Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

©ffmcUc AnssteUlmgs-Nachrichten.
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U'Ctt in die Halle hineinleuchtet. Das Bild befindet sich in einem
Rahmen von prächtiger Farbe und wundervollem Ornament, über
das die Strahlen in die freie Flüche hinausragen. Zu beiden
Seiten der „Frau Sonne" sind stolze, mit Laub umwundene
Candelaber gemalt, deren Füße durch geflügelte Adler gebildet
werden. Die kühn vorspringenden Capitale tragen niedliche Putten,
mit der Bekränznng der Sonne beschäftigt.
Außer den großen Hauptfronten haben auch die breiten
Glasflächen des Mittelschiffes eine künstliche Betonung erfahren,
indem sie in der Mitte farbige Rundbilder tragen. In diesen
wechseln frei erfundene ornamentale Compositioneu aus dem Pflanzen
reich mit der Darstellung kleiner Genien, die an fliegenden
Bändern schmale Schriftcnschilder tragen. Man bemerkt auf den
selben die Namen der hervorragendsten Erfinder auf dem Gebiete
der hier vertretene» Wissenschaften, wie beispielsweise: Hof mann,
Daguerre, Woehler, Gauß, Helmholtz und Heinrich Rose.
Auf diese Weise ist es gelungen, die große, vortrefflich wirkende
Halle mit einem farbigen Schmuck zu versehen, der der Bedeu
tung des Raumes angemessen ist, ohne den Eintritt des Lichtes
zu beschränken. Die Motive der Glasfenster in der Querhalle
finden dort eine sehr wesentliche Unterstützung durch einen breiten,
von Gathemann u. Kellner ausgeführten Rankenfries, der das
volle saftige Grün der Decoration der Renaissancezeit zur Schau
trügt. In erquickender Breite legen sich in der Höhe der
Kämpfer diese Blattformen auf die große Fläche, ein fesseln
des künstlerisches Motiv in den hohen Raum hineintragend.
Die Ranken sind dicht wie eine Hecke und doch klar von ein
ander gelöst, in stimmungsvoller Art durch phantastisches Baum
und Buschwerk der Höhe zustrebend. An einzelnen Stellen ent
wickelt sich ein reizvolles Stillleben, indem goldschimmernde Vögel
behaglich in der Sonne sich baden. Den Mittelpunkt des präch
tigen Frieses bildet der Berliner Bär, der sehr geschickt in einen
Vicrpaß mit dem Reichsadler hineingesetzt ist. Das Ganze ist
umzogen von einem breiten Laubkranz, den rosige Bänder durch
flechten.
Ans weitere Mittel hat Grisebach hier verzichtet und gewiß
mit Recht der packenden Macht des Raumes vertraut, die Jeden,
der eintritt, erfreuen muß. Zudem füllt sich ja die weite Halle
mit zahllosen Schranken und Wänden, die nach einem einheitlichen
Plane zierlich und gefällig gehalten sind. Dadurch kommen die
Frontwände weniger zur Geltung, weshalb als Abschluß des Pa
neels in den Seitenschiffen nur ein einfaches Blatt-Ornament durch
geführt ist.
Während in diesem 16 Meter hohen Raume, der bei einer
Breite von 34 Metern und einer Länge von rund 120 Metern
eine Flüche von 4000 Quadratmetern bildet, nach der Spree zu
die Photographie ihre Heimstätte findet, folgt nach Westen
hin die Ausstellung für Optik, für elektrische Apparate, wissenschaft
liche Instrumente und für Präcisionsmechanik, die in Berlin sehr
hervorragend vertreten ist. Den Ehrenplatz hat hier die Physikalisch-
Technische Reichsanstalt, deren Betheiligung überall mit großer
Genugthuung erfüllen wird. Das Querschiff und der daran un
mittelbar anstoßende Saal, der immerhin eine ansehnliche Größe hat
sind der Chemischen Industrie, der Einrichtung von Laboratorien
und ähnlichen Zwecken eingeräumt, innerhalb deren eine Sonder
ausstellung von Leichner's Pudern und Verschönerungsmitteln be
sonders die Damen interessiren wird.
Zuletzt betreten wir nun das große Amphitheater, das wäh
rend der ganzen Dauer der Ausstellung als Hörsaal für all
gemein wissenschaftliche Vorträge dienen wird. Bei einem
Durchmesser von mehr als 30 Metern gewährt derselbe auf den
sanft ansteigenden Sitzreihen und den breiten, umlaufenden Galeriecn
Raum für über 1000 Personen, deren tägliche Theilnahme wohl
zu erwarten ist, da die ersten Männer der Wissenschaft, des
Kunstgcwerbes und der Technik bereitwillig sich in den Dienst der
guten Sache gestellt haben. Dieser von hohen Arkaden um
rahmte Hörsaal, dessen decorative Behandlung eine schlichtere sein
wird, ist ein Treffer in dem Grundplau des ganzen Gebäudes,
ein wesentliches Moment seiner großen, imposanten Erscheinung.
Er befriedigt aber zugleich ein höheres, ein ideales Bedürfniß,
das der cnlturellen Aufgabe einer solchen Ausstellung von selbst
entspringt. Hier erhält man in zusammengefaßter Form die Er
klärung des vielen Sehenswertheu und Wunderbaren, das die ver
schiedenen Zweige der Wissenschaft und des Gewerbes dem er
staunten Auge vorführen. P. Walle.
Chicago und Kerlin.
^Abdruck »ntersagt.t
Nichts ist ungerechter, als Vergleiche zu ziehen, und doch ist
nichts natürlicher als das. An der Hand der Erfahrung wird
der Vielgewanderte Land und Leute beobachten, und überall, wo
ihm etwas Neues oder Eigenartiges aufstößt, wird er versuchen,
das eben aufgenommene Bild mit einem ihm bekannten, früher
empfangenen zu vergleichen. Hierbei wird er leicht in Versuchung
gerathen, je nach Stimmung und Laune das eine über Verdienst
zu loben und das andere über Gebühr zu tadeln. Diese Ge
danken bestürmten mich, als ich vor einigen Tagen unter trefflicher
Führung das Terrain der Berliner Gewerbe-Ausstellung durch
wanderte und das Geschaute mit der Ehieagoer Welt-Ausstellung
verglich, welche ich auch entstehe», wachsen und vorüberziehen sah. Vor
allen Dingen muß ich gestehen, daß ich als ein „Ungläubiger"
gekommen war, als ein Skeptiker, der dem Lobgesange über die
Berliner Ausstellung nur immer mit sauersüßem Lächeln zugeschaut
halte. Ich sagte mir, daß es geradezu verwegen sein würde,
überhaupt einen Vergleich mit Chicago zu ziehen, und daß
ich im besten Falle eine Anlage vorfinden würde, die
wohl über den Rahmen einer Provinzial - Ausstellung heraus
gehen, keineswegs aber an eine Welt - Ausstellung nur im
Entferntesten heranreichen würde! Und nun gar an die Ehieagoer,
die alle bisherigen an Schönheit, Vornehmheit und Reichhaltigkeit
übertroffen hatte und niemals selbst übcrtroffen werden könnte.
Als ich aber durch das Thor im Treptower Park geschritten
war und das Ausstellungsbild sich immer größer, mannichfaltigcr und
imposanter vor mir aufrollte, da fühlte ich, wie meine Vorein
genommenheit immer mehr und mehr schwand und wie mein
Staunen vor dem schon Geleisteten sich ganz allmählich in Be
wunderung verwandelte. Ja, ich mußte mir am Schlüsse, nach
dem ich von der Wanderung durch dieses ausgedehnte und herr
liche Terrain heimgekehrt, ganz offenherzig eingestehen, daß nebe»
Chicago noch eine andere Ausstellung möglich ist, welche die
Welt durch ihre Schönheit und ihren Reiz bezaubern wird.
Der Ruhm der Ehieagoer Ausstellung wird trotzdem unge
schmälert bleiben. Immer wird sie im Gedächtnisse aller derer,
welche sic zu sehen das Glück hatten, als das Imposanteste und
Erhabenste fortleben, das menschliche Hand aus einem Nichts
hervorzuzaubern verstand. Diese Fülle herrlicher Gebäude, welche,
durch ihre gewaltigen Dimensionen und ihre klassisch reinen Formen,
ihren reichen bildnerischen Schmuck und das leuchtende Weiß ihrer
Farbe Traumbilder aus Alt-Rom oder Hellas lebendig werden
ließen! Diese wundervollen architektonischen Fernblicke über mo
numentale Brücken, Kuppeln und Thürme hinweg, an Säulen
reihen vorbei, über Lagunen und Kanüle bis zum glitzernden
Spiegel des blauen Michigansees! Wahrlich, diese „weißeStadt",
welche die Ehieagoer für wenige Monate an ihrem Seeufer empor
steigen ließen, glich einem Märchenbilde aus Tausend und einer Nacht,
und ihrem wunderbaren eigenen Reize konnte sich Niemand entziehen.
Diesen überwältigenden Eindruck wird die Berliner Aus
stellung ans ihre Besucher kaum hervorzubringen im Stande
sein. Aber sie wird sie doch ganz gefangen nehmen. Ihr
Terrain ist nicht weniger ausgedehnt und von der Natur außer
ordentlich begünstigt. Vom herrlichsten Parke eingeschlossen,
erheben sich die Gebäude in ihrer charakteristischen Schön
heit. Nicht durch gewaltige Dimensionen nehmen sie de»
Beschauer gefangen, sondern durch die liebevolle, bis in's
kleinste Detail hinein künstlerisch vollendete Art ihres Ausschmnckes
und Ausbaues. Die Harmonie der Töne und des bildnerischen
Bauwerks ist zur Richtschnur erhoben worden, und jedes Häuschen
und jedes Gebäude wird man aus nächster Nähe mit Freude be
trachte» können, ja je genauer man sie auf ihre Einzelheiten
prüft, um so mehr wird diese Freude auflebe». Und das erstreckt
sich nicht nur auf die eigentlichen Ausstellungsbauten selbst, sondern
auch auf alle Gebäude und Anlagen der Sonderausstelluugen,
vornehmlich auf das herrlich wirkmde „Alt-Berlin" und das gerade
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