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Periodical volume Nr. 71, 27. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Aussteliungs- Nachrichten. 
Berliner Pelzfirmen auf der Ausstellung. 
[Abdruck untersagt.] 
Wer über die auf der Ausstellung vertretenen Pelzfir- 
oien referiren will, darf sich seinen Beruf so leicht oder so 
schwer machen, wie ihm gerade zu Sinne ist. Das reich 
vorhandene und gut bestellte Material lässt beides zu, ohne 
Gewissensnoth herbeizuführen, je nachdem man sich daran 
genügen lässt, die Firmen und deren erbrachte 'Werthobjecte 
nur zu nennen, oder deren Besonderheit unter die kritische 
Lupe eines technischen Werthmessers zu bringen. 
Im gegebenen Falle ist die Entscheidung um so leichter 
zu treffen, als eine eingehende Würdigung der gesummten 
Pelz-Ausstellung nach ihrer technischen, industriellen und 
mercantilen Bedeutung an dieser Stelle bereits vorange 
gangen ist. So wird bei Besprechung- der einzelnen Firmen 
ein ruhig eingehaltener Mittelweg gedeihlich sei, indem 
man den Einzelnen von jeder Relation zu Anderen oder der 
Gesammtheit schlichthin loslöst. 
Im Saal A der Gruppe II fällt uns von Weitem schon die 
Firma Carl Salbach auf mit ihrem prächtigen Pavillon in 
Empire-Stil — ein achteckiger, glasbedachter Säulen-Tempel 
mit Glasfronten — von rothpolirtem Elsenholz, mit Goldstück 
und Schnitzerei aussen reich geschmückt, mit Hermelin und 
Purpur - Damast innen geschmackvoll decorirt, Vordem 
Sänlen-Porticus, überragt von einem gewaltigen Eisbären, 
halten zwei aufrechtstehende Schwarzbären Wacht, auch ein 
Häufchen junger Bärentolpatsche, in deren Gesellschaft ein 
artig Füchslein uns Karten präsentirt, sieht man da — das 
Ganze in seinem wqhlgefesteten Reichthum eine der deco- 
rativen Zierden der Ausstellung. Die Mitte des Pavillons 
lässt einen Miniatur-Salon für die Ausstellungsbesucher frei, 
der Boden belegt mit einem Teppich von sechs Leoparden, 
die einen Fond von schwarzem Seebär sternartig ausmustern, 
auf der mit Hermelin bedeckten Rückwand eine interessan te 
Sammlung erlesener Exemplare der Euchsarten aller Länder 
der Erde übersichtlich geordnet — vom seltensten Schwarz 
fuchs, mit 1500 Mark bewerthet, bis zum heimischen Land 
fuchs im Preise von rund 4 Mark. 
Die eigentlichen Ausstellungs-Objecte lassen sich, ihrer 
grossen Zahl wegen, nur als Gesammttheil kritisch begreifen, 
lind dann bleibt nichts übrig, als diese Gesammtheit den 
Perlen der Ausstellung anzureiben. Jedes Einzelne für sich 
eine Meisterleistung der vorgeschrittensten Fachtechnik, aus 
geführt mit Materialien, bei denen man an die Möglichkeit) 
ih er Nutzübe? tragung auf den praktischen Gebrauch nur 
mit heimlichem Schauder denkt, wenn man — zufällig Gatte 
und Vater ist. Da ist z. B. ein Herrenpelz, gefüttert mit 
feinstem Kronenzobel, verbrämt mit einem Seeotter, dessen 
Zwillingsfell von der Firma noch unversehrt ausgestellt wird 
und von ihr mit 7000 Mark bezahlt wurde. Dieser ganze 
Pelz bat den Kennwerth von 24 000 Mark., übrigens das 
werth vollste Stück der ganzen Gruppe II. Auch von 
den vorhandenen Damenpelzen — ihre Zahl und Pracht ist 
nicht zu fixiren — gehört das Meiste zu jenem Luxus, den 
wir vei urtheilen, wenn er den Fehler begangen hat, von An 
deren getrieben zu werden. 
Erwähnt sei hier auch die Theil-Ausstellung von Herr 
mann Gereon; obwohl man es hier nicht mit einer Special- 
Pelz-Firma zu thun hat. Indessen sind die ausgestellten Ob 
jecte, das Mode-Genre des eleganten Pariser Geschmackes 
in heimischer Arbeit vertretend, allesammt so bemerkens-* 
werth in ihrem combinatorischen Geschmack-Raffinement 
und der Erkenntniss des stofflich Zulässigen darin, dass man 
schlechterdings und nicht ohne rühmende Anerkennung, 
davon Notiz nehmen muss. 
Ganz und gar Specialität ist die Ausstellung der Pelz- 
Firma C. A. Herpich Söhne, deren gross angelegter Pavillon 
für die beabsichtigten Decorations-Zwecke mit besonders 
praktischer Einsicht ausgeführt ist. Mit einem heimischen 
Schlitten- und einem polaren Eisblock-Idyll sehen wir dessen. 
Breitseiten gefüllt — das erste ein modernes Menschenpaar in 
eleganter Pelztracht, in pelzbelegtem Schlitten, das andere I 
zwei feindliche Eisbären-Bxüder, um die Beute einer iuntren I 
Robbe auf ihren Schollen streitend — beide übrigens von 
seltener Schönheit. Unter den ebenfalls sehr zahlreich aus 
gestellten Objecten fallen einige vorzüglich gearbeitete 
Herrenpelze angenehm auf, ohne dass man sich über allzu 
grossen Luxus entrüsten muss. Auch wegn der ausgestell 
ten, prächtigen Damenpelze darf man in tiefem Frieden mit 
der Weltordnung verbleiben. 
Mit bemeikenswerthem Geschick ist der Utilitäts-Ge- 
danke festgehalten in der Ausführung der Ausstellungs 
Objecte der Firma Witzlehen n. Kracke. Ausser zwei 
schönen Decorationsfellen, einem famosen Königstiger und 
einem Eisbären, Beide mit naturalisirten Köpfen, sehen 
wir lediglich Pelzstücke ausgestellt, die dem praktischen 
Nutzwerthe dienen, alles mit jener Sorgfalt und Sauberkeit, 
in jenem soliden Geschmacke hergestellt, die auf den ersten 
Blick Vertrauen und Gefallen erwecken. Herren- und Da 
mensachen, Pelleterieen etc. sind in allen Pelzarten und For 
men des herrschenden Geschmacks mit decorativem Effect 
ausgestellt. 
Volle Anerkennung verdient auch die geschickt decorirt© 
Ausstellung von G. 8. Herpich, die mit Herren-Pelzen und 
-Mützen, mit Damenmänteln, Decorationsfellen, Damen- 
Hüten, Seehund-Galante ries etc. vertreten ist und in allen 
Objecten ein beachtenswerth.es Können darthut. Während 
alle diese Firmen uns den Detail-Verkehr der Berliner Pelz- 
Industrie anschaulich machen, belehrt uns die Firma A .B. 
Citroen durch ihre Erzeugnisse über das, was der Engros- 
und Export-Verkehr fordert und erhält. Allerdings handelt 
es sich hier um das bessere Export-Genre, das ganz unmerk 
lich in das mittlere Detail-Genre übergeht, wie aus beiden 
Theilen, der prächtig beschickten und verständig geordneten 
Ausstellung ersichtlich ist. Durch ihre Specialität aber, die 
Pelz-Färberei und das In.itiren geringerer Pelzarten 
zu besseren Gattungen, hat die Firma um den technischen 
Fortschritt der Branche sich erheblich grössere Verdienste 
erworben, als in dem begrenzten Umfange einer Ausstellung 
anschaulich gemacht werden kann. Ein in gedachtem Ver 
fahren überraschend gut imitirtes Königstiger-Fell und eine 
•Tagdjoppe aussen ganz von Pelz — beides aus Murmelfell 
hergestellt — legen gutes Zeugniss für die Sache ab. 
Ebenfalls dem Pelz-Export gehört die Ausstellung der 
Firma Arthur Wolff, obschon der elegante Herrenpelz und 
das kostspielige Theater-Cape von Tibet und Hermelin, in 
einer nett gestellten Foyer-Gruppe, mit dem strengen Ex 
port-Stil nicht gut vereinbar erscheint. Davon abgesehen 
aber giebt die übrige Ausstellung nach Material, Geschmack 
und Herstellungsmodus ein Bild unserer Durchschnitt-Ex- 
port-Waaren, die in ihren verschiedenen Arten wohl auch 
einer erheblichen inneren Werthsteigerung noch fähig und 
beflissen sind. 
Auch J. Kutnitzky gehört zu unseren Exportfirmen, 
und repräsentirt in seiner Collection vornehmlich die Pelle- 
terie-Specialität: Schulter- und Ficbu-Kragen, Stola-, Rund 
um! Kopf-Boas, Muffen, Herren- und Knaben-Mützen, Da 
menhüte, Baretts, Kindergainituren etc. 
Noch mehr unter dem modernen Princip der getheilten 
Arbeit steht die Ausstellung der Export-Firma Adolph 
Winter, mit ihrer ausschliesslichen Specialität von Mädchen- 
und Kindergarnituren: Barett, Muffe, Kragen, in aller 
liebsten Mustern und lobenswerther Ausführung. 
Ganz dem Detail-Verkehr wieder gehört die Collection 
der Firma H. Scherr mit ihrer Specialität von Damen-Pelz- 
Confection, die an Sorgfalt der technischen Ausführung 
nichts zu wünschen übrig lässt. Uneingeschränkte Aner 
kennung verdienen die beiden Detail-Firmen. Adolph, Arndt 
und Friedrich Girke mit je einem grossen Salon-Teppich in 
der effectvollen Technik der Pelz-Scheererei und Pelz-Musiv- 
Arbeit — beide prächtige Muster in schönster Ausführung 
zeigend. Gleiches gilt von allen anderen Detail-Erzeug 
nissen, die beide Firmen in reicher Anzahl.und schöner 
.Qualität zur Ausstellung gebracht haben, 
Frida Goldstein.
	        
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