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Periodical volume Nr. 78, 4. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
den Adepten des Gartenbaues, die liier überall in der Aus 
stellung- zusammengearbeitet haben. Floras Segen ist wie 
lev linde Thau und besänftigt die Seele. B. 
Pulsometer-Anlagen. 
[Abdruck untersagt.] 
Zu den Hauptanziehungspunkten des Ausstellungsparks 
gehören unzweifelhaft die Springbrunnen- und Cascaden vor 
dem Hauptgebäude und in der Umgebung des Neuen Sees. 
Bei andauerndem Betriebe verbrauchen sie eine kolossale 
Menge Wasser, zu dessen Heranschaffung natürlich auch 
grossartige Anlagen geschaffen werden mussten. Als das 
einfachste und beste Mittel hat man zu den Pulsometern ge 
griffen, welche in den verschiedensten Theilen des Parkes und 
der Ausstellung ihren Platz gefunden haben, und von hier aus 
zur Speisung der Wasserkünste dienen. 
Bevor ich auf den Platz und die Verwendung der ein 
zelnen Anlagen näher zu sprechen komme, sei es gestattet, mit 
einigen vVbrten die Wirkungsweise und Geschichte des Pul 
semeters zu beleuchten. Der Apparat wurde im Jahre 1872 
von C. H. Hall erfunden, ist also eine Maschine aus der 
neueren Zeit. Er wurde sodann von Eichler sowie Neuhaus 
verbessert, welche beiden Constructeure sich heute noch 
hauptsächlich mit dem Pulsometerbau beschäftigen. Die 
Bauart des Pulsometers ist ähnlich der des menschlichen Her 
zens. ebenso wie die Wirkung mit der Blutcirculation zu ver 
gleichen ist. An den ausgestellten Durchschnittsmodellen 
der noch zu bemerkenden Firmen kann man alle Einzel 
heiten der Construetion genau erkennen. In seinen Grund- 
zügen besteht der Pulsometer aus zwei sackartigen Hälften. 
Durch, ein oben sichtbares Rohr tritt der Dampf ein, er passirt 
eine Pendelzunge, welche ihm nur den Durchgang in eine 
Kammer freigiebt. Hat der Dampf den Raum der einen 
Hälfte ausgefüllt, so verdichtet er sich durch die Einwirkung 
der kühlen Wandungen oder des vorhandenen Wassers. Da 
durch entsteht ein. Vaciium (Luftleere), welches die Pendel 
zunge oben schliesst und keinen Dampf weiter eintreten lässt. 
Gleichzeitig wird das unten sichtbare Gummiklappen-Ventil 
geöffnet und Wasser durch das Saugerohr in die Kammer ein 
gesaugt. Sobald die obere Pendelzunge durch das Vacuum 
angezogen worden ist. und die erste Kammer geschlossen hat, 
giebt sie den Zugang zu der zweiten Kammer frei. Der 
Dampf tritt in letztere eil» und übt liier dieselbe Wirkung 
wie in der ersten Kammer. Nun ist aber durch das Voll 
saugen der ersten Pulsometerhälfte hier das Vacuum aufge 
hoben, während es in der zweiten entstanden ist. In Folge 
dessen wird die Pendelzunge wieder ihren Platz wechseln und 
dem gespannten Dampfe den Weg in die erste Kammer frei 
geben. Jetzt presst der Dampf vermöge seiner Druckkraft 
das eingesaugte Wasser durch ein zweites, unten befindliches 
Gummiklappen-Ventil, nachdem sich das erste Ventil ge 
schlossen hat, in eine Sammelkammer und von dort aus durch 
ein Druckrohr an seinen Verwendungsort. Das aus der 
zweiten Kammer auf dieselbe Weise herausgedrückte Wasser 
gelangt in dieselbe Sammelkammer und das gleiche Druck- 
rohr. 
Wie schon vorher angeführt, beschäftigen sich mit dem 
Bau der Pulsometer vornehmlich die Fabriken von M. Neu 
haus u. Co., sowie von C. Henry Hall Naclif. Carl Eichler, 
welche beide auf der Berliner Gewerbe - Ausstellung ver 
treten sind. Neuhaus hat namentlich die Versorgung der 
Fontaine lumineuse, sowie der Cascaden vor der Wandel 
halle und dem Cafe Bauer übernommen. In dem nörd 
lichen, neben dem Kuppelraum befindlichen Thurm sind die 
erforderlichen Anlagen untergebracht. Rechts steht ein 
Modell, welches an der Vorder- und Hinterseite mit Glas 
wänden versehen ist, so dass man heim Betriebe des Apparats 
die Functionen genau beobachten kann. Auf der linken 
Seite sehen wir die eigentlichen Pulsometer, unter denen der 
grösste Nr. 13 sofort in s Auge fällt. Der Gegendruck be 
trägt vier Atmosphären, unter welchem für die grosse Fon 
taine direct stündlich, 180 chm Wasser geschafft werden. 
Daneben steht ein den Dimensionen nach kleinerer Apparat, 
welcher pro Stunde 120 cbm Wasser in ein 40 m hoch im 
Thurm belegenes Bassin befördert. Darauf folgen zwei 
kleinere Pulsometer, einer zu ebener Erde, der 120 cbm 
auf 20 m Höhe drückt, wo sich an dem Druckrohr ein zweiter 
gleicher Pulsometer befindet, der die Wassermasse aufnimmt 
und in das Reservoir weiter drückt. Den Schluss dieser 
Gruppe bildet eine gleiche Anordnung, hei welcher drei Ap 
parate in Abständen von 13 m übereinander angebracht sind j; 
und die 60 cbm pro Stunde bewältigen. Ein weiterer Pulso 
meter Nr. 3 dient zum Betriebe des Springbrunnens, welcher 
sich in der Rotunde vor der grossen Kuppelhalle befindet 
und leistet 25 chm stündlich. Auser verschiedenen Injec- 
toren, kleinen Dampfstrahl-Pumpen und Armaturstücken 
führt uns die Firma in einem sehr schön klar ausgeführten 
Bilde die Arbeitsweise der Pulsometer vor Augen. Neuhaus 
hat dann noch in der elektrischen Centralstation des Ver- / 
gnügungsparkes einen aus Bronze gegossenen Pulsometer, 
welcher 20 chm Wasser stündlich 10 m hoch befördert, 
ebenso steht ein Apparat an der Wasserrutschbahn mit einer 
Leistung von 75 chm bei 10 m Hochtrieb. Der kleinste im 
Betriebe befindliche ist im Pavillon des Vereins Berliner 
Milchpächter in der Nähe des Riesenfernrohres mit einer 
Leistung von stündlich 4 cbm im Gebrauch. Neuhaus baut 
die Pulsometer nebst Kesselanlage auch auf Wagen-Unter 
gestell, sodass dieselben zur Ent- und Bewässerung nament 
lich in landwirtschaftlichen oder ähnlichen Betrieben, bei 
Tiefbauten u. s. w., sowie als Feuerspritze benutzt werden 
können. 
Die zweite hervorragende Firma auf diesem Gebiete hat 
ebenfalls ihre Fabrikate über das ganze Ausstellungsgelände 
vertheilt. Hinter der Maschinenhalle unter dem Zeltdach 
des Lichthofes findet sich ein Pulsometer von ansehnlicher 
Grösse und ein Durchschnitt-Modell, welches den inneren 
Bau erkennen lässt und so ein Gegenstück zu der erwähnten 
Neuhaus’sehen Zeichnung bildet. Ein kleiner Pavillon links 
vom Uebergang über die elektrische Rundbabn vom Haupt- 
Eingang nach dem Hauptgebäude enthält einen kolossalen 
Pulsometer, welcher durch eine 300 ui lange Rohrleitung 
5000 1 Wasser ansaugt und sodann nach den beiden an den 
Enden der vor dem Hauptgebäude befindlichen ca. 250 ru 
entfernten Wasserfällen drückt. In der Kolonial - Aus 
stellung stehen zwei Pulsometer zur Speisung eines Spring- ’ 
brunriens im Betriebe, während im Vergnügüngsparke hei 
dem Fesselballon ein fahrbarer Dampfkessel mit Pulsometer 
aufgestellt ist. Der Hauptpavillon der Firma befindet sieb 
jedoch zwischen dem Hauptrestaurant und der Gartenhau- 
Ausstellung. Hier befindet sich in der Mitte ein grosser Pul 
someter, welcher die Cascaden am rechten und linken Ufer 
des Neuen Sees mit 5000 1 pro Minute speist. Neben zwei 
grösseren Pulsometern in Verbindung mit Wasserkrahn, 
wie solche bei den Staats-Eisenbahnen und Nebenbahnen zu 
verwenden, sind, wird ein Pulsometer zum Speisen einer 
Cascade im Thurm des Pavillons im Betriebe gezeigt. 
Ausserdem sehen wir hier noch zehn Pulsometer verschie 
dener Grössen, sowie ein theilbares Modell. Vor dem Pa 
villon befindet sich ein Grundwasserschacht, in welchem 
ebenfalls ein Pulsometer arbeitet. Die Umfassung des 
Schachtes wird von eigenartig zusammengesetzten Spund 
wänden gebildet. Sie bestehen aus rechteckigen eisernen 
Röhren, welche an den Seiten hakenartig ineinander greifen 
und so einen vollkommen sicheren, wasserdichten Verschluss 4 
bilden. Ferner interessirt noch besonders das Modell eines 
eisernen Röhrenschachtes. Runde eiserne Röhren, welche 
durch flanschenartige Seitenfortsätze miteinander dicht ver 
schraubt werden können, werden dort, wo der Schacht ange 
legt werden soll, als wasserdichte Umfassungswand durch, den 
Schwemmsand nach unten durchgedrückt bis auf die tieferen 
wasserdichten Schichten. Sodann wird der zwischen dieser 
Spundwand befindliche Sand (das sogenannte innere Gebirge) 
herausbefördert. In unserem Modell sind die durchstochenen 
Schichten an der Seite durch verschiedene- Färbung erkenn 
bar. Der Schacht ist in mehrere Etagen getheilt. In der
	        
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