Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

llfsikiellc Ausstellung» Llachrichten.
IS
schmuck. — Hervorragendes wird auch in der Lederwaarenbranche
geleistet, so daß Wien und Paris als überholt gelten; Firmen wie
Hnlbe mit ihren Ledertreibarbeiten stehen au der Spitze; die ge
schmackvollen und billigen Necessaires von Mar Schnitze werden
nach allen Welttheilen exportirt. —- Ein Zweig, der in den letzten
Fahren einen ganz bedeutenden Aufschwung genommen hat, die
Fabrikation von Ladeneinrichtungsgegenständen, unter denen die
Erdmannsdorfer Büstenfabriken hervorragen, wird mit seiner vier
Querschiffe umfassenden Ausstellung besonderes Aufsehen erregen.
Gin Wort ;n Gunsten des
Vergnügungsparks.
^Abdruck unterlagt.]
Der Vergnügungspark scheint von Vielen als das Stiefkind
ver Ausstellung betrachtet zu werden. Mit Unrecht! Bei einem
Werke von der vielseitigen Bedeutung und Ausdehnung unserer
Ausstellung sollten alle Einzelinteressen, alle Standesbedenken und
Antipathieen zurücktreten. Der Eine sollte sich nicht vornehmer
und besser dünken als der Andere, Jeder sollte das Gelingen des
Ganzen im Auge behalten. Und darum ist die Thatsache, daß
durch das Entgegenkommen des Arbeits-Ausschusses ein Aus
gleich zwischen der Festcommission und den Vergnügungs
parkpächtern zu Stande gekommen sei, nicht nur mit Rücksicht auf
die letzteren, sondern auch im allgemeinen Interesse mit Freuden
zu begrüßen. Der Arbeits-Ausschuß will außerdem dafür Sorge
tragen, daß verschiedene Wege nach dem Vergnügungspark
führen, und als Verbindung zwischen dem letzteren und der Aus
stellung selbst u. A. bekanntlich drei Brücke» anlegen. Die Fest-
commission hat, als sie ihren Beschluß aufhob, als sic den
Vergnügungspark resp. dessen Vertreter für vollwcrthig und gleich
berechtigt erklärte, ein Gebot der Gerechtigkeit und der Noth
wendigkeit erfüllt. Es liegt wirklich kein Grund vor, den Beck
messer spielen und krittelnd erwägen zu wollen, ob diese oder
jene Unternehmung des Vergnügungsparkes passend sei oder nicht.
Manches Etablissement, manche Schaustellung daselbst wird
lediglich dem oberflächlichen Vergnügen gewidmet sein, aber dieses
Amüsement wird niemals die Grenze des Erlaubten überschreiten,
dafür bürgen bic zwischen dem Arbeitn - Ausschuß und den ein
zelnen Unternehmern getroffenen Vereinbarungen. Warum sollen
die Besucher, wenn sic in der Haupthalle die Erzeugnisse des Berliner
Gewerbefleißes bewundert, wenn sic in Kairo die Märchenwelt des
Orients und in Alt-Berlin die Zeugen historischer Vergangenheit
angestaunt haben, nicht ein Stück naiven, von jedem gespreizten
Ernst freien Volksvergnügens kennen lernen? Alles zur rechten
Zeit und an der rechten Stätte. Die Würde soll respectirt
werden, die Lustigkeit aber ebenfalls. Die Pächter des Ver
gnügungsparkes haben für die Erheiterung der Massen zu sorgen,
sie wenden Capital und Arbeit auf, um diesen externen Theil der
Ausstellung so mannichfaltig und weltstädtisch wie möglich zu ge
stalten.
Ob eine der Unterhaltung gewidmete Veranstaltung groß
oder klein ist, ob sie einen orientalischen oder alpinen, ob sie einen
altberlinischen oder neuberlinischen Charakter trägt, darf nicht in
Betracht kommen; sobald sie Anstand und Sitte nicht verletzt,
kann sie so lustig wie möglich sein, soll sie von Allen willkommen
geheißen, als ein gelungener Bruchtheil eines mächtigen Ganzen
respectirt werden. Ein Jeder soll für das Ganze eintreten, und
darum muß jede Kleinlichkeit ferngehalten werden. Die Pächter
des Vergnügungsparkes, die in ihrer Art auch Ideen zeigen und
entwickeln, die auch Capital und Fleiß opfern müssen und durch ihre
keineswegs risicofreien Unternehmungen Tausenden von Menschen
einen Erwerb gewähren, dürfen mit Recht beanspruchen, daß ihre
repräsentativen und financiellen Interessen die gebührende Berück
sichtigung finden. Es erscheint ganz selbstverständlich, daß in
einer Commission, in der über Feste und Vergnügungen berathe»
wird, auch die Pächter jener über 70 000 Quadratmeter großen
Stätte vertreten sein müssen, an der die breite Masse des Volkes
ihr harmloses Amüsement suchen dürfte.
Die Festcommission hat die Bedeutung der ihr obliegenden,
verantwortungsvollen Aufgabe ganz erfaßt, das beweisen die zahl
reichen Berathungen, die der lustigen und festlichen Seite der Aus
stellung gelten. Sic will das Beste, und darum konnte ein Aus
gleich zwischen ihr und den für ihr gutes Recht eintretende»
Pächtern des Vergnügungsparkes nicht schwer falle». Alle dem
Vergnügen und der Lust gewidmeten Veranstaltungen in der Aus
stellung sollen den Charakter des Vornehmen und des Volks-
thümlichen tragen, und dieses Ziel kann nur durch das harmonische
Zusammenwirken der Festcommission und der Vertretung des Ver
gnügungsparkes erreicht werden. Alfred Holz bock.
s
Was den Berlinern Wintergarten und Apollo-Theater sind,
dürfte den Besuchern der Ausstellung das Theater Neu-Berlin
und die Weltmusik werden. Die großartigen Dimensionen, in
denen die ganze Ausstellung gehalten ist, iverden auch die einzelnen
Unternehmungen auf dem Vergnügungsgebiet, insbesondere die beiden
genannten, charakterisiren. Das Ausstellungs-Theater „Neu-Berlin"
liegt im Vergnügungsparke unmittelbar links an der großen Fuß
gängerbrücke, welche den Haupt-Ausstellungspark mit dem Ver
gnügungsparke verbindet. Der räumlich sehr ausgedehnte Ban,
welcher, trotzdem er ganz aus Eisen und Rabitzwänden besteht,
einen sommerlich angenehmen Aufenthalt bieten soll, wird von
der Firma König, Kücken & Co. hergestellt. Der große
Theatersaal, der, dem Charatter eines vornehmen Variötö-Theaters
entsprechend, nur ans einem Riesenparterre von 40 Metern
Länge und 35 Meiern Breite besteht, faßt ca. 2000 Personen,
soll durchweg eine prächtige Ausstattung erhalten, sowie mit allen
Bequemlichkeiten eingerichtet werden. Von allen Plätzen aus — es
sind elegante Logen, Fauteuils, reservirte Sitze ec. ec. vorhanden —
wird man die Bühne vortrefflich übersehen können, denn die
Prosceniums Breite der Bühne beträgt 14 Meter. Auf der Bühne
sollen hervorragende Variete - Künstler und -Künstlerinnen jeden
Genres auftreten, von deren Leistungsfähigkeit Director Sternheim,
der alleinige Eigenthümer und Leiter des Theaters, sich auf
seinen Reisen nach Paris, London, Kopenhagen, Stockholm ec.
persönlich überzeugt hat. Ein eigens vom Kapellmeister Herrn
Josef Hüter zusammengestelltes Orchester sorgt für den niusika-
lischen Theil der Ausführungen. Es sollen täglich zwei Vor
stellungen stattfinden, und zwar Abends um 6 Uhr und
V 2 0 Uhr; außerdem sind Nachmittags- (3 Uhr) Vorstellungen vor
gesehen, welche jedoch mehr das wissenschaftliche Genre, in erster
Reihe „volksthümliche Projections-Darbietungen", behandeln und
unter der speciellen Leitung des Herrn Hermann Heinrich stehen
sollen. Da das Ausstellungstheater „Neu-Berlin" ein .sogenanntes
Rauchtheater ist, besitzt es auch ein Restaurant, das den ganzen
Tag über ini Betriebe sein wird. Zwei große Restaurations-
Veranden, die ebenfalls aus Eisen hergestellt und mit Zeltdächern
versehen sind, bieten circa 2000 Personen Raum, so daß das
gesammte Etablissement, das ein Areal von 3000 Quadrat
metern umfaßt, etwa 4000 Personen aufnehmen kann. Die
Beleuchtung, die durchgehend elektrisch ist, wird 30 Bogen
lampen und 400 Glühlampen umfassen. Alles in Allem
dürfte das Theater voraussichtlich ein im großen Stil ge
haltenes Variete-Theater werden. Ein Areal von 12 000 Qua
dratmeter» umfaßt das die „Weltinusik" genannte internationale
Musik-Etablissement, dessen Leiter Herr Emil Schippanowsky ist.
In sechs mit einander verbundenen Pavillons, in denen circa
18 000 Zuhörer Platz finden, wird täglich ein von Vertretern
verschiedener Nationen veranstaltetes undiplomatisches und darnni
hoffentlich harmonisches Concert stattfinden. In der Mitte dieser
Pavillons erhebt sich ein etwa vierzig Meter hoher Kuppel
bau, der „Alt Wien" en miniature zeigt und in dem die
„Wiener Schrammeln" ihre lustigen Weisen spielen sollen. Der
Pavillon „Oberbayern und Tirol" ist für Franz Rainer's Ge
sellschaft bestimmt. Italien wird sechszig Tarantella-Tänzerinnen,
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