Path:
Periodical volume Nr. 83, 9. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Öfficielle Ausstellungs - Nachrichten. 
9 
rothes seidenes kostbares Kipsband, von welchem auch die 
hinten angebrachte, breit abstehende Schleife ist, hellerer 
rother Mohn bildet einen sehr wirkungsvollen Ausputz, den 
zwei auf dein vorderen Rande angebrachte braungefiederte 
Vögelchen und ein Cache-peigne ebenfalls von rothem Mohn 
vervollständigen. Der Preis von 17 Mark für diesen wirk 
lich schönen Hut ist sehr massig zu nennen. 
In seiner grossen Schlichtheit wirkt ein Hut sehr vor 
nehm, dessen Amazonen-Facon von gelbem Seidenstrohgeflecht 
hergestellt ist, und dessen Ausputz weisse breite Moiree-an- 
tique-Schl eisen mit weissem Seidentüll, weisse Sammetrosen 
und hochstehende, von weiss bis gelb schattirte kostbare 
Straussfedern bilden. 
Von moosgrünem Seidenstroh ist ein anderer Hut gefer 
tigt, geschmückt mit grosser Schleife aus grün-roth-chat- 
tirtem Chnigeant.seidenband und Tuff weisser duftiger Sei 
denrosen. Auf der Vorderkrempe liegt je rechts und links 
ein Strauss tiefvioletter Veilchen, in der Mitte des links 
seitigen erhebt sich ein echter Reiher. 
Zwei sehr aparte Capottehütchen fallen hier noch ganz 
besonders in die Augen, von denen das erste von gelbem 
Seidenstrohgeflecht hergestellt ist und dessen gewellte Krempe 
von Sammet- und Seidenrosenblättern gebildet wird; ein Tuff 
von altrosa Rosen mit gleichfarbenem Reiher und Binde 
bändern von grünem Sammetband vervollständigen den Aus- 
putz. Der zweite Capottehut wirkt durch seine discrete 
Farbenstellung ausserordentlich vornehm. Aus schmalem 
grünlichem Seidenband und auf Draht gezogenen grünlich 
goldig schimmernden Perlen geflochten, ist er mit schwarzen 
Spitze abarben ausgestattet und vorn mit grünlich-weissen 
Primelnbouquets, einigen zartgelblichen Narcissen und weis 
sem Reiher garnirt. 
Auf der anderen Seite des Damenheims stellte 
Herr Hausdorf aus, Inhaber der Firmen Koch und 
Hausdorf, und zwar haben sämmtliche ausgestellten 
Hüte nur zwei Preise, sie kosten entweder zehn 
oder 15 Mark. Selbstverständlich sind auch hier allen 
Geschmacksrichtungen Rechnung tragend, die buntesten Far- 
benzusammenstelluugen zu sehen, so dass erst nach und nach 
ein verständnissvolles Auge die grössten Schönheiten heraus 
finden kann, in denen sich die nun einmal herrschende Vor 
liebe für recht bunte Arrangements mit feinstem Geschmack 
glücklich verbindet. Vor allem ist dort ein runder Hut von 
solider Form mit an beiden Seiten hinaufgebogener Krempe 
zu nennen, der von grau-weissem Phantasiestroh geflochten 
ist. Auf der linken Seite des Hutes, dessen massig hoher 
Kopf von einem zartgrauen Seidentüllschleier umwunden ist, 
ist ein dicker Strauss von zartlila Blüthen mit schwarz-weis- 
sem Reiherstutz in der Mitte, an der rechten ein kleinerer 
Strauss ebenfalls dieser Blüthen angebracht. Der Preis 
ist 15 Mark. 
Recht einfach, aber darum nicht weniger hübsch und 
sehr passend für ganz junge Damen ist ein Hut aus goldgel 
bem Strohgeflecht mit hohem, oben breiter werdendem Kopfe, 
um den sich drei schmale, rothe Sammetstreifen legen, wäh 
rend an der linken Seite ein hübscher Strauss hochstehender 
tief rother Mohnblumen einen passenden Abschluss bildet. 
Auch dieser Hut kostet 15 Mark. 
Ein anderer Hut, dessen Preis von 10 Mark mir ausser 
ordentlich massig erscheint, ist von einfachem,feinem schwar 
zem Bastgeflecht mit Garnirung von weissem, mit schwarzen 
schmalen Streifen kamrtom Seidenstoff, der an der linken 
Seite eine reiche Schleife bildet, in welcher drei einfache 
Federn stecken. Den Cache-peigne bilden zwei dicke 
Sträusse weisser und ein Strauss schwarzer Veilchen. 
In seiner Farben Wirkung sehr apart war ferner ein Hut 
von goldgelbem Phantasiegeflecht mit gelber Seidentüllrüsche 
ans der buken Seite geschmückt mit einem grossen Zweig 
tiefvioletten Flieders, der dem frischen so täuschend nach 
geahmt war, wie man es bei Flieder gerade selten findet, wäh 
rend auf der rechten Seite ein reicher Strauss grünlila schat- 
tirter Seidenblätter angebracht war, in dessen Mitte sich ein 
.köstlicher gelber Reiher erhob. 
Ein ganz schwarzes Capottehütchen war ebenfalls in sei 
ner Einheit und Schlichtheit sehr vornehm gehalten; herge 
stellt aus schwarzem Drahtgeflecht mit schw arzen Flittern, 
bildeten schw arze Veilchen und an der buken Seite eine sehr 
geschmackvolle hochstehende Schleife von köstlichem schwar 
zen Seidenripshand die Garnirung. Rer Preis von 10 Mark 
ist sehr wohlfeil gestellt. 
Mehr eigenartig war eine Tcque von schwarzem Draht 
geflecht mit Rüschen von grünem Bastgekräusel, bla 
Levkoyen und weisser Feder. Alles in allem scheint die Vor 
liebe für die Garnirung der Hüte mit Tüll und Schleier 
etwas geschwunden zu sein, che noch bei der letzten Hut- 
Ausstellung vor circa vier Wochen dominirten. Jedenfalls 
hat sich dieses luftige, duftige Material als zu fragil und 
leicht vergänglich erwiesen, da man, wie der Augenschein 
lehrt, jetzt zum Hochsommer und zur Reisesaison wieder; 
mehr auf Bandschleifen zurückgekommen ist. Im 
Gerson’schen Pavillon ist neuerdings ein Gabi netstück von 
Hut ausgestellt, dessen Kopf und Garnirung ausschliesslich 
kostbare weisse Straussfedern bilden und dessen Ausputg 
nur aus helllila Crepe-Barben besteht, die unter dem Kinn 
zur Schleife gebunden werden. N. v. Brandenburg. 
Kohlenstaub-Feuerung. 
[Abdruck untersagt.) 
Als eine äusserst unangenehme Begleit-Erscheinung 
ausgedehnter industrieller Anlagen hat sich immer die bei 
den gewöhnlichen Ke sselanis gen entstehende starke Rauch - 
cntwiekelung herausgestellt. Durch den in der Luft umher- 
wirbelnden Russ wird nicht nur alles Näehstgelegene ver 
räuchert und beschmutzt, auch die Gesundheit der Anwohner 
und insbesondere der Arbeiter wird erheblich beeinträchtigt. 
Viele Apparate hat man schon construirt, um diesem Hebel- 
stande abzuhelfen, aber leider nicht immer mit günstigem 
Erfolg. Man bemühte sich, den entstehenden Rauch im 
Schornstein durch Nachhitze zu verbrennen, jedoch scheint 
dieses Verfahren nicht recht durchdringen zu wollen. Bes 
sere Aussichten hat offenbar die seit kurzer Zeit erst be 
kannt gewordene Kohlenstaub-Feuerung. Bei dieser ging 
man von der vollkommen richtigen Voraussetzung aus, dass, 
um das Entstehen von Rauch zu verhindern, von vornherein 
jede Möglichkeit der Rauchentwickelung ausgeschlossen wer 
den müsse. Das geschieht nun dadurch, indem das Kohlen- 
material auf dem Feuerrost vollkommen, ohne dass es andere 
Rückstände als Asche hinterlässt, verbraucht w ird, denn der 
Rauch besteht im Ganzen aus nichts weiter als durch die 
Hitze mr.gerissenen Kohlentheilchm, dem Russ. Man ver 
suchte es eine Zeitlang, durch verstärkte Zuführung von Luft 
in den Feuerraum eine gründlichere Verbrennung zu erzie 
len. Dabei wurde wohl grössere Hitze entwickelt, aber der 
Verbrauch an Feuerungsmaterial stieg dermaassen, dass er 
nicht im Verhältnis» zu dem erreichten Vortheil stand. Diu 
Raucherzeugnug wurde allerdings etwas eingeschränkt, aber 
nicht ganz beseitigt, während gleichzeitig die Wände des 
Feuerraumes und die Rosten darunter litten. Nun fand sieh 
als einziger natürlicher Ausweg, das Feuerungsmateral nicht 
in der gewöhnlichen Stückenform, in welchem Zustande es 
verhältnissmüssig schwer vom Feuer angegriffen wird, 
zuzuführen, sondern in bedeutend kleineren Theilchen in den 
Verbrennungsratim zu bringen. Der beste Zustand ist na 
türlich die Pulver- oder Staubform, weil sie den grössten Ge 
balt an atmosphärischer Luft und mithin die grösste Ver 
brennungsfähigkeit liesitzt Kommt die Kohle so zubereitet 
in den Feuerraum, so verpufft .sie gewissermaassen, ohne den 
Rost u. s. w. berührt zu haben. Die hierbei entwickelte Hitze 
ist ganz bedeutend höher, als hei dem gewöhnlichen Vert 
brc-nnungsprocess, so dass nicht ein Theilchen nnverbrannt 
herausfliegt. Infolgedessen kann auch das bishpr häufig 
auftretende Verschlacken des Rostes nicht mehr vorkommen. 
Die zur Einrichtung dieser Feueningsmethode erforder 
lichen Apparate sind verhältnissmüssig einfach und lassen 
sich anscheinend mit Leichtigkeit au jeder vorhandenen .
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.