Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

GMrielle AussteUnngs -Nachrichten. 13
-Iournal de Bruxelles übertreffen, was Auswahl Mid Fein
heit der Ausführung anbetrifft, noch diejenigen der Pariser Zeitung.
Wir wollen uns jedoch, um nicht ermüdend zu wirken, auf
eine einzige Anftihrung beschränken. In einem Le chemin de
Berlin überschriebencn Artikel zählt der Verfasser an den Fingern
her, wie wenig Belgier sich in Berlin dauernd niederlassen, und
hebt hervor, wie bei der geringen Entfernung und dem beispiel
losen Aufschwung, den Berlin seit 1870 genommen habe, dies
eine ganz unbegreifliche und für Belgien höchst nachtheilige That
sache sei. Dann führt der freundliche Berichterstatter fort:
„ . Berlin ist die dritte Stadt Europas geworden; mit den
Vorstädten beträgt seine Einwohnerzahl mindestens zwei Millionen. Es
ist ein ungeheurer Mittelpunkt für die Industrie, ein Heim für Künste
und Wissenschaft, ein Ort mit enormem Verbrauch. Die Stadr wächst
und dehnt sich aus vor unseren -sehenden Augen; sie ist die Hauptstadt
eines großen Reichs, bewundernswerth gebaut und ganz neu; für den
Reisenden ist sie ein interessantes Schauspiel. Daß trotzdem die Franzosen
sie nicht aufsuchen, begreift man. Aber wie erklärt es sich, daß auch die
Belgier ihr fern bleiben?"
Die Belgier sollten alle miteinander diese Gelegenheit ergreifen.
Sowohl was ihre materiellen, als auch andere Interessen anbelangt,
können sie hier, aus mein Wort, viel lernen. Die Ausstellung wird sie
auf dem Laufenden halten; und sicherlich, wenn sie zahlreich hier ein
treffen, so wird das Resultat nur ein erfreuliches sein. Mau hat oft be
hauptet, daß die deutschen und belgischen Producte gleichartiger Natur
seien. Es ist dies eine jener nichtssagenden Phrasen, die nur dazu
dienen, die Initiative zu unterdrücken, und denen man nicht die geringste
Aufmerksamkeit schenken sollte."
Wir sehen also, cs fehlt keineswegs in den französisch
redenden Ländern an Stimmen zu Gunsten der Berliner Gewerbe-
Ausstellung. Mögen recht Viele der so häufig wiederkehrenden
Aufforderung, nach Berlin zu gehen, Folge leisten! Und was un
vergleichlich werthvollcr wäre, möchten selbst die Befangensten in
versöhnlicher Stimmung heimkehren. Die Gegensätze zu mildern,
die Völker einander zu nähern, ist das vornehmste Ziel aller Aus
stellungen.
Von diesem Gesichtspunkt aus ivird sogar die trockene Wan
derung durch eine Masse dürrer Zeitungsnotizen lehrreich und
interessant.
E. Gagliardi.
Die Ausstellung der WetuU-Jndustrie.
lAbdruck untersagt.!
Daß Berlin auf dem Felde der Metall-Arbeit Hervorragendes
leistet, ist eine allbekannte Thatsache; speciell künstlerisch durch
geführte Schmiedearbeiten und Beleuchtungsarbeiten werden nir
gends besser angefertigt als in Berlin. Auch die Fabrikation von
Gold- und Silberwaaren, die Juwelierkunst, die Herstellung von
Artikeln in Bronze, Messing k. werden hier seit längerer Zeit
eifrig und mit Erfolg gepflegt. — Nicht nur ist der Betrieb dieser
Jnditstriezweige ein kolossal ausgedehnter, auch den Anforderungen
durchgebildeten künstlerischen Geschmacks vermag diese Branche eher
treu zu bleiben als jene Industriezweige, welche von Tag zu Tag
mit den Bedürfnissen des großen Publikums rechnen müssen.
Mit Freuden muß es daher begrüßt werden, daß in dieser
Gruppe VII fast sämmtliche großen und wichtigen Firmen vertreten
sind. Wenn man außerdem erfährt, daß alle Theilnehmer darin
wetteifern, möglichst werthvolle, seltene Objecte zur Ausstellung zu
bringen, so darf man mit Recht voraussetzen, daß die betreffenden
Partieen des großen Jndustriepalastes ans Einheimische wie Fremde
eine große Alkziehungskraft ausüben werden.
Gruppe VII umfaßt ca. 400 Aussteller mit einem Ansstellnngs-
terrain von rund 0000 Quadratmetern und ist im Hauptgebäude,
zwischen Gruppe „Holz-Industrie" und „Galanterietvaren", placirt.
Untergruppe I: Gold-, Silber-, Juwelier- und Neusilber-Arbeiten
hat 900 Oliadratmeter; Untergruppe II: Waaren aus Eisen und
Stahl, Werkzeuge, Hans- und Küchengerüthe 2778 Oliadratmeter;
Untergruppe III: Belenchtnngsgegenstände 1200 Quadratmeter und
Untergruppe IV: Waaren ans verschiedenen Metallen, Galvanoplastik
1000 Quadratmeter zugetheilt erhalten. — Für die gestimmten
Räumlichkeiten der Gruppe VII ist eine einheitliche Ansgestaltung
beschlossen. Untergruppe I und II stellen in Schränken und Spinden
aus; die ersteren sind ans Pallisander mit Gold, die letzteren grün
mit Gold gehalten; Untergruppe III und IV stellt in offenen Ständen
von moosgrüner Farbe mit Gold Verzierung ans. Ebenso haben
die zur Verwendung kommenden Stoffe bestimmte Farben von ein
heitlichem Charakter. Der Fußboden ist durchwegs mit Linolenni
belegt. Ausschmückung mit Stoff ist so viel wie möglich vermieden,
um keine Staubfänger zu schaffen; doch sind die Wände zum Theil
mit einem moosgrünen Stoff bekleidet. In den Kojen, den Ständen
für Beleuchtungsgegenstände und für Bronzewaaren werden die
Decken mit einem lichtdurchläsfigen Gazestoff bespannt. Haupt- und
Verbindungsportale der Gruppe werden in vornehmer Architektur
gehalten und den decorativen Aufbauten der einzelnen Untergruppen
angepaßt.
Ueber die Ansstellungsobjecte können wir mittheilen, daß in
Gold- und Silber-Arbeiten sowohl die Jetztzeit als auch die Leistungen
früherer Zeiten zu finden sein werden; ein Theil dieser Objecte ist
zu Lotterie-Gewinnsten bestimmt. Ganz besonders Hervorragendes
wird die Ausstellung der Kunstschmiede und Kunstschlosser
bieten; die Aufbauten derselben-dürften geradezu Erstaunen erregen
und einen Glanzpunkt der gesammten Ausstellung bilden. Daß
künstlerisch gestaltete Beleuchtungskörper eine Specialität von Berlin
sind, wurde bereits erwähnt; die Fabrikation von Lampen und von
Kronleuchtern wird durch hervorragende Arbeiten vertreten sein; des
gleichen die Fabrikation von ornamentalen und figuralen Bronze
waaren.
In der Mittelhalle errichtet die Gruppe VII einen Aufbau,
um welchen herum die hervorragendsten Industriellen ihre Waaren
placiren werden; durch die bedeutendsten Schlosser Berlins wird
derselbe mit kunstvollen Arbeiten geschmückt, während im Jnnen-
ranm die Ausstellung der Lotteriegewinnste statthat.
Tie Wahl der Preisrichter — es sind nenn an der Zahl —
har bereits stattgefunden; die Namen werden demnächst bekannt ge
geben.
Dr. Ludwig Abels.
Das „Dnurmer-Placal".
lAbdruck untersagt.!
Nicht nur die Bücher haben ihre Schicksale, sondern auch
die Placate!
Das Plaeat, das von den Preisrichtern für die Reclame
der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 ausgewählt wurde, hat
das Schicksal gehabt, gar nicht verstanden zu werden, nur zum
Theil verstanden, mißverstanden, verhöhnt, beschimpft, bedroht zu
werden! Wahrlich, viel für ein harmloses, buntbedrncktes Stück
Papier!
Dafür aber hat dieses Placat den praktischen Nutzen gehabi,
den man von ihm erwartete, wenn auch in anderer Weise — es
hat für die Ausstellung eine riesenhafte Reclame gemacht, eine
viel, viel größere, nachhaltigere Reclame, als sie je einem Scha-
blonenplacat mit allegorisch-blöder Figur, mit Zahnrad und
Hammer gelungen wäre. Was die Reclame anbelangt, hätte sich
die Ausstellung kein besseres Placat wünschen können als das
Sütterlin'sche! Die Reclame aber war doch die Aufgabe des
Placates, um ihretwillen hat man es in die Welt gesetzt!
Warum slleß denn nun aber die Idee, die in dem Placate
zum Ausdruck kam, auf so außerordentlichen Widerstand? Warum
fand das Placat, das doch durchaus originell war, so viele
Tadler? Weil die Idee neu, weil das Placat originell war!
Sobald etwas Neues, etwas Originelles, etwas von der bisher
gewohnten Schablone Abweichendes in der Oeffentlichkeit erscheint,
regt sich in allen Winkeln das Heer der Nörgler und Krittler!
Erst staunt man dieses „Neue" an, dann entrüstet man sich
darüber und bald ertönt der Ruf: „Nieder mit dem Neuen!
Steiniget ihn! Steiniget ihn!"
In der Stadt der Intelligenz in Berlin hat man seiner
Zeit Opposition bis auf's Aeußerste gemacht: der Einführung der
Pferdebahn, der Wasserleitung, der Gasbeleuchtung, der Kanali
sation rc.
Sapienti sät!
Das kleine Häuflein der „Ketzer", welches das Hammer-
Placat nicht nur reclamewirksam, sondern auch schön und originell
findet, kann sich trösten. Das richtige Gefühl für künstlerische
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