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Periodical volume Nr. 8, 21. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Gfftrielle AnssteUungs -Uachrichle«. 
Idee», für Originalität, für neue Jdccnverbindunge» ist nicht iininer 
bei der großen Masse! 
Natürlich die Politik und politische Erregung darf man bei 
der Beurtheilung eines Placatcs nicht mitreden lassen, lind doch 
hat das Hammerplacat auch unter politischer Mißgunst zu leiden 
gehabt! Das Abenteuer Jameson's in Süd-Afrika hat auch dem 
Berliner Hammerplaeat geschadet! So schreibt man aus London: 
„Zu de» deutliche» Zeichen der lviederkchrendcn Besonnenheit und 
Objectivität Deutschland gegenüber gehört auch die Erscheinung, 
daß das über ganz England verbreitete Wahrzeichen der Berliner 
Gewerbe-Ausstellung, der Hammer in der aus dem Erdboden sich 
emporreckenden Rechten, das einige Wochen ganz aus dem öffent 
lichen Bilde verschwtinden schien, überall wieder auftaucht. In der 
City begegitet man den weit in die Augen fallenden Placaten fast 
in jeder Wirthschaft wie in Frisirsalvns, bei Zeitungsverküufcrn 
und Kleinhändlern. Wie auf ein geheimes Commandowort schien 
dieser Aushang seit dem Anfang des neuen Jahres verschwunden, 
und ebenso erscheint er pünktlich wieder auferstanden. Alan kann 
freilich nicht verkennen, daß die allgemeine Leidenschaft ziemlich 
deutlich zum Ausdruck gekommen sein muß; denn die Affichen 
sind durchweg neu, ein Zeichen, daß man die alten nicht bloß bei 
Seite gestellt hat, sondern unbarmherzig an ihnen eine Exeeution 
vollstreckte, die ganz anderen Zielen galt als einem unschuldigen 
Stück bunten Papier. Man sieht auch häufig genug in den großen 
Verkehrsstraßen den mit kleidsamer Groomtracht versehenen Burschen, 
der die Aufschrift: »Berlin Industrial Exhibition« an der Mütze 
trägt, eine Rolle mit Placaten unterm Arm und einen Hammer 
in der Tasche, mit dem er sofort bei seinen „Kunden" die Placate 
anschlägt. Für die Ausstellung giebt sich übrigens in gebildeten 
Kreisen nach wie vor das größte Interesse kund." 
Noch einen anderen politischen Sturm (int Glase Wässer) hat 
das Hammerplaeat aber erregt, nämlich in Böhmen, wo Deutsche 
und Czechen sich seit Jahrhunderten auf das Grimmigste befehden. 
Stehen unsere Sympathieen aber auch auf Seiten der deutschen 
Stammesbrüder in Böhmen, so fehlt uns doch öfter das Ver 
ständniß für die maßlose Heftigkeit, mit welcher wegen minimaler 
Kleinigkeiten in diesem Nationalitätenkrieg gekämpft wird! 
Das Propaganda-Bureau der Ausstellung schickte nach Böhmen 
die üblichen Hammerplacate mit deutscher Inschrift. Darauf große 
Entrüstung bei den Czechen! Die Placate wurden herabgerissen, 
wüthende Briefe an das Propaganda-Bureau geschrieben, czcchische 
Blätter brachten wüthende Artikel. 
Um den grimmigen, zwcischwänzigen, böhmischen Löwen 
einigermaßen zu beruhigen, wurden nun auf den oberen weißen 
Rand des Placats von dem Prager Vertheiler der Placate drei 
czechischc Worte gesetzt, welche: „Berliner Gewerbe -Ausstellung" 
bedeuten. 
Darauf riesige Entrüstung bei den Deutsch böhmen! So schreibt 
der Bürgermeister von Znaim an das Propaganda-Bureau: 
„Mittels Post sind wir heute in den Besitz eines Placaies über 
die im Jahre 1896 in Berlin stattfindende Gewerbe-Ausstellung, mit 
einer böhmischen Ueberschrift, gelangt. 
Nachdem Znaim eine deutsche Stadt ist, wird, wenn auf die 
Affichirung reflectirt wird, um Zusendung eines Exemplars mit 
deutscher Ueberschrift ersucht. 
Gemeinderath Znaim, 1ö. Februar 1896. 
Der Bürgermeister." 
Wohlgemerkt, das Placat hatte durchaus deutschen Text, 
aber die drei auf dem oberen weißen Rand des Placates stehenden 
czechischen Worte wurden Veranlassung zur Entrüstung in deutsch- 
böhmischen Zeitungen, zu zahlreichen Zuschriften an die Berliner 
Ausstellungsleitnng. Besonders „Großes" glaubten die Einsender 
zu leisten, wenn sie anfragten, ob auf der Berliner Ausstellung 
auch deutsch gesprochen würde. 
Zum Glück fehlt uns im Deutschen Reich das Verständniß 
für derartige politisch-nationale Kleinigkeits-Krämerei! — Wenn 
ein Placat mit deutscher und czechischer Aufschrift überall in Berlin 
aushinge, würde Niemand darin etwas finden, vor Allem gäbe 
es keinen Menschen, der sich durch „Entrüstung" lächerlich machen 
würde. 
An der deutsch-böhmischen Grenze liegen die Verhältnisse noch 
verzwickter. Unser Correspondeut aus der sächsischen Lausitz 
schreibt uns: 
„Als zum ersten Male das Ausstellnngs-Plneat an der dem 
Stammtisch nüchstgelegencn Wand hing, e» war dies in einem 
Grenzwirthshaus, in dem Nordböhmen und Sachsen „besserer 
Güte" verkehren, gab es viel Kopfschütteln über die schwielige Faust 
mit dem zum Himmel gereckten Hammer. Ein Theil der Stamm 
güstc fand diese Idee einfach scheußlich, ein anderer großartig, Alle 
aber gaben ohne Weiteres zu, sie sei originell. — Ein Drogist 
behauptete, das Placat sei entschieden die wirksamste Reelame für 
Berliner Blau. Ein Gastwirth erzählte, dem Gastwirths-Vcrein 
seines Bezirkes sei eine Anzahl dieser Placate zugesandt worden mit 
der Bitte, diese zu vertheilen und an passender Stelle aufzuhängen, 
er habe es gethan, sei aber von böhmischen Reisenden gezwungen 
worden, das hübsche Bild zu entfernen, wenn er nicht wünsche, 
daß er einen Theil der Kundschaft einbüße. Schweren Herzens 
habe er nachgegeben, da auch Berliner Geschäfts-Reisende und 
Touristen bei ihm verkehren. Schon am nächsten Tage erschien 
ein Berliner, sah sich im Lokal um und fragte lebhaft, warum in 
dem frequenten Hotel das Ausstellungs-Plaeat nicht vorzufinden 
sei, und dem Wirthe blieb nichts übrig als es wieder hinzuhängen. 
Er behauptet aber, seitdem noch keine ruhige Stunde gehabt zu 
haben." 
So hat das unschuldige Placat durch Unverstand viel zu 
leiden! Aber die Hauptsache bleibt doch: es erfüllt seinen Zweck, 
es macht eine außerordentliche Rcclame. 
A. Oskar Klnußmann. 
Berlins Kur;- und Galanteriemaaren- 
Industrie. 
^Abdruck untersagt.! 
Es ist eine Begleiterscheinung des Cultur-Fortschrittes, daß 
neben der Entwicklung wichtigster Lebensfactoreu auch die Zahl der 
Luxusgegenstände, all' der „choses superflues — tres necessaires“, 
wie der Pariser sie nennt, in's Unendliche anwächst. All' die 
überflüssigen, aber dem Herzen des verfeinerten Menschen so un 
entbehrlichen Dinge faßt man unter dem Titel der „Kurz- und 
Galanteriewaaren" zusammen. Gegenstände aus den verschie 
densten Arbeitszweigen finden sich hier zusammen, einig in dem 
erhabenen Ziveck, der Spielsucht des großen Kindes „Mensch" zu 
dienen; so z. B. eignet sich diese Branche aus der Bekleidungs- 
Industrie die eleganten Damen-Schirme, aus der Holz-Industrie 
die Rauchtischchen, Skatschränkchen und ähnliche an; Bronzewaaren, 
Keramik und vieles Andere reclamirt sie für sich. Wo die Grenze 
zu ziehen — das ist schwer zu sagen. Die Tradition vergangener 
Gewerbe- und Welt-Ausstellungen wird gewöhnlich zu Grunde ge 
legt und so ein buntes Gruppenbild geschaffen, an dem die 
Schaulust der Menge sich iveiden und der Luxusmeusch der reichen 
Klassen sein Bedürfniß nach neuen Sensationen stillen kann. 
Das Organ der Berliner Gewerbe-Ausstellung weist bei der 
Gruppe VI (Kurz- und Galanteriewaaren) folgende Unter 
gruppen auf: 1a) und b) Elfenbein, Meerschaum, Perlmutt, Bern 
stein, Schildpatt, Celluloid, Kork; o) Horn, Knochen, Haare, 
Borsten, Schwämme ec. 2a) Galanteriewaaren aus Holz, resp. Holz 
mit Metall; b) Galanteriewaaren aus Bronze und anderem Metall; 
o) Metall-, Glas- und Holzbuchstaben, Firmenschilder; d) Schau- 
feuster-Decorations-Utensilien und Confectionsbüsten; e) Galanterie- 
waaren aus Papier und Pappe, Cartonnagen, Attrapen, Cotillon- 
orden, Christbaumschmuck ic.; k) Galanteriewaaren aus Leder, 
Plüsch k.; g) Buchbinderarbeiten; h) Albums. 3a) Sonnen- und 
Regenschirme, Stöcke, Pfeifen; b) Fächer; c) Spielwaaren und 
Puppen. — 
Um all' diese Arbeiten, welche von ca. 300 Fabrikanten aus 
gestellt werden, unterzubringen, ist der Gruppe VI ein sehr breiter 
Raum zwischen der Metall- und der Porzellangruppe im Haupt- 
Industrie-Gebäude eingeräumt. Die Schränke und Spinden sind 
gleichmäßig ausgeführt, in Palllisander-Jmitation mit Goldstreifen: 
nur die Abtheilung für Spielwaaren hat hell-lackirte Möbel. 
Von den einzelnen Untergruppen sei zunächst auf die Elfen 
beinschnitzerei hingewiesen, in welcher Berlin ein gefährlicher 
Rivale von Paris geivorden ist; Schmucksachen, figürliche Arbeiten, 
Prachtpocale und Äehnliches werden aus diesem Material hergestellt; 
die Gebrauchsgegenstände sind meist Toilette-Artikel oder Wohnungs-
	        
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