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Volume Nr. 8, 21. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Ofstcieilc Ausstellungs Nachrichten. 5 
historische Trachten und ini Obergeschoß das sogenannte „-Damen 
heim" aufnehmen wird, durch seine Größe hervorragt. Hoppeu- 
ivorth stellt einen Pavillon im Mittelgang auf, der die Form einer 
Kaiserkrone hat. 
In der Kuppel des Vorderbaues beginnt man mit deni Ab 
rüsten. Zur Rechten und Linken der Kuppel, in den Seitenhallen, 
welche für Aufnahme der Möbel-Industrie bestimmt sind, zeigt die 
südliche Seite einen großen Fortschritt, ans dieser beginnt man bereits 
liiil dem Aufstellen der Zwischenwände zwischen den einzelnen Kojen; 
ans der Nordseite werden erst die Wände mit Brettern benagelt und 
ist der Fußboden noch nicht vollständig cementirt. Einen groß 
artigen Anblick bereitet schon jetzt der Riesenpavillon im nördlichen 
Traet, der zur Aufnahme der Lotteriegewinne und der vom Kaiser 
gestifteten Sportpreise bestimmt ist. Dieser Pavillon ivird glänzend 
decorirt; um ihn herum liegen ganze Hansen von Körpertheilen 
von Männern, Weibern und Kindern, natürlich ans Gips, Theile 
von Adlern, Greifen, Frucht- und Blnmenstücken. Tie Stuckateure 
sind in Menge hier bei der Arbeit. Im südlichen Tract wird der 
Mittelbau, welcher speciell für die Königliche Porzellan Manufactnr 
bestimmt ist, soeben umgrenzt. 
Wie bereits erwähnt, verändert sich das Bild, welches mir hier 
in flüchtigen, skizzenhaften Zügen entworfen haben, schon nach 
Stunden. Wenn diese Zeilen vor die Augen dev Lesers kommen, 
sind sämmtliche Arbeiten um ein gewaltiges Stiick iveiter fort 
geschritten. Wir wollten nur in dieser Schilderung eine Probe 
davon geben, wie sich jetzt mit Riesenschritten die Fertigstellung der 
Ausstellung vollzieht. Ein Bild regen Lebens und Treibens bietet 
die Ausstellung in all' ihren Theilen. In den Gebäuden und im 
Freien, überall wird gehämmert, gesägt, genagelt, gegrüben, ge 
karrt und aufgestellt, und dabei scheint die Sonne so warm, als be 
fänden wir uns im Mai und nicht in der Mitte des März — sechs 
Wochen vor Eröffnung der Ausstellung! 
Am vergangenen Montag »ahmen die 43 Vcrlagsfirmcn 
der Gruppe VÜI (Abtheilung: Buchgewerbe und Buch- 
verlag) die Wahl des auf sie entfallenden Preisrichters vor. 
Die Wahl fiel einstimmig auf Herrn Verlagsbuchhündlcr Hermann 
Hcyfelder, Berlin, Schöncbcrgerstr. 20. 
Die im Interesse der Ausstellung geschaffenen Verkehrs- 
Verbesserungen werden den Berlinern schon vvr der Eröffnung 
der Ausstellung zu Gute kommen. Tie Große Berliner Pferdc- 
eisenbahn-Gcsellschaft wird wegen der Gewerbe-Ausstellung den 
Svmmcrfahrplan bereits vom 15. April gelten und mit diesem 
Tage Preisermäßigungen auf verschiedenen Linien eintreten lassen. 
Gleichzeitig wird, den Bedürfnissen entsprechend, bei den Pferdebahn- 
ivic bei den Omnibus-Gesellschaften eine bedeutende Erweiterung 
des Tagesdienstes ans sämmtlichen Linien stattfinden, der sich auf 
den Hauptverkchrsstrecken bis früh drei Uhr ausdehnen soll. 
Dr. A. In einer am vergangenen Montag abgehaltenen 
Besprechung von Aussteller» der Gruppe XX, Binnen 
fischerei, war Herr Architekt Hoffacker behufs vertraulicher Ver 
handlung über einige Lokalitäts-Erfordernisse erschienen. — Die 
Erweiterung der Ausstellungs-Räumlichkeiten, welche für die 
deutsche Binnenfischerei in dem großen Fischercigebäude am Spree- 
ufer bestimmt sind, bildete das Thema der Verhandlungen. Ur 
sprünglich war der rechte Seitenflügel des Gebäudes der See- 
nnd Binnenfischerei gemeinsam zugedacht; später zeigte cs sich, 
daß die Hochseefischerei für sich allein den ganzen Raum bean 
spruchte, und es mußte die Mittelhalle mit dem Bassin und dem 
dieses umschließenden, als Wandelhalle gedachten Sänlengang der 
Ausstellung der Binnenfischerei gewidmet werden. Nun ist in der 
letzten Zeit auch die Ausstellung des „Märkischen Museums" 
hierher verlegt worden und beansprucht von den 110 Quadrat 
metern, welche der Binnenfischerei (— nebst dein Raum für die 
Agnaricn —) bleiben, 14 Quadratmeter und für vorläufige Auf 
bewahrung der Objecte die verschließbare Räucherkammer. 
Folgende Maßregeln wurden zur Beseitigung der Schwierig 
keiten beschlossen: Mit der Ausstellung der gesamintcn Wild- und 
Zierfischc ist erst int Juni zu beginnen, während für den Monat 
Mai sämmtliche Aquarien den Züchtern zur Verfügung gestellt 
werden. Dein Märkischen Museum ivcrdcn die nöthigen Räumlich 
keiten gewährt, wogegen Herr Enslos Buchholtz sich verpflichtet, 
mit 25. April die Aufstellung zu beendigen: ein kleines, ehemals 
anderen Zwecken gewidmetes Gemach, in der Ecke belegen, ivird 
zwischen Sport und Binnenfischerei getheilt. Außerdem sollen 
womöglich int Freien Zcltbedachnngen beschafft und die Wandel 
halle von beiden Seiten überglast werden. 
Sodann wurde über die Verwerthung des großen Bassins 
debattirt: falls es durch ,,Fischfeinde", Seehunde itnd Fischottern, 
belebt ivird, sind zwei kleine Inseln anzulegen und die Ufer durch 
Drahtnetze zu schützen; ein kleiner Wasserfall ist bereits vor 
gesehen, das Wasser, welches die Aquarien durchstießt, rinnt mit 
sanftem Gefälle in's Bassi». 
In der für Sonnabend 5 Uhr Abends angesetzten nächsten 
Sitzung hofft man, mit Hilfe genauerer Pläne und der Vor 
arbeiten des vielerfahrenen Vorstandsmitgliedes Herrn Ebrecht 
eine dctaillirte Verfügung über die Einthcilnng der Ansstcllnngs- 
rüume treffen zu können. 
M-y. Ein Zeitraum von einigen Wochen genügte, um das 
Verkehrsbild auf den zur Gewerbe-Ausstellung führendeu Straßen 
vollständig zu verändern. Die Mörtelwagen niacheit sich jetzt viel 
weniger bemerkbar, auch werden weniger Gipsmehl, Ziegeln, Bau 
holz, Latten, Gerüste, Schablonen und Profile angefahren, dafür 
kommen jetzt mehr Wagen mit Farben, Glasfenstern, Gegenständen 
ans Holz, Zinkblech, Schmiedeeisen, meist zur Verzierung von 
Thürmen, Giebelit, Firsten, Litfaßsäulen, kunstvolles eiserites Gitter- 
werk, Holzgalerieen, Geländer, Säulen, Ornamenten ec., auch Möbel 
wagen mit Einrichtungen für Gebäude und Abtheile, mit Tischen, 
Schränken, Postamenten, Theilen von Pavillons ans Schnitzwerk, 
Kuppeln aus Draht, Flechtwerk, Zink und Nickelblech für kleinere 
Verkaufsstände, Balustraden und Decorationsgegenständeu. Fm 
Ansstellungsterrain ivird es freundlicher und farbiger, immer mehr 
Gebäude, Kuppeln, Thürme, Ecken, Balcous ec. tverden freigelegt, 
immer neue Architekturbilder entstehen über Nacht. In den Gebäude» 
verschwinden niehr und mehr die Gerüste, die bis jetzt so nianche 
geniale, originelle und kühne Dachconstruction verborgen haben, 
die Putzer machen Malern, Lackirern, Anstreichern, Tischlern und 
Glasern Platz. Vor den Portalen hält mehr leichtes Fichriverk, 
mit dem Grnppenvorstände, Aussteller und Besucher konimeu und 
abfahren. 
M-y. Das Gestänge für die Stromführnng der elek 
trischen Ausstcllungsbahn ist zum Theil schon aufgestellt, 
zum Theil lagert es au Ort und Stelle, um es aufrichten zu 
können. An verschiedenen Hauptwegen find nette Kioske für den 
Verkauf vou Photographieen, Katalogen, Führern, Loosen, Me- 
daillc» und illustrirtcn Postkarten ausgestellt, auch sind da eiserne 
Brunnen angefahren, die der Anfstellnng harren. Gegenüber dein 
Chemie-Gebäude ist eine Erholnngshallc für weibliche Angestellte 
der Ausstellung errichtet. — Tic Sanitätswachc dürfte in den 
nächsten Tagen ebenfalls geräumt werden und das gegenüber 
liegende schön deeorirte Holzgebüudc des Vereins znm rothen 
Kreuz beziehen. 
Tic Berliner Packctfahrt-Gesellschaft eröffnet den auf 
dem Ausstcllungsplatz errichteten Pavillon am 23. März und 
nintmt den Betrieb nach und von dem Ausstcllungsplatz Treptow 
auf. Es können demnach Pallete, Güter, offene Briefe, Karten, 
Drucksachen und Geldanweisungen bei allen Zweiganstaltcn und 
Annahmestellen der Gesellschaft zur Beförderung ausgegeben werden. 
V 
M-y. Die nördliche Querhalle des Gebäudes der Stadl 
Berlin erhält soeben im Inneren künstlerischen Schmuck durch 
Glas- und Wandmalerei. In den Fenstern sind dargestellt: die 
Vereinigung von Kunst und Handwerk, die Berolina mit der 
Architektur und der Textil-Jndnstrie; ein drittes Bild wicdernni 
zeigt die Berolina, der Germania Erzeugnisse des Berliner Knnst- 
gewerbes darbringend. In den Fenstern befinden sich die Namen 
der an der Ausschmückung betheiligten Kunstschülcr: P. Gollee,
	        
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