1 M., Sonntags 50 Pf. 
Kinder die Hälfte. ... T , . .. 
Berg- und Büttenmuseum, in der Geologischen Landesanstalt» Jnvalmenstr. 4*. 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uhr 
Berliner Raihhaus, (mit Ausnahme Donnerstags und Freitags) II—* tJnr. 
Beuth-Schinkcl-ffluseum, Charlottenbnrg in der teclin. Hochschule. Montags und 
Donnerstags von 10—12 Uhr. 
Bibliothek, König!., am Opernplatz 1- 2 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr. 9. 9—1 Uhr. , .. . „ TT , 
Bibliothek in der König!. Bau-Akademie an der Schleusenbrucke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. n 0 lT , 
Bibliothek der polytechn. Gesellschaft, Neue h nedrichstr. 35. 2—3 Um . 
Botanischer Garten, Potsdam erstr. 75. 8—12, 2—7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse, Burgstrasse und Priedrichstrassen-Ecke, 12-2 Uhr, ausser Sonntag.
	        
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