Path:
Periodical volume Nr. 75, 1. Juli 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

8 
Officielle Ausstellungs - Nachrichten 
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 
[Abdruck untersagt.] 
Die Berliner Gewerbe-Ansstellung 1896, deren Haupt 
zweck es doch ist, den Besuchern zu zeigen, welche grossen 
Fortschritte die Berliner Industrie in den letzten Jahren ge 
macht und welch’ vorzügliche Leistungen in allen Branchen 
dieselbe aufzuweisen hat, hat einem grossen Theile der Aus 
steller, die zum Theil erhebliche Opfer gebracht haben, um 
auf der Ausstellung glanzvoll bestehen zu können, schon 
recht nennenswert he Erfolge gebracht. Der di recte Nutzen 
der Ausstellung, den ein Theil der Aussteller durch Verkauf 
ihrer Ausstellungsobjecte in der Ausstellung selbst gehabt 
hat, und der indirecte Nutzen, dass die Käufer durch die 
Ausstellung auf die betreffende Firma aufmerksam gewor 
den, mit dieser dann in Verbindung getreten sind, hat sich 
schon in bemerkenswertster Weise fühlbar gemacht. In fast 
allen Gruppen liest man an den verschiedensten Ansstell nn gs - 
Objecten — zum Theil an solchen von bedeutendem Werthe —• 
die Worte „Verkauft!“ oder sogar fünfmal, achtmal und 
mehr verkauft. In der Gold- und Silberwaaren- 
Industrie haben einige grössere Firmen wie ,1. II. Werner 
Gebr. Friedländer, Paul Teige, Hugo Schaper, Louis Sclilut- 
tig u. a. .schon für einige ihrer kostbaren Ausstellungsob 
jecte Liebhaber gefunden. Der Werth der hier verkauften 
Gegenstände beläuft sich auf viele Tausende. Sehr grosse 
Erfolge hat die Confecti on auszuweisen. Die grossen 
Firmen Rudolph Hertzog, Herrmann Gerson und Heinrich 
Jordan haben durch die Ausstellung zahlreiche und umfang 
leiche Aufträge erhalten, andere Firmen wie die Herren- 
coufectionsfirma Hermann Hoffmann, die Damenconfections- 
firroa R. AI. Maassen, Firmen der Bekleidungs- und Hut-In 
dustrie u. a. zeigen sieb ebenfalls von den in Folge der Aus 
stellung angebahnten Geschäften sehr befriedigt. In der 
Leder-Industrie sind es besonders die Fabrikanten 
von Treibriemen, die für ihre Fabrikate Käufer gefunden 
haben, verschiedene Exportgeschäfte grösseren Umfangs 
sind darin zu stände gekommen. In der Metall-In- 
dustrie hört man von Erfolgen bei .den Kunstschlossern, 
den grossen Geldschrankfabriken, wie L. J Arnheim und 
hei den Fabrikaten patentirter Neuheiten. In der Möbel - 
Industrie haben ebenfalls vorzugsweise Patentmöbel 
aller Art und sonstige Einzelmöbel Käufer gefunden. In 
der Gruppe Al usikinstrumente sind einige werth volle 
Flügel und Claviere renomxnirter Firmen, sowie eine Reihe 
anderer Instrumente verkauft worden. Die Kurz- und 
Galanteriewaaren-Industrie hat eine Anzahl 
Bestellungen besonders aus der Provinz ausgenommen, das 
eigentliche Geschäft in dieser Branche wird sich erst zur 
Zeit der Berliner Herbstmesse, wo die Einkäufer in sehr 
grosser Zahl nach Berlin kommen, hier entwickeln. Durch 
die Gongresse, Vereins- und Verbandstage der verschiedenen 
Industrie- und Berufszweige, die diesen Sommer hier ausser- 
jgewöhnlich zahlreich in Berlin tagen und durch welche stets 
viele Industrielle der betreffenden Fabrikationszweige nach 
Berlin geführt werden, wird auch das Geschäft in denselben 
wesentlich beeinflusst. Die meisten Gongresse etc. sind erst 
in der Reisezeit, im späteren Sommer angezeigt, einige haben 
auch schon getagt — meistens in der Ausstellung selbst 
und den Ausstellern, die dem Fabrikationszweige der Con- 
gresstheilnebmer angehören, wesentliche Vortheile gebracht. 
So hat der Verbandstag des Deutschen Papiervereins der 
■Papier - Industrie Berlins nicht unbeträchtliche Be 
stellungen zugeführt. Papierwaaren, Schreibmaterialien und 
Bureau-Utensilien sind daran gleichmässig betbeiligt; auch 
von Oesterreich, von Russland und sogar von Süd-Amerika 
sind Bestellungen aufgenommen worden. Die chemische In 
dustrie har, grössere Aufträge für Export nach über 
seeischen Ländern in Essenzen, Lacken und Apparaten er 
halten. Ein hervorragend glänzendes Geschäft haben in der 
Ausstellung die Wagenbauer gemacht. Fast alle Aus 
steller dieser Abtheilung haben schon einen Theil ihrer Aus 
stelln ngsobjecte Verkaufs und theilweise auf dieselben Nach- 1 
bestellungcu erhalten. In der Mascliineu-Industrie 
sind bereits einige grössere Verkäufe von Dampf- und Werk 
zeugmaschinen und von Bestandtheilen abgeschlossen; be 
sonders Brauereimaschinen und Apparate haben hier Käufer 
gefunden. So hat z. B. die Brauerei Ringnes & Co. Ltd. in 
Christiania von II. Guirenmaud eine Dampfmaischpfanne 
von iOOOO 1, die St. Erieks-Brauered in Stockholm von der 
selben Firma eine Würzepfanne von 23000 1 und eine 
Maischpfanne von 12000 1 gekauft. Die Firma F. W. Pest 
hat nach Breslau eine grosse Würzepfanne, nach Berlin eine 
Dampfbraupfanne verkauft, 2 Gegenstrom-Bier-Kühlap- 
parate sind nach Berlin bezw. Bremen, ein Hefereinigungs- 
apparat sogar an die Beer Brewery Tokio in Japan verkauft. 
Die dritte, grosse Finna derselben Branche hat einer renoni- 
mirten Berliner AVeissbierbrauerei verschiedene ihrer Ma- 
sohinen-Apparate verkauft. Der indirecte Nutzen, den die 
Berliner Industrie durch die Ausstellung schon gehabt hat 
und noch haben wird, lässt sich auch nicht annähernd 
schätzen, weil die Beziehungen die jetzt angeknüpft sind und 
werden, oft erst viel später für die Industriellen Früchte 
tragen. 
Landwirthschaftliche Maschinen. 
[Abdruck untersagt.] 
Die Hauptgnindlage für eine gesunde Staatsentwicke 
lung wird stets eine blühende Landwirthschaft bleiben. Mag. 
buch Industrie und Handel auf der denkbar grössten Höhe 
stehen, sie werden keine feste Wurzel fassen, wenn der Grund 
stock des Staates, der Ackerbau, nicht fest fundainentirt ist. 
Mit dem fortschreitenden Emporblühen des Gewerbes machte 
sich immer das Bedürfniss nach mechanischen Hilfsmitteln 
zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit bemerkbar. Ebenso 
erging dies dem Landmanne, welcher die Ablösung oder Er 
leichterung der Handarbeit auf dem Felde durch Maschinen 
arbeit mit Freuden begrüssen konnte. 
Im Fache des landwirthschaftlichen Maschinenbaues 
nun steht Berlin auf einer besonders hohen Stufe, und es ist 
darum wohl angebracht, die maschinellen Hilfsmittel der 
Agricultur, wie sie in der Ausstellung zu finden sind, etwas 
näher zu betrachten. 
Zuerst kommt da der allgemein bekannte Pflug in Be 
tracht. In den ältesten Zeiten ist dieses Instrument ein am 
hinteren Ende hakenförmig umgebogener unten zugespitz 
ter Baumstamm, der zum Aufreissen des Erdreiches dienen 
muss, denn mit Umpflügen kann man diese Manipulation 
wohl kaum bezeichnen. Im Verlaufe der Geschichte -kommt 
dann eine Verbesserung nach der anderen; der Pflug wurde 
mit Stützrädern versehen, während sich die Pflugschaar mehr 
der heutigen Form näherte Allmählich versah man 
die hölzerne Schaar, auch der grösseren Dauerhaftigkeit we 
gen, mit Eiseuheschlag. In diesen Formen hat sich der 
Pflug lange erhalten und auch heute noch finden wir in ver 
schiedenen Gauen unseres Vaterlandes, namentlich im Gross- 
herzogthum Mecklenburg sogenannte Haken, ganz einfache 
Pflüge mit einer spatenförmign, Schaar in Gebrauch. Erst 
in den letzten Jahrzehnten hat sich, ein bedeutender Auf 
schwung bemerkbar gemacht. Eiserne, leicht gebaute Rah 
men und Gestelle traten an Stelle der hölzernen, stählerne 
Pfiugschanre lösten die eisenbeschlagenen ah. Jetzt haut 
man namentlich den Pflugkörper zweitheilig. Der zu 
unterst sitzende Schuh ist aus besonders festem Material ge 
fertigt und dient zum Aufbrechen des Bodens. Das darüber 
angebrachte, sogenannte Streichbrett liebt in Folge seiner 
eigenartigen Form die aufgebrochene Erdscholle und legt sio 
zur Seite, indem sie dieselbe gleichzeitig umwendet. Zur Be 
arbeitung des schweren Bodens wird vor dem eigentlichen 
Flugkörper noch eine messerartige A orrichtung und bis 
weilen auch eine kleinere Pflugschaar angebracht, welche 
das Erdreich auflockert. Auch Hebel sind vorhanden, 
welche ein Höher- und Tieferstellen der Schaar ermöglichen. 
Um eine grössere Leistung zu erzielen, werden bis vier- und 
mehrschaarige Pflüge gebaut. Sie sind für die schnelle Be
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.