Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

ttffirielle ^usstcUungs Nachrichten.
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ginnen sie sich zu bessern, und die Berliner Lohnbewegungen, die
sich in den letzten Monaten großcntheils an die in Aussicht stehende
Gewerbe-Ausstellung knüpften, haben mehrfach zu besseren Arbeits
bedingungen geführt.
Die Geschüftsconjunctur mit ihrem Einfluß auf die
Arbeiterverhältuisse hat sich wesentlich gebessert. Während zu
Anfang des Jahrzehnts fast jedes Gewerbe der städtischen Gewerbe-
Deputation berichtete, daß nach Arbeitern keine Nachfrage sei, und
als „stets begehrt" nur Plätterinnen und gute Köchinnen be
zeichnet wurden, gaben 1895 schon 11 Gewerkschaften die Lage
ihres Gewerbes als sehr gut au, 5 als recht gut, 25 als gut,
53 als ziemlich gut, dagegen nur 26 als flau, 2 als schlecht, 1 als
sehr schlecht.
Der verdiente Jahreslvhn eines Arbeiters steigt über
1500 Mark und sinkt unter 600 Mark. Regelweise verdienen die
Galvanoplastikcr, Stereotypeure und Xylographen über 1500 Mack.
In den meisten Getverben steht der Durchschnittslohn zwischen
1000 und 1500 Mark. Die nächst große Gruppe bilden die
Gewerbe mit 900 bis 1000 Mark Durchschnittslohn. Seltener
sind die niedrigeren Lohnstufen: 800 bis 900 Mark z. B. für
Bäcker, Schlächter, Müller u. s. w. 700 bis 800 Mark geben die
Barbiere, Schuhmacher, Bureaugehilfen als ihren Durchschnitts
lohn an, 600 bis 700 Mark die Musiker, Gärtner u. s. w. Weniger
noch als durchschnittlich 600 Mark verdienen nach ihrer Angabe
die Gastwirthsgchilfcn, Möbcltransportarbeiter (die ja nur wenige
Wochen des Jahres voll beschäftigt sind), sowie die Hilfsarbeiter.
Die weiblichen Arbeiter verdienen in 11 Gewerben 600 bis
650 Mark im Durchschnitt, in 8 Gewerben 500 bis 600, in 19
400 bis 500 und in 11 Gewerben noch weniger.
Die Arbeitszeit ist in Berlin kürzer als in den meisten
anderen Orten Deutschlands, sie betrügt im Durchschnitt 10 Stunden,
doch ist deshalb die geleistete Arbeit nicht geringer als irgendwo
anders; im Gegentheil weiß jeder Arbeiter, der aus einem anderen
und besonders aus einem kleineren Orte nach Berlin zugewandert
ist, davon zu erzählen, wie ganz anders in Berlin die Zeit aus
genutzt wird, und wie schwer es ihm anfangs geworden ist, in
dem flotten, raschen Arbeitstempo der eingearbeiteten Berliner
mitzukommen. Ferner wird es in der Industrie allgemein beobachtet,
daß die Arbeiter, an welche die größten Ansprüche gestellt werden,
die kürzeste Arbeitszeit genießen und dabei doch den höchsten Lohn
haben. Umgekehrt trifft man oft bei niedrigen Löhnen auch noch
überlange Arbeitszeiten. Die Arbeitsdaucr schwankt in Berlin im
Sommer zwischen 7 Vs und 16 Stunden, im Winter geht sie bis
6 herunter, denn 12 Gewerbe haben im Winter verkürzte Arbeits
zeiten.
Mit diesen Mittheilungen wird vielleicht erreicht, daß mancher,
der Berlin und seine Ausstellung besuchen will, für die stärkste
und in gewerblicher Hinsicht wichtigste Gruppe der Berliner Ein
wohnerschaft ein besseres Verständniß und ein erhöhtes Interesse
gewinnt. Für den Berliner ist das in geringerem Maße nöthig,
denn hier sind die einzelnen Gruppen der Bevölkerung mit einander
besser bekannt, gehen mehr in einander über und kommen, trotz
der vorhandenen Gegensätze, mit einander besser aus und stehen
sich näher, als das in kleineren Jndustriecentren der Fall zu
sein pflegt.
Etwa 250 Mitglieder des Hauses der Abgeordneten,
unter welchen sich der Präsident Excellenz vonKöller, derBicepräsident
Dr. Krause und Excellenz GrafLiinburg-Stirum befanden, besuchten
unter Führung des Abgeordneten Fetisch am Sonntag um 12 1 /* Uhr
bcii Ausstellungspark in dreistündiger Wanderung. Am Alpen
panorama wurden die Herren vom Herrn Rathszimmermeister
Schwager empfangen und geführt, dann ging es zum Sport-
gebäude, Fischcreigebäude und am Lloyddampfer vorüber nach der
bereits fertigen Chemiehalle, wo ein Frühstück eingenommen wurde,
t
von hier quer durch das Ausstellungsgebäude am Gebäude für
Schule und Wohlfahrt vorüber nach Kairo, wo Herr Baumeister
Wohlgemuth die Gäste am Eingang empfing und durch die Straßen
der Nilstadt geleitete, hierauf nach Alt-Berlin und dem großen
Hauptausstellungsgebäude. Sämmtliche Besucher waren des Lobes
voll über das gewaltige Unternehmen.
Der Arbeits-Ausschuß hat an die Vorsitzenden der
Gruppen und Untergruppen folgendes Schreiben gerichtet:
„Nachdem fast sämmtliche Bureaux der Verwaltung iu Treptow
eingerichtet sind, glauben wir, zumal uns nur noch wenige Wochen
von der Eröffnung der Ausstellung trennen, daß es am zweck
mäßigsten wäre, wenn wichtige Fragen zwischen uns nicht aus dem
Wege der Correspondenz behandelt, sondern an Ort und Stelle be
sprochen werden.
Wir stellen uns werktäglich Vormittags zwischen 9—12 Uhr
zu Ihrer Verfügung und zweifeln nicht, daß es Ihnen selbst angenehm
sein wird, unserer Anregung Folge zu leisten.
Mt einem kräftigen Glückauf für das Gelingen unseres gemein
samen Werkes begrüßen wir Sie . . .
An alle Innungen und Gewerke Berlins hat die Fest-
Commission ein kunstvoll ausgestattetes, in Zweifarbendruck her
gestelltes Circular ergehen lassen, welches folgenden Wortlaut hat:
„Berlin, im März 1899.
Geehrte Herren!
Die Festlichkeiten, die wir während der Dauer unserer Ausstellung
zu organifiren die Aufgabe haben, werden gemäß gefaßten Beschlusses in
vier besonderen Veranstaltungen gipfeln.
Die erste soll den Gewerken gewidmet sein und diese zum Mittel
punkt haben, als Ausdruck dankender Anerkennung dafür, daß ihrer Arbeit
in vorderster Reihe die Ausstellung ihr Gelingen schuldet- Dieses
„Fest der Gewerke"
haben wir zum Donnerstag, den 4. Juni, in Aussicht genommen und
soll, wie wir hoffen, alle Innungen mit ihren Bannern und Emblemen jc.
bei uns bereinigen.
Zu gemeinsamer Besprechung und zur Feststellung des Programms
beabsichllgen wir, Delegirte der Innungen einzuladen.
Wir bitten Sie, uns freundlichst kundthun zu wollen, ob tvir aus
Ihre Betheiligung rechnen dürfen, damit wir rechtzeitig einen lieberblick
über die Ausdehnung der unmittelbaren Festgenossenschaft gewinnen können,
und bitten Sie gleichzeitig, uns unter Benutzung des anliegenden Brief
umschlags die Herren zu benennen, die Sie zu den von uns zu berufen
den Versammlungen delegiren wollen.
Hochachtungsvoll
Die Fest-Comnlission
der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1899.
L. M. Goldberger. Jos. van den Wyngaert."
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Ueber die postalischen Einrichtungen für die Berliner
Gewerbe-Ausstellung liegt jetzt folgende officiellc Kund
machung vor: Für die Zeit vom 1. April bis einschließlich
20. October wird aus Auslaß der 1896 hier stattfindenden Ge-
wcrbe-Ausstcllnng auf dem Ausstellungsplatze im Treptower Park
eine Postanstalt mit Telegraphenbetrieb und öffentlicher Fern
sprechstelle mit der Bezeichnung „Postamt der Berliner Gewerbe-
Ausstellung 1896" eingerichtet. Dieses Postamt ist für den
Verkehr mit dem Publikum geöffnet: a) vom 1. bis 30. April,
sowie vom 16. bis 20. October nur an den Werktagen von 8 bio
12 Uhr Vormittags und von 2 bis 6 Uhr Nachmittags; b) vom
1. Mai bis 15. October 1. an Werktagen: von 9 Uhr Vormittags
bis 9 Uhr Nachmittags, 2. an Sonntagen und gesetzlichen Feier
tagen. für den Postverkehr von 9 bis 10 Uhr Vormittags, von
12 bis 2 Uhr und von 5 bis 7 Uhr Nachmittags, für den
Telegraphenverkehr von 9 Uhr Vormittags bis 9 Uhr Nach
mittags. Die Thätigkeit des Postamts erstreckt sich 1. auf die
Annahme von Postsendungen mit Ausnahme der Pallete und
Geldbriefe, sowie von Telegrammen und Rohrpostsendnngen:
2. auf die Ausgabe von gewöhnlichen und Einschreibbriefen, Post-
clnweisungen, Telegrammen und Rohrposffcndungen, soweit sic den
Vermerk „postlagernd Postamt der Berliner Gewerbe-Ausstellung
1896" tragen; 3. auf den Verkauf von Postwerthzeichen jeder
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