Path:
Periodical volume Nr. 83, 9. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Off icielle Aussteliungs - Nachrichten. 
13 
die Ton einer Dicke von einigen Centimetern bis za zehn und 
fünfzehn Metern gelagert sind, gewöhnlich zwischen Sand 
stein- und Schieferthonschich|ten. Diese Flötze sind im all 
gemeinen ursprünglich in horizontaler Richtung gelagert ge 
wesen, aber der Druck, den Gletscher die über solche Lager 
strömten, oder Gebirgsmassen auf das Flötz ausübten, gaben 
ihm eine geneigte Lage und so finden wir heute fast nur 
schrägliegende Kohleuflötze, zuweilen mehrere solcher Lager 
parallel zu einander und in verschiedenen Tiefen unter ein 
ander. Offen zu Tage tritt die Kohle fast nirgends, und wo 
dies der Fall war, ist sie durch Witterungseinflüsssen, Blitz 
schlag etc. bald vernichtet. 
Da also die Kohlenlager unter der Erdoberfläche liegen 
zuweilen in einer Tiefe von vielen Hundert Metern, so ist na- 
turgemäss die Auf findung dieser Flötze einerseits sehr schwierig 
und andererseits viel vom Zufall abhängig - . Der Neuzeit mit 
ihrer grossen Verbesserung der technischen Hilfsmittel bliebe? 
vorbehalten durch die grösseren Erfahrungen in der Theorie 
der Kohlenablagerungen und besonders dusch Schaffung 
eines hervorragend guten Suchapparates. Es tist das ein 
Bohrer 1 , der bis in ganz ausserordentliche Tiefen geführt 
werden kann — in Tarusckowitz führte man ihn bis zu 
2300 m und hätte ihn noch viel weiter führen können, wenn 
nicht beim Herausnehmen eines Thermometers, das man in 
das Bohrloch hinabgeführt hatte, das Rohr zerstört worden 
wäre. Es ist natürlich kein Handbohrer, wie sie zum Bei 
spiel in Berlin zum Aufsuchen von Wasser verwendet werden, 
sondern ein Bohrer mit gewaltigen maschinellen Treiban 
lagen. Der Bohrer ist im Princip sehr einfach. Eine Röhre, 
die in steter Rotirung von 2—300 Umdrehungen in der Mi 
nute gehalten wird, gräbt sich vertical in das Erdreich hin 
ein. An dem unteren Ende ist eine besondere Vorrichtung 
zum Durchbohren harter Gesteinslager, die sogenannte 
Diamantkrone. Sie ist ein starker Stahl-Cylinder, dessen 
untere Kante mit scharfen klonen Diamanten gezähnt ist. 
Diese Bohrspitze, die einen Hohlraum von 1 bis 10 Zoll um 
fasst, geht ohne grosse Schwierigkeit durch den härtesten 
Granit hindurch. Eine besonders praktische Vorrichtung 
drängt Erde oder Gesteinsmassen, die sich in dem Cylinder 
ansammeln, nach oben, und so ist man mit diesem Bohrer 
zugleich in der Lage, die durchbohrten Schichten auf ihre 
Art, insbesondere natürlich auf das Vorkommen und diq 
Mächtigkeit von Kehlenflötzen genau zu prüfen. Diese 
Bohrer arbeiten nicht nur sehr schnell und sicher, sondern, 
sie erlauben auch vorzügliche Messungen der Temperatur 
der Erdrinde. Die praktischen Messungen haben überdies 
bestätigt, was theoretisch schon feststand, nämlich dass die 
Wärme entsprechend der Tiefe zunimmt; so fand man in 
Taruschowitz bei 2300 m Tiefe, eine Wärme von 65 0 Celsius. 
Es liegt auf der Hand, dass man eine einzige Röhre zu, 
Bohrungen in so ausserordentliche Tiefen nicht benutzen 
kann. Es wird stets zuerst eine Röhre von vielleicht 1 bis 2 
Fuss Durchmesser genommen, die vielleicht 100 bis 200 m 
tief geht. Ist diese eingebohrt, so führt man in sie eine zweite, 
etwas engere Röhre ein und so fort, bis die gewünschte Tiefe 
erreicht ist. So verjüngt sich denn die Rohranlage etwa wie 
ein zusainmenschiebbares Fernglas. Dementsprechend (ist 
auch der Bohrkern, dass heisst die vom Bohrer gelieferte 
Erdprobe, je nach der Tiefe verschieden umfangreich. 
Mit diesem Bohrapparat werden an den Steilen, wo man 
Kohleuflötze vermuthet, Versuche gemacht. Fallen sie be 
friedigend aus, so kommt die zweite, schwierigere Arbeit, 
die Gewinnung der Kohle. In den Kohlenbergwerken wird 
die Kohle zunächst aus ihren Lagern losgelöst und dann zu 
Tage gefördert. Dazu werden erst senkrechte Schächte von 
4—5 in Durchmesser durch das Flötz getrieben und diesem 
wieder nach allen Seiten sogenannte Querschläge, das sind 
Schächte, die entweder horizontal verlaufen oder sich, der 
Richtung des Flötzes anpassen. So ist denn, besonders da 
eine ganze Anzahl senkrechter Schächte neben einander ein 
geführt werden, das Kohlenflötz in viele Baufelder getheilt, 
die dann systematisch abgebaut werden. Ist die Kolde von 
1 löte oder vom Gestein losgelöst, so wird sie nach einem der 
Sammelpunkte an den Verticalschachten transportirt. Das 
geschieht entweder auf elektrischen Bahnen, denen durch ein. 
Kabel von ausserhalb des Werkes die erforderliche motorische 
Kraft zugeführt wird, durch Kettenbahnen, die an ein 1 r Kette 
ohne Ende laufen, oder endlich durch einfache Schienen 
wagen, die von Pferden gezogen werden. Die Pferde be 
finden sich ausnuhmlos dort unten recht wohl und da sie iu 
Jahren nicht an die Oberfläche kommt», vermissen sie Sonne 
und Wiesen, die ihnen wohl kaum noch bekannt sind, nicht. 
An einzelnen Stellen, wie in engen und niedrigen 
Schächten, wo weder Platz für die elektrische Anlage oder 
für die Kette ist, muss die geförderte Kohle von den Häuern, 
die dazu dann auf allen Vieren kriechen müssen, in kleinere 
Wagen zu den Sammelstellen geschoben werden. Von den 
Sammelstellen aus werden die gewonnenen Kohlen in mäch 
tigen Aufzügen an die Oberfläche befördert. 
Das Loslösen der Kohle bei dem Flötz oder dem Gestein 
geschieht auf verschiedene Weise, in derNeuzeit aber meistens 
mittels Sprengung. Dazu wird eine Anzahl Löcher in die 
Kohlenwand gebohrt und in diese Sprengpatronen, die dann 
durch eine elektrische Zündvorrichtung alle auf einmal zur 
Explosion gebracht werden und so enorme Quantitäten los* 
reissen. 
Der Bergbau ist nicht so gefährlich, wie im allgemeinen 
angenommen wird, aber dem Bergmann drohen doch manche 
Gefahren. Da ist zuerst der Mangel an frischer Luft. Dem 
zu begegnen sind die einzelnen Schächte mit ausgedehnte^ 
Ventilationsvorrichtungen versehen, die ganz bedeutendes 
leisten. Sie liefern nicht allein frische Luft, sondern saugen 
auch die verdorbene auf. In einem M erke wurden von solchen 
Ventilatoren täglich 60000 cbm Kohlenwasserstoffgasj 
exhaustirt. Eine weitere Gefahr bilden die Schlagwetter. 
Sie entstehen, wenn .sich Kohlenoxydgas in grösseren Mengen 
bildet und dann mit einem brennenden Licht in Berührung; 
kommt oder durch Selbstentzündung des Kohlenstaubes in 
Brand geräth. Hiergegen sich zu schützen benutzt man die 
Biela’schen Sicherheitslampen, bei denen nicht nur eine Ex 
plosion unmöglich ist, sondern die auch durch die Farbe ihrer 
Flamme erkennen lässt, ob giftige Gase vorhanden sind. In 
diesem Fall bildet sich ein blauer Feuerkegel über dem Licht. 
Explosionen treten ein, sowie dieses sogenannte Sumpfgas 
sich in einer Vertheilung von 0—10 pCt. in der Luft findet. 
Und nicht nur durch die schlagenden Wetter sind diese Gase, 
denen schon viele Menschen zum Opfer fielen und die schon 
manches Flötz unbenutzbar machten, dem Bergmann ver 
derblich, sondern mehr noch durch ihr Gift und durch den, 
Erstickungstod, den sie jedem bringen, der sich ihrem un 
heimlichen Bereich nicht rechtzeitig genug entziehen konnte. 
Die Gefahr bei Sprengungen ist nicht sehr gross, da weder 
Schwarzpulver noch Dynamit, sondern ein Sprengstoff, der 
bei grosser Kraftentwicklung nur wenig Flamme und Hitze; 
.giebt, verwendet wird. 
Viele Menschenleben hat der Bergbau schon gefordert 
und leider haben die Unfälle in Bergwerken fast jedesmal — 
wir erinnern nur an Plauen und Brüx — eine grosse Anzahl 
Opfer auf einmal gefordert. Aber unablässig sind Berg 
werkstechniker und -Theoriker bemüht, die Gefahren des 
Bergbaues zu mindern und die finsteren Dämonen zu bannen, 
die gierig die Hände austrecken nach dem Leben des Berg 
mannes. Vieles ist in dieser Hinsicht schon geleistet, möge 
die Zukunft immer erfolgreicher in diesen humanitairen Be 
strebungen sein. 
Prof. Franke illustrirte seinen geistreichen und interes 
santen Vortrag durch eine Anzahl Modelle, Zeichnungen und 
photographische Aufnahmen, die fesselnde Bilder aus dem 
Leben der Bergleute bei ihrer Thätigkeit gaben. Das zahl 
reiche Publikum lauschte aufmerksam den Ausführungen 
Franke’s und gab zum Schluss durch anhaltenden und spon 
tanen Applaus seiner Dankbarkeit Ausdruck.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.