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Volume Nr. 81, 7. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
ruhigendeii Bewusstsein niederlegen, .— dass der grosse 
Stammtisch, unentwegt weiter schimpfen wird» 
A. 0. Br ent. 
Am nächsten Elitetag'e, Donnerstag 9. Juli, wird 
in der Ausstellung ein grosses Feuerwerk veranstaltet, das 
nach den Vorbereitungen, die für dasselbe getroffen werden, her 
vorragend grossartig zu werden verspricht. Die Unternehmer des 
selben, die englisch-amerikanische Finna James Pain & Sons, in 
Berlin vertreten durch Doehbel & Co., sind durch ihre Feuerwerke, 
die u. a. auf der Chicagoer Weltausstellung,- bei der Kieler 
Kanalfeier und jetzt bei der Millenniumsfeier in Budapest 
abgebrannt wurden, weltbekannt. Das Programm des hier 
zn veranstaltenden Feuerwerks ist sehr umfangreich und 
interessant, es enthält mehrere, ganz neue und eigenartige, hier 
noch nie gesehene Nummern. Als Platz für das Feuerwerk ist 
der Neue See ausersehen. Derselbe wird überbrückt, die noth 
wendigen Gerüste u. s. w. werden am Morgen aufgebaut und am 
Abend nach dem Feuerwerk wieder entfernt. Die Veranstaltung 
ist ein sogenanntes Parterre-Feuerwerk und deshalb ohne 
jede Gefahr; alle hochgehenden Körper sind vollständig 
ausgeschlossen. Aus dem reichhaltigen, 25 Nummern um 
fassenden Programm seien hier hervorgehoben ein grosses 
Silberrad von 50' Durchmesser, die Portraits des Kaisers und 
der Kaiserin in Feuerbildern, ein riesiger Verwandlungsfächer, der 
Niagarafall 250' lang, sodann einige humoristische Piecen, die 
fliegenden Hühner, die Eselskutsche u. a. m. Das Feuerwerk 
.leitet der Oberfeuerwerker W. F. Terry. 
.. S 
Verlegung der Grirandola. Das von der Direction 
der »Marine-Schauspiele« auf nächsten Mittwoch festgesetzte Feuer 
werk musste auf nächsten Freitag verschoben werden. Die Direction 
beabsichtigt, ganz neue Feuer- und Lichteffecte zu zeigen, und 
konnte die hierzu nöthigen Arbeiten bis Mittwoch nicht vollenden. 
o 
Eine Novität im „Orientalischen Theater“ von 
Kairo bedeutet für jeden, der sich für die eigenartigen. 
Sitten des Orients interessirt, ein Fest. Auch wenn man 
die wie ein Felsenquell rasch und lebhaft dahinschiessende 
Bede des Arabers nicht dem Wortlaut nach versteht, das be 
redte Minenspiel und die Gesten, an denen ja alle Südlän 
der und Orientalen sehr reich sind, klären uns sofort über den 
■Inhalt der Scenen auf ; und überdies verstehen die Direc- 
toren des Theaters, die Herren George Ivhouri u. Cie., die 
auch in Chicago mit ihrer vorzüglichen Truppe Vorstellungen 
gaben, ihre Stücke so zu wählen, dass um den Mittelpunkt 
einer leichtverständlichen Handlung eine ganze Fülle hoch 
interessanter, specifisch arabischer Vorgänge sich gruppiert. — 
Das neue „Harim“ benannte Stück, welches gestern 
■Abend zum erstenmal zur Aufführung gelangte, führt das 
Lehen des orientalischen Frauengemaches, das von Sage und 
Dichtung mit so geheimnissvollem Zauber umwoben wurde 
rund wird, in charakteristischen Scenen vor Augen. 
Wir werden in den prunkvollen Harim eines türkischen 
Scheikhs geführt; fünf schöne Frauen ruhen auf den Sophas, 
plaudern, rauchen, klimpern auf der Mandoline, zanken sich 
auch ab und zu; denn der Gebieter ist nicht zu Hause, und 
der wachehaltende Eunuche besitzt keine Autorität. — Da 
hört man leises Klopfen; Zulima, die schon während der 
vorhergegangenen Scene eine nervöse Erregtheit und Zer 
streutheit bekundet hat, springt vom Sitze auf. Ihr Ge 
liebter, ein junger, kriegerischer Amant begehrt Einlass. 
Der Eunuche öffnet auf ihr Flehen die unter Teppichen ver 
borgene Fallthür eines geheimen Ganges und lässt Iussuf ein. 
Die Liebenden begrüssen sich, auch die Genossinnen Zulimas 
erweissen ihm Aufmerksamkeiten, dann tanzen die Lieben 
den den Freudentanz der Amanten. —- Plötzlich kehrt der 
Scheikh heim; es gelingt, den Soldaten noch rechtzeitig zu 
verbergen. Der Scheikh, ein bärtiger würdiger Türke, wird 
von seinen Sklavinnen mit der üblichen ceremoniellen Re 
verenz empfangen; er nimmt auf dem Mittelsopha Platz, der 
Eunuch reicht ihm die lange Pfeife; dann ruft der freige 
bige Herr eine Gattin nach der andern zu sich und reicht ihr 
ein Geschenk, Halsschmuck oder Armband. Schliesslich ge 
bietet er ihnen, durch Tanz und Musik ihn zu zerstreuen, 
wie sie es täglich zu thun pflegen. Ganz wie wir es in dem 
Märchen von Tausend und eine Nacht gelesen haben, treten 
nun reich ge kleidete Musikanten ein, verneigen sich und be 
ginnen liebliche Weisen zu spielen. Das ernste Auge des 
Scheikhs klärt sich auf, er betrachtet mit Wohlbehagen die 
graziösen Bewegungen der reizenden Fatime, die im Snmai- 
Tanz sich dreht. Vier Frauen treten zu dem feierlichen 
Damaskus-Tarize hervor; endlich tanzt die kleine, dreizehn 
jährige Leila den bacchantischen Zeihakli-Tanz. Nun ist 
der gestrenge Scheikh ganz aufgelösst in Wehmuth und in 
Lust. — Gerade im richtigen Moment tritt ein Sklaven 
händler ein mit einem schönen Mädchen. Er fordert eine 
ungreheure Summe; die Angebote des Scheikhs verlacht er 
höhnisch; als er sich zum drittenmal zum Gehen gewendet, 
hat, entschliesst sich der Scheikh auf das Zureden der gar 
nicht eifersüchtigen Haremsdamen mit älteren Hechten, die 
Summe zu zahlen.—Nun folgen die Ceremonieen, welche hei 
der Aufnahme eines neuen Haus-Mitgliedes im Orient 
üblich sind. -— Der wild hervorstürzende Anlaut wird auch 
durch Geldspenden versöhnt und tanzt schliesslich den be 
rühmten Wirbel- und Schwerttanz, bei dem er sich mehrere 
Hundertmal um die eigene Äse. dreht. — 
Während der ganzen hochinteressanten Aufführung ist 
dem deutschen Zuschauer zu Muthe, als ob er Gestalten, die 
er von früher her, aus der Jugendzeit oder aus einem 
Traume, schon kennt und manchmal unklar vor sich gesehen 
hat, plötzlich greifbar und lebendig vor sich auftauchen sähe, 
V 
Ein Jahrhundert der Mode heisst ein in Skizzen 
huchformat soeben erscheinendes Werk, welches in guten photo 
graphischen Nachbildungen die Costümfiguren und Gruppen des 
Bacher’schen Trachten - Pavillons wiedergiebt. August von Heyden 
hat einen einleitenden Text zu den Bildern geschrieben, in dem er 
»aufmerksamen Besuchern eine Anleitung giebt, die Formen der 
Trachten mit den auf sie einwirkenden Einflüssen der allgemeinen 
Culturverhältnisse in Beziehung zu bringen«. Das Buch kostet 
trotz seiner vornehmen Ausstattung nur eine Mark und wird vielen 
Ausstellungsbesuehem, vor allem unseren Damen, als angenehme 
Erinnerung willkommen sein. 
o 
Special-Ausstellung Alt-Berlin. Die Concerte des 
süddeutschen Gesangquartetts »Alemannia« aus Karlsruhe unter 
Leitung des Herrn L. Kreymann, üben fortdauernd ihre An 
ziehungskraft auf das Publikum aus. Die Leistungen des En 
semble sind auch in jeder Hinsicht ganz vorzüglich, so dass sich 
das Publikum von den Vorträgen sehr befriedigt zeigt und durch 
lebhaften Beifall jede Nummer belohnt. Wie uns mitgetheilt 
ist, wird das Alemannia-Ensemble von heute ab auch neben 
den Vocal-Pieccn einige grosse Walzercompositionen mit Orchester- 
begleitung vortragen. Durch das Engagement des renommirten 
Wiener Elite-Orchesters unter Leitung des -Herrn Martin Fischer ist 
diese lang geplante Absicht, ermöglicht und haben wir durch das 
Zusammenwirken dieser beiden Gesellschaften einen hochinteressanten 
Genuss zu erwarten. 
V 
Die Direction des Olympia-Riesentheaters er 
sucht uns um die Aufnahme folgender Zeilen: »Von der irrigen 
Voraussetzung ausgehend, dass in dem über 4000 Personen fassen 
den Zuschauerraume des Olympia-Kiesentheaters noch in letzter 
Stunde Plätze zu haben sind, pflegt das Publikum eine Vorher 
bestellung von Billets für überflüssig zu erachten, und so musste 
sowohl Sonnabend, wie Sonntag, an welchen Tagen die meisten 
Hänge schon eine Stunde vor Beginn der Vorstellung vollständig 
ansverkauft waren, eine grosse Anzahl von Besuchern von den 
Kassenschaltern zurückgewiesen werden. Da der Vorverkauf an den
	        
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