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Volume Nr. 8, 21. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Gfstriellc AuslleUungs Ilachrichten. 
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müssen. Es ist zu erwarten, daß diese Opfer nicht umsonst ge 
bracht werden, sondern daß die Hoffnungen des Vereins, eiilett 
großen Theil der nach Millionen zählenden Besucher der Aus 
stellung für seine Sache zu gewinnen, sich in reichlichem Maße 
erfüllen werden. C. v. C. 
Krankenhäuser, 
Krankenpflege und Kufallschntz. 
Dr. K. Beerwald. 
^Abdruck untersagt.] 
Bereits in Nr. 4 ist in großen Zügen ein Bild von dem 
entworfen worden, was die Gruppe XVIIl bieten wird. Bei der 
eminenten Wichtigkeit dieser Gruppe dürfte aber mich jetzt schon 
die Detailmalerei wohl berechtigt erscheinen, und wir wollet daher 
heute besonders von der Untergruppe 2 und 6 den verhüllenden 
Schleier hinwegziehen und etwas eingehender ausführen, was Alles 
unter der Rubrik Krankenhäuser und Krankenpflege, sowie Unfall 
schutz gebracht werden wird. 
Beginnen wir mit letzterer, so steht im Vordergrund die Aus 
stellung des Reichsversicherungsamtes, welcher sich die sämmtlichen 
in Berlin ansässigen Berufsgenossenschaften angliedern. In erster 
Pinie will das Versicherungsamt eine Uebersicht über die Ent 
wickelung der Arbeiter-Versicherungsgesetzgebung des Deutschen 
Reiches geben, zu welchem Zwecke es Wandtafeln ausstellen wird 
zur Veranschaulichung des Umfanges, der Kosten und der Wirkungen 
der Krankenkassen-. Unfall-, Jnvaliditnts- und Altersversichernngs- 
Gesetzgebung. Statistische Abhandlungen, Jedermann zugänglich, 
werden die große, segensreiche Wirkung der socialen Gesetzgebung 
deutlicher, als es endlose Debatten vermögen, dem deutschen Volke 
vor Augen führen, sie werden beweisen, wie viel Nutzen bisher 
dadurch geschaffen und wie unberechtigt die abfälligen Kritiken 
sind, die hier und da immer noch laut werden. Wie die Zweige 
dem Stamm schließen sich dem Versicherungsamte die einzelnen 
Berussgeuosseufchastcn au, deren jede für ihren beschränkten Kreis 
de» Nachweis führen wird, wie sie für ihre Angehörigen das 
Grundgesetz zu verwerthen verstanden hat. Wir finden daher zu 
nächst als Anttvort auf die UnsallverhütungS-Vorfchristen der Be 
hörden Zeichnungen mtb Modelle von Schutzvorrichtungen und 
Anweisungen über das Verhalten der Arbeiter beim Betriebe, 
welchem die Sektion VI der Brauerei- und Mälzerei-Berufs- 
genvsscnschaft in sehr richtiger Consequenz eine Statistik über ihre 
Heilerfolge mit vergleichenden, Zahlen über die Ausgaben für 
Invalide und Kranke sonst und jetzt anreiht. Ferner wird die 
Knappschafts-Berufsgenosseuschast Pläne ihrer Krankenkassenaulagen 
in Bochum, Bergmanusheil, und Halle n: d. S., Bergmaunstrost, ‘ 
vorführen und die Norddeutsche Holz-Berufsgenossenschaft in der 
selbe» Ausführung ihr Krankenhaus in Neu-Rahnsdvrf, welches in 
der That in vielfacher Beziehung als mustergiltig bezeichnet werden darf. 
SicherheitsgriibenlaMpeii der verschiedensten Systeme, Schutzbrillen 
für Steinschläger und unfallsichere Ladestöcke für Spreugarbeiter 
werden zu sehen sein: die chemische Jiidustrie-Berufsgenosseuschaft 
wird eine ganze Sammlung ihrer Zeichnungen unb Modelle von 
Schutzvorrichtungen, und die nordöstliche Baugewerbs - Berufs 
genossenschaft wird Modelle eines Bau-Elevator» und von Gerüst- 
haltern ausstellen, sowie drei Faxaden je mit Berliner Stangen- 
rüstung, mit Breslauer Consolrüstung und mit abgebundener 
Rüstung. 
Diesem, wenn wir so sagen dürfen, vfsieiellen Theil schließt 
sich nun eine ganze Reihe Industrieller an mit Sterilisatoren und 
Desinfeetoren, hygienischen und Badeapparaten >e. je., und möchten 
mir unter diesen Firmen besonders auf Dr. Rvhrbeck ■ & Comp, 
aufmerksam machen, welche scheinbar eine sehr reichhaltige Be 
schickung beabsichtigt. Doch über de» engen Kreis von Fach 
genossen, Aerzten und den einschlägigen Berufe» hinaus werde» 
diese Privatem kaum die allgemeine Ausmerksamkeit aus sich zu 
lenken vermöge», was wieder ganz entschieden bei der Unter 
gruppe Krankenhäuser und Krankenpflege erwartet werden kaun: 
I» diese Untergruppe gehört auch die Ausstellung des Euratvrich-ns 
der Berliner Uufallstativneu, und der Rührigkeit der Herren 
Direktor Knoblauch und Schlesinger ist es zu danken, daß dasselbe 
nicht nur durch ein Modelt, sondern durch eine vollständig aus 
gerüstete Versuchsstation vertreten sei» tvird. Neben dem Eingang 
vom Hauptbahnhof erhebt sich ihr Gebäude, das. in sauberster 
Ausführung ei» Wartezimmer, ein Verbandzimmer für kleine Ver 
letzuugeü, ein aseptisches Operationszimmer, ein Badezimmer, ein 
Zimmer für den Arzt lind ei» Zimmer zn stationärer Behandlung 
schwerer Venvundungeu enthält, da die Station nicht nur eine 
Verbandstätte sein soll. In der Wagenremise, an die ein Stall 
für zwei Pferde gebaut ist, sollen Krankentransportwagen ver 
schiedener Systeme stehen, welche Collection noch an anderer 
Stelle, wie wir gleich hier bemerken wollen, vervollständigt werden 
wird, so u. Ä. auch durch den Krankentrausportmagen von 
Dr. Hviiich in Velociped-Form. Mit alle» größeren Etablissements 
in ihrer Nähe, sowie mit der Stadt wird die Unfallstation 
telephonisch verbunden sein, und der Dienst wird neben einem 
Wärter und einer Krankenschwester von zivei Aerzten versehen 
werden, von denen der eine nur für diese Station während der 
ganzen Zeit der Ausstellung gewonnen werden soll,' während der 
zweite der Reihe nach'von den zehn Unfallstationen in Berlin zu 
stellen ist. Doch damit erschöpft sich die-ärztliche Hülfe ans der 
Ausstellung nicht. Auch die Sanitätswachen haben auf der ent 
gegengesetzten Seite des Parkes eine von dem Ausstellungscomitee 
mit circa 12 000 Mk. subventionirtc Wache eingerichtet, welche 
der Untergruppe 2 zugerechnet wird. Abweichend von der sonst 
üblichen Usance wird hier ebenfalls Tagesdienst geleistet werden, 
oder wird vielmehr bereits jetzt geleistet, während die Unfall 
stationen. welche ja selbst in Berlin erst lange, nachdem der Plan 
zur Ausstellung gefaßt war, ins Leben gerufen wurden, mit ihrem 
Ausstellungsobjekt noch nicht fertig sind. 
Sodann werde» die Herren Spinola und Mendelssohn in 
einer Baracke ein wohl eingerichtetes Krankenhaus zeigen, eine 
transportable Lazarethbaracke nach dem System Selberg und 
Schlüter mit verschiedenen Artikeln der Krankenpflege wird vor 
handen sein, und Major a, D. Curd Hahn hat ein - heizbares 
Verwundeteuzelt -nebst innerer Ausrüstung und Zeltwagen mit 
darauf verpacktem zweiten Zelte angemeldet. De» übrigen dieser 
Untergruppe zur Verfügung stehenden Raum nimmt auch hier 
wieder die Industrie ein, und in reichlichster Auswahl ist Alles 
zu sehen, was zur Einrichtung von Krankenhäusern- -und zur 
Krankenpflege gehört.« Da werden wir also chirurgische Instrumente 
finden und orthopädische Apparate, Glasgerüthe für Chirurgie und 
Krankenpflege, wozu auch Glasaugen in allen Farben und in 
höchster Vollendung zählen, sodaß hier leicht derjenige tauschen 
kann, welcher mit der Farbe seiner Angen nicht zufrieden ist, 
und dem der Schein für die Wirklichkeit genügt. Hans- und 
Reise-Apotheken werden nicht kehlen, auch die Thierarzneikunde 
hat hier Ausnahme gefunden, und durch besonders rege Be 
theiligung wolle» die Zahntechniker einmal die Bedeutung ihrer 
Specialität hervorheben, zweitens die Angst ihrer Patienten, 
welche so oft den „Fliegenden Blättern" willkommenen.Anlaß zu 
heiteren Scherzen gegeben, durch Hinweis auf die reiche Auswahl 
der ihnen zu Gebote stehenden Hilfsmittel lindern. Möge ihnen 
das gelingen, was zweifellos der Fall sein Ivird, wenn das 
Publikum 'weiß, daß zu diesen sinnreichen Apparaten auch, die 
geschickten Hände sich zur Genüge gefunden haben. 
Die berliner Gemerke-Ausstellrmg 
und das Anslank. 
^Abdruck untersagt.] 
Tie Berliner Gewerbe-Ausstellung läßt sich nicht todtschweigen. 
Das Interesse, das sie erregt, ist derart, daß man nicht umhin 
kann, sich- mit ihr direct oder indirekt zn beschäftigen. Kein Winkel 
in der ganze» civilisirten Welt, ivo mau jetzt nicht mit Spannung 
ihren Entwickelungsgang verfolgte. Selbst unsere Nachbarn jenseit 
des Rhein beginnen aufzuthaueu. Je näher der Tag der Eröff 
nung rückt, desto häufiger stoßen wir in der französische» 
Presse auf Aeußerungen über die Berliner Peranftaltnng. Uns 
freut am meisten, daß diejenigen sich in einer argen Täuschung 
befinden, die da meinen, die ablehnenden Urtheile der Franzose» 
müsse» bei Weitem überwiegen. « 
Gerade das Gegentheil ist der Fall. Wie ans allen Gebieten 
des so außerordentlich centralisirten öffentlichen Lebens in Frank 
reich, ist auch in unserm Fall Paris tonangebend. . In erster Reihe 
beschäftigen sich die Pariser Fachblätter mit der Berliner Aus
	        
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