Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

MfficieUe Ausllrllungs -Nachrichten.
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P. Gericke, H. Harder, H. Wittke, M. Pöpplvw und C. Keller,
ferner auch die Bildnisse von Holbein und Albrecht Dürer. An
den Ecken und Wänden sind die Embleme der Schlosser, Litho
graphen, Tischler, Zimmerer, Maler, Gürtler, Uhrmacher, Elektro
techniker, Goldarbeiter und Bildhauer, sowie zwischen den Fenstern
das Wappen der Stadt Berlin in mehrfacher Wiederholung an
gebracht.
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M-y. Ein hübsches Frühlingsbild bot am Mittwoch
Mittag der Platz vor der sogenannten Victoria-Eantinc. Das
herrliche, warme Wetter lockte alle Gäste iu'S Freie. Meister
Rummelspachcr mit seinem Stabe machte sogleich Anstalt, im
Freien zu speisen, eine Anzahl Architekten, Bauführer k. folgten
seinem Beispiel, Monteure, Schlosser, Arbeiter und Ausstelluugs-
bununler nahmen ebenfalls Platz, schließlich auch Damen. Es war
ein ganz eigenartiger Anblick, der einen anwesenden Photographen
veranlaßte, eine Moment-Aufnahme zu machen. Als das bemerkt
ivurde, gruppirte man sich, machte sich so steif und unnatürlich
wie möglich, so daß der Künstler erklärte, so etwas Gemachtes
könne er nicht gebrauchen. Tie Leute beruhigten sich erst, als
erklärt ivurde, es sei doch eine Aufnahme gemacht, die in den
nächsten Tagen ausgehängt werden solle. Nun lösten sich die
steifen Gruppen, Alles eilte wieder an die Tische und beschäftigte
sich mit dem Mittagessen, worauf ohne Wissen der Anwesenden
blitzschnell eine neue Aufnahme erfolgte.
M-y. Am Th eatcr Alt-Berlin wird soeben eine Lau-,
dungsbrücke für die Motorboote im Karpfenteich errichtet. Am
gegenüberliegenden Ufer dieses schöngebuchteten Teiches wird das
Innere der Araber-Tembe ausgebaut. Dieser Theil des Ufers ver
spricht sehr anziehend zu werden.
M-y. Im „nassen Viereck" vor dem Alpenpanorama er
hebt sich ein kräftig gegliederter, massiver Bau mit kühlen, schattigen
Bogengängen und hohem Mittelgebäude, welches ein keckes Eck-
thürmcheu ziert; hier wird goldhelles Pilsener zum Ausschank
kommen. Tie vier fast gleichartigen Pavillons Aschinger mit je
vier offenen Eckthürmchen sind zienilich fertig, Siechen's Bierhaus
mit der leichten, luftigen Holzgalerie, der Habel'sche Brauerei-
Ausschank und das eigenartige Cafö Watzeck mit seinen elliptischen
Bogenhallen, deren Bedachung in lebhaftem hellen Grün gehalten
ist, werden mit allerhand zierlichem Beiwerk versehen. Die Bodega,
eine hohe Halle mit kühn geschwungenem Dach, und das Ricscu-
zelt von Adlon sind noch im Bau begriffen. In dieser Gegend
haben auch die vereinigten Großdestillateure Berlins eine geräumige
Kosthalle errichtet.
Das Gebäude für Chemie.
^Abdruck untersagt.;
Betritt man von Berlin her beit Ausstellungspark durch
das monumentale Hauptportal, so hat man gleich zur Linken, in
gleicher Höhe etwa mit der großen Jndustriehalle, das Chemie-
gebäude. Hans Grisebach, der Architekt dieses Werkes, war
hier vor die Ausgabe gestellt, mehrere der allerwichtigsten Gruppen
gemeinsam unterzubringen und dabei die Theilung doch so zu
wühlen, daß die Uebersichtlichkeit darunter nicht leiden durfte.
Neben der Chemie traten die Optik und Photographie hinzu,
deren Hilfsinstrumente ebenso, wie die wissenschaftlichen Vorgänge
bei ihren meisten Erzeugnissen eine sachkundige Erörterung dem
Besucher wünschenswerth machen. So entschloß man sich, für die
Aufklärung weiterer Kreise durch populäre Vortrüge zu sorgen,
für die ein besonderes Auditorium zu schaffe» war.
Es ergab sich von selbst eine Herausbildung des Gebäudes,
das in der Grundform sowohl wie im Aufbau einer mächtigen
Basilika ähnelt. Wir haben als Haupttheil ein dreischiffiges
Langhaus, an dessen breitem Querflügel nach Westen hin eine
halbrunde Apsis zur Aufnahme des Hörsaals sich anschließt. In
den Ecken sind zwei stattliche Wcstthürme eingefügt, die dem
Aeußeren eine gewisse Weiße geben, vbschvn sic den kirchlichen
Charakter glücklich vermeiden.
Bon der breiten Hauptallce des Parkes aus erblickt man
zunächst das vorgebaute Amphitheater, dessen untere Fenster
von glatten Profilen umzogen sind. In doppelter Menschenhöhe
zieht sich ein kräftiger Fries von Figuren und Blattwerk wie ein
Schmuckband um das ganze Halbrund, und auf ihm erst liegen
die hohen, gewölbten Bogenöfsnungen auf, die wie ein lichter Kranz
das ganze Auditorium umziehen. In dem Friese wechseln Pflanzen
motive mannichfacher Art, die wie spielend auf die Fläche hinge
worfen und dabei frei stilisirt sind. Zwischen den Blüthen und
Ranken schreiten allerlei Putten einher, eine edle Heiterkeit über
die Hallen der Wissenschaft breitend. Leichtgeschwungen fügen sich
die Linien der Verdachung eine der andern an, auf den Spitzen
mit geschmückten Knäufen und allerlei zierenden: Blattwerk.
Tie Thürme steigen würdevoll in die Höhe empor, unten glatt
und geschlossen, oben aber mit Galeriecn versehen, die eine offene
Laube bilden. Ter fremde Charakter, der dadurch diesem Aussichts
punkt verliehen ist, wird noch durch eine Unzahl phantastischer
Wasserspeier gehoben, die ihre weitgeöffncten Mäuler hoch über
die Tücher hinausrecken. Als Bekrönung wirken die flott erfun
denen, leichten Laternen, die weit in das Land hineinlugen.
Auch die Langseiten des Gebäudes haben durch hübsche Laub
friese und schmale, ornamentirte Bänder einen einfachen Schmuck
erhalten, während als reicher betonte Punkte nur die zierlich ver
dachten Portale mit figürlichen Kragsteinen und schlanken Doppel
säulen sich zur Geltung bringen. — An der Spreeseite öffnen sich
drei gewaltige Bogen, die zur Aufnahme der herbeiströmenden
Besucher dienen und mit reizvoll geschnitzten, breiten Flügeln ver
sehen sind.
Das Innere der Halle ist außerordentlich lichtvoll, indem
die durch Fenster durchbrochene Wand des Mittelschiffs auf breiten,
elliptischen Bogen ruht, die von toskanischen Säulen getragen
werden. Auch in den niedrigeren Seitenschiffen ist die Fläche der
Schildbögen fast völlig in Lichtöffnungen aufgelöst, so daß von
allen Seiten her die Sonne frei in den hohen Raum hineintritt.
Im Grundtvn ist diese riesige Basilika hell gehalten; das
leicht gebogene durchgehende Gewölbe des Hauptschiffs, das nur
durch flache Gurte in den einzelnen Jochen getheilt ist, bleibt ohne
Farbe; nur die Wandflächen erhalten einen lichten, gelblichen Ton,
der in den Seitenhallen in einem saftigen Grün der Paneel-
flüchen Würmer ausklingt.
Tritt somit eine natürliche Steigerung der Farbenwirkung von
oben nach unten ein, in welche der Marmorton der Säulen geschickt
sich einfügt, so ist andererseits doch die decorative Sculptur in
größerem Umfange herangeholt worden, um den einzelnen Gliedern
ein .gefälligeres Ansehen zu geben.
Die Gurte des großen Hallen-Gewölbes finden ihre Fort
setzung in reicher ausgebildeten Wandkonsolen, die unter dem
ornamentirten Abacus einen fein geriefelten Hals und als Abschluß
Knäufe aus Blattwerk ausweisen. Voller aber tritt die plastische
Umrahmung hervor, die wie ein Schmuckbaud die weit gespannten
Arkaden des Mittelschiffs einschließt. Blumen, Blattwerk und
Voluten legen sich cffectvoll in den geschwungenen Rahmen und
verbinden sich dort, wo sie nicht in cartouchenartige Wappenschildc
auslaufen, in ein äußerst anmuthigcs Rankenwerk.
Die Schmalseiten des Langschiffs und des Qucrflügels geben
einen weiteren Farbeneffect durch die Malereien der großen Front-
fenster, die an der von dem vollen Morgenlichte beschienenen Ost
seite eine allegorische Darstellung der PH vtographie bieten. Eine
reichgekleidctc Dame ist dort mit einer Camera abgebildet, und ihr zur
Seite tragen Knaben in mittelalterlicher Tracht mitBändcrn geschmückte
Blumengewinde herbei. Auf den Schriftbündern leuchten uns die
Zahlen 1846 und 1896 in verschnörkelten Linien entgegen. An der
Nordseite und im Süden sind größere Darstellungen gewählt
worden, die im Charakter der deutschen Renaissance sehr glücklich
erfunden sind. So giebt eine derselben das Bild der „Frau
Sonne" als das einer vornehmen Frau in Dürer'scher Stilisirung,
mit den prächtigsten Gewändern angethan. In der Rechten trügt
sie wie einen Fächer die vielstrahlige Sonne, deren goldener Schein
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