Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gfstrielle AussteUnngs Nachrichten
7
Rixdorf, deren Bestreben, die venetianische Mosaiktechnik hier ein
zuführen, vom Staate gefördert wird.
Auch das in Rede stehende Minister-Conferenzzimmer hat der
Leitung des Museums Gelegenheit geboten, anregend und fördernd
in die Berliner kunstgewerbliche Thätigkeit einzugreifen. Die Aus
führung ist zwar noch nicht in allen Einzelheiten beschlossene Sache,
steht aber natürlich in den wesentlichen Zügen fest.
Die Einrichtung schließt sich in den Raumdispositionen den voni
Erbauer des Landtagsgebäudes Banrath Schulz gegebenen Plänen
an. Der künstlerische Entwurf und dessen Durchbildung rühren
von Prof. Alfred Messel, dem Leiter der Fachklasse für architektonisches
Zeichnen, her. Bei der Ausführung betheiligt waren auch die Fach
klassen fijr plastische und malerisch-decorative Ausstattung. Der
Entwurf zeigt eine Vertäfelung in reichem Schnitzwerk, in seiner
Ornamentik an die Renaissance anklingend. Die Thür- und
Fensterumrahmungen sind in diese Vertäfelung hineinbezogen, und
in stilistischer Uebereinstimmung damit steht die holzvertäfelte Decke.
In eine Langwand ist ein reichmodellirter Kamin eingelassen;
darüber kommt als Verkrönnng ein Portrait des Kaisers in
Cartouchen-Umrahmung. Die oberen Wandflächen werden bekleidet
mit Ledertapeten in der Technik des geritzten, geschnittenen und
gepunzten Leders, wie Georg Hulbe und nach ihm die Inhaber
des Kaufhauses Hohenzollern sie betrieben haben. Bei diesen
Tapeten bleibt für die farbige Haltung maßgebend der Grnndton
des natürlichen Leders, zur Verstärkung des Eindruckes der ge
nannten Technik treten aber in maßvoller Verwendung Farbe und
Vergoldung hinzu. Die ornamentalen Darstellungen sollen sich be
ziehen auf allegorisirende Andeutung der Thätigkeit der einzelnen
preußischen Ministerien. Zur Zeit der Renaissance würde man für
solchen Schmuck vernruthlich in's frische Leben gegriffen und ans
der Geschichte bemerkenswertste Momente ernster und heiterer Art
zur Allsstellung gewählt habell. Aber solchen Humor darf mail
billiger Weise nicht in einem Königlich preußischen Ministerzimmcr
suchen, und zu einer pathetischen Darstellung würde wieder die hier
gewählte Technik nicht zugereicht haben, vielmehr hätte man sich
dazu an die Malerei wenden müssen. Da das nicht beabsichtigt
war, so niag eine allegorische Darstellung in diesem Falle vielleicht
das Richtigste sein, obwohl ein allegorisch behandeltes preußisches
Ministerium immer etwas voll unbeabsichtigter Komik behält.
Die plastischen Modellirungen, vielleicht auch die Beleuchtungs
körper, werden durch die Modellirklasse des Museums ausgeführt.
An dem Schnitzwerk der Vertäfelung ist in hervorragendem
Maße die Fachklasse für Holzschnitzerei betheiligt. Die Entwürfe
für die Tapeten haben die Fachklassen für decorative und figürliche
Malerei und für Flachornamente gefertigt. Das Mobiliar besteht
in einem großen Sitzungstische liebst Sesseln, einem in die Ver
täfelung eingelassenen Sopha, sowie kleinen Tischen fiir die Fenster
nischen. Außerdem wird ein großer Knüpfteppich nach Entwürfen
des Museilms angefertigt lverden und zur Ausstellung gelangen.
Die Thätigkeit der Lehranstalt des Kunstgewerbe-Museums
lvird also in sehr interessanter ulid übersichtlicher Weise veranschau
licht werden.
Das Museum als solches wird sich an der Ausstellung nicht
betheiligen. Vermuthlich ist die Verwaltung von der Ansicht aus
gegangen, daß die Besucher der Gewerbe-Ausstellung viel zweck
mäßiger die Gegenstände in dem Muscunl selbst besichtigen können,
vielleicht auch hat man die Beschädigungen. gescheut, denen einzelne
werthvolle Gegenstände auf dem Transport ausgesetzt gewesen lvären.
Darüber läßt sich unter Wohlmeinenden streiten. Ich persönlich
bin der Ansicht, daß die Mnsenmsleitung jede Gelegenheit suchen
sollte, unl Verständniß für die Aufgaben des modernen Kunst
gewerbes zu wecken. Der Stilmangel in vielen Zweigen des Berliner
Gewerbes ist doch eine nicht wegzuleugnende Thatsache die uns
durch jede süddeutsche und rheinische Ausstellung wieder vor Augen
und zu Gemüthe geführt tvird. Wer es aufrichtig mit der Förderung
des Kunstgewerbes meint, darf diese Kritik nicht unterdnickcn. Forschen
wir aber nach den Ursachen, so bleibt neben den Schäden des haftenden
und jagenden großstädtischen Lebens hauptsächlich die Thatsache,
daß es dem Berliner im Gegensatze zu beut an geschichtlichen Er
innerungen überdies reicheren rheinischen und süddeutschen Publikum
zu sehr an guten alten Vorbildern und deren erziehlicher Anschauung
fehll. Gewiß, wir haben ja das Gewerbe-Museum. Aber wer
geht denn hinein?!
Dazu kommt, daß das Gewerbe-Museum nach technischen,
nicht nach historischen Gesichtspunkten grnppirt ist. Das soll meiner
seits gar kein Vorwurf sein. Es mag einstweilen noch nicht tnöglich sein,
das Princip der historischen Anordnung durchzuführen. Umsomehr aber,
meine ich, hätte das Museum die Gelegenheit der Berliner Gewerbe-
Ausstellung benutzen sollen, um auch seinerseits durch Vorführung
von geschlossenen Culturbildern Verständniß für die Entwickelung des
Stiles iit die breiten Massen zu tragen.» Die Gegenwart sucht und
ringt nach ihrem eigenen Stil, dem treffenden Kunstausdrucke für
ihre praktischen Bedürfnisse. Wie soll sie ihn finden, wenn sie, von
Modecinflüssen hin- und hergetvorfen, in der Vergangenheit lote in
einem Trödlerladen wühlt und sich bald mit diesent, bald niit jenem
Plunder putzt ohne Verständniß für die Ursachen der geschichtlichen
Stilarten und für das künstlerische lvie praktische Bedürfttiß früherer
Zeiten.
Letzten Endes tväre aber doch, sollte ich meinen, die erzieh
liche Führung des öffentlichen Geistes Hauptaufgabe unserer Museen.
Der Umzug des Arbeitsausschusses.
Die Ausstellung steht vor einem Umzuge. Am nächsten
Montag wird der Arbeitsausschuß nach dem Verivaltungsgebäude auf
dem Ausstellungsgelände übersiedeln. Was ein Umzug bedeutet,
das tveiß anS eigener Erfahrung tvohl Jeder, der in Berlin fein
eigenes Heini begründet hat. Ueber die äußeren Vorgänge bedarf
eS daher keines Wortes. Dennoch sei daran erinnert, daß auch
diese Umsiedelung ihre bedeutenden Schwierigkeiten bietet. Denn
die Arbeit selbst darf bei der complicirten Arbeitsmaschine der Ver-
ivaltnng eines solchen Riesennnternehmens wie die Ausstellung
kaitin eine Stunde ruhen. Und es bedarf daher eines gewissen,
gut vorbereiteten ActionsplaNes seitens des General-Földniarschalls
der Trnppendislokation in den verschiedenen Bureaux, um im
neuen Hauptquartier im nächsten Momente die Feder wieder da
anzusetzen, wo sie sich vorher in der Arbeit unterbrach.
Für die Ausstellung selbst aber wird der Einzug des Arbeits
ausschusses und seiner Mannschaften in die zahlreichen Bureaux
von großerWichtigkeit und, wie man annehmen darf, eine Erleichterung
sein, nicht minder wie für die Hunderte und aber Hunderte, die
in von Tag zu Tag wachsender Zahl bald auf den Arbeitsstellen
iit Treptow, bald in den Bureaux der Leiter zu thun haben. Um
bei dein vorher angezogenen Bilde zu bleiben: Generalstab und
Armee, die geistigen Leiter und die ausführende Armee gehören
so nahe wie möglich und so gut, wie es angeht, zusammen. Wenn
man einen Preis ausgesetzt hätte für die Aufgabe, es allen Be-
«heiligten so schwer wie möglich zu machen, dann hätte man
auch keinen anderen Ausweg finden können, als die Ausstellung
weit nach Süden und die Bureaux hoch in den Norden zu ver
legen. Vermuthlich hat man in den ersten Anfängen der damals
geplanten Ausstellung von dem Umfange und der Bedeutung,
zu der sie emporwachsen würde, keine Vorstellung gehabt. Sonst
mürbe zweifellos die Geschäftsstelle auch ihrerseits eine bedeutsame
Erleichterung ihrer Aufgaben darin erblickt haben, wenn sie etwa
in der Friedrich oder Leipzigerstraße belegen, irgendwo an einem
Centralpunkte, an dem namentlich das Fremdenpnbliknm vorbei
kommt, in verzierten und in die Augen springenden Lettern das
Kommen der Ausstellung hätte verkünden können.
Doch die Zeit ist nun vorüber, in welcher es immer mehrerer
Reisen bedurfte, um eine persönliche Begegnung 31t ermöglichen.
Roch ehe drei Tage nach dem Umzuge in's Land gegangen sein
iverden, wird sich der Nutzen des jetzigen Schrittes herausstellen.
Das Empfinden für seine Nothwendigkeit muß sehr lebendig sein,
wenn der Arbeitsausschuß sich zu einem Schritte entschließt, der
zweifellos für seine einzelnen Mitglieder ein Opfer in sich schließt. Es
ist wirklich kein Vergnügen in jetziger Jahreszeit, bei ungewisser,
naßkalter Witterung, bei der Aussicht auf Frost in Räume zu ziehen,
ivelche, kaum fertiggestellt, aus leichtestem Material gebaut, selbstverständ
lich ohne feste Heizvorrichtungen, halb auf freiem Felde belegen, das
«Gegentheil von einladend sein werden, ehe nicht die Frühlingssonne
einige Monate ihre erwärmenden Strahlen hindurchgesendet hat.
Aber in demselben Maße, wie. jetzt die Zeit drängt, s^rtig zu lverden,
muß auch die Möglichkeit gegeben werden, bei allen Fragen schnelle
! Entscheidung zu treffen. Nicht vom grünen Tische ans, sondern
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