Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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OffirieUe AirssteUungs -Uachrichte«.
dem deutsch-französischen Kriege, als Paris seine besten und
fleißigsten deutschen Arbeiter an Berlin verlvr, entstanden allmählich
jene Firmen, die Berlin zum Stolz linb zur Ehre gereichen.
Ferdinand Ernecke, Schmidt & Haensch, W. Langhoff, P. Dörffel,
C. Bamberg, R. Imme, R. Fueß, Eduard Sprenger —, das sind
neben den wenigen älteren Etablissements diejenigen, die die Stadt
Berlin selbst vertreten und innerhalb Berlins die Erzeugnngsstätten
haben.
lind den Inhabern und Leitern dieser Firmen ist es vor
Allem zu verdanken, daß Berlin mit seinen wissenschaftlichen In
strumenten sich znm ersten Range auf dem Weltmarkt einpor-
geschwungen hat. Man kann bei der Mechanik gegenwärtig und
auch auf lange Zeit hinaus nicht recht von einem „Groß
betrieb" sprechen. Wissenschaftliche Instrumente erfordern eine
so feine, sorgfältige Arbeit, daß jedes einzelne Stück gewissermaßen
individuell ist. Es ist also nicht nur ein Triumph der Ausdauer
und des Fleißes, sondern vor Allem des Geistes und der mecha
nischen Befähigung, wenn Berlin gegenwärtig der erfolgreichere
Concurrent der englischen und französischen Mechaniker ist und
seine Erzeugnisse in allen Ländern auch jenseit des Oceans vor
den französischen den Vorzug behalten.
Und dabei steht Berlin noch am Anfang seiner Entwickelung.
Die jüngere Generation, die zum Theil schon am Ruder ist, zum
Theil bald thätig eingreifen wird, ist nicht allein mit den guten
Eigenschaften und dem Können der älteren ausgerüstet, sondern auch
mit jenem akademischen Wissen, das zu eigener Arbeit, zu eigener
experimenteller Initiative befähigt, lind so hat denn Berlin alle
Antwartschaft darauf, in baldiger Zukunft der größte Centralpunkt
der Mechanik zu werden.
Die Ausstellung
des „Dereiirs siir Feuerbestattung".
^Abdruck untersagt.^
Schon längst war man auf die Thatsache aufmerksam, daß die
Begräbnißplütze große gesundheitliche Nachtheile mit sich bringen,
indem namentlich in größeren Städten die bald überfüllten Fried
höfe durch die Fäulnißproducte nicht blos den Erdboden, die
unterirdischen Wasserläufe und Quellen, sondern auch die um
gebende Luft verunreinigen.
So hat man denn in diesem Jahrhundert die Leichenverbren
nung mehrfach als die vom sanitären, ökonomischen und ästhetischen
Standpunkt aus geeignetste Methode der Bestattung empfohlen.
Doch erst in den siebziger Jahren, als zahlreiche Vereine des
In- und Auslandes ebenso wie eilt großer Theil der Presse für
die Sache in Wort und Schrift zu wirken begannen, fand der
Gedanke der Feuerbestattung in weiteren Kreiset! der Bevölkerung
das wohlverdiente Interesse.
Man wies unter anderem darauf hin, daß durch die bisherige
Beerdigungsweise auf ausgedehnten Friedhöfen verhültiiißmäßig
viel Grund und Boden einer anderweitigen besseren Benutzung
entzogen wurde, und daß man der Pietät gegen die Verstorbenen
durch die Feuerbestattung völlig Rechnung trage, indcnt durch
Aufsammeln der Aschenreste in Urnen und durch Beisetzungen der
letzteren in monumentalen Gebäuden lColumbarien) nach Art der
alten Römer die Hinterbliebenen das Andenken der Verstorbenen
in einer dem ästhetischen Gefühl wöllig entsprechenden Weise ehren
können.
Im Laufe der Jahre ist es der Wissenschaft und Technik
gelungen, alle Schwierigkeiten, welche der Feuerbestattung vom
praktischen Standpunkt entgegenstanden, aus dem Wege zu räumen.
Noch aber sind die Hindernisse zu überwinden, welche Sitten,
Gebräuche und gewohnte Anschauung der allgemeinen Einführung
der Feuerbestattung in unserem engeren preußischen Vaterlande
entgegenstellen.
Eine überaus große Thätigkeit in dieser Richtung hat der
Berliner Verein für Feuerbestattung während der Dauer seines
mehr denn 20 jährigen Bestehens entwickelt. Seine Mitgliederzahl
ist heut auf mehr als 1600 gestiegen, und seiner unermüdlichen
Thätigkeit ist es zu danken, daß die städtischen Behörden, die
allerdings von jeher volles Verständniß für die Wichtigkeit der
geplanten Reform bekundet haben, nicht nachgelassen haben, bis
endlich zu Anfang d. I. der erste Schritt in Preußen zu staat
licher Anerkennung der Feuerbestattung geschehen ist, indem die
Minister des Innern und des Cultus der Stadt die Erlaubniß
ertheilt haben, Theile von secirten Leichen durch Feuer zu vernichten.
Einen großen Erfolg verspricht sich der Verein von der Gewerbe-
Ausstellung. Da eine gleich günstige Gelegenheit, das große
Publikum über das Wesen der Feuerbestattung zu belehren, so bald
nicht wieder kommen dürfte, so hat der Verein alle seine Kräfte
angespannt, um seine Special-Ausstellung so wirkungsvoll wie
nur irgend möglich zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen,
erschien es nöthig, die Ausstellungs-Objecte davor zu bewahren,
daß sie in irgend einem Winkel des großen Ausstellungs-Palastes
verloren gingen; vielmehr mußte ein eigenes Gebäude errichtet
werden und dasselbe von außen und von innen der Würde des
Gegenstandes entsprechend ausgestattet werden.
Dies wurde inöglich, als man in Herrn Architekten Arno
Eugen Fritsche, einen hervorragenden Kirchenbaumeister, der u. A.
den ersten Staatspreis für die Garnisonkirche in Spandau er
rungen hat und dieselbe baut, einen Mann gefunden hatte, der
in voller Selbstlosigkeit nicht nur den Entwurf zu der Aus
stellungshalle lieferte und die Leitung des Baues ohne Entgelt
übernahm, sondern der auch Lieferanten von Baumaterial und Hand
werksmeister zu ähnlichen Opfern zu bewegen wußte. Ztvischen
dem Theater Alt - Berlin und dem Riesen - Fernrohr erhebt
sich der im edelsten romanischen Stil ausgeführte, kapcllenartige
Bau, ein wahres Kleinod unter den Ausstellungsgcbäuden, das
seinem Schöpfer alle Ehre macht. Auch in der Wahl des Platzes
ist man überaus glücklich gewesen, da der Hintergrund in Form
einer schönen, hohen Baumgruppe den vornehmen Eindruck des
Ganzen noch wirkungsvoller gestaltet.
Durch ein reich decorirtes Portal tritt man in einen Vor
raum, der durch in Nischen aufgestellte Urnen den Charakter eines
Columbarium erhält, wie auch das Ganze ein Crematvrium im
Kleineü darstellt. Dementsprechend fällt der Blick, wenn man in
die Haupthalle tritt, auf einen Altar mit davorstehendem Catafalk;
auf diesem ragt ein Prachtsarg nur zur Hälfte hervor, um zu
zeigen, wie in einem wirklichen Crematvrium nach beendeter Feier
der Sarg vor den Augen der Leidtragenden allmählich in die
Tiefe versinkt.
Der Vorgang wird durch eine Anzahl zerlegbarer Modelle,
welche die innere Eönstruction verschiedener Systeme, z. B.
Schneider, Klüngenstierna, erkennen lassen, des Näheren er
läutert. Auf dccorirten Tafeln und an den Wänden werden
Ajchcn-Urneu, Glasbehälter mit Menschen-Asche, Pläne und
Phvtographiee» von Crematorien und Cvlumbarien und eine
sehr reichhaltige Literatur ausgestellt sein, während eine
gratis zur Vertheilnng gelangende illustrirte Broschüre das
Publikum über die wahren Zwecke und Ziele der Cremation
aufzuklären bestimmt ist. Einige schöne Marmvrgruppcn von
G. Eicheler, Kreuze von Raffel u. Fleischer, Gemälde- und
Pflanzen-Decoratioit vollenden die innere Ausstattung der Haupt-
Halle, welcher der kirchliche Charakter sowohl durch die Säulen
und Kreuzgewölbe der Architektur, wie durch die aus dem Atelier
für Glasmalerei von. Maximilian Auerbach stammenden schöne»
Fenster gewahrt Ivird.
Die Kronen und Wandarme für die elektrische Beleuchtung
sind von der Firma D. Schlesinger nach den Entivürfen des lei
tenden Architekten angefertigt, ebenso die Gitterthür, ein wahres
Meisterwerk der Schmiedekunst von B. Miksits.
Der überaus reich ornamentirte Fußbodenbelag >vird in der
Vorhalle von der Firma N. Roseufeld & Co., im Hauptraum
von Rich. Schaffer gelegt. Ganz besonderen Anspruch auf Be
achtung dürfen die prachtvollen Form- und Verblendsteine der
Firma G. Bienwald & Rother erheben. Die dazu passenden
Dachfalzziegel liefert Herr G. Adolph Wernike. Die Maurer
arbeiten hat Amtsmaurermeister Thiemann, die Zimmerarbeiten
Zimmermeister Wilschke, beide in Rixdorf, übernommen. Bis ayf
die Hintermauerungssteine und den Mörtel werden alle Materialien
und Arbeitsleistungen von den genannten Firmen völlig kostenfrei
zur Verfügung gestellt, — ein Entgegenkommen, das nicht warm
genug anerkannt werden kaun; und dennoch erwächst dem hiesigen
Verein für Feuerbestattung eine Ausgabe von circa 6000 Mark,
die durch freiwillige Beiträge der Mitglieder aufgebracht werden
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