Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gfstrirlle Airsstellnngs Nachrichten.
4
Art, von Wechselstempelzeichen und Versichcrungsmarken, sowie
von Formularen zu Postkarten, Postanweisungen, Postpacketadressen,
Postaufträgen und Telegramm-Anfgabeformularen; 4. auf die
Besorgung der Bestellung der nach dem Ausstellungsplatze ge
richteten Briefsendungen, Postanweisungen nebst Geldbeträgen und
Telegramme; 5. auf die Bedienung der öffentlichen Fernsprechstelle.
Viel rascher, als wir es gedacht, ist fiir die Behauptung in
unserem Leitartikel der vorigen Stummer, „daß in Berlin unter
keinen Umständen eine Vertheuernng der nothwendigen Lebens
bedürfnisse eintreten würde", ein öffentlicher Beweis erbracht worden.
Am Sonntag brachten die Berliner Tageszeitungen die Meldmig:
„Die hiefigen Bäcker und Schlächter beabsichtigen, mit Rücksicht auf
die bevorstehende Eröffnung der Gewerbe-Ausstellung ihre Waare um zehn
Procent zu erhöhen. In Folge dessen wird das Curatorium des Friedrich-
Wilhelm-Hospitals Abschlüsse zur Deckung der erforderlichen diesbezüglichen
Waaren für ihre Anstalt auf nur ein halbes Jahr abschließen."
Diese Meldung wurde nicht ohne Commentar gebracht, die ge-
sammte Berliner Presse lehnte sich energisch gegen die geplante Er
höhung der Preise auf. Das halle zur Folge, daß sofort aus den
Kreisen der Schlächter und Bäcker Erklärungen veröffentlicht wurden,
welche sich enffchieden gegen jeden Preis-Aufschlag auflehnten. Die
Bäcker-Innung in Berlin erließ folgende Erklärung:
„Die meisten hiesigen Zeitungen brachten in der letzten Sonntag-
Nummer die Nachricht, daß die Bäcker und Schlächter beabsichtigen, während
der Gewerbe-Ausstellung ihre Waaren um 10 pCt. zu vertheuern. Ob
bei den Schlächtern Derartiges geplant ist, wissen wir nicht; bei den Bäckern
aber, soweit dies unsere etwa 900 Mitglieder starke Innung betrifft, ist
eine Bertheuerung des Brodes nicht in Ausficht genommen. Mehrere
Zeitungen brachten einige Tage früher die Mittheilung, daß die Bäcker-
nieister in Folge des durch Bundesraths-Berordnung über fie verhängten
Maximalarbeitstages die Sonntagszugabe abschaffen und die Versandkosten
für Frühstückaustragen erheben wollen. Auch diese Nachricht ist, soweit
die Mitglieder unserer Innung in Frage kommen, wenigstens verfrüht.
Allerdings muß durch die Beschränkung der Arbeitszeit eine Bertheuerung
der Productton eintreten. Ob und welche Maßnahmen aber hierzu ge
troffen werden, ist noch nicht erörtert. Auch ist noch keine Innungs-
Versammlung hierfür in Aussicht genommen. Der Innungs-Vorstand:
I. Bernard, Obermeister. W. Paersch, Altmeister. C. Kaufmann, Alt
meister."
Der Obermeister der Bäcker-Innung „Concordia", Herr
Gemeinhardt, erklärte durch die Tagespreise:
„daß zu einem Aufschlag der Backwaarenpreise jetzt auch nicht die
geringste Veranlassung vorliegt, am allerwenigsten während der Dauer der
Ausstellung. Die Bäckermeister Berlins erwarten gerade durch den Fremden
zuwachs größeren Umsatz und damit größere Einnahmen und legen Werth
darauf, die Fremden von der guten Beschaffenheit der Berliner Backwaare
bei möglichst billigem Preise zu überzeugen."
Die Deutsche Fleischer-Zeitung schreibt:
„Filets, Roastbeef, Kalbsrücken rc. werden allerdings sehr gesuchte
Artikel sein, und da es nicht möglich ist, Rinder und Kälber nur wegen
dieser bevorzugten Stucke zu schlachten, ist es möglich, daß das übrige
Fleisch, welches auch verkauft werden muß, eher billiger wie theurer wird,
zum Ausgleich allerdings dann Filets rc. theurer verkauft werden, soweit
nicht wiederum Zufuhr von auswärts auch hier wiederum ausgleichend
eintritt. Viele Lieferanten für große Restaurants haben sich in dieser
Beziehung überreich vorgesehen. Diese Alarmnachricht von 10 pCt.
Aufschlag für Fleischwaaren ist weiter nichts als ein verfrühter
und dabei recht schlechter Aprilscherz."
Diese öffentlichen Erklärungen beweisen wohl zur Genüge,
daß mir Recht hatten, als wir in voriger Nummer behaupteten:
„Alle die Gäste, die uns während der Zeit der Ausstellung besuchen
wollen, mögen also überzeugt sein, daß unter keinen Umständen
eine Vertheuernng der nothwendigsten Bedürfnisse eintreten wird."
UI. Die Behairptung, daß die Berliner Gewerbe-Aus
stellung pünktlich am 1. Mai fertig sein wird,, hat viele
Zweifler gefunden; alle diese Zweifler würden jedoch bekehrt, wenn
sie jetzt sehen könnten, in welchem Stadinni sich die Ausstellung
augenblicklich befindet. Dieselbe wächst beständig; täglich, ja
stündlich kann mm die Fortschritte der Arbeiten constatiren.
Während bei früheren Besuchen selbst nach wochenlanger Panse die
Arbeiten innner auf demselben Fleck zu stehen schienen, sieht man
jetzt fast unter den Händen der Arbeiter und vor den Augen des
Beschauers die Forffchritte der Arbeiten sich mehren. Besuchen
wir das Hauptgebäude und betreten wir dasselbe von der West
seite her, so gelangen wir in die Maschinenhalle. Hier sind
Hunderte von Arbeitern damit beschäftigt, die Balken und Dielen
für die Holzftlßböden zu legen, Fundamente in Gräben zu mauern.
Diese Fundamente sollen die solide Basis der im Betrieb befind
lichen Maschinen bilden. Wir hören aber auch von den Dächern
der östlichen Mtheilnng des Gebäudes flohen Hammerschlag und
sehen durch große Fenster Anstreicher und Arbeiter einer Fenster-
reinigungs-Compagnie bei ihrer Arbeit. Betreten wir durch den
Bogen-Abschluß zwischen den Maschinenhallen und dem Hauptgange
der Haupthalle den Mittelgang, so sehen wir zur Rechten die Seiten
hallen der Gruppe 2 der Bekleidungsindustrie. In dem ersten
Seitentract rechts sind Tischler thätig, gleichzeitig aber sind die
Mannschaften einer großen Fensterreinigungs-Compagnie damit be
schäftigt, die Oberlichter sauber zu machen, während die Angestellten
der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft die Leitung für elektrisches
Licht legen. In der Seitenhalle 2 (Bekleidungsindustrie) werden
schon Schränke aufgestellt, und man wird hier in wenig Tagen
mit der äußeren Decorirung beginnen können. Dasselbe Fori-
schreiten der Arbeit, dieselbe Thätigkeit finden wir auch in den
Seitenhallen 3 und 4; in Letzterer sind Glaser mit dem Einsetzen
der Scheiben für die Schrankthüren beschäftigt. In der Seiten
halle 5, welche ebenfalls noch der Bekleidungsindustrie gehört, ist
Material für die Schränke angefahren, und dieselben können in
wenig Tagen zusammengesetzt werden. In der Seitenhalle 6
(Textilindustrie) ist man ebenfalls mit dem Aufstellen der Schränke
und Herstellung der Kojen beschäftigt. Der große Pavillon von
Lehmann ist fast vollendet. Die nächste Halle (Nr. 7 zur Rechten)
gehört ebenfalls der Textilindustrie; hier sind eine Anzahl von
Tischen mit Consolaufsätzen, wie sie zu Ausstellungszwecken ver-
tvendet werden, zu finden. Außer diesen Tischen stehen Traillen
und Theile von Balustraden im Raum umher.
Die elektrischen Beleuchtungsanlagen sind vollständig fertig
gestellt. In der Seitenhalle 8, ebenfalls der Textil-Jndustrie ge
hörig, werden 2 große Pavillons aufgestellt, von denen der eine
fast vollendet ist. Die Seitenhallen zur Rechten, 9—10 (Papier-
Industrie), 11 und 12 (Metall-Industrie), sind vollendet, doch müssen
hier die Wände, die erst soeben fertig geworden sind, noch aus
trocknen, bevor mit den: Aufstellen der Schränke, Kojen und Ans
stellungstische begonnen iverden kann. Das Material ist in dieser
Halle noch nicht angefahren. Wenden wir uns nun zur linken
Seite der Halle und gehen wir von der Kuppel aus nach dem
Westeingang zurück, so sehen wir die Hallen 1, 2, 3 (zur Rechten),
welche ebenfalls noch für die Metall-Industrie reservirt sind, zwar
fertiggestellt, aber noch mit Arbeitern besetzt, die kleinere Maler
arbeiten ausführen. Die Oberlichtfenster werden auch hier von
Angestellten einer Fensterreinigungs-Anstalt polirt. In den Seiten
hallen 4, 5 und 6 (Kurz und Galanteriewaaren) beginnt man
erst nnt dem Aufstellen der Schränke; es ist noch verhältnißmäßig
wenig Material vorhanden, doch kann die Aufstellung der Kojen,
Schränke und Pavillons leicht beschleunigt werden. In den Seiten
hallen 7 und 8, der Gruppe Glas und Porzellan gehörig, voll
endet man soeben die Wandanbanten, welche für die Aufstellung
der Glas- und Porzellan - Gegenstände nöthig sind. Die Seiten
hallen 7 und 8 sind durch eine Wand, die parallel zum Haupt-
gang steht und welche von 2 Durchgängen durchbrochen ist,
nach Norden zu abgetheilt. Jenseit dieser Wand beginnt der Raum
der Gruppe 3 (Bau- und Jngenienrwesen). Von hier aus sieht
man in den Banhof und bemerkt man, daß die Baulichkeiten den
Hof aitf 8 Seiten umgeben und, daß die Arbeiten ziemlich weit
vorgerückt sind, sotveit es sich um die Holzconstruction handelt.
Der östliche Flügel der Bauhofs-Umgebung ist so ziemlich vollendet;
die Maurerarbeiten sind noch etwas zurück, werden aber bei niildeni
Wetter rasch gefördert. Die Seitenhallen 9, 10, 11, wiederinn
der Bekleidungs-Industrie gehörig, zeigen einen großen Forffchritt
der Ansstellungsarbeiten. In der Seitenhalle 12 (Leder und Kaut
schuk» ist das Material zum Aufbau von Pavillons angefahren.
Die Oberlichtfenster werden gereinigt, und die Fensterreinigungo
Compagnie muß ihre gewaltigeu Schiebeleitern bis zur Decke
empvrrecken, uni zu den ansgedehnten Glasflächen zu gelangen. Jn>
Mittelgang des Hauptgebäudes sind 6 Pavillons im Bau, von
denen der Pavillon der Gruppe 2, der in seinem ersten Geschoß
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