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Volume Nr. 83, 9. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
Thon, die mittels Fedei kraft in die Luft geschleudert weiden 
und durch ihren vogelähnlichen Flug den Schützen als Ziel 
scheibe dienen und so einen Ersatz für die lebenden Tauben 
bieten, an denen nur an einzelnen Plätzen die Vogelschützen 
ihre Schiesskunst üben können. Weber aus Haynau und 
Grell u. Co. aus demselben Ort repräsentiren würdig die welt 
bekannte Thiersallen-Industrie Schlesiens. Alle Sorten Fal 
len, vom kleinen Mardereisen bis zur mächtigen Falle für 
Tiger und Elephanten sind in natura oder doch im Bilde vor 
handen. Im Anschluss hieran zeigt Förster Stracke seine 
Kastenfallen und deren Aufstellung auf einem mosaikartige u 
Plane, ein Waldgehege darstellend. Die Lappjagd oder 
richtiger gesagt, die jagdlappen zu dieser Jagd brngt die 
Firma Knoll u. Co. dem Besucher zur Anschauung. Die 
Firma Walbinger, Meuschel u. Co. in Bischweiter im Eisass 
stellt ihre verschiedenen Sorten Patronenhülsen aus in präch 
tigem Schaukasten. Und was ist das dort an der Ecke? Das 
sind drei übereinander gestellte Sulykowsky’sche hygienische 
Hundelager in verschiedenen Grössen mit Wasser-Vorrich 
tung. Aussteller Hahn. Die Dinger sind sehr nett und 
.praktisch und ihr Zweck wird durch das im obersten Bettehen 
so sanft schlummernde Wachtelhündchen so glaubhaft dar 
gestellt, dass manche junge Dame ausruft: „Ach, wie süss!” 
Hier ist die Abstiegtreppe, an derselben sehen wir noch 
eine reiche Collection berühmter Hundeportraits und Bilder 
von Professor Sperling und Anderen in sehr guter Verviel 
fältigung. 
Die ganze, rechte Seite der unteren Querhalle ist ebenfalls 
noch dem Jagdspcrt gewidmet, das zeigen schon die dort als 
Fries angebrachten Wandgemälde’von Georg Koch an. An 
der Vorderwand sehen wir eine moderne Hasenjagd mit dem 
bebrillten Sonntagsjäger ä la Fliegende Blätter, der den 
zwischen seinen Beinen durchflüchtenden Hasen selbstredend 
fehlen, dafür aber sicherlich seinen eigenen Hund todtsehies- 
sen wird. Im Uebrigen zeigt das Bild ein Kesseltreiben, 
mehrere Schützen und Treiber sind noch in Thätigkeit, wäh 
rend andere schon mit dem Bergen des Wildes beschäftigt 
sind. Auf der gegenüberliegenden Wand ist eine Jagd un 
serer Vorfahren auf dem Auerochsen dargestellt. Mit dem 
Speer in der nervigen Faust hält auf edlem Ross der Jagdherr 
und seine holde Gemahlin, während die Meute den Stier ge 
stellt hat und die Mannen zu Ross und zu Fuss an ihn 
heranzukommen suchen, um ihm den Todesstoss zu versetzen. 
Diei Querwand weisst rechts von der Thür einen modernen 
Piqueur mit Horn und Meute auf, links lauscht der König der 
deutschen Wälder mit stolz erhobenem Haupte auf chm Ruf 
des Nebenbuhlers. Alle Bilder sind meisterhaft gemalt. 
Unmittelbar an der Trejape hat die Deutsche Versuchsanstalt 
für Handfeuerwaffen eine Glasscheibe, aufgestellt, welche die 
Wirkung eines Schrotschusses darstellt, der aus einem für den 
Kaiser bestimmten Gewehr zur Probe abgegeben wurde. Da 
hinter hat in einer Nische J. P. Sauer u. Sohn, die bewährte 
Gewehrfabrik in Suhl u. Berlin ein ganzes Arnual von Jagd 
gewehren aller Arten ausgestellt, im ganzen sind dies circa 
120 Stück, dort findet ein jeder Nimrod je nach Maasgabe 
seines Baarbestandes das für ihn passende, auch alle wich 
tigen Neuerungen sind vorhanden und die Fabrikation in 
ihren einzelnen Theilen wird durch die betreffenden Stücke 
vorgeführt. 
Carl Knutk, grossherzoglich Mecklenburgischer Hofcon- 
servator concurrirt mit der schon vorher erwähnten Berliner 
I irma 0. Bock in ausgestopften Thieren, die theilweise zi$ 
schonen, lebenswahren Gruppen zusammengestellt sind. Del 
in Berlin bestbekannte Sportschneider A. Ehrich, hat in einer 
eigenen Koje unter anderen auch einen Jäger und eine Jägerin 
in voller Ausrüstung aufgestellt, auch dort finden wir alle 
Jagdausrüstungsstücke. Als Appendix zum Schiesssport 
haben dicht neben dem Bureau der Gruppe „Sport” 
noch zwei Miniatur-Gewehre Modell 71 Aufstellung ge 
funden. Verfertiger sind die Herren Militair-Büchsenmacher, 
Günzel und Sabiers in Breslau. Dir, niedlichen Gewehrehen, 
mit Seitengewehr, Patronen und allem ausgestattet haben je 
unter einer Glasglocke Platz gefunden. Sie sind während 
mehrerer Jahre in den Mussestunden der Herren entstanden, 
die zu deren Anfertigung zuerst sich besondere Werkzeuge 
und Maschinellen herstellen mussten. Durch ihre exacte 
und präcise Ausführung haben die Gewehrchen den Beifall 
und die Bewunderung hoher Personen und der gediegensten 
Sachkenner gefunden. Den niedlichen Spielzeugen sieht ge 
wiss niemand die mit der Herstellung verbundenen Mühen 
und Kosten an, denen gegenüber der geforderte Preis von 
1 500 Mark pro Stück gewiss kein allzuhoher genannt wer 
den kann. Neben den Miniaturgewehren finden wir mehrere 
Gobelins mit Jagdsconen von Maler. 
Gleiche Gobelins hängen auch von der Galerie herab', 
Desgleichen ist noch der zeltartige Bau der Firma Weyers 
berg in Solingen, Kirschbaum & Co. in Berlin zu erwähnen. 
Hier finden wir alle blanken Waffen in reichster Auswahl 
vertreten. Darunter eine getreue Copie des von der Stade 
Solingen Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck geschenk 
ten Ehrenpallasches mit der Aufschrift: 
Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck, ihrem 
grossen Ehrenbürger, der deutschen Einheit mächtigem 
Waffenschmied zum 80teil Geburtstage 
Die dankbare Waffenstadt Solingen. 
Die überaus prächtig ausgestattete Ausstellung der ge 
nannten Firma hat ihren Standort unmittelbar neben der 
Kaiserlichen Ausstellung erhalten, vor der so gewissem) aus 
sen die an der offenen Seite des Zeitraumes postirten lehens 
grossen Ritter Ehrenwache halten. 
Im Uebiigen ist die Ausschmückung der Galerie und 
des unteren Raumes seitens der Firma 0. Bock mit ausge 
stopften Thieren, Geweihen, darunter vielen schädelechten, 
in splendidester Weise, ausgeführt worden, seihst am Eingang 
sind auf beiden Seiten grosse Spiegel mit Rahmen aus Ge 
weihen von derselben Firma zur Decoratiou hergegeben. 
Viele berühmte Jagdmaler haben sich durch Hergäbe ihre^ 
Bilder, Jagdscenen und Stillleben an der Ausschmückung 
betheiligt. Wir brauchen da nur Namen, wie Professor 
Kroener, Düsseldorf, Professor Sperling, Berlin, Richard 
Friese, Berlin, W. Arnold, von Bassewitz, Wilmersdorf, 
Nel Grönland, Berlin, Wilh. Kunert Berlin, Ernst Otto, Ber 
lin, sowie den ebenfalls durch seine in der Cabine von O. 
Bock aufgestellten Werke bekannten Bildhauer Richard 
Rusche zu nennen. 
Beim Austritt aus der Sporthalle grossen uns noch von 
rechts und links die Heidepriem’sclien Jägerfiguren, aus 
gehängt in Lebensgrösse Von der Giesserei Gladenbeck, und 
ebenfalls im Freien haben noch die Modelle von trans 
portablen Krähenhütten und Birkhahnschirmen aus Draht 
gestell mit Moos bekleidet Aufstellung gefunden, die von 
Herrn Förster Stracke ausgestellt sind 
Wenn man all' dies schöne gesehen, wird man mit mir 
übereinstimmen dahin, dass die Jagdgruppe sich würdig den 
anderen Sport Untergruppen zur Herstellung eines gesummten 
Sportbildes anreiht und dies verdankt sie in allererster Linie 
ihrem thatkräftigen Vorsitzenden Herrn Hauptmann a. D. 
W. Ablers. G . . . . s. 
Vorträge in der Ausstellung. 
Aufsuchung und Gewinnung der Steinkohlen. 
[Abdruck untersagt.] 
Obgleich wir der Aera der Elektricität immer näher und 
näher rücken, sind wir in unseren ganzen industriellen Ver 
hältnissen heute noch durchaus abhängig von der Steinkohle. 
Ohne sie hätten wir keine Maschinen und nur durch sie 
konnte das Gewerbe in der ganzen Welt den Aufschwung 
nehmen, den es im letzten halben Säculum genommen hat. 
Wie also die Kohle von vitaler Bedeutung für alle unsere 
Verhältnisse ist, so ist es auch interessant für uns, Näheres 
über ihre Aufsuchung und Gewinnung zu erfahren- Dazu 
bot sich gestern im Gebäude für Chemie, wo Herr Prof. G. 
Franke-[Berlin; vor einem zahlreichen und aufmerk 
samen Publikum über dies Thema sprach. 
Die Steinkohle findet sich über die ganze Erde in mehr 
oder minder bedeutenden. Mengen vor und zwar in Fiötzen
	        
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