Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Telephon: Amt I. 4067.
Mrgan der
Kerliner Gewerbe-Ausstellung 1896.
Ur. 8.
Perlitt, den 21. Mars
1896.
Bekarrntirrachmrgen des Aebeits-Ausschusses.
1. Am Montag, den 16. d. M., ist unsere Geschäftsstelle nebst Kassenverwaltung und Pro-
pagandabnrcan nach dem nenerbauten Central-Verwaltungsgebäude auf dem Ausstellnngs-
gelände in Treptow verlegt worden. Es wird daher höflichst ersucht, sämmtliche für obige
Bureaux bestimmte Briefschaften, Pallete ?c. an uns mit der Adresse: „ Central-Verwaltungs-
gebünde, Berlin 80., Postamt 33" richten zu wollen. Mit demselben Tage hört der
Telephon-Anschluß Amt III Nr. 1412 auf. Der neue Anschluß ist: „Amt IV Nr. 3908".
2. Wir bringen hierdurch wiederholt zur allgemeinen Kenntniß, daß wir nicht in der Lage sind, Vereinen, Ver
bänden rc. den Zutritt zu dem Ansstellungsgelände zu gewähren. Sv bereitwillig wir seither allen solchen
Antrügen stattgegeben haben, so veranlassen uns zur Zeit Gründe zwingender Art, den Zutritt zu verweigern,
zumal die seitherigen Massenbesuche den Fortgang der Bauarbeiten zuweilen gehindert haben und dies in
erhöhtem Maße bei der setzt beginnenden Arbeit der Jnncn-Decvrativn der Fall sein dürfte.
3. Der Eintritt zu dem Ausstellungsgelände (gegen Passirschein) ist an den Sonntagen nur bis 4 ! / 2 Uhr Nach
mittags gestattet.
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.
Der Arbeits-Ausschuß.
Fritz Kühnemann. Beruh. Felisch. L. M. Goldberger.
Die Arbeiter der Kerliner Industrie
und ihre Kühne.
Von Dr. Karl Thieß.
^Abdruck untersagt.)
Die Gewerbe - Ausstellung soll zunächst ein Bild von d e n
Leistungen der Berliner Industrie geben. Gleichzeitig wird
sich aber die allgemeine Aufmerksamkeit den Zuständen und
Einrichtungen in der Industrie zuwenden. Der Betrieb kann
in der Ausstellung selbst nur zum kleinsten Theil veranschaulicht
werden: nur vereinzelt werden Gerüche und Maschinen aufgestellt
werden, und der wichtigste Productionsfactor der Industrie, die
Arbeiter, treten in der Ausstellung garnicht hervor. Wollen die
Besucher ein Vollbild der Berliner Industrie erhalten, so müssen
sie auch dem ganzen Berliner Leben und Treiben ihre Aufmerk
samkeit zuwenden.
Beinahe 300 000 Selbstthätige in Berlin bezeichnen sich als
Angestellte, Gehilfen, Arbeiter u. s. w. in bestimmten Gewerb-
zweigen, dazu kommen noch ca. 125 000, die sich einfach als
Arbeiter ohne nähere Angabe bezeichnen, also wohl, ohne einem
bestimmten Gewerbe zuzugehören, Lohnarbeit wechselnder Art aus
führen. Beide Gruppen zusammengenommen umfassen mit ihren
Ungehörigen etwas mehr als die volle Hülste der Berliner Be
völkerung, sie sind also für das Berliner gewerbliche Leben der
zuvörderst in Betracht kommende Stand. In den kleineren Werk
stätten und Betrieben mit 1 bis l 0 Arbeitern arbeiten etwas über
ein Drittel der Arbeiter, in den mittleren Betrieben mit 11 bis
20 Arbeitern etwa ein Achtel, in den größeren mit 21 bis
50 Arbeitern ein Sechstel, und in den ganz großen Betrieben mit
über 50 Arbeitern sind beinahe zwei Fünftel der Arbeiter thätig.
Die Abhängigen lassen sich auch nach der Art ihrer
Arb ei t s stel l n n g zergliedern. 26 000 werden als Angestellte,
d. i. höheres Verwaltung-)- und Aufsichts-, sowie Rechnungs- und
Bureaupersonal gezählt, darunter allerdings allein 15 000 im
Handclsgewerbe. 79 000 nennen sich Gehilfen, darunter sind auch
die Werkmeister und Commis gezählt, 115 000 Gesellen, doch ist
zwischen diesen beiden Gruppen nur schwer eine feste allgemeine
Unterscheidung aufrecht zu erhalten. 33 000 bezeichnen sich als
Arbeiter innerhalb der einzelnen Gewerbe, das sind also die so
genannten „angelernten" Arbeiter in den Großbetrieben, die in ihrer
Ausbildung zwischen den Gehilfen und den gewöhnlichen Hand
arbeitern, in ihren Löhnen der Regel nach den ersteren nahe stehen.
Schließlich sind 35 000 Lehrlinge in Berlin gezählt worden.
Die Zahl der Lehrlinge nimmt in Berlin seit Jahren
schon immer langsamer zu, viel langsamer als die anderen Gruppen
der Gewerbetreibenden. Dies hängt mit der allmählichen Zurüll-
drüngung des Handwerks durch die Großindustrie, die sich mit der
Heranbildung von Lehrlingen wenig abgiebt, zusammen. Indessen
ist »och keine entsprechende Stockung in der Zunahme vrm fach
müßig ausgebildeten Gesellen und Gehilfen eingetreten, im Gegen
theil nehmen diese Gruppen, die von den großen Fabriken am
meisten gesucht und am nöthigsten gebraucht werden, über den Durch
schnitt hinaus zu. Daraus folgt, daß unter den Zuwandernden die
gelernten Arbeiter besonders stark vertreten sind. Die Stadt
Berlin, die auf ihr gewerbliches Bildungswesen so stolz ist, und
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