Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

12
Gfftcielle ÄussteUungs Uachrichtr».
stellung. Das ist bei de» herrschende» Verhältnissen unbedingt die
höchste erreichbare Anerkennung.
Die Encyclopedie contemporaine, sowie Oenie In-
dustriel beschränken sich nicht nur auf eine strengsachlicheSchildcrung
der bevorstehenden Aufstellung, sondern sie führen dieselbe, so zu
sagen, ihren Lescrit auch vor Augen durch recht gelungene
Illustrationen, und zwar sind es die ersten Illustrationen, die
überhaupt im Auslande erschienen.
Es wäre zu viel verlangt, wenn die erwähnten Fachblätter
einstimmig zu demselben günstigen Schlüsse gelangen sollten. Es
ist für uns sogar eine Art von Genugthuung, zu beobachten, wie
heftig die Meinungen auf einander platzen; denn es ist eine alte
Regel, daß Angriffe und Meinungskämpfe stets das Ziel fördern.
Das Oenie luclnstriol kommt nach einer kürzeren Betrach
tung zu folgendem sauer-süßen Schluß:
„ . . . . Die Berliner Ausstellung soll im nächsten Mai er
öffnet werden. Die Leitung ist bemüht, sagt man, das nachzuahmen,
was im Jahre 1889 in Paris geleistet worden ist.
Der Weg von Paris nach Berlin ist bedeutend weiter als der Weg
von Berlin nach Paris. Das wird eine große Zahl guter Franzosen nicht
abhalten, die Deutschen in ihrer Heimath aufzusuchen, und vielleicht wird
man einigen Vortheilhaften Nutzen für das Jahr 1900 daraus ziehen
können. Sei es auch nur auf dem Gebiet der Elektricität, die seit 1889
einen tüchtigen Weg zurückgelegt hat und deren Studium sich unsere Nach
barn mit wahrer Leidenschaft hingeben."
Dagegen höhnt die Industrie Fraugaise unverblümt:
„ . Zahlreiche Altractionen werde» vorhanden sein; man wird
Alt-Berlin wieder aufbauen und eine Alpenlandschaft schaffen. Und so
verspricht alles, wie man dort drüben jenseit des Rheins sagt, der Aus
stellung einen sichern Erfolg.
Wie wenig sind diese Hoffnungen in Einklang zu bringen mit dem,
waS man von dem guten Geschmack der Herren Deutschen erwarten kann,
die, um ehrlich zu sein, bis jetzt niemals einen Anlauf zu derartigen
Unternehmungen gewagt haben. Nun, wir werden ja sehen!"
Die Inventions Nouveiles stellen das Gleichgewicht
lvieder her:
„ ... . Man wird für zahlreiche Attraktionen Sorge tragen. Alt-
Berlin wird aufgebaut und ein Alpenpanorama wird man errichten. Alles
spricht dafür, daß die Ausstellung von Erfolg gekrönt sein wird." —
Auch einige der maßgebendsten politischen Zeitungen der
französischen Hauptstadt befassen sich mir der Berliner Ausstellung,
und was der Sache um so größeren Werth verleiht, ist, daß es
gerade die vornehmsten, makellosen Blätter sind, die es thun.
Man braucht nur das ehrwürdige Journal des Debats zu er
wähnen, das sich auf eine rein sachliche, aber ausführliche Mit
theilung über die Berliner Veranstaltung beschränkt.
Dagegen ist bet Matin rückhaltlosen Lobes voll. Er schreibt:
„. . . . Jetzt, wo die gesammten Arbeiten für die Ausstellung mit
Riesenschritten ihrer Bollendung entgegengehen und schon einen Begriff
davon geben, in welchem Maße dieses seit Jahren vorbereitete Werk das
Interesse aller civilisirten Völker in Anspruch nehmen wird, jetzt — sagen
wir — entschädigt uns der Eindruck, den dieses grandiose Werk hervor
bringt, dafür, daß das Unternehmen, das ursprünglich ein internationales
sein sollte, auf die Stadt Berlin lökalisirt blieb, denn in dieser durch die
Umstände nothwendig gewesenen Beschränkung wird es nicht an Gründen
fehlen, die dieser Ausstellung dennoch den Charakter eine: Weltausstellung
verleihen. Nach dem Urtheil competenter Leute darf man mit vollem Recht
von dieser Berliner Gewerbe-Ausstellung erwarten, daß sie sich als ein
wahres Jubiläum der deutschen Industrie erweist, die auf den Welt
märkten mit der Industrie aller anderen Nationen wetteifert. Die Ab
theilung der deutschen Fischerei-Ausstellung wird der Berliner Ausstellung
ein vollkommen nationales Gepräge verleihen, während die coloniale Ab
theilung, die unter dem Protektorat der Reichsregierung steht, dazu be
stimmt ist, die commerciellcn Verbindungen, die die Reichshauptstadt mit
ihren überseeischen Colonieen verknüpft, zu beleuchten."
Ja, sogar die officiöse Dcpeschenageiitur Havas theilt
ihren Kunden — und dazu gehören fast sämmtliche Zeitungen des
charmant pays de France, wie es in dem schönen Abschiedslied
der Maria Stuart heißt — Bulletins über das „Befinden" der
bevorstehenden Berliner Ausstellung mit.
Gerade wie die in meinem vorigen Bericht erwähnte Roman
Dimes, erweist uns auch der in englischer Sprache an der Seine
erscheinende Daily Messenger die Ehre, der Berliner Ausstellung
eine längere Besprechung zu widmen. Als Vollblut-Engländer be
schäftigt sich der löbliche Berichterstatter hauptsächlich mit der
Abtheilung für Sport, über die er uns sogar einige noch unbe
kannte Einzelheiten mitzutheilen weiß:
„ . . . . Daß das Zweirad in all' seinen neuesten Gestalten einen
Ehrenplatz auf der Ausstellung einnehmen wird, bedarf kaum der Erwäh-
nung, und. die deutschen Fabriken wetteifern mit allen andern in dem Be
streben, möglichst vollkommene Maschinen und Zubehör auszustellen. Eine
der Sehenswürdigkeiten wird ein Zweirad niit füllt Sitzen lein, das viel
leicht für den Gebrauch von Comiteemitgliedern auf Jnspectionstouren ge
dacht ist. In der Fahrrad-Abtheilung werden die drei berühmteu Preise
ausgestellt werden, die der Kaiser für die Ausstellung herzugeben sich bereit
erklärt hat. —
.... Im Ganzen verspricht die Sport-Ausstellung außerordentlich
erfolgreich zu werden, und viele der bedeutenden Berliner Sportclubs sind
sehr freigebig mit ihren Beiträgen gewesen, und die Mitwirkung vieler
bedeutender Sportsmen ist gesichert worden."
Seinem Namen untreu, pflichtet das in Paris erscheinende
Genie Industries das sich augenscheinlich unterdessen eines
Besseren besonnen hat, dem Engländer trotz des oben angeführten
ablehnenden Urtheils bei. Es schreibt:
„ ... . Die Alpenland'chast, eine frappirende Nachahmung der Natur,
deren schneebedeckte Gipfel, mit denen grüne Matten anmuthig wechseln,
man schon von fern kühn in den Himmel streben sieht, wird zweifellos
einen überwältigen Eindruck auf die Besucher machen. Eine Drahtseilbahn
wird die Illusion einer wirklichen Alpenbesteigung noch vervollständigen."
Und weiter:
„. . . . Unter den ausgestellten Kunstgegenständen werden ganz be
sonders drei ein lebhaftes Interesse darbieten, und zwar sind es die Preise,
die Se. Majestät der Kaiser bei den Regatten gewonnen und deren Aus
stellung er gütigst gestattet hat. Da sind zunächst die großen Preise des
Marineschießens, dann ein Schild, das der Prinz von Wales gewonnen
hat, und schließlich ein „Krupp"-Becher. Der Kaiser hat bestimmt, daß,
dem lokalen Charakter der Ausstellung entsprechend, nur die in Berlin her
gestellten Marinepreise ausgestellt werden dürfen.
Schritte, die bei dem Prinzen von Wales von einer bei Hofe be
liebten Persönlichkeit gemacht worden sind, lassen hoffen, daß derselbe zu
der Ausstellung des großen Schildes seine Genehmigung ertheilen wird."
In Bezug auf die Blumen- resp. Obstabtheilung könnten wir
demselben Gdnie Industrie! eine recht anmuthige Schilderung
von Werder mit seinen gemeinnützigen Einrichtungen entnehmen,
ziehen aber vor, nachzuweisen, daß der Teufel seine Klaue nicht
ganz versteckt hat und daß sich die Hitzköpfe Süd-Frankreichs nicht
gerade durch Logik und Zartheit des Ausdrucks auszeichnen. So
schreibt der in Marseille erscheinende Petit Provenyal:
„. . , . Die Berliner Ausstellung ist nicht auf Rosen gebettet,
und ihre Leiter find schon jetzt auf ein gewaltiges Fiasco gefaßt.
Die preußischen Eisenbahnen haben sich geweigert, Tarifermäßigungen
zu bewilligen; die Eisenbahnen der anderen deutschen Staaten haben sich
auch nicht zu der geringsten Concession bereit gefunden. Bayern, das in
Nürnberg eine Ausstellung hat, sieht keinen Grund, die Reise nach Berlin
zu erleichtern, Sachsen giebt vor, daß gelegentlich der Dresdener Aus
stellung es sich keiner Vergünstigung seitens der preußischen Bahnen zu
erfreuen hatte. Uebrigens billigt die gesamnite Presse in Leipzig und
Dresden diese Stellungnahme."
Die schon erwähnte Pariser Encyclopedie contem-
poraine quittirt für den Empfang der großen Ausstellungs-
placate, deren auch in anderen Zeitungen rühmlichst gedacht wird,
wie folgt:
„Von dem Arbeits-Ausschuß der Berliner Gewerbe-Ausstellung er
halten wir einen vorzüglichen Prospekt. Es ist dieses ein Farbendruck, der
uns die wirklich großartige Veranstaltung aus der Vogelperspektive zeigt.
Sie weist 23 Abtheilungen und 110 Gruppen auf, ist an der Spree
mitten in denr bewaldeten Treptower Park gelegen und nimmt ein
Terrain von über einer Million Quadratmeter ein. Unsere Nachbarn
lassen es an nichts fehlen. Auch eine getreue Nachahmung eines Stadt
viertels in Kairo wird man errichten, die geradezu glänzend sein soll.
Der Arbeits-Ausschuß theilt mit, daß er sich auf alle Weise vorbereite,
die Gäste aller Erdtheile würdig zu empfangen. Alle werden gleich will-
konrmen sein. — Wir werden ihn beim Wort nehmen."
Gehen wir nun, was die Ausstellungsberichte anbelangt,
von den französischen zu den belgischen Preßstimmen über,
so können wir mit Freuden constatiren, daß trotz der gemischten
Sprache und Gesinnung, die Belgien wie alle Puffer-Staaten
auszeichnet, über unsere Veranstaltung doch nur eine Stimme
herrscht. Wir finden Zeitungen aus allen größeren Städten des
friedliebenden Staates vertreten, aus Antwerpen, Brügge, Ostende,
Löwen, vor allem aber aus Brüssel. Die Illustrationen des
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