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Volume Nr. 39, 26. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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GfstcieUe AussteUnngs Nachrichten. 
durch die Fülle des liebevoll ausgearbeiteten Details entzückend 
wirkende „Kairo". Der Werth des Wassers für die Chicagoer Aus 
stellung war unermeßlich, aber auch in Berlin hak man das an sich 
schon prächtige Landschaftsbild durch künstliche Wasscranlagen zu ver 
schönern verstanden. Der Blick vom Hauptgebäude über den künst 
liche» See hinweg bis zum Wasserthnrm ist schon jetzt von groß 
artiger Wirkung und wird, wenn Alles erst vollendet und der 
Wasserspiegel selbst durch zahllose Boote belebt sein wird, von 
geradezu bestrickendem Reize sein. Ohne zu ermüden, wird man 
durch diese wundervollen natürlichen Parkanlagen der Berliner 
Ausstellung wandern können, immer auf's Neue angeregt durch ent 
zückende Fernsichten und interessante, hübsche Baulichkeiten. 
Der Liebreiz wird vorherrschend sein! Man wird weniger 
staunen, weniger erhoben, weniger -ergriffen sein als in Chicago, 
aber man wird sich in Berlin mehr angeheimelt fühlen! Dort 
ging man wie durch eine plötzlich aus der Erde gezauberte Stadt 
der Träume, hier ist man auf heimischem Boden; dort rauschte 
uns ■ etwas wie die Poesie vergangener Tage durch die Seele, 
hier spürt man ans Tritt und Schritt behagliches Leben und 
deutsche Gemüthlichkeit: dort fühlte man sich der Gegenwart ent 
rückt, hier ist man zu Hause; dort war Alles immense, gewaltig, 
erhaben, hier ist Alles lieblich, hübsch uni) urbehaglich. 
Paul Grzybowski. 
Der Feuerschutz auf der Ausstellung. 
Von Max Caro. 
(Abdruck untersagt.; 
Der Feuerschutz des großen, mit lustigen Bauten besetzten 
Terrains ist eine der vornehnfften Sorgen der Organe gewesen, 
denen die Maßnahmen für Ordnung und Sicherheit ans dem 
Ansstellungsplatzc obliegen. Zti der pflichtgemäßen Wahrnehmung 
dieses Interesses trat bald ein gewichtiger Druck von anderer 
Seite: Die Versicherungs-Gesellschaften, an welche Anträge betreffs 
Assecuranz auf dem Ausstellungsgcbiete gelangten, machten deren 
Erfüllung von dem Nachweise eines wohlgeordneten, mit allen 
Mitteln der modernen Feuerlösch-Taktik arbeitenden Feuerschutzes 
abhängig. 
Man wird der Treptower freiwilligen Ortsfeuerwehr, welche 
bis vor kurzer Zeit den gesummten Sicherheitsdienst aus dem Aus- 
stellungsgelünde versah, das Zeugniß nicht versagen können, daß 
sie sachgemäß und mit großer Sorgfalt ihres Amtes waltete. Aber 
die enormen Werthe, welche durch die bald mit kostbarem Material 
zu füllenden Neubauten repräsentirt werden, verlangten zu ihrer 
Sicherung eine Berufswehr, wenn anders nicht die Assecuranz- 
prümien sich auf eine außergewöhnliche, durch das Risico der Gesell 
schaften bedingten Höhe heben sollten. Demzufolge wurde die 
Berliner Berufsfeuerwehr nach langen Verhandlungen mit dem 
Polizeipräsidium für den Feuerschutzdienst auf der Ausstellung 
gewonnen. Die Kosten, sowohl die sachlichen als auch die personellen, 
trägt die Ausstellung; die Mannschaften werden aus den dienst 
freien Leuten gewonnen und erhalten als Entgelt des Opfers, 
tvelches sie durch Hingabe ihres dienstfreien Tages bringen, eine 
gute pecuniaire Entschädigung. 
Wie die gesummte Ausstellung zur Zeit noch den Charakter 
des Werdenden, Unfertigen trügt, so ist es auch gegenwärtig mit 
dem Feuerschutz auf derselben bestellt. Der cvmplette bespannte 
Löschzug, welcher, zum sofortigen Angriff bereit, Tag und Nacht 
parat sein soll, gehört der Zukunft an; vorläufig ist nur eine 
Wache mit kleinen Hilfsmitteln etablirt, ein provisorisches Depot, 
dessen geringe Mannschaftszahl gerade für den ersten Angriff 
eines im Entstehen begriffenen Schadenfeuers ausreicht. Der aus 
gesprochene Zweck dieser kleinen Feuerwache ist: durch Patrouillen- 
güngc und fortgesetzte Revisionen der Arbeitsstellen zur Tag- und 
Nachtzeit den Ausbruch eines Feuers, soweit dies im Bereich der 
Möglichkeit liegt, zu verhindern; im gegebenen Falle aber das Feuer 
sofort anzugreifen und gleichzeitig für die telegraphische Nach 
holung von Verstärkungen aus Berlin Sorge zu tragen. 
Rechts vom gegenwärtigen Haupteingang an der Treptower 
Chaussee belegen, erhebt sich die kleine, schmucklose Baracke, welche 
den Mannschaften zur Unterkunft dient, ein richtiger Zweckmäßig 
leitsbau mit primitiver Ausstattung. Die Wache ist besetzt mit 
1 Oberfeuermann und 12 Feuerwehrleuten, welche ihren 24stündigen 
Dienst hier wahrnehmen. Ueber ausgiebigen Wach- und Schlaf- 
raum für das kleine Commando ist keine Beschwerde; auch für 
Ventilation und Heizung ist zweckentsprechend gesorgt. Mit einem 
großen Apparat an Löschgcrüthschaften und deren Instandhaltung 
hat das Commando zur Zeit keine Qual. Die gesammten Löschmittel 
bestehen in einem von einer Person leicht zutransportirenden Schlauch- 
wagen. Das gegenwärtige provisorische Commando giebt nur von Hy 
dranten aus Wasser; eine Handdruckspritze wird durch das Com- 
mando nicht in Bewegung gesetzt. Die Zahl der ans dem Ans- 
stellungsgebünde befindlichen Hydranten betrügt gegenwärtig 75; 
sie sind außerordentlich zweckmäßig derart angelegt, daß namentlich 
die HanptanSstellungsbauten von ihnen gewissermaßen cernirt 
werden und erfolgreich von allen Seiten angegriffen werden 
können. 
Das Tagewerk der Ansstellungswache beginnt um 8 Uhr 
Morgens; um diese Zeit findet die Ablösung und das Aufziehen 
des neuen Commandos statt. Der Oberfeuermann läßt seine 
Leute nach militairischem Gebrauch in Reih und Glied antreten 
und instrnirt sie eingehend ans Grund des in seinen Händen be 
findlichen umfangreichen Befehls. Der Dienst ist ein strenger. 
Entgegen den auf anderen Wachen üblichen Gepflogenheiten, dürfen 
Besuche nicht empfangen werden; Verwandte und Bekannte, die 
etwa erscheinen, um in Begleitung des Feuerwehrmanns die Aus 
stellung zu sehen, scheiden enttäuscht. Restaurants dürfen zum 
Zweck der Labung seitens des Commandos nicht betreten werden, 
doch darf ein Mann in einer nicht zu weit von der Wache ge 
legenen Schankwirthschaft Etnkäufe für die Mannschaft besorgen. 
Ein jeder einzelne Mann ist nämlich bei diesem Wachteommando 
Goldes werth, denn von den zwölf Feuerleuten sind stets vier 
ans Patrouillengängen begriffen. Jede der zahlreichen Arbeits 
stellen auf den Bauten wird wenigstens alle zwei Stunden 
revidirt. Ein Posten patronillirt außerdem beständig in der 
großen Wandelhalle. Des Nachts erfolgen Patrouillengänge 
und Revisionen in den Hauptausstellungsgebäudcn sogar stünd 
lich. Ter Oberfcucrmann folgt den Patrouillen zur Controle 
derart, daß er sich mit denselben kreuzen muß. Man sieht, die 
Feuerwehr hat auf der Ausstellung zur Zeit keine Ruhe bei Tag 
und Nacht. 
Die Posten müssen die Augen auf ihren Patrouillengängen 
allenthalben haben. Es liegt ihnen ob, dafür zu sorgen, daß mit 
Feuer und Licht vorsichtig auf den Bauten umgegangen ivird. 
Schmiede- und Löthfeuer, welche schon viel Unheil bei ungenügen 
der Beaufsichtigung angerichtet haben, müssen angemessen geschützt 
werden. Die Gasütherlampen sind ihrer Feuergeführlichkeit wegen 
ganz zu verbannen. Dem Sünder, der eine Cigarre im Munde 
trägt oder sein Pfeifchen schmaucht, ist eilt ernsthafter, aber nicht 
unhöflicher Verweis zu geben. Wird der Frevler renitent, so 
wird seine Persönlichkeit zur polizeilichen Bestrafung festgestellt. 
Dem Gärtner, welcher den Feuerlöschhydranten etwa zu „Spreng- 
übungen" benutzt, ist das Monopol der Feuerwehr auf dieses 
nützlichste aller Hilfsmittel energisch klar zu machen. Es muß 
ferner entschieden darauf gehalten werden, daß in den Werkstätten 
gute Ordnung herrscht, und daß bei Feierabend alles leicht ent 
zündbare Material, wie Hobelspäne :c., säuberlich bei Seite ge 
schafft wird. Man muß dem Feuer die Nahrung entziehen! Nach 
diesem Grundsatz verfährt die Patrouille. Endlich ist darauf zu 
achten, daß auf den Znfahrtwegen zu den Gebäuden nicht Wagen, 
Gerüthe re. stehen bleiben, welche dem Anrücken der Feuerwehr 
hinderlich sind. 
Der Berliner Feuerwehr ist gegenwärtig der gesammte inner 
halb der Ausstellungs-Einfriedigung belegene Theil des Treptower- 
Parks einschließlich Kairo, jedoch ausschließlich des östlich der 
Parkallee gelegenen Theiles übertragen. Dieses letztere Gebiet 
ist der Treptower freiwilligen Feuerwehr vorbehalten. Der Um 
fang des Gebietes, dessen Schutz das Berliner Commando zu be 
sorgen hat, ist außerordentlich groß. Von einigen Stellen des 
ausgedehnten Terrains sind bereits mit dem Wachtgebäude tele 
phonische Verbindungen für die Feuermeldungen geschaffen. Die 
Zahl derselben kann jedoch unseres Dafürhaltens getrost immer 
noch vermehrt werden, da gerade in der gegenwärtigen Uebergangs- 
periode, wo so gut wie keine Verkehrsmittel innerhalb des Riesen- 
Terrains vorhanden sind, die Fenermeldung viel Zeit braucht, 
bevor sie an die richtige Adresse, das Wachteommando, gelangt.
	        
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