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Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Gffirielle A«ssteUi»ngs-Nachrichten. 
heißblütige Necipolitaneriimeii, »nd die bekannte Liberti-Truppe enl- 
senden. Rußland läßt sich durch die in Berlin nicht unbekannte 
Tänzertrnppe Jwanoff, durch de» moskowiiischen Chor des Pe- 
trofsky Bestnschew, sowie durch ein russisches Nationalorchester 
vertreten. Ungarn schickt Zigennerbanden und Czardastänzerinnen, 
Rumänien die Kapelle Georgescn, und die Harmonien im Orient 
wird ein türkisches Orchester ans Konstantinopel offenbaren. In 
deut niittleren Theil des 8000 Quadratmeter großen Vor 
gartens etablirt das Hackerbrän den vom Professor Ländler in 
München ausgestatteten Hackerkeller, in dem echtes Münchener 
Volksleben veranschaulicht werden soll. Kopctzki, der Dirigent 
der österreichischen Kaiserjäger, wird im Garten mit seiner 
70 Mann starken Kapelle concertiren. Bei der jetzt herrschenden 
Vorliebe für Specialitäten dürften nicht nur die Besucher, sondern 
auch die hoffnnngsfrohen, in großen: Stil arbeitenden Unternehmer 
von „Nell-Berlin" und der „Weltmusik" ans die Kosten kommen. 
A. H—cf . 
Das Netzwerk des Ricscnfessclballons ans dem Aus- 
stclliingsplatzc wird in einer der ersten Seilereien Berlins ange 
fertigt. Selbstverständlich ist die Haltbarkeit die erste Bedingung 
für die Sicherheit der Passagiere, damit diese nicht etwa eine un 
freiwillige Reise in die Lüfte antreten. Jeder Millimeter wird 
daher seitens einer fachmännischen Autorität einer peinlichen Prü 
fung nach allen Erfahrungen unterworfen, welche die moderne 
Technik zu diesem Zwecke an die Hand giebt. Das zum Netze 
gehörige Strickwerk würde, falls aus demselben eine gerade Linie 
gebildet wird, 24 250 Meter lang sein. Das Netz zählt nicht 
weniger als 35 000 Maschen; seine Tragkraft ist auf mindestens 
1000 Centner zu veranschlagen. Zur Beruhigung des Publikums, 
welches sich dem „Segler der Lüste" anvertraut, diene der Hin 
weis, das; alles zum Ballon Gehörige auf mindestens zehn 
fache Sicherheit geprüft ist; nach menschlichen: Ermessen er 
scheint also ein Unfall ausgeschlossen. Hierbei möge erwähnt sein, 
daß der große Fesselballon der Pariser Ausstellung im Jahre 
1878 nicht weniger als 475 000 Personen beförderte; während 
einer Auffahrt mit demselben gab eine Pariserin einem kräftigen 
Weltbürger das Leben. 
-s 
„Kairo", die Specialausstellnng am Treptower Ausstellungs- 
Bahnhof, hat bekanntlich auch ans dem Munde unseres Kaisers ein 
ehrendes Lob erhalten. Während seines Besuches am 6. d. M. 
fall nämlich Kaiser Wilhelm nach längerer, eingehender Besichtigung 
der gestimmten Banwerke darüber sein Bedauern geäußert haben, 
daß dieses künstlerische Werk zum Herbst verschwinden solle; es 
könnten an diesen klassischen Bauwerken Studien gemacht iverden. 
Abbas Pascha, der junge Beherrscher des Pharaonenlandes, soll 
sich jetzt allen Ernstes mit dem Gedanken tragen, während seiner 
für diesen Soninier projectirten Europareife einen Abstecher nach 
Berlin zu machen und „Gewerbe-Ausstellung" sammt „Kairo" ans 
eigener Anschauung kennen zu lernen. In Alerandria rüstet man 
sich mittlerweile für die Abreise nach dem „kühlen Frankenlande". 
Die genannte egyptische Hafenstadt gleicht augenblicklich einen: 
Feldlager. Von Kairo treffen nach und nach per Bahn die 
Beduinen, Fellachen, Araber, Pferde- und Dromedar-Transporte und 
der große ethnographische Apparat, die Sammlungen des Khedive 
und des Staates ein, um auf dem 3000 Tons großen, erstklassigen 
Danipfer „Tinos" der deutschen Levante-Linie eingeschifft zu iverden. 
Es ist der „Tinos" der größte, beste und schnellste Dampfer der 
genannten Linie. In Hamburg dürfte derselbe aller Wahrscheinlichkeit 
nach bereits in de:: ersten Tagen des kommenden Monats eintreffen. 
Im Uebrigen soll die ganze Karawane bereits vorgestern die Reise 
nach Berlin angetreten haben. 
M-y. Die als Tribüne für die Marine-Schauspiele vor 
gesehene Jacht „Hohenzolleru" hat dieser Tage ihr Blcchkleid 
erhalten. Es tvird bereits lebhaft an der Ausrüstung des Decks 
gearbeitet, die Schornsteine werden verkleidet, die Cvmmanbobrücke 
steht. Im Schiffskörper entstehen sehr hübsche Restanrations- 
rüume in verschiedener Ausstattung. Am Bassin sind ein Dutzend 
Masten für Bogenlampen aufgestellt, die Lichtquelle siir die Be 
leuchtung ist das Maschinenhaus am Eingänge von Alt-Berlin, 
am Ufer liegen neue, frisch gestrichene Boote verschiedener Größe 
zum Trocknen an der Sonne. Der ganze Platz für die Marine- 
Schauspiele ist mit einem hohen Plänkcnzann uingebcn. In der 
Nähe der Marine-Schauspiele wird ein großes, hohes Blockhaus 
für Holzbearbeitung errichtet, auch ist in diesem Theile des Parkes 
ein hübscher Wurstpavillon von Breslauer errichtet und ein ge 
schmackvoll eingerichtetes Restaurant für Nürnberger Bier, das 
aus leuchtend weißen: Mittelbau mit anschließenden Hvlz-Berandeu 
und einem Borgarten nach der Treptower Straße zu besteht! 
Der Bau des Olympia-Theaters, das anläßlich der Ausstellung von 
dem bekannten Londoner Bühnenleiter Kiralfv errichtet wird, gebt mit 
Riesenschritten vorwärts. Ueber 800 Zimmerlente, Maurer und Schlosser 
sind bei dem gewaltigen Bauwerk beschäftigt. Das Gerüst für den Circus 
ban ist fast vollendet, während man am Theatergebäude mit dem Auf 
stellen der kolossalen, aus den Peiner Walzwerken stammenden Eisen- 
consrructionen beschäftigt ist. Die Arbeiten niüssen bis spätestens 15. Mai 
fertiggestellt sein, für jeden späteren Tag hat der Bauleiter eine Pönale 
von 500 Mk. an die Actiengesellschaft, in deren Händen das Unternehmen 
ruht, zu zahlen, während ihm bei einer Vollendung des Baues an einem 
früheren Termin eine bedeutende Vergütung zugesichert ist. Der Direktor 
des Theaters weilt seit einiger Zeit in Berlin, um das künstlerische Personal 
seiner Truppe zu completiren und technisches, sowie Aushilfspersonal zu 
engagiren. Auch ein Theil der Theaterrequisiteu ist bereits aus dem 
Plage untergebracht, darunter fünf buntfarbige Schiffe von riesigen Dimen 
sionen, denen in dern Schaustück eine Hauptrolle zugedacht ist. Für das 
„Schauspiel zur See", das in einer Art Flottendemonstration gipfeln 
soll, werden Wasserreservoirs und Kanäle hergestellt. Wie sehr das Unter 
nehmen auf Massenbesuch angewiesen ist, crgiebt sich aus der Thatsache, 
daß die Garderobenpacht allein 25 000 Mk. betrügt. 
I. M. Berlin 80. Derlei Klatschgeschichten interessiren uns absolut 
nicht. Sparen Sie sich doch Zeit, Porto und Papier und uns die Mühe, 
solche Zuschriften zu lesen. 
„Pläne nach Maststab." (Zehdenich. Wir werden diese Pläne 
und Zeichnungen nach Maßstab veröffentlichen. Das Abonnement kostet 
für den Monat April eine Mark, für Mai und die folgenden Monate sbei 
täglichem Erscheinen) je zwei Mark. Ob Sie auf einen Monat oder ein 
Vierteljahr abonniren sollen, erfahren Sie bei Ihrer Postanstalt. 
Robert S—g. Auch der „Lanfradsport" wird auf der Ausstellung 
vertreten sein. 
Leser in Rixdorf. Die betreffende Notiz lautet: „Von den zur 
Zeit in Berlin vorhandenen 9437 Schank- und Gastwirthschaften, ein 
schließlich der Conditoreien, dürfen 527 bis 3 bezw. 4 Uhr Nachts, 534 
bis 2 Uhr Nachts, 1247 bis 1 Uhr Nachts, 3513 bis 12 Uhr Nachts 
Gäste bewirthen. Die übrigen Wirthschaften müssen um 11 Uhr Abends 
schließen." 
Herrn G. L. M. Wir haben den Artikel über Berliner Verkehrs- 
Verhältnisse im letzten Heft von Glasers Annalen für Gewerbe- und Bau- 
Ivesen mit großem Interesse gelesen. Wir können uns mit dem Thema 
aber nicht befassen. Wir haben uns darauf zu beschränken, den jetzigen 
Verkehr zu beleuchten und zu beschreiben, besonders soweit die Ausstellung 
in Frage kommt. Die zukünftige Gestaltung des Berliner Verkehrs ist 
eben auch für uns nur — Zukunftsmusik. 
Tischgesellschaft. lP. K. A. F. W.) Eine Reihe von Bedürfniß- 
anstalten lvird dem Publikum auf dem Ausstellungs-Terrain gratis zur 
Verfügung stehen; allerdings ist auch eine Anzahl solcher Anstalten ver 
pachtet. 
Ch. R. (Berlin.) Ein mlt Schreibvorrichtungen versehener Lese- 
saal, in dem Zeitungen, Zeitschriften und Fachschriften aus aller Herren 
Ländern anstiegen, steht dem Besucher jederzeit in der Ausstellung zur Ver 
fügung. Die Pressezimmer sind natürlich ausschließlich für die Vertreter 
und Berichterstatter der Zeitungen eingerichtet. 
Ad. E. & Co. Textilbranche. Es handelt sich natürlich nicht 
um die Schließung der Verkaufsläden irgend welcher Branche, sondern 
nur um die Bureaux, die in ihrer Arbeit nicht vom öffentlichen Verkehr- 
abhängig sind. Diejenigen, die während der Ausstellungszeit Berlin be 
suchen, dürften im Uebrigen naturgemäß ihre Geschäfte in den Vormittags 
stunden erledigen, um den Nachmittag und Abend ohne Unterbrechung > in 
der Ausstellung verbringen zu können.
	        
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