Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

10 Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
feit, wenn auch die Fröhlichkeit nach seiner Art, und heute dürfen
wir, die Modernen, mit zu Gaste sein bei den Berlinern von 1630.
Die elektrische Innenbahn der Ausstellung nimmt uns auf,
und in raschem, funkensprühendem Lauf bringt sie uns hinüber
nach dem „nassen Dreieck" der Ausstellung von 1896. In der
Nähe der Spree, im nordöstlichen Theil des riesigen Parkes liegt
dieses Dreieck, welches die Cafes, die Bierhauser, ja sogar eine
Volksküche enthält. Hier drängt sich die fröhliche Schaar der
Besucher zu den Bicrgncllen, an denen auch Musik und Gesang
verzapft wird, zu den Wurstfabriken mit elektrischem Betriebe,
welche glücklicherweise imnicr noch Fleisch -Und nicht Elektricität in
die Würste stopfen. Hier drängen sich die Schaaren um Alpcn-
Panorama und 'Kaiserschiff, ünr die großen Restaurationszelte im
Freien, zu den Terrassen der Restaurants am Spreeufer.
Wieder trügt uns die elektrische Bahn zurück bis zum Ver
gnügungspark,. der jenseit der Park-Allee liegt. . Einen Augen
blick tauchen wir gleichsam unter in dem. Chaos. von elektri
schem - Licht , - Musik , durcheinander wirbelnden Menschen,
welche diesen „Vergnügungs. - Etabissements- Complex" erfüllen.
Auch dieser Vergnügungspark ist riesenhaft, ist bewundernswerth,
ist einer-Weltstadt würdig, ist eine Einrichtung,' .„wie sie ein hoher
Adel und werthes p. t. Publikum wirklich noch nicht gesehen haben."
Wieder mit der elektrischen Bahn zurück zur Special-Aus
stellung ' von Kairo. Durch die Straßen der imitirten Stadt
zieht soeben der arabische Hochzeitszug. Zwischen den. dicht
gedrängten Schaaren der Berliner und ihrer Gäste hindurch
winden sich die Hunderte von Arabern mit Weibern und Kindern,
mit Kameelen und Büffeln, in Ordnung gehalten von den Garde-
Kameelreitern des Khedive, welche hier als Polizei dienen, da
die Berliner Schutzleute des Arabischen größtentheils nicht mächtig
sind. Derwische und Gaukler locken unter die Palmengrnppcn
immer wieder Schaaren von Neugierigen. In den Dioramen der
Ausstellung ahnen die Beschauer etwas von den Wundern des
Orients. Am Eingänge zur Pyramide, in welcher die Aufzüge zur
Spitze emporführen, drängt sich das Publikum, um von diesem riesen
haften Bauwerk aus einen Ileberblick über das lichtschimmernde Aus
stellungsterrain zu genießen. Ueberall auf dem eigenartigen Terrain
von Kairo tritt uns der Orient entgegen, musicirend, banch-
tanzend und gaukelnd. In eine Märchenwelt versetzt glaubt sich
derjenige, dem der Zauber des Orients zum ersten Male hier
entgegentritt. Erinnerungen steigen in dem auf. der den Orient
schon selbst kennen gelernt hat und sich hier über die glänzende
Nachahmung freut.
Doch nun genug dieser Rundreise durch die abendlichen
Vergnügungen des Parks!
Laßt uns den Weg zum Hauptgebäude hinüber zu Fuß
machen, um uns zu sammeln!
Laßt uns den Staub der Vergnügungsplützc, durch die wir
bisher gewandelt sind, von unseren Füßen schütteln, ‘ laßt uns in
weihevoller' Stimmung das hellerleuchtete Hauptausstellungs-
gcbüude betreten! Wir sind in der Ruhmeshalle der Berliner
Industries -.
Wer den Anblick vom Kuppelraum auf die großartige Halle
des Hauptausstellungsgebäudes genossen hat, wird ihn niemals
vergessen. Tausende von Herzen, die ein wenig ihre Hcimath-
sstadt Berlin lieb haben, werden höher schlagen vor Stolz lind
Freude über das, was sich in diesen Räumen dem Auge bietet,
über all die Pracht, über all den Glanz, der uns entgegenstrahlt!
Das ist ein Sieg der Berliner Industrie, der ihr wieder
ein Stück des Weltmarktes erobern hilft; das ist ein Er
folg, wie wir ihn in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet
-haben!
Geschäftliche Mittheilungen.
Die „Gen tret l stelle für den Berliner Fremden
verkehr", die erst vor ivoiiigen Monaten in's Lebe» gerufen ivordeu,
hat sich immer mehr zu einem Institut ersten Ranges emporgearbeitet. In
Bezug ans Organisation und zielbewußtes Fortarbeiten ist sie eine Muster-
anstalt, wie es selbst von Seiten des Gewerbe-Aus stellungs-Comites
anerkannt worden ist. Sie hat es verstanden, sich mit den inaßgebendsten
Berkehrs- und Jndustriefaeloren in's beste Einvernehmen zu setzen. So ist
ihr von dem Geschäftsausschuß der 1893 er Vereinigung für internationale
Messen in Berlin das Arrangement der Sonderzüge aus Anlaß der Ende
Februar stattfindenden Frühjahrsmesse offieiell übertragen worden. Auf
welch weitgesteckte Ziele die „Centralstelle" hinarbeitet, beweist der gewaltige
V e r t r e t e r a p p a r a t, den dieselbe auf dem C o n t i n e n t besitzt; m
allen größeren Städten des Deutschen Reiches und den
Hanpteeiitren des Auslandes ist die „Centralstelle für den
Berliner Fremdenverkehr" durch tüchtige Fachmänner vertreten, welche alle
dem Zweck sich dienstbar machen, unter der Aegide der genannten „Central
stelle" den Fremdenverkehr »ach Berlin zu lenken. Augenblicklich bereist ein
Bevollmächtigter der „Centralstelle" das am schwierigsten zu behandelnde
Gebiet Europas: Rußland. Es soll hier der Versuch gemacht werden,
die russischen Reisende», die bis dahin unter Umgehung Deutschlands nach
Westen reisten, wieder ans den direeten Weg durch Deutschland hinzuführen
und dieselben zu einein kürzeren oder längeren Aufenthalt in Deutschland
zu bewege». Ein anderes Beweismoiuent' für das Wachsen und Empor
blühen der „Centralstelle" ist, daß die erste F r e m d e » f ü h r e r s ch u l e der
C e nt r a l stell e in Berlin »eben dem ersten kürzlich einen ziveiten
unentgeltlichen Lehrcursusin ihren eigene» Geschäftsräumen, Aleranderstr. 37,
eingerichtet hat, der bereits von nahezu vierzig den besten Kreisen ange-
hörigen Herren besucht. wird, - die hier. theoretisch, und praktisch, für den
wissenschaftlichen Fienidenführerbernf ausgebildet werden. ' Das König
liche Eisenbahn-Ministerium hat' das Streben dieses i Instituts
dadurch offieiell anerkannt, daß es der Freindeneentrale die Errichtung
eigener Pavillons' auf sämmtlichen Bahnhöfen Berlins ohne
Ausnahme genehmigt hat.
Der Fremdeitström, beit Berlin anläßlich der Gewerbe-Ausstellung aus
allen Theilen des Reiches. und aus allen fremden Ländern erwartet .—
angesichts der mnstergiltigen Propaganda, die für das gegenwärtige Werk
gemacht worden ist, kann-die Erwartung kaum zu hoch gespännt sein — hat
eine vollständige Industrie hervorgerufen,' die sich die'Unterbringung, Ver
pflegung und Unterhaltung der Besucher zur -Aufgäbe macht. Besondere
Aufmerksamkeit verdient der -€ qnvier",-Retse-, Hotel- und Ver-
pflegungsgesellschaft (Berlin w.. Unter den Linden 15)., der eine
in London und Paris bei:ähnlichem Anlaß ausgezeichnet-bewährte Idee hier
zur Ausführung bringt, indem er unternimmt, für den Preis von 105 Mark
die Kosten der 3ietfc ans dem deutschen Heiinathsort nach Berlin und zurück
<3. Klasse) und eines siebentägigen Aufenthalts hier (Wohnung, Verpflegung,
Bedienung, täglicher Besuch der Ausstellung Und eines Theaters u. s. w.) zu
bestreiten, außerdem jedem Theilnehmer int Erkrankungsfalle ärztliche Be
handlung zu gewähren und ihn mit 3000 Mark gegen Unfall zu versichern.
Die Gesellschaft, die für wenig Geld viel bietet, kann recht gut ihre Rechnung
dabei finden, und der Theilnehmer darf mit einem bestimmten Budget
rechnen. Der Arbeits-Ausschuß der Ausstellung bringt dem Unternehmen
in seinen Zielen selbstverständlich alle Sympathieen entgegen.
Während der Berliner Ausstellungs-Saison wird zweifellos die Collectiv-
Ausstellung von Hermann G a n s w i n d t in Schöneberg bei Berlin
einen Haüptanziehungspuutt bilden. Schon jetzt wird das auf dem ent
legensten Theile von Schöneberg am Mariendorfer Wege befindliche Mon-
tagegebäüde dieses Erfinders von einem internationalen Publikum zu der
festgesetzten BesichligiuigSstunde von 1l bis 13 Uhr Vormittags wie ein
Wallfahrtsort ausgesucht. - Ingenieur-Vereine der technischen Hochschule
wechseln ab mit höheren Offieieren und Staatsbeamten, Amerikaner mit
Engländern und Russen. Am letzten Sonnabend erschien auch ein Mitglied
des deutschen Kaiserhauses unter dem Jneognito eines Grafe» von Cosel
in Begleitung des Königlichen Kammerherrn Baron von Solemacher
dortselbst; Der Erfinder erklärte diesen hohen Gästen persönlich in etwa
zweistündigem Vortrage die in seinem Montagegebüude ausgestellten
Fahrzeuge, Maschinen und Geräthe, darunter den durch das Treten eines
Mannes in Fnnetion gesetzten, großen dreischaarigen A ck e r t i e f p f l n g',
und Se. Königliche Hoheit, sowie dessen Begleiter zollten diesen erstaun
lichen Erfindungen die größte Anerkennung. Nach der Besichtigung fuhren
beide Herren in der Ganswindt'schen T r e t m o t o r - D r o s ch k e, unter
wegs vielfach erkannt und ehrerbietig begrüßt, zurück nach deui Hotel
Bristol Unter den Linden, woselbst dem Erfinder gegenüber noch besonders
das angenehme Fahren, in diesem Wägen anerkennend hervorgehoben
wurde. . 5 • • ' ,,' " : . . -
. Sparsam wirthsch a ftend en H a u skr a n e n und besonders
Mütter » u »entbehrlich sind zwei im Berlage von I o h n H e n r y
Schwerin, Berlin Vf. 35, erscheinende, durchaus praktische Monats-Blätter
mit Znschneideboaeu: „Kindergarderobe" und „Illnstrirte Wäsche Zeitung",
welche die Selb st a ns e r t i gni n g sämmtlicher Kindergarderobe, vom
Babyalter aufwärts, des Kinderspielzeuges durch die Kinder aus Resten und
Absälleu des. Haushalts, sowie die Selbstanfertigung sämmtlicher .Haus-,
Bett- und Leibwäsche, der Spitzen- und Häkelarbeiten re. bezwecken und hierzu,
besonders verütöge,des jeder einmonatlichen Nummer beiliegenden
doppelseitigen Schnittbogens, jede Art von Anleitung geben', so daß man
ohne alle Vörkeuntuisse und ohne einen kostspieligen, langwierigen, nicht
immer erfolgreichen Cursus durchgemacht zu haben, selb st Kinder-Gar-
derobe, Wäsche re. zuschneiden niid gut sitzend herstellen kaun. Näheres
hierüber finden nufere Leser auf der Rückseite dieses Blattes; auch sind „Kinder
garderobe" und „Jllnstrirte Wäsche-Zeitung" — für nur 60 Psg. vierteljährlich
durch alle Buchhaudluiigen und Postanstälten zu beziehen — ganz besonders
Erwerb suchenden Frauen und Mädchen zu empfehlen.
(Für Aussteller und Publikum.)
Redaktionelle Einsendungen für unsere fortab am Sonnabend
erscheinenden Wochen-Nummern erbitten wir stets bis Donnerstag
Abend.
Herrn Präsident a. D. M. in Jena. Die von Ihnen gewünschte
Aenderung „undeütscher" Bezeichnungen in dem Titel unseres Blattes
ist deshalb nicht angängig, weil dieselben auch in den abgeschlossenen
Verträgen gebraucht und demgemäß eontracttich festgelegt sind.
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