Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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OfstrieUe A«ssteU«ngs-Uachrichte»t.
der Bautischler, der Jalousiefabrikailten, der Fournierschneidercien,
der Fraisereien und Dampfschneidereien.
Einen besonders günstigen Effect wird die Aufstellung von
großen Verbindungspvrtalen aus Holz machen, welche, wie die
Kojeneinfassungen in gelblich - braunen Tönen gehalten, mit ein
gesetzten rothen Wandslachen versehen und durch reiches Sctznitz-
werk geziert sind.
Alle diese Arbeiten sind soweit gediehen, daß mit der Auf
stellung bereits Mitte Mürz begonnen werden wird.
Dr. L. Abels.
Sonnabend.
Ein Stimmungsbild aus dem Treptower Park
von Emil Weißenturn.
<» llhr Morgens.
Aus der nebligen, kältediistern Dämmerung heben sich zwei
unförmige, in erdfarbene Loden gewickelte Gestalten ab, die trüge,
schwer, wie im Halbschlaf, dahertrotten. Den von Motten und
Wetter arg zerfressenen Fuchspelzkragen hochaufgeschlagen, den
zerklüfteten Hut tief in die Stirne gedrückt, den „Nasenwärmer"
zwischen dem eisbedeckten Schnurrbart, den derben langen Stock
unter dem Arm, gleichen sie staubbedeckten Schneemännern, die
von übermütigen Jungen in den „Neuen See" geschoben werden,
um dort nach kurzem, freudelosen Dasein der „Auslösung" an
heimzufallen. Eine kurze Wendung, da stehen sie einander gegen-
über vor der — Cantine; und als ob aus der angelehnten Thüre
neuer Lebensodem ihnen entgegenströmte, geht ein wohliges Zittern
durch ihren Körper, sie dehnen, recken und strecken sich, und ein
gemeinsames Ahhh! Ohhh! Jeehhh! entringt sich ihrer Brust!
„Morsen!"
„Doch!"
„Int jeschlafen?"
„Atz!"
Ohne viele Complimente drücken sich die beiden Nacht
wächter durch die Thür ein den langen, schmalen, niedern Raum.
Der undurchdringliche Rauch, der ihn erfüllt, berührt angenehm
ihre Sinne, ist er doch ein untrügliches Zeichen, daß für baldige
Erwärmung gesorgt ist, und bis dahin —
„Georg! Eenen!"
„Zwee!"
„Drei? Schön!"
An dieser kurzen und doch so deutlichen Unterhaltung Hütte
selbst Freund Lykurgos ehrlich Freude gehabt, wenn er sie erlebt
hätte.
Durch die Rauchwolken kämpft sich der tapfere Georg mit
drei mächtigen Nordhänscrn; da fängt auch der Eine — er ver
zeihe mir, daß ich seinen Namen verhohnepieple, aber — Dis-
cretion Ehrensache — also mein Freund Krähhahn, nachdem er
sich das Halstuch gelockert, fängt zu singen an:
„Es leuchten drei freundliche Sterne
Dem Wächter mit strahlendein —"
„Gluck!" hieß es da variirt, als der „Rachenputzer" seinen
Beruf erfüllte.
„Prost, Herr Nachtrath!" erlaubte sich der Schankbnrsche
Georg.
„In Dein'm Koppe roocht et woll?" meinte nun Krähhahn
niit wohlwollendem Verweis.
„Nee, aber die Sonne kiekt durch 'n Schlot —“
„In Tein Hirn, oller —"
„Herr Geheimer Hofcvntrollnhrsecretair —" fährt Georg
empor.
„Noch eenen!"
Die Pflicht erstickt bcn weitern Erguß des gekränkten Gany
med, noch einen Blick wirft er ans seinen Gegner, und ihm ein
geringschätziges „Bong" zuwerfend, enteilt er, das Verlangte zu
holen.
Da pustet, pfaucht und donnert es in der Nähe.
„Zug 6.22. Nu kommen sie an, und wir könne» jehn", meint
der Nachtrath zufrieden gähnend. — „Morjen!"
„Macht diese Woche 86 Pfennige", rechnet Georg.
„Stimmt! Morsen!"
„Bei Ihnen 96."
„Stimmt! Morjen!"
„Gut' Nacht!"
„Gut' Nacht!" —-
Auf dem kleinen Bahnhof Treptow wird es lebendig. —
Die Züge folgen einander in kurzen Pausen. 6 Uhr 22 Minuten,
6.26 — 6.32 — 6.40 — 6.52 — 6.56; alle bringen eine große
Zahl einander begrüßender, lachender, gähnender, drängender, schwer
fälliger, hastender Kameraden, so verschieden in Kleidung und Aus
sehen, ein wahrer Schatz von Charakterstudien, und doch so gleich
in dem Bestreben für Pflicht, in dem Bewußtsein, einer großen
Sache zu dienen, die überdies ihnen und den Ihrigen die nächste
Zukunft sichert.
Ich sage: In dem Bestreben für Pflicht! Dies ist keine
Phrase! Wo in aller Welt findet man sonst bei einenl Unter
nehmen, welchem tausende fleißige Hände dienen müssen, eine solch
ausgedehnte Freiheit in Thun und Lassen jedes Einzelnen wie hier?
Ueberall giebt es Kontrole beiin Kommen und Gehen, bei
den Pausen für die Mahlzeiten — hier aber —
Ich zog Erkundigungen ein:
„Wann müssen die Leute antreten?"
llm sieben — halb acht — je nachdem — alle kommen
pü nktlich."
„Welche Pausen sind ihnen gestattet?"
„Je nachdeni — wie viel sie benvthigcn — für Mittag ge
wohnlich eine halbe Stunde."
8 tthr Bormittags.
In dem Hauptgebäude, das mit seiner mächtigen und doch
zierlich schlanken Construction schon jetzt einen gewaltigen Ein
druck macht, in diesem Gewirr von Leitern, Brettern, Balken,
Latten, Ziegeln, Bohlen, Fässern, Stangen, Röhren, Klammern,
Stuck, Gips, Mörtel, eisernen Trägern, Dielen, Leinen, Rohr-
matte», Cement, Karren, Schrauben, Sägen und zahllosem Hand
werkszeug rührt es sich wie in einem Bienenkorb. In allen Ab
theilungen, Zellen, Gängen, Galerien, tief in einem Schacht ver
schwindend, oder hoch in den Lüften schwebend, wie an den Mauern
klebend, hämmernd, sägend, nagelnd, messend und vergleichend, ab-
und zutragend, werfend, auffangend, in kurzer Rede und Gegen
rede das Wollen erfassend, das Können vollbringend, in ziel
bewußter Ruhe arbeitet eine stattliche Zahl Künstler und Arbeiter
gemeinsam den: Werden, dem Vollenden zu.
Und das Gerüst in der Kuppel!
Ein hölzernes Netz tausendfach mit eisernen Maschen in ein
ander geschlungen: wie sicher und ruhig, fast unhörbar die Arbeiter
drunter und drüber hinweggleiten, als wäre es der beste Tanz
boden: das Scharren der Säge, das Hämmern der Zimmerleute,
das Pochen der Klempner ist die Musik, die hier ununterbrochen
zum Reigen aufspielt.
Mittags!
Von den luftigen Höhen, von den Bauplätzen kominen die
Leute plaudernd, wie im Spaziergang streben sie der Cantine zu;
andere ivickeln ihre Stullen aus Tüchern und Papier, hocken nieder,
wo sie gerade die Kelle oder den Spaten hingelegt, einer von ihnen
geht mit einem Flaschenkorb, um einen erfrischenden Trunk für die
Kameraden zu holen, jene tvieder weilen an der Arbeit, bis die
Andern „ abgefuttert" oder Mutterms blaues Kopftuch sichtbar, das helle
Jauchzen des Sprößlings hörbar wird. — Da sitzt die Familie
beisammen, er auf einem Balken, während sie ein Cementfaß, es mit
einem Tuche bedeckend, zu einem Tische herrichtet, das „Jähr"
schaukelt auf seinen Knieen und würde ihm die besten Happen
wegpappen, wenn Mutter beiden nicht wehrte.
„Laß doch!" meint er, „iS ja doch eejal!"
„Soll ich Dich denn holen?" fragt sie schüchtern.
„Heit nich!" meint er zögernd, „weeßt — Sonnabends —
sieht aus, als ob De — weeßt — von wegen'm Lohn — als
ob De Furcht hättest, daß ich in die Budike — nee —" er küßt
das Kind — „ich komme direktemang. — Na — an der Straßen
ecke meintwegen, kannst warten, — Nu — adjes! —"
Ohne sich umzusetzen, geht er an die Arbeit
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