Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

OfsteleUe A«ssteUnngs-Aachrichten.
wie möglich ist, d. h. in ihrer Zusammensetzung der Außenlust so
nahe >vie möglich kommt. Das erreicht man außer durch die
schon besprochenen Größenverhältnisse des Zimmers durch eine gute
Ventilation und eine sorgfältige Reinigung. Wenn man bedenkt,
daß ein Mensch in der Stunde etiva 12—13 Liter Kohlensäure
ausathmet, und diese Ziffer mit der Schülerzahl einer Klasse mul-
riplicirt, so erhält man einen Begriff davon, wie die Lust in einem
Schulzimmer beschaffen sein würde, bliebe diese Verschlechterungs
zunahme eine constante. Dazu kommen noch als gleichfalls wohl
zu berücksichtigende Factoreu die anderen in der Ausathmungslust
enthaltenen schädlichen Gase, die Ausdünstungen der Schüler, der
dnrch so viele, ja nicht immer gerade stillsitzende Personen ver
irrsachte Staub mit den darin enthaltenen Keimen aller Art, Fac-
toren, welche in kurzer Zeit die Lust geradezu entsetzlich machen
müßten. Nun, so schlimm ist die Sache in Wirklichkeit nicht! Die
Natur ihm schon selbst sehr viel, um die Luft in dem Zimmer
,’,u erneuern. Durch die Fugen der Fenster und Thüren geht ein
fortwährender Luststrom, rind selbst durch die dicksten Mauern
steht die Atmosphäre draußen mit der drinnen in stetem Aus
tausch — die sogenannte Porenventilation. Eine gute Schul
hygiene darf sich mit dieser Natnrhilfe natürlich nicht begtiügen.
Durch Hinausführen der Kinder in den Pausen, häufige Lüftung,
sowie durch künstliche Ventilations-Vorrichtungen, welche das im
Winter ja nicht so leicht ausführbare Oeffnen der Fenster zitiit Theil
entbehrlich machen, ivird inan die Lust stets erneuern. Auf der Aus
stellung wird natürlich auch dieses Gebiet der Schulgesundheitspflege
veranschaulicht sein; in den ausgestellten Musterklassen werden ver
schiedene Ventilations-Apparate neuester Construction im Betriebe
vorgeführt werden. Neben der Lüftung darf eine häufige, nasse
Reinigung des Schillzimmers nicht unterlassen werden, ein Punkt,
der, >vie ein Berliner Arzt, Dr. Zadek, in einem vor Kurzem ge-
haltenen Vortrage mit Recht hervorhob, in den hiesigen Schulen
noch viel zu wünschen übrig läßt.
Wie an die Liift, so muß man auch an das Licht im Schul-
zimmer bestimmte Anforderungen stellen. Die Fenster sollen zur
linken Seite des Schülers liegen und so groß wie möglich seiii.
Allzu grelles Licht soll durch Vorhänge gedämpft werden. Auch
die künstliche Beleuchtung unterliegt gewissen Grundsätzen; flackernde
Gasflammen (Schnittbrenner) sind §u vermeiden. Ist doch in derSchule
kein Organ des zarten, noch in der Entwickelung begriffenen Körpers so
sehr gefährdet wie gerade das Auge. Die Schulkurzsichtigkeit ist das
verbreitetste aller Schulübel. Derbekannte AugenarztProfessorHermann
Cohn in Breslau hat durch uttgemeiulehrreicheUntersuchungen festgestellt,
in wie erschreckender Weise dieses Leiden zunimmt, je höher die
Anforderungen der Schule sind. Während es in den Dorfschulen
nur 1,4 pCt. Kurzsichtige giebt, beträgt ihre Zahl in den städtischen
Gemeindeschulen schon 6,7, in den höheren Töchterschulen 7,7, in
den Mittelschulen 10,3, in den Realschulen 10,7 und in den
Gymnasien endlich 26,2 pCt.! Als Remedur betont Cohn u. A.
neben der Fürsorge für Helle, lichtdurchfluthete Räume, deu Werth
einer geraden Haltung der Schüler und die Einführung ge-
sundheitsgcmäßer Schulbänke. Diese Letzteren sollen auch noch
den Zweck erfüllen, das Entstehen von Rückgratsverkrümckungen bei
schwächlichen Kindern zu verhüten. Die ausgestellten Klassen werden
denn auch nicht nur Schulbänke moderner Bauart zeigen, sondern
auch Schüler in strammer Haltung werden ihren sie besuchenden
Standesgenoffen hoffentlich ein gutes Beispiel geben. Mit dieser
Anordnung der äußeren Verhältnisse des Schulhauses und des
Klassenzimmers ist aber die Aufgabe der Schulhygiene durchaus
noch nicht erschöpft. Denn was nützen die denkbar besten gesund
heitlichen Einrichtungen, ivenn der jugendliche Geist mit einer allzu
großen Arbeitsbürde überlastet wird! Wir wollen hier das leidige
Thema der häuslichen Schularbeiten, der Stundenzahl ec. nicht
weiter ausführen, hier liegt noch Vieles im Argen, und noch so
mancher Ballast von Gelehrsamkeit ivird über Bord geworfen werden
müssen, bevor sich das eigentliche Ziel der Schule, die Pflege von
Geist und Körper, wird erreichen lassen. Um so wärmere Unter
stützung verdienen daher die auf Abhärtung und Stählung des
jugendlichen Leibes gerichteten Bestrebungen; ans diesem Grunde
werden der auf der Ausstellung vertretene Turnplatz, das Schul
bad und der im weiteren Sinne auch hierher gehörige Kindergarten
iveitest gehende Beachtung verdienen,
Arthur Süßman».
Die Berliner Holz-Inbultrie.
Obwohl Berlin seit langer Zeit eine recht ansehnliche Holz-
Industrie besitzt, so hat cs doch in einzelnen der einschlägigen In
dustriezweige einen höheren Aufschwung erst in den letzten 25 Jahren,
seit dem deutsch-französischen Krieg, genommen. Es sind das
diejenigen Arbeitszweige, welche die Wohlhabenheit des Bürgers,
die Freude an einem eleganten Heim zur Voraussetzung haben,
also die Möbel-Industrie. In den Jahren, in welchen die für
den Fremden geradezu verblüffende Fülle prächtiger Berliner
Neubauten und, was besonders zu betonen, von Privat-
hüusern — entstand, welche die lange Flucht der riesigen Groß
stadtstraßen zieren, in denselben Jahren lernte man auch de» Werth
des decorativcn Ausbaus und der inneren Hauseinrichtung
schätzen: gleichzeitig vollzog sich, im Zusammenhang mit den Be
strebungen der Architekten — eine Wendung im Stilgefühl:
Berlin wurde eine hervorragende Pflegestätte der Kunst-Tisch
lerei, in der cs heute kaum gegen eine andere Großstadt zurück-
weicht. Die strengen, hellenistischen Formen älterer Kunstperioden
haben sich hier mehr als irgendwo erhalten, daneben hat aber
jede Art der Renaissance eine reiche, erfreuliche Entfaltung ge
sunden: wie denn überhaupt — auch in Malerei und Bild
Hauerei — Berlin in den letzten Jahrzehnten eine erste Kunst
stadt von führender Bedeutung geworden ist.
Aus diesem Grunde darf man mit ganz besonderer Spannung
dem Ergebnisse dieser Gruppen-Ausstellung entgegensehen. Während
auf den letzten Welt-Ausstellungen das deutsche Kunstgewerbe,
speciell die Möbel-Industrie, gegenüber derjenigen anderer Cultur-
völker zurückstand, so tverden wir auf der diesjährigen Gewerbe-
Ausstellung — mit um so größerem Stolze — beweisen können,
daß das Bild heute ein ganz anderes ist. Ueber 220 Aussteller
werden auf einem Flächenraum von mehr als 6700 Quadratmetern
jede Gattung der Holz-Industrie, von den Fraisereien, Fouruir-
und Dampfschneidereien angefangen bis zur vollendetsten Kunst der
Wohnungseinrichtung, zur Ausstellung bringen.
Die Arbeiten der Gruppe IV sind soweit gediehen, daß
sich bereits ein annäherndes Bild dieser Abtheilung geben läßt.
In den Querhnllen des Hauptgebäudes links und rechts von der
Centralkuppel — also der Wandelhalle zunächst — und in einem
Erweiterungsbau, welcher sich dem rechten Flügel anschließt, placirt,
wird diese Ausstellung einen künstlerisch vornehmen, einheitlichen
Eindruck machen; ohne architektonischen oder malerischen Schmuck
zu verwenden, wie z. B. die Porzellan-Jndustrie-Ausstcllung, wird
hier mit fast ausschließlicher Hilfe von Holzarbeit der leitende Architekt
Herr Johannes Lange ein geschmackvolles Gruppenbild herstellen.
An den Wänden ziehen sich Kojen hin,, l 10 an der Zahl, zur
Ausstellung von vollständigen Zimmereinrichtungen bestimmt. erhalten eine Holzeinfassitng in gelblich-braunen Tönen mit ein
gesetzten, bordeau-rothen Wandflachen und eine Bordüre aus reseda
grünem, friesartigem Stoff mit Hellrothein Behang. Wo sich Kojen
aneinanderreihen, ist auf Einheitlichkeit in der Form und Farbeu-
wirkung hingearbeitet, um einen ruhigen Gesummt - Charakter zu
erzielen. Eine symmetrische Frontlinie konnte, weit» man den
Wünschen der Aussteller entgegenkonnnen wollte, nicht festgehalten
werden, doch ist durch die jetzt getroffene Auvrdnuug die Wirkung
nicht beeinträchtigt. — Daneben sind größere Einzelkojen errichtet,
welche dein Aussteller völlige Freiheit für seinen individuellen
Geschmack lassen. In den Seitenräumen zieht sich zwischen den Koje»
ein freier Mittelgang hin: in der Mittelhalle sind zwei Gänge,
deren Mittelraum zur Aufstellung einzelner Möbel dient; jedoch
werden hier nur niedrige Tische, Billards, Stühle und Aehnliches placirt,
damit die Enge benommen ist und ein freier Ncberblick möglich wird.
Desgleichen sind die Eck-Kojen fast durchweg »ach beiden Seiten hin
geöffnet, so daß sie interessante Durchblicke gewähren; auch da
durch ist der Eindruck des Beengte», der bei der verspäteten An
meldung vieler Aussteller zu befürchten war, verhindert. - In
der Ecke des linken Flügels befindet sich die Collectiv-Ausstellung
der Tapeziere mit 300 Quadratmeter Flüchenranm, im linken und
rechten Flügel je eine große Glaspyramidc zur Aufstellung facet
tirter Spiegel, im Anbau die Collectiv - Ausstellung der Korb
macher, bau» die Kleinmöbel (Etagören, Rauchtische, Wand
schränkchen u. s. w.), Geschäfts- und Kücheneinrichtuuge», Gold
leisten (Spiegel und Bilderrahmeill, die Arbeiten der Böttcher,
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