Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

OffirieUe AnssteUnngs -Ltachvichte«.
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an Ort und Stelle wird man Meinungsverschiedenheiten ausgleichen
können. Nicht nur den Bauten, auch deni einzelnen Aussteller
wird das zu Gute kommen, der noch Informationen ivüuscht.
Das Verwaltungsgebäude bildet einen der Haupteingänge
der Ausstellung, den an der Treptower Chaussee. Die Leiter stellen
sich den Besuchern an dieser Stelle, sie begrüßend, gleich in den
Weg. Es ist bekannt, daß das Hans die Treptower Chanssee voll
ständig überbrückt und eine Durchfahrt für Wagen gewährt. Man
hat da ans der Noth eine Tugend gemacht und sie architektonisch
mit glücklichstem Gelingen durchgeführt. Denn wenn das Verwal
tungsgebäude an diesen, für die meisten Aussteller und Besucher-
leicht erreichbaren Punkt kommen sollte, so mußte es einerseits recht
zeitig fertig sein und andererseits die erst vom 1. April ab gesperrte
Treptower Chaussee in ihrem Verkehr nicht unterbrechen. Der thor
artige Bau, wie wir ihn in Berlin übrigens bei einer Anzahl
dauernder Bauwerke ja haben, wie beispielsweise bei den Verbi»
dungssälen zwischen dem alten und deni neuen Museum, ergab sich
da als eine Nothwendigkeit von selbst. Gleichzeitig hat man eine
würdige Einfahrt für den Kaiser und ausgezeichnete Gäste geschaffen.
Daß der Arbeitsausschuß schon im März dort hinauszieht,
wird aber auch nach anderer Seite hin einen großen Nutzen haben.
Es ist bekannt, daß rechts und links an den den Bürgersteigen zu
gewendeten Seiten des Gebäudes sich je vier Kassen befinden. Sind
die letzten Sonntage des März, vor der Sperrung der Trcptower
Chaussee, noch von gutem Wetter begünstigt, dann wird die
Bevölkerung Berlins, wie wir sie zu kennen glauben, die
Gelegenheit wahrnehmen, ehe ihr das Gelände- bis zur
Eröffnung verschlossen bleibt, einen letzten Blick auf das Werden
der Ausstellung zu werfen. Und es werden sich in noch größerem lim
fange als bisher die Menschenmengen dorthin wenden. Man wird
dadurch eine Vorstellung davon bekommen, lute sich die Abfertigung
der Besucher an den Kassen nach der Eröffnung wohl vollziehen
könnte. Vielleicht ergiebt sich dann schon jetzt, daß noch die eine
oder die andere Einrichtung getroffen werden kann, um Stö
rungen vorzubeugen. Von den verschiedensten Seiten wird in
dieser Beziehung angeregt, ob sich vielleicht die Errichtung von
Wechselstellen in einiger Entfernung vor den Kassen empfiehlt, da
mit an den letzteren selbst ohne irgend welchen Zeitverlust der Be
sucher »ach Austausch von Billet und Geld gewissermaßen nur
vorüberzugehen braucht.
Ter Einzug des Arbeitsausschusses in die Ausstellung bedeutet
einen tvichtigen Markstein in der Geschichte der letzteren. Er ist
der erste und bedeutsamste Miether, der von seinen Räumen Besitz
ergreift und er wird bis nach der Abwicklung der Geschäfte als
letzter bleiben. Seltsam, daß mau im Augenblick des Entstehens
und Werdens schon wieder an die Vergänglichkeit aller Dinge sich
erinnert. Aber Tausenden, die draußen umhergewandert sind, ist cs
ebenso gegangen. Kaum Einer, dem nicht der Gedanke gekommen ist,
wie schade es sei, daß, ehe der Frühling zum zweiten Male kommt,
von allen den Herrlichkeiten keine Spur mehr vorhanden sein
ivird. llebrigens der allererste Bewohner ist der Arbeitsausschuß
nicht gewesen. Die Architekten haben in ihren Bureau; am
Karpfenleich bereits überwintert. Aber ihre Tage sind als die
der wichtigsten Männer da draußen gezählt. Im Großen und
Ganzen ist ihre Arbeit vollendet, wenn die anderer Commissionen
erst beginnt. Sie werden mit übersiedeln in das Verwaltungsgebäude.
Aber statt der vielen Räume, über tvelche sie jetzt verfügen können,
iverden sie sich nun einrichten müssen, lind au ihre Stelle treten
die Männer, die nun, statt immer nur auszugeben, die angenehme
Aufgabe haben, den Kassen die Schätze zuzuführen, mit welchen
die Besucher sie hoffentlich füllen werden.
Der Arbeitsausschuß draußen auf dein Ausstellungsgelände,
das heißt der Wirth, ist selbst in sein Haus gezogen, llud mit
jedem Hause ist es besser bestellt, wenn der Wirth in der Nähe ist.
Die Schulhygiene auf der Derliuer
Gewerbe - Ausstellung.
Das Ansstelluugsja.hr 1896, ein imposanter Denkstein deutschen
Fleißes und deutschen Fortschrittes auf allen Gebieten, ist für die
Geschichte unserer Schulgesundheitspflege von ganz besonderer Be
deutung. Genau 60 Jahre sind verflossen, seitdem der deutsche
Schulmann Lorinser, dessen Verdienste erst kürzlich seine Vater
stadt in ehrenvoller Weise feierte, als erster Vorkämpfer dieser Be
strebungen ail die deutschen Regierungen jene seitdem so oft citirten
mahnenden Worte richtete, in welchen er auf die mit dem Schul
wesen verknüpften Gefahren hinwies. Seitdem ist diese Frage
nicht wieder voti der Tagesordnung verschwunden und steht noch
heute im Vordergründe des öffentlichen Interesses. In allen Kreisen
ist man sich gegenwärtig darüber im Klaren, welche gewichtige Rolle
die Schule nicht nur in Bezug aus die geistige, sondern auch die
körperliche Entwickelung unserer zukünftigen Staatsbürger spielt. So
ist die Gefahr der „Degeneration der Culturvölker", dieses Schlag
wort einer pessimistischen Richtung, welches als modernes Mene Tekel
uns das Schicksal der Assyrier und Babylonier, der Römer und Griechen
prophezeit, nach der Ansicht jener Philosophie zum großen Theil in
unseren heutigen fehlerhaften Schnleinrichtungen bedingt. Ohne dieser
Anschauung beizupflichten, wird man nicht umhin können, znzu
geben, daß die geistige Heranbildung besonders in unseren höheren
Lehranstalten mit ihren starken Anforderungen an die Leistungs
fähigkeit der Schüler in einem gewissen Antagonismus zu der ge
sunden körperlichen Entwicklung derselben steht.
Staat und Gemeinden haben somit nach Einführung des all
gemeinen Schulzwanges die verantwortungsvolle Pflicht auf sich ge
nommen, die nun einmal mit dem Schulwesen zusammenhängenden
Uebel nach Kräften zu bekämpfen und auszugleichen. Unsere Be
Hörden haben sich dieser Pflicht nicht entzogen, und allen voran
Berlin kann stolz auf seine Schulen sein. Doch das Bessere ist be
kanntlich der Feind des Guten, und so harrt auch hier noch vieles
einer Reform.
In dieser Beziehung wird diejenige Untergruppe der Aus
stellung für Unterricht und Erziehung, welche unter der
Leitung des den Berlinern als Director des Kaiser- und Kaiserin-
Friedrich-Kinderkrankenhauses wohlbekannten Professors Adolf
Baginsky, einer Autorität ant dem Gebiete der Schulhygiene,
steht, für Schulmänner und Aerzte nicht minder >vie für das große
Publikum so manches Belehrende und Interessante bieten.
Eine umfassende schulhygienische Fürsorge hat ihr Augenmerk
auf hunderterlei wichtige Einzelheiten zu richten. Betrachten wir
einmal ein allen gesundheitlichen Anforderungen entsprechendes Ber
liner Schulhaus. Da ist nichts ohne tiefere Bedeutung. Das
Gebäude selbst soll möglichst frei liegen, um zu laute Geräusche,
allzu nahe Nachbarschaft ordinairer Schänken ec. zu vermeiden, es
soll ans trockenem, festem Baugrund errichtet, Corridore, Aborte,
Spielplatz zweckmäßig angelegt und — handelt es sich um eine
Schule für Knaben und Mädchen — die Trennung der Geschlechter
streng durchgeführt sein.
Noch mehr Details sind bei der Einrichtung des S ch u l -
zimmers zu berücksichtigen; auf der Ausstellung werden vier
vollständig eingerichtete Klassenstuben, nämlich je eine Klasse
für größere und kleinere Knaben, ein Physiksaal und ein Zeichen
saal ein Bild davon geben, wie solch' ein nach hygienischen Grund
sätzen eingerichtetes Schulzimmer aussieht. Schon für die Größe
und die Gestalt des Raumes gelten ganz bestimmte, durch die Er
fahrung festgelegte Grundsätze. Das Zimmer darf nicht zu lang sein,
weil sonst von den hinterstenBänken aus die Schrift auf derSchultasel
und die Karte nicht mehr deutlich zu erkennen ist, auch nicht zu breit,
weil sonst die Plätze an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand
zu wenig Licht erhalten; es muß ferner eine genügende Höhe und
Gesammtgröße haben, damit nicht der auf jeden Schüler kommende
Luflamheil ein zu knapper ist. Denn es bedeutet ja an und für
sich schon einen recht schwerwiegenden Eingriff in die ganzen Lebens
Verhältnisse des kleinen Abc-Schützen, den häufigen Aufenthalt im
Freien mit der Luft der Schulstube vertauschen und an Stelle der
sorglosen Jugendspiele stillsitzen und aufpassen zu müssen. Bei
einem großen Theile der Schüler giebt sich denn auch, selbst in
hygienisch sehr günstig dastehenden Schulen, gleich bei Beginn der
Schulzeit eine Reihe von Gesundheitsstörungen kund, welche lediglich
in den so plötzlich von Grund aus veränderten Lcbeusbediuguugeu
fußen. Der Appetit der Kleinen wird geringer, sie werde» mager,
blaß, reizbar, mißgelaunt, und bei vielen Kindern, namentlich bei
Mädchen wird schon hier, auf der untersten Stufe, der Grund zu
einer die ganze Schulzeit hindurch anhaltenden Bleichsucht gelegt,
Darum wird eine gute Schulgesundheitspflege vor allen Dingen dafür
Sorge tragen müssen, daß die Luft im Schulzimmer so rein und frisch
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