Path:
Periodical volume Nr. 84, 10. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

8 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
Schreib- und Zeichenmaterialien in der Papier- 
Gruppe. 
[Abdruck untersagt.] 
Die vielumfassende Gruppe XVI der Gewerbe-Ausstel 
lung 1 zerfällt in zwei leicht von einander zu trennende Unter- 
Abtheilungen, deren erstes das eigentliche Panierfabrikat in 
seinen verschiedenen Arten und Verwendungen umfasst, 
wahrend die andere Abtheilung alle dem Papier verwandten 
Artikel enthält, welche erst durch die Verbindung mit dem 
Papier ihren eigentlichen Zweck erfüllen können. In einem 
früheren Artikel haben wir der Aufstellung von Papier und 
Pappen, einschliesslich der Bunt-, Carton- und Glacepapiere, 
der Luxuspapierbranche und den Comptoir-Utensilien eine 
eingehende Betrachtung gewidmet, Ireute wollen wir die 
Aufmerksamkeit unserer Leser auf diejenigen Ausstellungs- 
Gegenstände lenken, “welche in die Kategorie der Schreib 
und Zeichenmaterialien, sowie der Maler-Utensilien gehören. 
Eine grosse Zahl hervorragender Firmen hat in dieser 
Special-Abtheilung ein vollkommenes Bild dieses Berliner 
Industriezweiges gegeben und damit den Beweis geliefert, 
dass Berlin auch auf diesem Gebiet sich in fortschreitender 
Richtung bewegt hat. Früher, d. h. noch vor etwa dreissig- 
Jahren behauptete in der Schreib- und Zeichenbranche Süd 
deutschland den ersten Rang und speciell die Bleistiftfabri 
kation hatte in der alten Reichsstadt Nürnberg ihren Mittel 
punkt, von dem aus sie den Weltmarkt beherrschte. Und 
wenn auch noch heute die bedeutendsten Anlagen dieser In 
dustrie in und um Nürnberg sich befinden, so kann doch 
Berlin ebenfalls mit leistungsfähigen Firmen und anerkann 
ten Fabrikaten hervortreten. 
Ein bedeutender Theil dieses Erfolges ist dem Wirken 
des Deutschen Papier - Vereins zu verdanken, welcher mit 
rühriger Thatkraft für die Hebung der Handels-Interessen 
und Verwerthung aller neuen und guten Ideen eingetreten 
ist und der auch für unsere heutige Betrachtung in seiner Col 
lect). v-A ti»Stellung das hervorragendste Material liefert. Gleich 
am Einga n g zur G nippe XVI seht n wir die reichgefüllten Glas- 
schränke der Firma Eeinh. Tetzer, deren Specialartikel Tinten 
und Siegellack sind. Herr Tetzer geniesst als Präsident des 
Deutschen Papier-Vereins einen weitverbreiteten Ruf und 
hat es verstanden, in dieser Stellung seine ganze Thatkraft zu 
entfalten und der gesummten Papier-Industrie und ihren In 
teressen wesentliche Dienste zu leisten. In seiner Ausstellung 
führt Herr Tetzer die verschiedensten Arten von Tinten vor, 
namentlich seine Specialität von Copirtinten und amtlich ge 
prüften Normaltinten. Auch den Siegellack, der lange Zeit 
etwas zur Seite gedrängt schien und vielfach durch den 
Massenverbrauch von Siegeloblaten ersetzt wurde, brachte 
die Firma wieder zu Ehren, indem sie namentlich auf die 
Fabrikation von farbigem und parfumirtem Siegellack 
ihre Aufmerksamkeit richtete. So sehen wir in der von 
Herrn Reinhold Tetzer hergestellten Ausstellungs-Schreib 
und Siegel-Cassette vier verschiedene Farben von Siegellack, 
ganz dem Geschmack unserer eorrespondirenden Damen ent 
sprechend, welche ihre besonderen Gefühle auch gern in der 
äusseren Farbe des Siegels zum Ausdruck bringen. Diese 
Ausstellungscassette wird, wenn längst unsere schöne Ber 
liner Gewerbe-Ausstellung der Vergangenheit angehört, für 
viele eine freundliche Erinnerung an diese und speciell an 
die Gruppe XVI sein. 
A on ähnlichen Ausstellern, welche nicht zur vorge 
nannten Collectiv-Ausstellung des Deutschen Papiervereins 
beigesteuert haben, sind L. Bohrn und Sohn mit ihren Nor- 
malfass-Sehreibzeugen und dem für unsere lernende Jugend 
sehr wichtigen, patentirten Tintenbehälter für Schulbänke, 
die Tinten-, Siegellack- und Stempelfarbenfabrik von Wil 
helm Haber und die chemische Fabrik von Robert Niku- 
towski, welche ebenfalls eigene Erzeugnisse in Tinten und 
Siegellack ausgestellt hat, zu erwähnen. 
„Tinte ist die einer geistigen Schöpfung vorangehende 
Urnacht“, so hat Saphir einmal den schwärzesten aller Stoffe 
bezeichnet, und die vermittelnde Kraft zwischen dieser Nacht 
der Gedanken und dem hellen Licht des Lehens ist die Stahl 
feder. Ihre Fabrikation von Anfang bis zu Ende führt uns 
die weltbekannte Firma Heintze u. Blanckertz vor, die ausser 
dem in einem pavillonartigen Schrank die fertigen Stahl 
federn und Federhalter in den verschiedensten Formen zu 
einem anschaulichen Gruppenbild vereinigt hat. S. Reeder 
hat ein wahres Kunstwerk in dem grossen Reichsadler ge 
schaffen, der in seinem roth ausgeschlagenen Sch,rank, aus 
allen möglichen Stahlfedern zuSammengt setzt, sich wirkungs 
voll von dem Hintergrund abhebt; neben den Stahlfedern 
fehlen auch hier nicht die Federhalter, die in allen mögli 
chen Holzsorten mit und ohne Metall hergestellt sind. 
Der Deutsche Papierverein konnte es in seiner Collectiv- 
Ausstellung ermöglichen, dass neben Berliner Firmen auch 
hervorragende auswärtige Fabrikanten, soweit sie dem "V er 
eilt als Mitglieder angehören, in der Gewerbe-Ausstellung 
vertreten sein durften, und so hat die Bleistiftbranche gerade 
dadurch ihre bedeutendsten Interessenteil in das Feld führen 
können. Eine reiche Collection von Bleistiften, Farbstiften, 
Copifstiften, Schiefertafeln und Schieferstiften stellte die 
Nürnberger Bleistiftfabrik vormals Johann Faber aus. 
Schwank« usser vormals Grossberger und Kurz liessen im 
Mittelpunkt der Gruppe ein Deeorations-Bauwerk errichten, 
mit welchem sie eine reichhaltige Ausstellung ihrer Blei- und 
Farbstifte und aller Zeichen- Utensilien verbanden. Von. 
Nürnberger Fabrikanten sind noch zu erwähnen W. Sraedler. 
& Co. mit ihren Specialitäten in Nickel- und Tintenstiften, 
sowie in Zeicbpnkreiden, und J. B. Guttkneeht mit der viel 
seitigen Collection von Blei-, Färb-, Schiefer- und mechan- 
nischen Stiften, Kreiden, Gummi .etc. Die Berliner Firma 
H. C. Kurz schliesst sich den vorgenannten ebenfalls mit ver 
schiedenen Arten von Blei- und Farbstiften, sowie Zeichen- 
materialien an. 
Aber mit den bisher erwähnten Artikeln ist die grosse, 
vielumfassende Schreibwaarenbranche noch lange nicht er 
schöpft, Was alles zu denselben gehört und wie immer neue 
Ideen auch auf diesem Gebiet verbreitet und verarbeitet 
werden, das führen uns drei namhafte Berliner Firmen vor 
Augen: Carl Frankel, der namentlich, in seinen Patent-Ar 
tikeln und Schreibtisch-Ausstattungen Hervorragendes leistet, 
ferner der bekannte Verlag von F. Soeunecken mit seiner 
reichen Auswahl von Schreibfedern, Tintenfässern, Zeichen 
waaren und vielen anderen Erzeugnissen der Schreibwaaren- 
Industrie und schliesslich die Firma Fr. Aug. Kayser mit 
ihren Stempelfarben, Oelcopieblättem, Paus- und Durch- 
schreibpapieren. 
Fine ganz besondere Specialität bildet der neueste Füll 
federhalter „Diana”, welcher in einem grossen Ausstellungs 
schrank von der Firma J. W. Ranck den Besuchern gezeigt 
wird. 
Vom Schreiben zum Malen ist mehr wie ein Schritt, 
und mancher versucht es vergeblich, dahin zu gelangen. Aber 
eng verbunden sind die Bedarfsartikel für beide Ausübungen, 
nicht nur im allgemeinen Industriebetriebe, sondern aucn in 
Gruppe XVI der Berliner Gewerbe-Ausstellung. Die Lein 
wand für das Kind ist die Schiefertafel, deren jährlicher Um 
satz nach Millionen rechnet. In einem freistehenden Aus- 
stellungssch.rank hat die Rheinische Schiefertafel-Fa I >rik ihre 
Erzeugnisse von der kleinsten ABC-Schützen-Tafel bis zur 
grössten Schulwandtafel ausgestellt. 
Auch die Bedarfsartikel für die Kunstmalerei haben eine 
anerkennenswerthe Vertretung in der Papiergruppe gefunden. 
So hat die Berliner Farbenfabrik ein buntfarbiges Tableau 
ihrer Aquarell-, Gel- und Temperafarben, ferner patentirto 
Papiertafeln, von denen jede Blei- und Tintqnschrift im 
Augenblick abgewischt werden kann, ausgestellt. Die alt- 
renommirte Firma G. Bormann Nachfolger ist mit einer ähn 
lichen Collection auf dem Platze und hat ausserdem ihre far 
bigen Tafelkreiden, Schablonenpapiere, unverwaschbare Aus 
ziehtusche, Generalstabs- und Planfarben zur Ausstellung 
gebracht. Hermann Sternke, eine der ältesten Deutschen 
Fabriken dieser Branche, stellte ihre präparirten Farben 
und Papiere aus, von denen die Stempel- und Telegraphen- 
farben die weiteste Verbreitung gefunden haben.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.